Ärztin teilt Patientin die Ergebnisse einer Untersuchung mit.
© Getty Images

Ferritin

Ferritin ist ein Stoff, mit dem die Körperzellen Eisen speichern. Der Ferritin-Laborwert gibt an, wie gut der Körper mit Eisen versorgt ist. Hier erfahren Sie, welche Werte normal sind und was es heißt, wenn der Ferritinwert erhöht oder zu niedrig ist.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Ferritin: Überblick

Der Körper ist auf Eisen angewiesen. Die roten Blutkörperchen benötigen es, um Sauerstoff durch den Körper zu transportieren. In anderen Zellen erfüllt Eisen ebenfalls wichtige Aufgaben. Als Baustein verschiedener Enzyme wirkt es bei zahlreichen lebenswichtigen chemischen Vorgängen im Körper mit.

Um immer genügend Eisen zur Verfügung zu haben, müssen die Zellen Eisen speichern. Dafür brauchen sie Ferritin. Ferritin ist ein Komplex aus Eiweißen. Er besteht aus winzigen, kugelförmigen Partikeln. Diese sind mit Eisen beladen. Jedes Ferritin kann über 2000 Eisenionen beherbergen. Ionen sind elektrisch geladene Partikel. 

Ferritin ist in jeder Körperzelle vorhanden. Ein Großteil des im Körper enthaltenen Ferritins befindet sich in den Zellen von Leber, Milz und Knochenmark.

Geringere Mengen Ferritin sind auch in der Blutflüssigkeit zu finden. Der Ferritin-Gehalt des Blutes zeigt, wie gut der Körper insgesamt mit Eisen versorgt ist. Der Ferritinwert ist somit ein wichtiger Laborwert, um einen Eisenmangel festzustellen. Ärztinnen und Ärzte können ihn durch eine Blutuntersuchung überprüfen. Sie schicken die Blutprobe an ein Labor, das neben dem Ferritinwert auch andere Blutwerte bestimmt, unter anderem:

  • Transferrin und Transferrinsättigung
  • Erythrozyten-Werte (Zahl der roten Blutkörperchen)
  • MCV-/MCH-Werte (geben Auskunft über den Zustand der roten Blutkörperchen)
  • Eisengehalt des Blutes (Serumeisen)

Ferritin-Laborwert & Normwerte-Tabelle

Die Ferritin-Laborwerte spiegeln wider, wie viel Eisen im Körper vorhanden ist. Frauen haben normalerweise niedrigere Ferritinwerte als Männer. Außerdem sind die Werte vom Alter abhängig. Bei Neugeborenen sind sie höher als bei Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen.

Die folgende Tabelle zeigt, welche Ferritinwerte in welchem Alter als normal gelten:

  Alter Ferritinwert
Frauen ab 18 15-100 μg/l (Mikrogramm pro Liter)
Männer ab 18 30-100 μg/l
Kinder 0-1 150-600 μg/l
  ab 1 10-120 μg/l
  2-17 7-142 μg/l

Ferritin erhöht

Wenn der Ferritinwert zu hoch ist, ist dies häufig ein Hinweis auf:

  • eine Entzündung (z. B. durch eine Infektion) und/oder eine Krebserkrankung
  • einen Überschuss an Eisen
  • einen Leberschaden (z. B. durch Alkohol)

Bei einer Entzündung steigt der Ferritinwert, weil der Körper als Reaktion auf die Erkrankung mehr Ferritin bildet. Das ist Teil der sogenannten unspezifischen Abwehr des Immunsystems. Unspezifisch bedeutet: Sie richtet sich nicht gezielt gegen die Ursache der Erkrankung. Der Körper wappnet sich damit zunächst spontan und schnellstmöglich gegen eine mögliche akute Gefahr durch Eindringlinge – etwa Bakterien. Um Bakterien zu bekämpfen, bildet der Körper unter anderem mehr Ferritin. Denn Bakterien sind wie Körperzellen auf Eisen angewiesen. Ferritin bindet freies Eisen im Blut. So entzieht es den Keimen einen für sie lebensnotwendigen Stoff. 

