Eine Frau betrachtet prüfend ihre Zähne im Spiegel.
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Zähneknirschen (Bruxismus)

Beim Zähneknirschen und -pressen können Schäden an der Zahnsubstanz entstehen. Zähneknirschen ist häufig ein Zeichen von Stress und kann in jeder Altersstufe auftreten. Die meisten Menschen knirschen vor allem nachts mit den Zähnen. Erfahren Sie mehr über die möglichen Folgen und wann eine Behandlung sinnvoll ist.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Zähneknirschen (Bruxismus)

Zähneknirschen und Zähnepressen zählen zu den sogenannten Parafunktionen. Darunter versteht man Aktivitäten des Kausystems, die keinem funktionellen Zweck dienen – wie etwa dem Zerkleinern von Nahrung. Zu den Parafunktionen zählen außerdem

  • Wangen-, Lippen- und Zungenbeißen,
  • Zungenpressen (gegen Zähne oder Gaumen)
  • sowie das Kauen auf Objekten, wie zum Beispiel Fingernägeln oder Bleistiften.

Viele Menschen führen mindestens eine dieser Bewegungen regelmäßig und meist unbewusst aus. Sie sind weit verbreitet, bleiben aber oft ohne größere Auswirkungen.

Gelegentliches Zähneknirschen und Zähnepressen (Fachausdruck Bruxismus) ist ein sehr häufiges Phänomen und in der Regel harmlos. Erst, wenn das Zähneknirschen sehr intensiv oder über lange Zeit regelmäßig erfolgt, können sich gesundheitliche Folgen bemerkbar machen.

Mit zu den häufigsten Ursachen für Zähneknirschen zählt Stress – beziehungsweise eine ungünstige Stressverarbeitung. Allerdings knirscht oder presst nicht jeder der Stress hat, auch nachts mit den Zähnen. Manche Betroffene scheinen jedoch den tagsüber nicht ausreichend verarbeiteten Stress im Schlaf förmlich "wegzuknirschen". Das kann in gewisser Weise funktionieren, denn Studien zufolge sinkt beim Kauen offenbar der Level des Stresshormons Cortisol.

Das nächtliche Zähneknirschen gilt auch als eine Form der Schlafstörung, die sich in auffälligem Verhalten während des Schlafs zeigt. Mediziner sprechen hierbei von einer Parasomnie. Bruxismus kommt zwar teilweise ebenfalls tagsüber in Anspannungsphasen vor, tritt aber vor allem während des Schlafs auf, meist während der Traumphasen (REM-Phasen).

Daneben können weitere Ursachen für das Zähneknirschen und Zähnepressen verantwortlich sein, wie zum Beispiel

  • Erkrankungen des Zahnhalteapparats,
  • schlecht sitzender Zahnersatz (wie Brücken, Kronen, Prothesen),
  • schlecht sitzende Zahnfüllungen oder).

Nur in seltenen Fällen tragen neurologische Erkrankungen zu Bruxismus bei (wie multiple Sklerose).

Bei Menschen, die zu nächtlichem Zähneknirschen neigen, kann der Genuss von Alkohol oder koffeinhaltigen Getränken (wie z. B. Kaffee, schwarzer Tee, Cola oder Energydrinks), das Knirschen fördern. Vermutlich, weil diese Substanzen Einfluss auf das Gehirn und damit auf das Regulieren der Schlafphasen haben. Bei Verzicht auf diese Genussmittel lässt das Zähneknirschen unter Umständen rasch nach.

Besteht der Verdacht, dass Medikamente das Zähneknirschen auslösen, sollten Betroffene ihren Arzt darauf ansprechen. Er kann gegebenenfalls ein anderes Mittel verordnen. Keinesfalls sollten die Medikamente eigenständig abgesetzt werden. Medikamente, die in Zusammenhang mit Bruxismus stehen können, sind zum Beispiel:

Vereinzelt kann Zähneknirschen zudem Folge einer Erkrankung sein, aber gleichzeitig als Schutzfunktion dienen. Bei Magenproblemen mit nächtlichem Säurerückfluss (Reflux) in die Speiseröhre etwa bewirkt Zähneknirschen, dass mehr Speichel produziert wird und hilft so, die schädliche Wirkung der Magensäure zu verringern. Bei Menschen mit schlafbezogenen Atmungsstörungen wie der Schlafapnoe können die mit dem Knirschen einhergehenden Muskelanspannungen möglicherweise dazu beitragen, die Atemwege freizuhalten.

