Mann mit Schal, Mütze und dicker Jacke kkneift die Augen zusammen.
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Hypothermie (Unterkühlung) und Erfrierungen

Hypothermie (Unterkühlung) und Erfrierungen sind die Folgen von starker oder anhaltender Kälte: Während bei einer Hypothermie die Temperatur des gesamten Körpers herabgesetzt ist, besteht bei einer Erfrierung ein Kälteschaden am Gewebe durch örtliche Kälteeinwirkung.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Neben der Kälteeinwirkung können eine Hypothermie und Erfrierungen folgende zusätzliche Ursachen haben:

  • hohe Luftfeuchtigkeit, Wind
  • unzureichende oder feuchte Bekleidung
  • zu wenig aktive Bewegung oder sogar bewusstloses Liegen in der Kälte
  • zu langer Aufenthalt im Wasser
  • alte Frostschäden
  • mangelnde Anpassung an veränderte Klimabedingungen, fehlendes Training, geringe Erfahrung (z.B. bei Bergsteigern)
  • individueller Körperzustand (zu wenige Fettpolster)
  • körperlicher Allgemeinzustand (Ermüdung, Erschöpfung, Verletzungen)

Eine Unterkühlung kann ebenso wie eine Erfrierung langsam, aber auch rasch entstehen. So kann es bereits bei kurzem Kontakt mit extrem kalten Substanzen zu Erfrierungen kommen (sog. Kälteverbrennung), etwa durch Trockeneis. Meistens sind Erfrierungen aber die Folge einer Hypothermie:

  • Hierbei ziehen sich die Blutgefäße der vom Rumpf entfernten Körperteile wie Nase, Ohren, Finger und Zehen zusammen, um noch ausreichend Blut für die lebenswichtigen inneren Organe bereitstellen zu können (sog. Kreislaufzentralisation).
  • Dies führt zu einer verminderten Durchblutung in den betroffenen Körperteilen.

Die für eine milde Unterkühlung typischen Symptome sind:

Mit zunehmender Unterkühlung ändern sich die Symptome: Der Puls verlangsamt sich und der Blutdruck fällt. Die Betroffenen sind zunehmend teilnahmslos und können das Bewusstsein verlieren; am Ende kann die Hypothermie zu Atem- und Herz-Kreislauf-Stillstand führen.

Auch die Anzeichen einer Erfrierung ändern sich mit deren Ausmaß: Sie reichen von blassen, leicht geschwollenen und schmerzhaften Stellen (bei einer Erfrierung 1. Grades) bis hin zu schweren Kälteschäden mit abgestorbenem Gewebe (bei Erfrierungen 3. Grades). Besonders häufig erfrieren Körperteile, die weiter vom Rumpf entfernt liegen – wie Finger, Zehen, Gesicht (Nase) und Ohren.

Eine Hypothermie und Erfrierungen früh genug und richtig zu behandeln hat großen Einfluss auf den weiteren Verlauf. Wer bei einer Unterkühlung oder Erfrierung Erste Hilfe leistet, sollte einige wichtige Regeln beachten: So ist es in schweren Fällen wichtig, die Betroffenen keinesfalls zu bewegen, zu massieren oder gar durch ein Vollbad aufzuwärmen. Vielmehr ist es ratsam, weitere Wärmeverluste zu vermeiden (z.B. durch Zudecken) und so schnell wie möglich für sachkundige Hilfe zu sorgen.

Definition

Hypothermie (Unterkühlung) und Erfrierungen sind zwei unterschiedliche Folgen von Kälte:

  • Der Begriff Unterkühlung oder Hypothermie bezeichnet eine Herabsetzung der Kerntemperatur des Körpers, während
  • bei einer Erfrierung (lat. Congelatio) eine Gewebeschädigung durch örtliche Kälteeinwirkung vorliegt.

Die Hypothermie und Erfrierungen sind heutzutage eher selten. Oft sind Unterkühlung und Erfrierung die Folge von Berg- oder Badeunfällen, im Winter kommen sie aber auch häufig bei Obdachlosen vor.

Hypothermie (Unterkühlung)

Eine Hypothermie oder Unterkühlung besteht per Definition, wenn die Körperkerntemperatur unter 36 Grad Celsius fällt. Je nachdem, wie schnell der Körper unterkühlt, unterscheidet man zwei Formen:

  • Akute akzidentelle Hypothermie:
    Hierbei handelt es sich um eine sehr rasche Unterkühlung, zum Beispiel wenn der Betroffene durch eine Eisschicht auf einem See einbricht. In derartigen Fällen beträgt die Überlebenszeit bei einer Wassertemperatur von fünf Grad Celsius höchstens eine Stunde. Durch Herzkammerflimmern kann der Tod aber auch bereits innerhalb von Minuten eintreten. Bereits nach wenigen Minuten sind die Reaktions- und Handlungsfähigkeit stark eingeschränkt.
  • Subakute akzidentelle Hypothermie:
    Bei dieser Form der Unterkühlung sinkt die Körperkerntemperatur nur allmählich innerhalb von Stunden ab. Eine solche Unterkühlung kann zum Beispiel bei Verschütteten in einer Schneelawine auftreten. Die Lawinenopfer schlafen ein und verlieren das Bewusstsein. Sinkt die Körperkerntemperatur weiter ab, kommt es zum Tod.

Erfrierungen

Anders als die Hypothermie (Unterkühlung) sind Erfrierungen Kälteschäden, bei denen die Haut und tiefere Gewebeschichten örtlich geschädigt sind. Körperteile, die weiter vom Rumpf und den zentralen Organen entfernt sind (sog. Akren), erfrieren eher – also Zehen, Finger, Ohren und Nase,.

Erfrierungen entstehen häufig infolge einer Hypothermie: Durch die Unterkühlung ziehen sich die Blutgefäße dieser Körperteile zusammen, um den inneren Organen ausreichend Blut zur Verfügung zu stellen. Nachfolgend sorgt die verringerte Sauerstoffzufuhr in den minderversorgten Bereichen für unterschiedlich schwere Gewebeschädigungen. Flüssigkeit aus den Blutgefäßen dringt in das umliegende Gewebe ein und führt hier zu Schwellungen: Es bilden sich Ödeme. Durch den daraus entstehenden Wassermangel verdickt das Blut bis hin zur Verklumpung, was sich als weitere rote Schwellung mit Blässe im umliegenden Gewebe äußert.

Kälteverbrennung

Erfrierungen sind nicht immer die Folge einer Hypothermie (Unterkühlung) – zuweilen kommt es zu einer besonderen Form der Erfrierung: der Kälteverbrennung. Kälteverbrennungen entstehen durch plötzlichen, kurzen Kontakt mit extrem kalten Substanzen oder Gegenständen und haben eine ähnliche Auswirkung wie eine echte Verbrennung. Zu einer Kälteverbrennung kann es zum Beispiel beim Hantieren mit flüssigem Stickstoff, Propan oder Trockeneis kommen. Im Alltag kommen derart starke Kälteeinwirkungen normalerweise nicht vor.

Kälteidiotie

Es passiert immer wieder, dass man erfrorene Menschen auffindet, die teilweise oder ganz entkleidet sind. Das weckt oft sofort die Vermutung auf ein Verbrechen – besonders ein Sexualverbrechen. In einer Reihe von Fällen hat es sich jedoch gezeigt, dass Menschen mit starker Hypothermie – wenn die Körpertemperatur unter 32 Grad Celsius sinkt – Gefühle von Euphorie und Hitze entwickeln können und infolge dessen ihre Kleidung ablegen. Dieses paradoxe Empfinden bei starker Unterkühlung bezeichnet man auch als Kälteidiotie.