Ein Überschuss an Eisen kann zu einem erhöhten Ferritinwert führen, weil der Körper das überschüssige Eisen in Form von Ferritin speichert. Die häufigsten Gründe für eine Eisenüberladung des Körpers sind:

Ein Leberschaden kann sich durch erhöhte Ferritinwerte äußern, weil die Leberzellen viel Ferritin freisetzen, wenn sie absterben. Die Leber zählt zu den wichtigsten Eisenspeichern des Körpers. Sie enthält viel Eisen und somit viel Ferritin. Werden Leberzellen zerstört, gelangt das in ihnen gelagerte Ferritin in die Blutbahn. 

Ferritin erhöht durch Alkohol

Übermäßiger Alkoholkonsum kann zu einem Leberschaden führen. Dieser macht sich – unter anderem – durch einen erhöhten Ferritinwert bemerkbar. Wird die Leber immer wieder mit Alkohol "überladen", wird sie damit irgendwann nicht mehr fertig. Das führt zum einen dazu, dass das Organ vermehrt Fett einlagert. Man spricht von einer Fettleber.

Zum anderen schädigen die Abbauprodukte des Alkohols die Leberzellen. Trinkt die oder der Erkrankte weiterhin Alkohol, kann sich die Leber entzünden. Dabei stirbt vermehrt Lebergewebe ab. Die zerstörten Leberzellen geben ihre Bestandteile ans Blut ab. Da die Leberzellen besonders viel Ferritin enthalten, steigt dadurch der Ferritingehalt des Blutes.

Neben dem Ferritinwert steigen dann auch andere Blutwerte, etwa:

  • MCV-Wert
  • Gamma-Glutamyl-Transferase (Gamma-GT)

Ferritin als Tumormarker

Viele Krebserkrankungen führen dazu, dass sich die Menge bestimmter Stoffe im Blut ändert. Diese Stoffe bezeichnet man daher auch als Tumormarker, weil sie auf einen Tumor hindeuten können.

Man unterscheidet zwischen spezifischen und unspezifischen Tumormarkern. Spezifische Tumormarker steigen nur bei einer bestimmten Krebserkrankung an, während sich unspezifische Tumormarker bei verschiedenen Krebsarten nachweisen lassen.

Ferritin zählt zu den unspezifischen Tumormarkern. Der Ferritinwert kann nämlich bei vielerlei Krebsarten erhöht sein, etwa bei:

Warum Tumoren zu einem Anstieg von Ferritin führen, lässt sich nicht sicher sagen. Wahrscheinlich hängt es damit zusammen, dass Krebserkrankungen häufig eine Entzündung im Körper auslösen. Entzündungsreaktionen lassen den Ferritinwert ansteigen.

Zur Früherkennung oder gar zum Nachweis einer Krebserkrankung eignet sich Ferritin dennoch nicht. Denn für erhöhte Ferritinwerte kann es auch andere Erklärungen geben – zum Beispiel Entzündungen anderer Ursachen oder ein Überschuss an Eisen im Körper. 

Bei der Diagnose einer Krebserkrankung orientieren sich Ärztinnen und Ärzte daher an anderen Tumormarkern – vor allem aber an den Diagnosekriterien, die für die jeweilige Krebsart gelten. Dabei sind die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen von Bedeutung. Wichtig sind dabei vor allem Befunde aus bildgebenden Verfahren wie RöntgenComputertomografie oder MRT, mittels derer sich Ärztinnen und Ärzte ein genaueres Bild vom möglicherweise betroffenen Gewebe machen können.

Ferritinwert zu niedrig

Ein niedriger Ferritinwert weist darauf hin, dass es dem Körper an Eisen mangelt. Dafür kann es verschiedene Gründe geben. Häufige Ursachen eines Eisenmangels – und somit eines Ferritinmangels – sind:

  • starker Blutverlust (z. B. durch eine Verletzung)
  • dauerhafter oder wiederholter Verlust kleinerer Blutmengen (z. B. durch die Monatsblutung oder eine chronisch-entzündliche-Darmerkrankung)
  • unzureichende Eisenzufuhr über die Ernährung
  • gestörte Eisenaufnahme im Darm (z. B. durch die Darmerkrankung Zöliakie)
  • erhöhter Eisenbedarf (z. B. während des Wachstums, in der Schwangerschaft und Stillzeit)

Der Mangel führt früher oder später zu gesundheitlichen Problemen. