Ein sabberndes Baby steckt die Finger in den Mund.
© Getty Images

Speicheldrüsen

Speicheldrüsen erfüllen eine wichtige Funktion. Doch das merkt man meist erst, wenn einem die Spucke wegbleibt. Wie kann es dazu kommen? Und wie wirkt sich ein Mangel an Speichel auf Dauer aus?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Alle Speicheldrüsen des Menschen sind fast gleich aufgebaut. Sie bestehen aus einem traubenförmigen Endstück, in dem sich der Speichel bildet, und einem Gangsystem, dessen Ausführungsgang in den Mund führt. Umgeben sind die Speicheldrüsen von Bindegewebe, Blut- und Lymphgefäßen, Lymphgewebe sowie von Nervenfasern.

Der Mensch hat drei große und viele kleine Speicheldrüsen. Die drei großen Speicheldrüsen sind jeweils paarig vorhanden, also in jeder Kopfhälfte einmal. Sie heißen:

  • Ohrspeicheldrüse (Glandula parotidea bzw. Parotis)
  • Unterkieferspeicheldrüse (Glandula submandibularis bzw. Submandibularis)
  • Unterzungenspeicheldrüse (Glandula sublingualis bzw. Sublingualis)

Bei den kleineren Speicheldrüsen handelt es sich um einzelne Drüsen. Sie sind im ganzen Mund-Rachen-Raum verteilt, zum Beispiel in den Schleimhäuten von Lippen, Zunge, Wangen, Gaumen und Rachen.

Insgesamt bilden die Speicheldrüsen eines gesunden Menschen 1.000 bis 1.500 Milliliter Speichel pro Tag. Das meiste davon – etwa 90 Prozent – stammt von den drei großen Speicheldrüsen.

Tagsüber sind die Speicheldrüsen am aktivsten: Dann bilden sie (z. B. beim Essen oder als Reaktion auf andere Reize) 4- bis 5-mal mehr Speichel als nachts im Ruhezustand.

Ohrspeicheldrüse

Die größte der drei großen Speicheldrüsen ist die Ohrspeicheldrüse. Sie liegt am Kieferwinkel direkt vor dem Ohr. Ihr Ausführungsgang verläuft auf einem Kaumuskel nach vorn, durchsetzt den Wangenmuskel und mündet in der seitlichen Backe auf Höhe des zweiten oberen Mahlzahns (= Molar bzw. großer Backenzahn) im Bereich zwischen den Zähnen und Wangen.

Bei Speicheldrüsen unterscheidet man zwischen wässriger (seröser), schleimiger (muköser) und überwiegend schleimiger (mukoseröser) Speichelproduktion. Der von der Ohrspeicheldrüse gebildete Speichel ist wässrig.

Das Besondere an der Ohrspeicheldrüse ist, dass der Gesichtsnerv (Nervus facialis) durch sie hindurchläuft. Darum können sich gesundheitliche Probleme der Speicheldrüse (wie Entzündungen oder Tumoren) möglicherweise auf den Nerv auswirken. Zudem kann es bei operativen Eingriffen an der Drüse schnell zu Verletzungen am Nerv kommen.

Unterkieferspeicheldrüse & Unterzungenspeicheldrüse

Die Unterkieferspeicheldrüse liegt an der Innenseite des Unterkiefers. Sie befindet sich praktisch vollständig unter dem Mundboden im vorderen Halsbereich. Ihr Speichel ist überwiegend schleimig beschaffen.

Auch der Unterkieferspeicheldrüse kommt der Gesichtsnerv sehr nahe: Seine Äste verlaufen oberhalb von ihr. Bei Entzündungen, Tumoren oder Operationen der Unterkieferspeicheldrüse ist der Nerv daher ebenfalls gefährdet.

Die Unterzungenspeicheldrüse liegt im Mundboden unter der Zunge. Sie bildet schleimigen Speichel. Den Speichel aus ihrem vorderen Anteil gibt die Unterzungenspeicheldrüse über ihren Hauptausführungsgang ab. Dieser vereinigt sich mit dem Ausführungsgang der Unterkieferspeicheldrüse und mündet unterhalb der Zunge, jeweils seitlich des Zungenbändchens.

Hingegen fließt der Speichel aus den hinteren und seitlichen Abschnitte der Unterzungenspeicheldrüse über zahlreiche kleine Ausführungsgänge ab, die in die Unterzungenfalte münden.

