Eine Frau putzt sich vor einem Spiegel die Zähne.
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Fluorid in Lebensmitteln und Mangel vorbeugen

Fluorid bringen die meisten Menschen vermutlich vor allem mit Zahnpasta in Verbindung. Es kommt jedoch auch natürlicherweise im Körper vor.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Fluorid: Auf die Dosis kommt es an

Was ist Fluorid?

Fluorid ist ein Spurenelement – also ein Mineralstoff, der nur in sehr kleinen Mengen im Körper vorkommt.

Wo kommt Fluorid im Körper vor?

Der Nährstoff Fluorid ist ein wichtiger Baustein des menschlichen Körpers und maßgeblich an Knochenbildung und Knochenwachstum beteiligt. Der Körper eines erwachsenen Menschen enthält etwa 2 bis 5 Gramm Fluorid. Über 95 Prozent des im Körper enthaltenen Fluorids sind in Zähnen und Knochen gebunden. Haut, Haare sowie Fuß- und Fingernägel speichern den restlichen Anteil.

Fluorid härtet neben den Knochen auch den Zahnschmelz, welcher das härteste Gewebe im menschlichen Körper ist. Fluorid macht die Zähne härter und widerstandsfähiger gegen Umwelteinflüsse wie zum Beispiel gegen die von Kariesbakterien gebildeten Säuren.

Fluoridbedarf: Wie viel braucht der Körper?

Der tägliche Bedarf an Fluorid hängt von Alter und Geschlecht ab:

  • Säuglinge: zwischen 0,25 bis 0,5 Milligramm (mg)
  • Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre: zwischen 0,7 und 3,2 mg
  • Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren:
    • Frauen: 2,9 bis 3,1 mg
    • Männer: 3,2 bis 3,8 mg

Tabelle: Fluoridbedarf von Säuglingen und Kindern

Alter Fluoridbedarf pro Tag
0 bis 4 Monate 0,25 mg
4 bis 12 Monate 0,5 mg
1 bis 4 Jahre 0,7 mg
4 bis 7 Jahre 1,1 mg
7 bis 10 Jahre 1,1 mg
10 bis 13 Jahre 2,0 mg
13 bis 15 Jahre, Jungen 3,2 mg
13 bis 15 Jahre, Mädchen 2,9 mg

Tabelle: Fluoridbedarf von Jugendlichen und Erwachsenen

Alter Fluoridbedarf pro Tag: Männer/Jungen Fluoridbedarf pro Tag: Frauen/Mädchen
15 bis 19 Jahre 3,2 mg 2,9 mg
19 bis 25 Jahre 3,8 mg 3,1 mg
25 bis 51 Jahre 3,8 mg 3,1 mg
51 bis 65 Jahre 3,8 mg 3,1 mg
65 Jahre und älter 3,8 mg 3,1 mg

Tabelle: Fluoridbedarf von Schwangeren & Stillenden

Personengruppe Fluoridbedarf pro Tag
Schwangere 3,1 mg
Stillende 3,1 mg

Welche Lebensmittel enthalten Fluorid?

Mit der Nahrung nehmen wir täglich geringe Mengen Fluorid auf. Die meisten Lebensmittel enthalten kaum bis gar kein Fluorid. Nennenswerte Mengen an Fluorid finden sich in:

Auch Trinkwasser enthält geringe Mengen an Fluorid: im Durchschnitt etwa 0,3 Milligramm pro Liter.

Tabelle: Fluoridgehalt in Lebensmitteln (Beispiele)

Lebensmittel Fluoridgehalt
Fleisch, Fisch, Geflügel 0,05 bis 0,07 mg/kg
Getreide 0,30 bis 0,40 mg/kg
Kartoffeln 0,08 bis 0,14 mg/kg
Blattgemüse 0,10 bis 0,15 mg/kg
Früchte 0,06 bis 0,13 mg/kg
Schwarzer Tee 1,0 mg/l

Über Nahrung oder Trinkwasser aufgenommenes Fluorid gelangt über Magen und Dünndarm in den Körper und von dort in die Blutbahn. Über den Blutkreislauf erreicht das Spurenelement rasch mineralisiertes Gewebe, also Zähne und Knochen. Solange die Fluoridaufnahme empfohlene Mengen nicht überschreitet, reichert es sich normalerweise nicht in anderen Körpergeweben an.

