Eine Frau schneidet Zwiebeln.
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Schnittwunde

Die Schnittwunde gehört zu den häufigsten Verletzungen überhaupt: Ob beim Hantieren mit Messer, Schere, Klingenrasierer, Bruchscherben oder Papier – kurz nicht aufgepasst, und schon hat man sich in den Finger geschnitten.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Schnittwunde

Was ist eine Schnittwunde?
Eine Schnittwunde ist eine mechanische Verletzung durch einen scharfkantigen Gegenstand. Typischerweise hat die Wunde glatte Wundränder, blutet meist stark und geht mit einem Wundschmerz einher.

Schnittverletzungen gehören zu den häufigsten Verletzungen, besonders im Haushalt. Typischerweise haben Schnittwunden glatte Ränder und bluten meist stark. Um den Blutverlust so gering wie möglich zu halten, sollte der Betroffene das verletzte Körperteil hochlagern und anschließend mit einem sterilen Druckverband abdecken.

Schnittwunde: Ursachen

Eine Schnittwunde entsteht, wenn ein scharfkantiger Gegenstand über die Haut fährt, zum Beispiel

  • eine Schere,
  • ein Messer,
  • Scherben,
  • ein Skalpell,
  • scharfkantige Ränder von Konservendosen,
  • Papier oder
  • Sportgeräte (z.B. Schlittschuhe).

Meist entsteht eine Schnittwunde im Rahmen eines Unfalls. Manche Menschen fügen sich Schnittwunden (besonders an Armen und Beinen) auch selber zu. Ein solches selbstverletzendes Verhalten ist beispielsweise häufig bei Persönlichkeitsstörungen wie der Borderline-Störung zu beobachten.

Schnittwunde: Symptome

Wie die Schnittwunde genau aussieht und welche Beschwerden damit einhergehen, hängt davon ab, wie tief die Verletzung ist.

Sind nur die oberen Schichten der Haut durchtrennt, stehen in der Regel der Wundschmerz und eine mehr oder weniger starke Blutung im Vordergrund.

Eine tiefe Schnittwunde, bei der zusätzlich größere Blutgefäße, Sehnen oder Nerven verletzt sind, kann weitere Symptome auslösen:

Schnittwunde: Diagnose

Eine Schnittwunde erkennt der Arzt meist schon auf den ersten Blick, da sie sich deutlich von anderen mechanisch entstandenen Wunden (wie etwa Schürfwunden, Quetschwunden oder Platzwunden) unterscheidet.

Um die Schnittwunde optimal versorgen zu können, erkundigt er sich der Arzt, wie genau es zu der Verletzung gekommen ist. So kann er besser einschätzen, ob Blutgefäße, Sehnen oder Nerven betroffen und/oder Fremdkörper oder Krankheitserreger in die Wunde gelangt sein könnten. In dem Zusammenhang ist es auch wichtig, den Tetanusschutz zu prüfen und die Tetanusimpfung gegebenenfalls aufzufrischen.

Schnittwunde: Behandlung

Bei einer Schnittwunde hängt die Behandlung in erster Linie von der Tiefe der Verletzung ab:

  • Bei kleinen Schnittwunden reicht ein Pflaster. In der Regel heilen kleine Schnittverletzungen sehr gut ab, wenn man mögliche Infektionsrisiken vermeidet und den Verband gelegentlich wechselt. Eine infizierte Schnittwunde, die gerötet ist und/oder brennt, kann mit antibiotisch wirkenden Salben behandelt werden.
  • Wenn es sich um eine tiefe Schnittwunde handelt, ist es wichtig, die Verletzung ärztlich behandeln zu lassen. Der Arzt kann die Schnittwunde nähen, klammern oder mit Gewebekleber verschließen. Falls notwendig, betäubt er die verletzte Körperstelle zuvor (sog. Lokalanästhesie).

Eine sofortige Wundversorgung ist eine wichtige Voraussetzung für eine komplikationslose Wundheilung. Wird eine Schnittwunde nicht innerhalb von sechs Stunden versorgt, beginnt die sogenannte sekundäre oder offene Wundheilung. Diese verläuft wesentlich langwieriger als die Heilung einer sofort behandelten Schnittverletzung und hinterlässt oft deutliche Narben.

Während des Heilungsprozesses ist es ratsam, auf Wassersport und Vollbäder zu verzichten, bis der Arzt die Fäden zieht oder das Klammermaterial entfernt.

Betrifft die Schnittwunde ein Gelenk, sollte der Betroffene dieses möglichst nicht beanspruchen. Bei manchen Schnittwunden im Gelenkbereich ist es erforderlich, das betroffene Gelenk mit einer Schiene ruhig zu stellen, um das Zusammenwachsen der Wundränder zu fördern.

Tetanusschutz

Bei der Therapie jeder Wunde ist der Tetanusschutz zu bedenken, denn: Die meisten Fälle von Tetanus (Wundstarrkrampf) entstehen durch akute Hautverletzungen bei fehlender oder unzureichender aktiver Immunisierung. Wenn die letzte Impfung gegen Tetanus länger als fünf Jahre zurückliegt, ist es demnach sinnvoll, diese auffrischen zu lassen. Besteht bei Ihnen keine Grundimmunisierung, ist eine aktive Tetanusimpfung ratsam.

Wann ist professionelle Hilfe notwendig?

Jede größere Schnittwunde sollte in jedem Fall ärztlich behandelt werden. Gegebenenfalls ist es erforderlich, dass der Arzt eine Schutzimpfung (z.B. gegen Tetanus) durchführt. Bei sehr großen oder stark blutenden Schnittwunden sollten Sie vorsichtshalber den Notarzt (112) verständigen.

Erste Hilfe bei einer Schnittwunde

Vor allem tiefe Schnittwunden – zum Beispiel im Rahmen eines Autounfalls – erfordert die richtigen Sofortmaßnahmen:

  • Ziehen Sie Schutzhandschuhe an, sofern es sich nicht um die eigene Wunde handelt: So schützen Sie sich vor Infektionen mit HIV oder Hepatitis.
  • Um den Blutverlust so gering wie nur möglich zu halten, lagern Sie den verletzten Körperteil hoch.
  • Decken Sie die Schnittwunde anschließend steril ab.
  • Wenn die Blutung durch diese Maßnahmen nicht zum Stillstand kommt, drücken Sie das Verbandsmaterial fest auf die Wunde.
  • Legen Sie einen Druckverband an.
  • Bei Verletzungen im Halsbereich ist ein Druckverband nicht möglich. Sie können das Verbandsmaterial jedoch so lange direkt auf die Wunde drücken, bis diese aufhört zu bluten. Es ist ratsam, solche Schnittwunden dann innerhalb weniger Stunden von einem Arzt behandeln zu lassen.

Wenn große Arterien verletzt sind und die Schnittwunde extrem stark blutet, lässt sich die Blutung womöglich nicht allein mit den genannten Maßnahmen stoppen. In diesem Fall können Sie versuchen, die Blutzufuhr zur verletzten Stelle zu unterbrechen: Dafür ist es nötig, den Puls der zuführenden Schlagader zu suchen und die Arterie gegen einen darunter liegenden Knochen zu drücken. Bei einem verletzten Oberarm befindet sich die hierzu geeignete Stelle innen am Bizeps. Bei großen Blutungen des Beins ist die Mitte der Leistenbeuge zum Abdrücken besonders gut geeignet.

Wenn die Schnittwunde stark blutet oder sehr groß ist, wird ein Druckverband nötig:

  • Decken Sie die Schnittwunde mit sterilem Verbandsmaterial ab.
  • Darauf legen Sie anschließend ein Druckpolster (Verbandspäckchen, mehrere zusammengefaltete Taschentücher o.Ä.), das Sie mit einer Mullbinde stramm, aber nicht zu fest, anwickeln.
  • Blutet die Wunde trotzdem weiter, wird auf diesen ein zweiter, stärker angezogener Druckverband aufgewickelt.
  • Öffnen Sie den Notfallverband bis zur weiteren medizinischen Versorgung durch entsprechendes Personal nicht mehr.

Wichtig: Unterlassen Sie das Abbinden von Extremitäten, denn es ist gefährlich. Dadurch können schwere Folgeschäden entstehen, die nicht selten zum Verlust von Gliedmaßen führen.

Schnittwunde: Verlauf

Eine richtig versorgte Schnittwunde heilt meist problemlos. Es bleibt nur eine kleine Narbe zurück.

Verschiedene Umstände können den Verlauf der Heilung ungünstig beeinflussen: Wenn eine Schnittwunde verunreinigt oder zu Beginn der Behandlung älter als sechs Stunden ist, kann die Wundheilung länger dauern. Es ist möglich, dass sich dann deutliche Narben bilden.

Narben, die senkrecht zur Beugefalte oder über ein Gelenk verlaufen, können die Beweglichkeit des betroffenen Gelenks einschränken. Unter Umständen ist in diesen Fällen eine operative Korrektur notwendig.

Wenn zusätzlich Nerven, Blutgefäße und Sehnen verletzt sind, können die Folgen (Bewegungseinschränkungen, Lähmungen oder Gefühlsstörungen) den Betroffenen länger zu schaffen machen.

Schnittwunde: Vorbeugen

Einer Schnittwunde können Sie mit einfachen Maßnahmen vorbeugen: Seien Sie vorsichtig beim Umgang mit scharfen Gegenständen und tragen Sie unter Umständen eine geeignete Schutzausrüstung wie zum Beispiel Handschuhe, Helm oder Knieschützer.