Speicheldrüsen: Funktion

Die Speicheldrüsen spielen eine wichtige Funktion bei der Nahrungsaufnahme:

  • Zum einen macht der in den Speicheldrüsen gebildete Speichel die Nahrung gleitfähig und erleichtert so das Schlucken.
  • Zum anderen enthält der Speichel Verdauungsenzyme, die schon im Mund die Verdauung der Nahrung einleiten.

Ein Verdauungsenzym im Speichel heißt Amylase. Dieses Enzym zerlegt das in der Nahrung enthaltene Kohlenhydrat Stärke in seine Bestandteile. Das heißt: Aus dem weniger süß schmeckenden Vielfachzucker Stärke werden süß schmeckende Ein- und Zweifachzucker. Mit einem Stück Brot können Sie das ganz einfach selber ausprobieren: Wenn Sie es lange genug kauen, entsteht ein süßer Geschmack.

Eine weitere wichtige Aufgabe der Speicheldrüsen besteht in der Immunabwehr: Speichel enthält Antikörper, die die Vermehrung von Krankheitserregern (wie Bakterien, Pilzen oder Viren) verhindern können.

Zudem scheidet der Körper sowohl eigene Stoffe (wie Jod oder Antikörper) als auch Fremdstoffe (wie Antibiotika, Schwermetalle oder Viren) über den Speichel aus.

Darüber hinaus erfüllt Speichel noch einige andere Funktionen:

  • Er spült den Mund-Rachen-Raum und reinigt so die empfindlichen Schleimhäute.
  • Gleichzeitig befeuchtet er die Mundschleimhäute, sodass Lippen und Zunge beweglich bleiben, was z. B. beim Sprechen wichtig ist.
  • Beim Essen transportiert er die Geschmacksstoffe in der Nahrung und ist somit für die Geschmackswahrnehmung wichtig.
  • Zudem schützt er die Zähne vor Karies, indem er Säuren (z. B. aus Obst) neutralisiert und mit seinen Mineralstoffen (wie Fluorid) den Zahnschmelz härtet.

Speicheldrüsenerkrankungen

Speicheldrüsenerkrankungen treten überwiegend an den großen Speicheldrüsen auf. Die kleinen einzelnen Drüsen sind nur sehr selten betroffen.

Bei etwa jeder zweiten Speicheldrüsenerkrankung handelt es sich um ein Speichelsteinleiden (Sialolithiasis). Oft sind die betroffenen Speicheldrüsen schmerzhaft angeschwollen. Am häufigsten bilden sich Speichelsteine in der Unterkieferspeicheldrüse.

Eine ebenfalls häufige Speicheldrüsenerkrankung ist die Speicheldrüsenentzündung. Sie entsteht durch Krankheitserreger oder infolge von längeren Reizzuständen – etwa, wenn ein Speichelstein den Ausführungsgang einer Speicheldrüse verstopft oder verengt. Meist ist die Ohrspeicheldrüse entzündet.

Weitere Erkrankungen der Speicheldrüsen sind zum Beispiel:

  • gut- oder bösartige Speicheldrüsentumoren
  • Fehlbildungen der Speicheldrüsen
  • nicht-entzündliche Erkrankung der Speicheldrüsen (Sialadenose)
  • stoffwechselbedingte Veränderungen der Speicheldrüsen (z. B. bei Alkoholismus)
  • Speicheldrüseninfarkt

Manchmal führt eine Speicheldrüsenerkrankung dazu, dass die Speicheldrüsen nicht mehr genug Speichel bilden oder abgeben. Auch nach einer Strahlenbehandlung (z. B. bei Krebs im Mund oder Rachen) oder Operation kann die Speichelbildung beeinträchtigt sein. Die dadurch bedingte Mundtrockenheit hat weitere gesundheitliche Folgen:

  • Die Betroffenen sind anfälliger für Infektionen der Mundschleimhaut.
  • Dauerhafte Mundtrockenheit kann auch Schäden an den Zähnen nach sich ziehen.
  • Wer ständig einen trockenen Mund hat, bekommt Probleme beim Sprechen, Kauen und Schlucken.
  • Zudem ist das Geschmacksempfinden bei fehlendem Speichel oft beeinträchtigt.

Einzelne Speicheldrüsen zu entfernen schränkt die Speichelbildung jedoch normalerweise nicht ein: Die restlichen Speicheldrüsen bilden dann immer noch genug Speichel.