Junge Menschen stoßen im Biergarten miteinander an, die Masken runtergezogen
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Corona: Ansteckungsgefahr im Freien

Die Sonne scheint endlich mal wieder, die Infektionszahlen gehen runter, und wir strömen nach draußen. Dort kann uns das Coronavirus schließlich nichts anhaben – oder? Können wir im Freien Menschen treffen, ohne Gefahr zu laufen, uns anzustecken? Und wenn ja: wie viele?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Aerosole sind entscheidend für die Infektion

Im Biergarten sitzen, gemeinsam Spazierengehen, Sport treiben oder ein Picknick machen. Mit dem Sommer kommen wir wieder in den Genuss von Dingen, die einmal alltäglich waren, uns heute aber vorkommen wie ein sündhaftes Vergnügen. Ein mulmiges Gefühl sitzt trotzdem mit am Biergartentisch. Zu Recht?

Für die Ansteckungsgefahr in Innenräumen sorgen vor allem die Aerosole – winzige Tropfen, die wir beim Ausatmen, Sprechen und Singen abgeben und die Viren wie SARS-CoV-2 enthalten können, wenn wir infiziert sind. Je nach Größe können sie über längere Zeit hinweg in der Luft schweben. Atmen wir sie ein, können sie aufgrund ihrer minimalen Größe bis tief in die Lunge gelangen. Um sich zu infizieren, ist eine gewisse Menge an Aerosolen und Viren nötig – wie viel genau, ist allerdings nicht klar.

Wie gefährlich sind Aerosole im Freien?

Besonders in nicht gut durchlüfteten Räumen sind Aerosole eine Gefahr. Denn dort können sie über längere Zeit hinweg in der Luft schweben und so das Coronavirus übertragen. Studien zeigen aber: Im Freien ist das Risiko, sich anzustecken, gering. Denn die kleinen Feuchtigkeitspartikel verteilen sich an der frischen Luft schnell, werden rasch verdünnt und zudem durch UV-Licht zerstört.

Die Gesellschaft für Aerosolforschung wandte sich aus diesem Grund kürzlich mit einem offenen Brief an die Bundesregierung. Ihre Kritik: Die öffentliche Debatte bilde nicht den wissenschaftlichen Konsens ab. Treffen in Parks würden verboten und Ausflugsziele im freien gesperrt. Zu Unrecht, finden die Wissenschaftler*innen: „Die Übertragung der SARS-CoV-2 Viren findet fast ausnahmslos in Innenräumen statt. Übertragungen im Freien sind äußerst selten und führen nie zu Clusterinfektionen, wie das in Innenräumen zu beobachten ist.“
Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) gibt Entwarnung: "Übertragungen von SARS-CoV-2 im Freien über Distanzen von mehr als 1,5 m und außerhalb von größeren Menschenansammlungen sind bisher nicht beschrieben."

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Abstand halten auch draußen

Ist es also gar nicht möglich, sich im Freien mit Covid-19 anzustecken? Doch, das schon. Eine Infektionsgefahr besteht dann, wenn Abstände nicht eingehalten werden. Zum Beispiel, wenn man sich über eine kurze Distanz gegenübersteht oder -sitzt und über längere Zeit hinweg miteinander spricht. Solche Fälle sind durchaus vorgekommen und belegt – etwa beim Corona-Ausbruch nach einem Treffen mit 200 Menschen im Rosengarten des Weißen Hauses in Washington. Anschließend wurden 13 Personen positiv auf SARS-CoV-2 getestet, unter anderem der damalige US-Präsident Donald Trump.

Das RKI empfiehlt daher, auch im Freien einen Abstand von 1,5 Meter einzuhalten und größere Menschenansammlungen zu vermeiden. Auch das Tragen einer Maske im Freien kann durchaus sinnvoll sein, wenn nicht sichergestellt ist, dass ausreichend Abstand gewahrt werden kann oder viele Menschen an einem Ort zusammenkommen.

Wo ist das Risiko, sich im Freien anzustecken, wie hoch?

Beim Sport im Freien ist das Risiko, sich anzustecken, grundsätzlich nicht größer, auch wenn man heftiger atmet. Nur wer sich etwa beim Joggen sehr nahekommt, sich ins Gesicht schaut und miteinander spricht, läuft Gefahr, Aerosole des anderen einzuatmen. Vor entgegenkommenden Jogger*innen oder Radfahrer*innen muss dagegen niemand Angst haben. Zwar ist eine Ansteckungsgefahr nicht zu 100 Prozent auszuschließen. Es ist jedoch äußerst unwahrscheinlich, da sich die Aerosole sehr schnell verteilen.

Und wie sieht es nun aus am Biergartentisch? Auch hier ist Abstand halten sehr wichtig. Und auch der Wind oder Luftzug spielen eine Rolle. Weht stetig der Wind aus der Richtung des Nachbartisches hinüber und wir können Rauch oder Parfum von dort aus wahrnehmen, sind wir zu nah dran.
Auch in Warteschlangen sind Abstand halten und Maske tragen wichtig, um jedes Risiko zu vermeiden.

Fazit: Sich im Freien anzustecken ist zwar sehr unwahrscheinlich. Alle Vorsichtsmaßnahmen über Bord werfen sollte man jedoch dennoch nicht.