Die Kälteidiotie ist nicht eindeutig zu erklären. Womöglich führen bestimmte durch den Kälteschock freigesetzte Substanzen im Gehirn zu derartigen Verhaltensweisen. Ein anderer möglicher Grund für die Kälteidiotie infolge einer Hypothermie ist eine Fehlreaktion der Wärmeregulierung, durch die eine krankhafte Überwärmung (pathologische Hyperthermie) entsteht. Aufgrund des dabei auftretenden extremen Hitzegefühls entledigen sich die Betroffenen dann ihrer Kleider, um sich vermeintlich abzukühlen.

Ursachen

Sowohl eine Hypothermie (Unterkühlung) als auch Erfrierungen haben ihre Ursachen in der Einwirkung besonders niedriger Temperaturen. Die Begriffe bezeichnen aber verschiedene Folgen der Kälteeinwirkung:

  • Wenn ein Körper unterkühlt ist, ist seine Kerntemperatur herabgesetzt,
  • erfrorenes Gewebe ist durch örtliche Kälteeinwirkung geschädigt.

Neben der Kälteeinwirkung spielen bei der Entstehung einer Hypothermie oder Erfrierung weitere Ursachen eine Rolle: Wind und Feuchtigkeit können die Wirkung von Kälte verstärken. Demnach bestimmen nicht nur die absoluten und physikalisch messbaren Temperaturen die Kälteeinwirkung, sondern auch die gleichzeitig herrschende (Luft-)Feuchtigkeit und die vorhandenen Winde beziehungsweise Stürme. Dies kann man im sogenannten Wind-Kälte-Faktor (bzw. Windchill-Faktor) ausdrücken: So ergibt sich bei einer physikalisch messbaren Temperatur von beispielsweise -11 Grad Celsius und einem gleichzeitigem Wind mit einer Geschwindigkeit von rund 18 Metern pro Sekunde eine gefühlte Temperatur von -30 Grad Celsius.

Wer gleichzeitig Kälte, Wind und Feuchtigkeit ausgesetzt ist, kann daher sehr viel schneller eine Unterkühlung und vor allem örtliche Erfrierungen bekommen als ohne den Wind.

Daneben können viele Faktoren eine Hypothermie oder Erfrierungen begünstigen. So können beispielsweise folgende Umstände ein erhöhtes Risiko für eine Unterkühlung oder Kälteschäden bedeuten:

  • unzureichende oder feuchte Bekleidung
  • überlanger Aufenthalt im Wasser, etwa wenn jemand bei niedrigen Temperaturen durch einen Unfall ins Wasser stürzt oder – selbst im Sommer – zu lange im Schwimmbad ist
  • zu wenig aktive Bewegung in der Kälte
  • bewusstloses Liegen in der Kälte
  • alte Frostschäden
  • mangelnde Anpassung an veränderte Klimabedingungen, fehlendes Training und geringe Erfahrung (z.B. bei Bergsteigern)
  • individueller Körperzustand (zu wenige Fettpolster)
  • schlechter Allgemeinzustand (Ermüdung, Erschöpfung, Verletzungen)

In vielen Fällen ist eine Hypothermie für Erfrierungen verantwortlich: Wenn ein Mensch längere Zeit niedrige Temperaturen aushalten muss und es zur Unterkühlung kommt (d.h. wenn die Körpertemperatur unter 36 Grad Celsius sinkt), kurbelt sein Körper nicht nur die Wärmeproduktion an, sondern vermindert auch die Wärmeabgabe. Dabei haben die Extremitäten wegen ihrer großen Oberfläche eine wichtige Funktion bei der Wärmeregulation: Der Kältereiz führt dazu, dass sich die dortigen Blutgefäße zusammenziehen (Vasokonstriktion), was die Blutzufuhr drosselt – das Blut versorgt dann in erster Linie den Körperstamm (sog. Kreislaufzentralisation).

Dieser Prozess ist ein wirksamer Selbstschutz für den Gesamtorganismus, wobei jedoch örtliche Erfrierungen in Kauf genommen werden. Dabei kann das vom Sauerstoffmangel betroffene Gewebe Schäden davontragen, die bis zum Zelltod reichen.

