Frau streckt die Zunge raus.
© Getty Images/Science Photo Library

Zungenbrennen: Ursachen und Behandlung

Ständiges oder immer wiederkehrendes Zungenbrennen kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Nicht immer lässt sich die Ursache für die Missempfindung finden. Was tun, wenn die Zunge brennt, sticht oder juckt?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Zungenbrennen: Die Ursachen sind vielfältig

Schätzungen zufolge leiden etwa 30 von 100 Personen an Zungenbrennen. Vor allem Frauen jenseits der 50 sind betroffen. Die Bandbreite der möglichen Ursachen ist groß: Sie reicht von chronischen Erkrankungen über Vitaminmangel und Allergien bis hin zu psychischen Faktoren und Problemen im Mundraum. Zungenbrennen kann aber auch ein eigenständiges Krankheitsbild darstellen: das Burning-Mouth-Syndrom.

Was ist Zungenbrennen?

Zungenbrennen ist eine unangenehme Missempfindung im Bereich der Zunge. Die Betroffenen haben das Gefühl, eine brennende oder wunde Zunge zu haben. Kribbeln, Jucken oder stechende Schmerzen können ebenfalls auftreten. Auch andere Bereiche im Mundraum können brennen, so etwa der Gaumen oder die Innenseite der Wangen. Andere Bezeichnungen für Zungenbrennen sind Glossodynie, Glossalgie oder Hot-Tongue-Syndrom.

Zungenbrennen: Mögliche Ursachen

Zungenbrennen kann viele unterschiedliche Ursachen haben. Dazu zählen

Burning-Mouth-Syndrom: Zungenbrennen als eigenständige Krankheit

Manchmal wird keine Ursache für die Beschwerden gefunden. Wenn Zungenbrennen ein eigenes Krankheitsbild darstellt, handelt es sich um ein Burning-Mouth-Syndrom (kurz: BMS). Der englische Begriff Burning Mouth bedeutet so viel wie "Brennen im Mund".

Erkrankungen und Medikamente als mögliche Ursache

Verschiedene Krankheiten oder Mangelerscheinungen können Zungen- und/oder Schleimhautbrennen begünstigen. Dazu zählen zum Beispiel:

Zungenbrennen kann auch als Nebenwirkung von Medikamenten vorkommen. Dazu zählen zum Beispiel die blutdrucksenkenden ACE-Hemmer oder manche Antidepressiva.

Möglicherweise können auch hormonelle Einflüsse zu Zungenbrennen führen. Dafür spricht, dass Frauen jenseits der Wechseljahre besonders häufig darunter leiden.

Probleme im Mundraum

Zungenbrennen kann durch verschiedenste Irritationen oder Erkrankungen innerhalb des Mundraums ausgelöst werden. Die Missempfindung entsteht, wenn die Schleimhaut der Zunge und/oder die Mundschleimhaut gereizt, verletzt oder entzündet sind. Mögliche Ursachen sind:

  • Pilzinfektionen im Mundraum
  • Knötchenflechte (Lichen ruber), eine entzündliche Hautkrankheit
  • Faltenzunge, eine Veränderung der Zungenoberfläche
  • Reizungen durch scharfe Zahnkanten, überstehende Füllungsränder, abstehende Kronenränder, Zahnspangen
  • Karies, Zahnstein
  • allergische Reaktionen, etwa auf Metalle aus Zahnfüllungen
  • bestimmte Mundschleimhautentzündungen, sogenannte Gingivitiden

Bei empfindlichen Personen können bestimmte Nahrungsmittel (z. B. zimthaltige Speisen) oder Tabak Zungenbrennen auslösen, wenn diese mit der Schleimhaut des Mundes in Kontakt kommen.

Psychische Ursachen

Psychische Erkrankungen können bei Zungenbrennen ebenfalls eine Rolle spielen. So gehen Depressionen häufig nicht nur mit psychischen Symptomen wie Antriebslosigkeit oder Traurigkeit einher. Sie können auch körperliche Beschwerden hervorrufen. Manche Betroffenen berichten dann neben Kopfschmerzen oder Appetitmangel über Zungenbrennen. Auch im Rahmen einer Schizophrenie kann das Symptom auftreten.

Darüber hinaus können auch psychischer Stress, Verspannungen und Fehlbewegungen des Kausystems ebenfalls Missempfindungen der Mundschleimhaut verursachen.

Zungenbrennen: Symptome

Zungenbrennen kann sich ganz unterschiedlich anfühlen. Betroffene nehmen die Beschwerden meist im vorderen Zungenbereich beziehungsweise im Bereich ihrer Spitze wahr.

Die Symptome müssen sich jedoch nicht ausschließlich auf die Zunge beschränken. Vielmehr können sie in verschiedenen Bereichen der Mundschleimhaut und der Lippen auftreten, so etwa am Gaumen oder an der Innenseite der Wangen.

Typisch für Zungenbrennen ist ein brennendes, wundes und unangenehm stechendes Gefühl auf der Zunge/im Mundraum, das ein- oder beidseitig auftreten kann.

Mögliche weitere Beschwerden sind:

  • Jucken, Kribbeln
  • Geschmacksstörungen
  • ein pelziges Gefühl im Mundraum
  • verminderte Speichelbildung/das Gefühl von Mundtrockenheit

Die jeweiligen Symptome können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Bei manchen nehmen die Beschwerden beispielsweise im Laufe des Tages zu, während sie morgens kaum zu spüren sind.

Je nachdem, was die Ursache für das Zungenbrennen ist, können andere Symptome hinzukommen. Rötungen, Schwellungen oder blutende Stellen im Mund sprechen für entzündliche Ursachen. Ist die Schleimhaut weißlich verfärbt, kann dies auf eine Pilzinfektion oder Verhornungsstörung (Leukoplakie) hinweisen.

Klagen die Betroffenen neben dem Zungenbrennen auch über Missempfindungen an Armen und Füßen, könnte es sich zum Beispiel um Diabetes mellitus handeln.

Zungenbrennen: Bis zur Diagnose kann viel Zeit vergehen

Bei Zungenbrennen kann die zahnärztliche Praxis die erste Anlaufstelle sein. Wenn nötig, kann von dort weiter verwiesen werden, zum Beispiel an eine

  • HNO-Praxis,
  • Dermatologische Praxis,
  • Internistische Praxis,
  • Neurologische Praxis oder
  • Psychiatrische Praxis.

Zu Beginn wird der*die Arzt*Ärztin einige Fragen stellen. So wird er*sie zum Beispiel wissen wollen,

  • welche Beschwerden genau bestehen,
  • wann die Beschwerden stärker und wann sie schwächer sind,
  • wie sehr der Alltag durch die Beschwerden eingeschränkt ist,
  • wie lange die Beschwerden schon vorhanden sind,
  • ob noch weitere Symptome vorhanden sind,
  • ob und welche Medikamente eingenommen werden und/oder
  • ob bestimmte Vorerkrankungen bekannt sind.

Zunge und Mundraum werde genau begutachtet. Das Aussehen der Zunge und Schleimhautveränderungen im Mund können bereits entscheidende Hinweise auf die mögliche Ursache geben. Zu Erkrankungen, die zu sichtbaren Veränderungen im Mundraum führen, zählen zum Beispiel:

  • Landkartenzunge (sog. Lingua geographica): Eine Landkartenzunge ist eine in der Regel harmlose Veränderung der Zunge, die durch glatte hellrote Flecken auf der Zungenoberfläche gekennzeichnet ist. Die Ursache ist unklar.
  • Faltenzunge (sog. Lingua plicata): Bei einer Faltenzunge ist die Zunge im vorderen und mittleren Teil symmetrisch eingekerbt und erhaben. Die Falten bieten Bakterien einen geeigneten Nährboden. Bakterielle, aber auch durch Pilze hervorgerufene Infektionen können dann Zungenbrennen hervorrufen. Daher müssen Menschen mit einer Faltenzunge besonders auf ihre Mundhygiene achten.
  • Knötchenflechte (Lichen ruber): Typische Anzeichen der Knötchenflechte im Mundraum – der medizinische Fachbegriff lautet dann Lichen ruber mucosae – sind grauweise, teilweise vernetzte und nicht abwischbare Hautveränderungen. Sie finden sich meist an der Wangenschleimhaut, an der Zungenunterseite, dem Zungenrücken, dem Mundboden, dem Zahnfleisch, dem Gaumen und dem Lippenrot.
  • Allergien: Tritt das Brennen als Reaktion auf eine Allergie auf, können kräftig rot verfärbte, leicht geschwollene, glatt begrenzte, unförmige Areale auf der Zunge zu sehen sein.
  • Hunter-Glossitis: Die Hunter-Glossitis ist ein Begleitsymptom, das bei Blutarmut (Anämie) durch Vitamin-B12-Mangel auftreten kann. Sie macht sich durch heftiges Brennen im Mund bemerkbar. Die Zunge zeigt rote, lackartige Veränderungen, die sich vorwiegend an der Zungenspitze oder dem Zungenrücken befinden.
  • Zungenbrennen durch Zahnersatz: Sitzt die Prothese schlecht, drückt sie oder ist sie so gearbeitet, dass die Zunge daran scheuert, kann der*die Zahnarzt*Zahnärztin dies in der Regel anhand von Schleimhautschäden durch Druckstellen erkennen.

Je nachdem, welche Ursache hinter dem Zungenbrennen vermutet wird, können weitere Untersuchungen nötig sein. Dazu zählen zum Beispiel ein Blutbild (u.a. mit Bestimmung der Blutzucker-, Eisen- und Vitaminwerte) oder ein Allergietest.

Zungenbrennen: Therapie

Erst wenn die Ursache für das Zungenbrennen feststeht, kann dieses auch behandelt werden. Die Suche nach den Auslösern kann allerdings einige Zeit dauern.

Die Behandlung von Zungenbrennen richtet sich in erster Linie nach der Ursache.

Einige Beispiele:

  • Bei einem Sjögren-Syndrom können verschiedene Medikamente die Speichelflüssigkeit anregen. Zur Behandlung kann auch künstliche Speichelflüssigkeit verschrieben werden.
  • Einen Vitaminmangel kann durch entsprechende Präparate und eine ausgewogene Ernährung behandelt werden.
  • Bei einer psychischen Erkrankung können eine Psychotherapie und/oder Medikamente infrage kommen.

Bei starken Schmerzen können Schmerzmittel oder Spüllösungen mit schmerzlindernden Wirkstoffen wie Lidocain helfen. Auch Tee kann wohltuend sein, etwa mit Kamille oder Salbei. Wenn die Ursache im Mundraum liegt, ist eine gründliche Mundhygiene besonders wichtig. Empfehlenswert ist es zudem, auf Alkohol, Nikotin sowie stark gewürzte oder saure Speisen zu verzichten, da sie das Zungenbrennen verstärken können.

Zungenbrennen: Verlauf

Zungenbrennen kann ganz unterschiedlich verlaufen. Bei manchen ist das Brennen nur ein vorübergehendes Phänomen, bei anderen halten die Symptome für lange Zeit an.

Wenn es möglich ist, die Ursache zu beseitigen, klingt das lästige Brennen in der Regel rasch ab. Ist die Ursache jedoch unbekannt oder kann man sie nicht beheben, kann der Verlauf langwierig sein.

Welche Komplikationen können auftreten?

Zungenbrennen selbst verursacht in der Regel keine Komplikationen, kann die Betroffenen mitunter aber psychisch stark belasten.

Wenn neben dem Zungenbrennen auffällige Oberflächenveränderungen der Zunge auftreten, ist in jedem Fall ein Besuch in einer ärztlichen Praxis zu empfehlen, um eine Krebserkrankung auszuschließen.

Vorbeugen schwer möglich

Es gibt keine speziellen Maßnahmen, um Zungenbrennen vorzubeugen. Bei Zungenbrennen im Rahmen einer Allergie gilt es in erster Linie, das auslösende Allergen zu meiden. Falsch sitzende Zahnprothesen sollten zahnärztlich frühzeitig angepasst werden, damit sie keine Schleimhautreizungen verursachen können.