In Ruhe normalerweise kontaktlos

In Ruhe befindet sich der Unterkiefer normalerweise in der sogenannten Schwebehaltung oder Ruheschwebe: Die Kaumuskeln sind dabei entspannt und die Zähne von Ober- und Unterkiefer berühren sich nicht. Der Abstand beträgt etwa 2 bis 4 Millimeter. Kontakt sollten die Zähne eigentlich nur beim Kauen haben.

Im Normalfall haben die Zähne pro Tag durch das Kauen beim Essen insgesamt nur circa 30 Minuten Kontakt. Beim nächtlichen Zähneknirschen beträgt die Kontaktdauer jedoch etwa 2 Stunden, wobei gleichzeitig viel stärkere Kraft aufgewendet wird. Der Zahnhalteapparat und auch die Zahnhartsubstanz können durch diese Dauerbelastung Schäden davontragen.

Wie häufig kommt Zähneknirschen vor?

Zähneknirschen und Zähnepressen sind weit verbreitet. Fast alle Erwachsenen haben Abschleifspuren an den Zähnen, die durch Zähneknirschen entstanden sind. Auch bei Kindern und Jugendlichen kann Bruxismus auftreten.

Nur wenige Menschen sind sich ihres Zähneknirschens allerdings bewusst. Wenn das Reiben und Pressen mit den Zähnen nachts auftritt und dabei keine auffälligen Beschwerden wie Muskelverspannungen im Kieferbereich, Schmerzen im Kiefergelenk oder Zahnschmerzen verursacht, bemerkt kaum jemand, dass er mit den Zähnen knirscht. Etwas häufiger nehmen Betroffene dagegen wahr, wenn sie nicht mit den Zähnen knirschen, sondern diese vor allem aufeinanderpressen.

Zähneknirschen (Bruxismus): Symptome

Zähneknirschen und Zähnepressen (Bruxismus) kann sich durch verschiedene Beschwerden bemerkbar machen. Symptome treten vor allem dann auf, wenn das Knirschen über einen längeren Zeitraum anhält und Betroffene sehr stark mit den Zähnen knirschen.

Da die meisten Menschen während des Schlafs mit den Zähnen knirschen, machen sich die Beschwerden häufig erst am darauffolgenden Morgen oder Tag bemerkbar. Zähneknirschen und Zähnepressen kann zum Beispiel folgende Symptome hervorrufen:

Bereits bei leichtem Zähneknirschen können auf der Zahnoberfläche Veränderungen in Form von Abschleifspuren (sog. Abrasionen oder Schlifffacetten) erkennbar sein. Ist das Knirschen sehr stark, können die Zähne empfindlich werden und schmerzen oder sich sogar lockern. Dann sind unter Umständen abgewetzte Zahnkronen sichtbar. Im schlimmsten Fall kann ein Zahn auch in der Längsachse durchbrechen.

Das Zähneknirschen kann sich zudem durch Zahnfleischrückgang und Beschwerden an der Kaumuskulatur bemerkbar machen. Die Kaumuskeln können sich durch die hohe Belastung beim Zähneknirschen und -pressen deutlich verstärken beziehungsweise vergrößern und schmerzhaft verhärten.

Die Dauerbelastung kann außerdem die Kiefergelenke beeinträchtigen. So kann zum Beispiel die Gelenkscheibe des Kiefergelenks (der sog. Discus articularis) verrutschen und die natürliche Kieferbewegung behindern. Das macht sich unter Umständen durch Knackgeräusche im Kiefergelenk oder etwa eine eingeschränkte bis blockierte Mundöffnung bemerkbar.

Die Kräfte, die beim Zähneknirschen und Zähnepressen auf die Kiefergelenke einwirken, sind immens. Je nachdem, wie lange der Bruxismus besteht, können entzündliche Prozesse in den Kiefergelenkflächen und den Gelenkkapseln die Folge sein. Zusätzlich werden mitunter die Bänder des Kiefergelenks in Mitleidenschaft gezogen.

Unbewusstes Pressen der Zunge gegen den Gaumen oder die Frontzähne kann ebenfalls Beschwerden verursachen. Nicht selten verschiebt sich dabei auf Dauer die Stellung der Frontzähne nach vorne oder die Frontzähne lockern sich.