Aber nicht immer ist eine Hypothermie die Ursache für Erfrierungen: Körperstellen können auch erfrieren, indem sie sogenannte Kälteverbrennungen erleiden. Eine Kälteverbrennung entsteht durch einen plötzlichen, kurzen Kontakt mit extrem kalten Substanzen oder Gegenständen. Diese besondere Form der Erfrierung wirkt sich ähnlich aus wie eine echte Verbrennung.

Symptome

Die Hypothermie (Unterkühlung) und Erfrierungen sind verschiedene Symptome einer Kälteeinwirkung. Welches Ausmaß die Kältefolgen haben und wie sie sich bemerkbar machen, ist abhängig von:

  • Stärke und Dauer der Kälteeinwirkung
  • Luftfeuchtigkeit
  • Windstärke
  • anderen Faktoren (Schutz durch Kleidung, körperliche Bewegung)

Hypothermie (Unterkühlung)

Die Hypothermie oder Unterkühlung betrifft – anders als die Symptome von Erfrierungen – den gesamten Körper. Wichtigstes Anzeichen für eine Unterkühlung ist eine verringerte Körperkerntemperatur. Anhand dieser Temperatur und der mit ihr verbundenen zusätzlichen Veränderungen unterscheidet man drei Stadien:

  • Aktive Phase (Abwehrstadium): milde Hypothermie, Körperkerntemperatur 34 bis 36 Grad Celsius. Die Symptome sind:
  • Erschöpfungsphase (Erschöpfungsstadium): mittelschwere Unterkühlung, Körperkerntemperatur 30 bis 34 Grad Celsius. Die Symptome sind:
    • Schläfrigkeit, Verwirrung, Teilnahmslosigkeit
    • flache, unregelmäßige Atmung
    • langsamer Puls
    • niedriger Blutdruck
    • blaugraue Haut
    • Muskelstarre
  • Kreislaufstillstand (Lähmungsstadium): schwere Hypothermie, Körperkerntemperatur unter 30 Grad Celsius. Die Symptome sind:

Erfrierungen

Die häufig durch eine Hypothermie (Unterkühlung) bedingten Erfrierungen teilt man anhand ihrer Symptome in drei verschiedene Schweregrade ein:

  • Grad I: Bei allen Erfrierungen erscheinen anfangs Symptome einer Erfrierung 1. Grades – das heißt: Die betroffene Stelle kühlt ab und ist besonders blass, leicht geschwollen und schmerzhaft. Im Allgemeinen sind bei einer Erfrierung 1. Grades keine Spätfolgen nach der Abheilung zu erwarten.
  • Grad II: Eine Erfrierung 2. Grades ist erst sichtbar, wenn das Gewebe sich wieder erwärmt. Typische Symptome der Kälteschäden sind Rötung, Schwellung und Blasenbildung der Haut, in erster Linie an Füßen und Händen (z.B. nach Verlust der Handschuhe). Wenn die Blasen einreißen, tritt Gewebeflüssigkeit aus. Diese kann eher hell oder auch dunkler (blutig) sein. Dann kommt es möglicherweise zu einer Infektion, da Bakterien über die offene Wundfläche in den Körper eindringen können.
  • Grad III: Dies ist die schwerste Form der Erfrierung. Die typischen Symptome sind Nekrosen (abgestorbenes Gewebe) mit schwarzer, eingetrockneter Haut und hartem Unterhautzellgewebe. Das Ausmaß von Erfrierungen 3. Grades zeigt sich erst nach Tagen und Wochen. Es sind vorwiegend jene Körperstellen betroffen, die neben dem Kälteeinfluss auch noch Druck, zum Beispiel durch zu enges Schuhwerk, ausgesetzt waren. Die betroffenen Bereiche sind auch nach dem Auftauen noch völlig gefühllos. An der Grenze zwischen dem lebenden und abgestorbenen Gewebe bildet sich nach Wochen und Monaten ein mit Eiter gefüllter Spalt – die sogenannte Demarkationsfurche.