Enthalten Nahrung oder Trinkwasser gleichzeitig Magnesium oder Calcium, kann das die Fluoridaufnahme im Körper verringern. Denn beide Mineralstoffe gehen mit Fluorid unlösliche Komplexe ein.

Fluorid zum Schutz vor Karies

Für einen sinnvollen Kariesschutz reicht die tägliche Fluoridzufuhr über Trinkwasser und Nahrung nicht aus. Um Zahnschäden vorzubeugen empfehlen Experten daher zum Beispiel:

Auch fluoridiertem Speisesalz kann dazu beitragen, dass Karies seltener auftritt. Im Handel wird es ausschließlich in Kombination mit Jod als Jodsalz mit Fluorid angeboten.

Auf die Dosis kommt es an

Allerdings sollte man sich in puncto zusätzlicher Fluoridversorgung entscheiden und beispielsweise entweder fluoridiertes Speisesalz oder Fluoridtabletten verwendet werden. Beides gleichzeitig angewandt könnte auf Dauer eine Überdosierung verursachen.

Aufpassen sollte man auch beim Thema Fluoridgehalt in Zahnpasta: Für Jugendliche und Erwachsene ist der Einsatz von fluoridhaltiger Zahnpasta sinnvoll. Für Kinder sollte man jedoch spezielle Kinderzahnpasta verwenden, da der Fluoridgehalt in Erwachsenenzahncremes für Kinder zu hoch ist.

Fluoridmangel: Ein Kariesrisiko

Die Auswirkung eines Fluoridmangels scheint vor allem ein erhöhtes Kariesrisiko zu sein. Das gilt vor allem für Kinder und Jugendliche. Möglicherweise gibt es auch einen Zusammenhang zwischen einem Fluoridmangel sowie der Häufigkeit von Osteoporose (Knochenschwund) und Arteriosklerose (Arterienverkalkung). Die Studienergebnisse hierzu sind jedoch wenig aussagekräftig.

Fluoridüberdosierung: Wie viel ist zu viel?

Korrekt angewendet, geht von fluoridierten Produkten wie Zahnpasta, Zahngel oder auch Fluorid-Tabletten kein Gesundheitsrisiko aus. In größeren Mengen kann Fluorid auf Dauer jedoch ungesund sein: Kinder bis sechs Jahre, die über längere Zeit mehr als die doppelte Menge der empfohlenen Fluoridzufuhr aufnehmen, entwickeln in Milchzähnen und möglicherweise auch in bleibenden Zähnen eine sogenannte Zahnfluorose (Dentalfluorose). Dabei wird der Zahnschmelz weiß-fleckig und paradoxerweise auch weich (sog. Dentalfluorose). Bei Erwachsenen die täglich mehr als 10 Milligramm Fluorid einnehmen steigt die Anfälligkeit für Osteoporose, da zu hohe Fluoridmengen dem Knochen auf lange Sicht Calcium entziehen.

Bei einer massiven Fluoridüberdosierung kann es zu einer akut lebensbedrohlichen Fluoridvergiftung kommen. Mögliche Symptome sind beispielsweise Erbrechen, Durchfall und Krampfzustände. Als tödlich gilt für Erwachsene die Einnahme von etwa 32 bis 64 Milligramm Fluorid pro Kilogramm Körpergewicht (das entspricht etwa einer einmaligen Dosis von 5 bis 10 Gramm Fluorid). Für Kinder gilt bereits eine Einnahme von 5 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht als akut lebensbedrohlich.