Brain Fog als bildliche Darstellung
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Brain Fog – Nebel im Gehirn

Der Brain Fog oder Gehirnnebel ist ein Zustand, der es Betroffenen schwer macht, einen klaren Gedanken zu fassen. Oft ist er die Folge einer Erkrankung, aber er wird auch von Alkoholmissbrauch oder Drogenkonsum begünstigt. Was Symptome und Ursachen sind und was Betroffene tun können.

Was ist Brain Fog?

Als Brain Fog bezeichnen Laien das Gefühl, in ihren Denkprozessen eingeschränkt zu sein. Dazu zählt auch, häufig Dinge zu vergessen, Zusammenhänge langsamer zu verstehen oder nicht in der Lage zu sein, einen klaren Gedanken fassen zu können – alles erscheint ihnen so diffus wie der Blick in den Nebel. Eine andere Bezeichnung für Brain Fog ist daher auch Gehirnnebel.

Brain Fog an sich ist keine für sich stehende Erkrankung, sondern stellt einen Oberbegriff für Symptome dar, die einer Gehirnfunktionsstörung zugrunde liegen. Der Begriff beschreibt einen Zustand, in dem Betroffene das Gefühl haben, nicht mehr die gleiche Gedächtnisleistung aufbringen zu können wie früher. Der Gedächtnisnebel tritt entweder durch einen ungesunden Lebensstil oder im Rahmen einer Erkrankung oder als Folge dieser auf – zum Beispiel nach einer COVID-19-Infektion.

Erstmalig nutzte der deutsche Arzt Georg Greiner im 18. Jahrhundert das Wort Bewusstseinseintrübung, um die Symptome von Verwirrtheit oder räumlicher Desorientiertheit, wie sie im Delir auftreten können, zu beschreiben. Seitdem wird Brain Fog als Begriff für eine träge Wahrnehmung genutzt, die bei Menschen mit ME/CFS (Chronisches Erschöpfungssyndrom) oder manchen Autoimmunerkrankungen auftritt. Seit der Corona-Pandemie und dem Auftreten der Long-Covid-Symptomatik liegt ein neuer wissenschaftlicher Fokus auf dem Brain Fog. Die Neurowissenschaftlerin Sabina Brennan, die bereits seit Jahren an diesem Phänomen forscht, sieht hier eine Möglichkeit, dass sich nun der Fokus mehr auf die Behandlung von Menschen mit Brain Fog legt.

Welche Symptome treten bei Brain Fog auf?

Das Gehirn steuert den Alltag. Liegen hier Störungen vor und lässt dabei die Konzentration nach, beeinträchtigt dies, wie Menschen die täglichen Aufgaben, Pläne und Herausforderungen umsetzen und bewältigen können. Betroffene mit unterschiedlichen Vorerkrankungen haben oft lange das Gefühl, nicht wie gewohnt zu funktionieren.

Die Symptomatik von Brain Fog ähnelt jener der Fatigue. Dazu zählen Beschwerden wie

  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Antriebslosigkeit
  • eine allgemeine geistige Erschöpfung
  • Schwierigkeiten, einen klaren Gedanken zu fassen
  • Wortfindungsstörungen
  • das Gefühl, geistige Aussetzer zu haben
  • Vergesslichkeit

Brain Fog wirkt sich also stark auf das Gedächtnis aus. Manche Betroffene haben auch Bewusstseinseintrübungen, alles wirkt "wie durch Nebel".

Was verursacht Brain Fog?

Die genaue Ursache von Brain Fog und der damit sinkenden Leistungsstärke des Gehirns ist noch Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion. Diese deckt als mögliche Ursachen Entzündungen im Gehirn ebenso ab wie verengte Blutgefäße und die damit verbundene Unterversorgung der betroffenen Gehirnareale mit Sauerstoff und Nährstoffen. Neurowissenschaftler*innen gehen davon aus, dass beim Brain Fog verschiedene Gehirnareale betroffen sein können.

Mit dem Gehirnnebel lassen sich einige Erkrankungen in Verbindung bringen. Davon zeichnen sich ebenfalls einige durch entzündete Gehirnareale aus, wie Depression, Angststörungen, Autoimmunerkrankungen oder die Wechseljahre. Weitere Krankheiten, die einen Brain Fog auslösen können, sind:

Doch nicht immer liegt dem Brain Fog eine Erkrankung zugrunde. Weiter Gründe können sein:

  • Stress im Alltag
  • schlechte Ernährung
  • starke körperliche Belastung
  • Schlafmangel
  • Schmerzen
  • dämpfende Medikamente
  • Alkohol- oder Drogenmissbrauch 
  • Verletzungen an der Halswirbelsäule wie ein Schleudertrauma

Wie lässt sich Brain Fog diagnostizieren?

Für Brain Fog liegen keine bestimmten Diagnosekriterien vor. Unter anderem liegt das daran, dass noch keine Klarheit über die genauen Symptome von Brain Fog besteht – viele sind auch charakteristisch für andere Erkrankungen.

Die erste Adresse bei Symptomen wie andauernder Müdigkeit oder Konzentrationsschwäche ist die hausärztliche Praxis, bei der nach dem ärztlichen Gespräch erste Untersuchungen wie ein einfacher Aufmerksamkeitstest oder eine Blutuntersuchung stattfinden können. Für weitere neuropsychologische Tests ist eine Überweisung in eine neurologische Praxis möglich. Häufig schließt sich diesen eine bildgebende Untersuchung mittels Computer (CT)- oder Magnetresonanz-Tomographie (MRT) an, welche die Gehirnstrukturen sichtbar macht. Mithilfe einer Positronen-Emissions-Tomographie (PET) ist nachweisbar, ob das Gehirn auch funktionelle Defizite aufweist.

Wie sieht die Behandlung von Brain Fog aus?

Bislang existieren noch keine Medikamente zur Behandlung von Brain Fog. Wichtig erscheint daher, mögliche zugrunde liegende Erkrankungen zu identifizieren und entsprechend zu behandeln. Begleitend lassen sich die Symptome mit verschiedenen Maßnahmen lindern. Diese zielen vor allem auf den Lebensstil ab. Dazu zählen eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung, eine ausreichende, über den Tag verteilte Flüssigkeitszufuhr und moderate körperliche Bewegung, die an den aktuellen Leistungszustand des Körpers angepasst ist.

Wie verläuft Brain Fog?

Da die Symptome bei Brain Fog unterschiedlich stark ausgeprägt sind, wird die Erkrankung unterschiedlich wahrgenommen. In der Regel jedoch stellt das vernebelte Gehirn eine große Belastung im Alltag dar, unter der die meisten Betroffenen leiden – oft auch, weil sie ihre Beschwerden nur schwierig beschreiben können. In der Folge haben die Menschen, die unter Gehirnnebel leiden, häufig das Gefühl, vom Arzt oder der Ärztin nicht ernst genommen zu werden.

Hinzu kommt, dass je nach den zugrunde liegenden Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten Wochen bis Jahre vergehen können, bis die Symptome des Brain Fogs abklingen. Grundsätzlich gilt der Brain Fog aber als reversibel.

Lässt sich einem Brain Fog vorbeugen?

Je nach Ursache lässt sich einem Brain Fog nur bedingt vorbeugen. Ist er die Folge einer Erkrankung ist es das erste Ziel, diese zu behandeln.

Stress im Alltag oder scheinbar schwer zu bewältigende Aufgaben überfordern das Gehirn auf Dauer übermäßig und wirken sich negativ auf die Gehirnfunktion aus. Realisierbare Zeitpläne und technische Hilfsmittel mit Erinnerungsfunktion helfen, den Tag zu strukturieren. Zudem ist es sinnvoll, komplizierte Aufgaben auf Einzelschritte runter zu brechen und diese Schritt für Schritt anzugehen. Diese Maßnahmen unterstützen dabei, den Überblick zu behalten, den Stress zu reduzieren und Klarheit im Kopf zu schaffen. Dabei ist es wichtig, Multitasking und Ablenkungen wie durch nebenbei fernsehen zu vermeiden und Ordnung zu halten, um keine Energie auf das Suchen von Gegenständen zu verschwenden.

Alkohol- und Drogenkonsum, aber auch manche Medikamente begünstigen Brain Fog – um diesen vorzubeugen, ist es sinnvoll, auf den Konsum zu verzichten. Müssen Medikamente eingenommen werden und treten dabei Brain-Fog-Symptome auf, ist es ratsam, dies in der ärztlichen Praxis anzusprechen.