Alle Erfrierungen 2. und 3. Grades erfordern eine Behandlung im Krankenhaus.

Diagnose

Die Hypothermie (Unterkühlung) und Erfrierungen sind bei der Diagnose leicht zu unterscheiden, da es sich um unterschiedliche Folgen einer Kälteeinwirkung handelt. Ob jemand unterkühlt ist, kann der Arzt durch folgende Maßnahmen feststellen:

  • Messung der Körperkerntemperatur: Ist der Betroffene bewusstlos, kann die über den Anus oder in der Mundhöhle gemessene Körpertemperatur auf die Phase der Hypothermie hinweisen. Man unterscheidet folgende Hypothermie-Stadien:
    • Körperkerntemperatur 34 bis 36 Grad Celsius = aktive Phase der Unterkühlung: Diese milde Hypothermie führt zu Zittern, Frösteln, tiefer Atmung, schnellem Herzschlag, blasser Haut.
    • Körperkerntemperatur 30 bis 34 Grad Celsius = Erschöpfungsstadium der Unterkühlung: Die Betroffenen sind schläfrig und teilnahmslos, haben einen langsamen Puls, niedrigen Blutdruck, blaugraue Haut.
    • Körperkerntemperatur unter 30 Grad Celsius = schwere Hypothermie im sogenannten Lähmungsstadium: Die Betroffenen sind bewusstlos, ihre Atmung ist flach und ihr Herzschlag unrhythmisch; Atemstillstand und Herz-Kreislauf-Stillstand sind möglich.
  • Beobachtung der Bewusstseinslage: Starke Müdigkeit bis hin zu einem extremen Schlafbedürfnis, zunehmende Verwirrtheit und verminderte und unkoordinierte Muskeltätigkeit weisen auf eine Unterkühlung hin.
  • Elektrokardiogramm (EKG): Eine elektromyographische Ableitung der Reizleitung am Herzen gibt Auskunft über Störungen der Reizleitung. Bei einer Hypothermie kommt es zu charakteristischen Veränderungen der Herzspannungskurven.
  • Analyse der Blutgase: Durch Messung von Sauerstoffgehalt und pH-Wert des Bluts kann der Arzt die aktuelle Stoffwechsellage des Körpers prüfen und eventuelle Verschiebungen im Ionenhaushalt feststellen.

Eine Hypothermie kann mit Erfrierungen einhergehen. Eine Erfrierung kann aber auch – als sogenannte Kälteverbrennung – ohne Unterkühlung entstehen. Ob ein Körperteil erfroren ist, stellt der Arzt nach einer Befragung der Betroffenen (Anamnese) und anhand der jeweiligen Symptome fest – zum Beispiel anhand von Verfärbungen der Haut, Blasenbildung, Schwellungen und Schmerzen.

Therapie

Ob bei einer Hypothermie (Unterkühlung) und bei Erfrierungen die Therapie rechtzeitig beginnt und die richtigen Maßnahmen zum Einsatz kommen, hat starken Einfluss auf den weiteren Verlauf. Daher ist es wichtig, bei Unterkühlungen und Kälteschäden umgehend zu handeln, den Rettungsdienst zu rufen und geeignete Erste-Hilfe-Maßnahmen zu ergreifen.

Erste Hilfe bei Hypothermie (Unterkühlung) und Erfrierungen

Erste Hilfe kann bei Hypothermie (Unterkühlung) und Erfrierungen entscheidend für eine erfolgreiche Therapie sein. Wenn Sie bei jemandem Erste Hilfe leisten, der unterkühlt ist und/oder Anzeichen einer Erfrierung aufweist, sollten Sie Folgendes beachten:

  • Schützen Sie den Unterkühlten sowie erfrorene Körperteile vor weiterem Wärmeverlust, indem Sie nasse Kleidung ausziehen und nach Möglichkeit durch trockene ersetzen. Wickeln Sie den Betroffenen am besten – wenn vorhanden – in warme Decken und/oder eine Rettungsdecke ein.
  • Wenn nur eine leichte Unterkühlung vorliegt, ist es wichtig, dass die Unterkühlten sich aktiv bewegen, da der Körper durch die Muskelarbeit vermehrt Wärme freisetzt. Bei starker Unterkühlung ist aber jegliche Erschütterung zu vermeiden!
  • Sorgen Sie dafür, dass sich der unterkühlte Körper langsam erwärmt, zum Beispiel in geheizten Räumen und mit warmen, gezuckerten Getränken. Bei schwerer Unterkühlung nicht die Extremitäten wärmen!
  • Ergreifen Sie bei schwerer Hypothermie mit Atemstillstand und Herz-Kreislauf-Stillstand Maßnahmen zur Herz-Lungen-Wiederbelebung. Dabei ist es wichtig, die Reanimation nicht zu unterbrechen, bis die normale Körperkerntemperatur wieder erreicht ist – auch wenn die Betroffenen leblos erscheinen. Denn bei Unterkühlung gilt: Niemand ist tot, solange er nicht warm und tot ist. Das Absinken der Körperkerntemperatur löst Mechanismen zum Schutz des Gehirns aus, sodass bei unterkühlten Menschen mehr Zeit zur Wiederbelebung bleibt als bei normaler Körpertemperatur.
  • Wer leichte Erfrierungen hat, kann selbstständig gehen; achten Sie aber bei schweren Erfrierungsanzeichen unbedingt auf einen passiven Abtransport.
  • Decken Sie erfrorene Stellen steril ab und polstern Sie sie – aber nicht reiben! Bei Erfrierungen mit Blasenbildung die Blasen nicht öffnen, sondern steril abdecken. Verbände sollen steril und trocken sein – bringen Sie keine Salbenauflage an. Die Betroffenen sind dann passiv abzutransportieren und im Krankenhaus zu behandeln.
  • Lagern Sie die betroffene Extremität hoch, vermeiden Sie jedoch zu viel Bewegung und Druck.
  • Bei frischen Erfrierungen und längerem Weg ins Krankenhaus ist es ratsam, den betroffenen Körperabschnitt ohne Unterbrechung in 37 bis 40 Grad warmes Wasser einzutauchen, um ihn zu erwärmen – und zwar so lange, bis sich (nach 10 bis 45 Minuten) die Spitze der Extremität rötet. Dabei können große Schmerzen entstehen, gegen die Schmerzmittel zum Einsatz kommen.

Unbedingt zu vermeiden

Bei einer Hypothermie (Unterkühlung) oder bei Erfrierungen ist einiges bei der Therapie unbedingt zu vermeiden:

  • Es ist wichtig, dass Sie den Körper oder erfrorene Körperteile keinesfalls mit Schnee einreiben oder massieren – dies führt zu schwersten Gewebeschäden und zum Herz-Kreislauf-Kollaps, da sich das kalte Blut durch den gesamten Körper verteilt.
  • Auch eine Erwärmung durch Anhauchen ist zu vermeiden: Dabei entsteht Verdunstungskälte, die eine Erfrierung nur noch fördert.
  • Rauchen ist bei Hypothermie ebenfalls nicht ratsam, da Zigarettenkonsum die Blutgefäße zusätzlich verengt und dadurch die vorliegende Mangeldurchblutung verschlimmert.
  • Des Weiteren ist bei schwerer Hypothermie eine starke Wärmezufuhr von außen (z.B. durch ein Bad oder Wärmflaschen) zu vermeiden, da dies zu einem Wiedererwärmungsschock führen kann: Wenn sich Gefäße in den vom Rumpf entfernten Körperteilen infolge der Wärme eröffnen, gelangt kaltes Blut in die zentralen und lebenswichtigen Körperregionen. Dadurch fällt die Temperatur um etwa ein halbes bis ein Grad Celsius ab. Der erneute Abfall der Kerntemperatur sowie die blutchemischen Veränderungen lösen Störungen im Reizleitungssystem des Herzens aus, die tödlich enden können (Herz-Kreislauf- und Atemstillstand).
  • Auch Erschütterungen sind für Menschen mit Unterkühlung gefährlich: Beim Transport sollten Sie unbedingt vermeiden, den unterkühlten Körper in seiner Lage zu verändern oder zu erschüttern, da sonst die Gefahr des Bergungstods durch Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern) besteht.