Zähneknirschen (Bruxismus): Diagnose

Häufig stellt der Zahnarzt Zähneknirschen oder Zähnepressen (Bruxismus) anhand der sichtbaren Folgen am Gebiss und Kausystem fest, wie zum Beispiel

  • Schleifspuren an den Zähnen,
  • abgewetzten Zahnkronen oder
  • einer vergrößerten Kaumuskulatur.

Hilfreich ist es, wenn nahestehende Personen den Betroffenen auf das Zähneknirschen aufmerksam machen können. Häufig fällt das nächtliche Zähneknirschen dem Lebenspartner eher als dem Betroffenen auf, weil er nachts die Knirschgeräusche des schlafenden Partners bemerkt. Dann ist oft ein frühzeitiges Einschreiten des Zahnarztes möglich, solange noch keine Zahnschäden vorliegen.

Zähneknirschen (Bruxismus): Behandlung

Für Zähneknirschen und Zähnepressen (Bruxismus) gibt es keine ursächliche Behandlung im eigentlichen Sinn. Mit verschiedenen Maßnahmen lassen sich jedoch die Beschwerden lindern, die durch das Zähneknirschen entstehen, und Folgeschäden vermeiden.

Schienentherapie

Eine vom Zahnarzt speziell gefertigte Kunststoffschiene, die sogenannte Aufbissschiene (Okklusionsschiene, Knirscherschiene), schützt die Zahnreihen und verhindert das weitere Abschleifen der Zähne. Die durchsichtige Aufbissschiene wird in der Regel nachts während beim Schlafen getragen. Je nach Situation kann es aber auch sinnvoll sein, sie zusätzlich tagsüber zu tragen.

Physiotherapie

Physiotherapeutische Übungen, manuelle Therapie, Massagen im Kieferbereich sowie Wärmebehandlungen können dabei helfen, die Kaumuskulatur zu entspannen und Beschwerden zu lindern.

Selbstwahrnehmung

Häufig läuft Zähneknirschen unbewusst ab – meist nachts, manchmal aber auch tagsüber. Ein wichtiger Schritt ist deshalb, zu bemerken, dass man gerade knirscht oder presst und es zu stoppen. Indem man das Zähneknirschen tagsüber bewusst wahrnimmt und willentlich unterbricht, lässt sich das Zähneknirschen bis zu einem gewissen Grad abgewöhnen. Je öfter sich Betroffene selbst beobachten und korrigieren, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, sich das Zähneknirschen "abzutrainieren". Eine Art Kalender, in den man seine "Knirschphasen" einträgt, kann hilfreich sein, um Auslöser zu erkennen.

Als Erinnerungshilfe können farbige Klebepunkte helfen, Zähneknirschen oder -pressen tagsüber wahrzunehmen. Die Punkte klebt man am besten auf Gegenstände, die einem häufig ins Auge fallen. Sie sollen einen daran erinnern, den Kiefer bewusst wahrzunehmen und ihn gegebenenfalls zu entspannen und locker zu lassen. Geeignete Stellen für die Klebepunkte sind beispielsweise der Rand des Computer-Bildschirms, der Fernseher, das Armband der Armbanduhr, das Handy, das Lenkrad, der Autorückspiegel oder der Türrahmen der Wohnungstür.

Wer bemerkt, dass er gerade die Zähne zusammenpresst, sollte als Gegenmaßnahme lockerlassen, den Mund einmal öffnen und dann entspannt wieder schließen. Die Lippen liegen hierbei aufeinander, ohne dass die Zähne Kontakt haben.

Entspannung

Da Stress beim Zähneknirschen eine Rolle spielt, ist das Erlernen einer Entspannungstechnik wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung sinnvoll. Bei regelmäßiger Übung können diese den allgemeinen Stresslevel senken. Auf diese Weise kommt Stress gar nicht erst so schnell auf beziehungsweise lässt sich schneller wieder abbauen. Mit regelmäßigen Entspannungsübungen kann man Zähneknirschen deshalb bis zu einem gewissen Grad sogar vorbeugen oder es verringern.

Psychotherapie

Liegen dem Bruxismus psychische Probleme zugrunde, kann eine Psychotherapie ratsam sein. Sie kann dabei helfen, das Zähneknirschen und Zähnepressen zu beenden beziehungsweise zu verringern.