Ärztliche/klinische Behandlung

Welche Maßnahmen der Arzt gegen eine Hypothermie (Unterkühlung) oder Erfrierungen zur weiteren Therapie
einsetzt, hängt vom Schweregrad der Kältefolgen ab. Zunächst besteht die ärztliche beziehungsweise klinische Behandlung in der Regel in folgenden Maßnahmen:

  • eine langsam fortgesetzte Wiedererwärmung
  • Schmerzmittel, die per Spritze oder Infusion verabreicht werden
  • sterile Verbände zur örtlichen Versorgung von Blasen
  • intravenöse Infusion mit Medikamenten, welche die Blutgerinnung hemmen oder die Blutgefäße erweitern

Durch Erfrierungen entstandene Blasen eröffnet der Arzt unter sterilen Bedingungen. Anschließend behandelt er unter örtlicher Betäubung die Wundfläche mit antibiotisch wirksamen Salben. Häufig ist dabei abzuwarten, bis sich eine örtliche Gewebsschädigung (Nekrose) vollständig ausgebildet hat, was unter Umständen bis zu mehrere Wochen dauern kann. Das abgestorbene Gewebe bildet einen trockenen Schorf, der sich nach Wochen bis Monaten zum gesunden Gewebe abgrenzt und unter Umständen einfach abfällt (z.B. an den Fingerspitzen).

Betreffen Erfrierungen ein größeres Areal, wie zum Beispiel einen gesamten Fuß, so kann unter extrem ungünstigen Umständen (aufgrund sehr tiefer Gewebeschäden) zur Therapie eine Teilamputation notwendig sein.

Künstliche Niere

Ist eine Hypothermie (Unterkühlung) so schwer, dass die Körpertemperatur auf weniger als 30 Grad Celsius gesunken ist, bietet sich zur Wiedererwärmung eine künstliche Niere zur Hämodialyse an. Dieses Verfahren Dialyse (Blutwäsche) kommt aus drei Gründen oft bei stark unterkühlten Menschen zum Einsatz:

  • Die Hämodialyse ermöglicht eine Erwärmung vom Körperkern aus.
  • Sie kann schwere Elektrolytstörungen und Abweichungen im Stoffwechsel schnell mitkorrigieren.
  • In Europa steht das Verfahren fast flächendeckend zur Verfügung.

Verlauf

Bei einer Hypothermie (Unterkühlung) ist ebenso wie bei Erfrierungen der weitere Verlauf vom Schweregrad der Kältefolgen und von einer zeitnahen, sachgemäßen Behandlung abhängig.

Prognose

Eine Hypothermie (Unterkühlung) und leichte Erfrierungen haben – im frühen Verlauf richtig behandelt – im Allgemeinen eine günstige Prognose:

Wenn es bei einer Hypothermie rechtzeitig gelingt, die Körpertemperatur zu erhöhen, ohne dass Komplikationen (z.B. Herzrhythmusstörungen) auftreten, ist kaum mit ernsten Folgen zu rechnen. Allerdings kann man schnell übersehen, dass jemand unterkühlt ist – besonders, wenn zusätzlich Verletzungen bestehen: Bleibt die Unterkühlung deswegen länger unbehandelt, können Organe ernsthaften Schaden nehmen – im Extremfall kann dies zum Tod führen.

Tritt eine Hypothermie kombiniert mit anderen schweren Verletzungen auf (z.B. nach einem Verkehrsunfall), kann sich also die Gesamtprognose verschlechtern. Daher ist jede Art von Unterkühlung unbedingt zu vermeiden.

Bei Erfrierungen ist die Prognose umso günstiger, je geringer der Grad des Kälteschadens ist:

  • Leichte Erfrierungen 1. Grades heilen im Allgemeinen ohne Spätfolgen ab. Wenn die Abheilung der Wundflächen langwierig verläuft, können allerdings Narben entstehen.
  • Bei Erfrierungen 2. Grades ist die Prognose ebenfalls günstig, wenn die für diesen Schweregrad typischen Blasen hell sind. Ist der Blaseninhalt dagegen eher blutig, ist mit einem längeren Heilungsverlauf zu rechnen. Zerreißen die Blasen, tritt Gewebeflüssigkeit aus. In diesem Fall besteht Infektionsgefahr, da Bakterien über die offene Wundfläche in den Körper eindringen können.
  • Bei Erfrierungen 3. Grades ist – je nach betroffenem Körperteil – eine Amputation im Extremfall nicht auszuschließen. Bei Ausdehnung auf den ganzen Körper droht der Tod durch Erfrierung.

Komplikationen

Bei einer Hypothermie (Unterkühlung) und bei Erfrierungen kann es zu verschiedenen Komplikationen kommen. Letztere können vor allem Folgendes nach sich ziehen:

  • Ödembildung
  • Hautverfärbungen
  • Frostbeulen (Perniones)
  • Verdickung der Hornschicht (Hyperkeratose) und Verhornungsstörungen (Parakeratosen)
  • Hautatrophie (Gewebeschwund)
  • Blutverdickung bis hin zur venösen Thrombose
  • Wundinfektionen

Auch falsche Maßnahmen zur Behandlung einer Hypothermie oder von Erfrierungen können ein Grund für Komplikationen sein: Unsachgemäße Erste Hilfe kann das betroffene Gewebe schwer schädigen. Außerdem kann es bei einer starken Unterkühlung zu Herz-Kreislauf-Versagen sowie zu Atemstillstand kommen.

Vorbeugen

Einer Hypothermie (Unterkühlung) können Sie ebenso wie Erfrierungen durch einfache Maßnahmen vorbeugen: An erster Stelle stehen Verhalten und Kleidung, die den Temperaturen angemessen sind. Dabei müssen Sie sich den Spaß an Unternehmungen wie Wintersport oder Bergsteigen nicht nehmen lassen. Denken Sie jedoch stets daran, dass der Mensch die eisigen Regionen der Erde nur mithilfe entsprechender Kleidung und Anpassung der Lebensumstände erobern konnte. Voraussetzung hierfür waren Umsicht und ebenso ein entsprechendes Verhalten. Achten Sie besonders darauf, Ihre Hände, Füße und Ohren durch entsprechende Schutzkleidung warmzuhalten – diese Körperstellen erfrieren besonders schnell.

Kommt es trotz Vorsichtsmaßnahmen zu einer Hypothermie oder zu Erfrierungen, ist es wichtig, diese frühzeitig zu erkennen, um Folgeschäden zu vermeiden. Erwärmen Sie rechtzeitig die entsprechende Körperpartie vorsichtig – am besten am eigenen Körper: So können Sie Ihre Hände zum Beispiel an eine warme Körperpartie bringen (Achselhöhlen, Bauch oder Schritt) und eine beginnende Erfrierung im Gesicht mit warmen Händen bedecken. Dies sollte an einem windgeschützten Ort geschehen. Aktive Bewegung (wie Gymnastik oder ein Bewegen der Extremitäten) ist in diesem Stadium hilfreich, da dies die Durchblutung fördert. Gleichzeitig ist daran zu denken, nasse Kleidungsstücke (z.B. Handschuhe) möglichst schnell zu wechseln. Das sogenannte Zwiebelschalenprinzip – also mehrere Kleidungsstücke übereinander anzuziehen – hilft oft, Erfrierungen zu vermeiden. Beengende Riemen oder Schnallen sollten Sie lockern. Dies gilt aber nur dann, wenn gleichzeitig keine allgemeine Unterkühlung vorliegt!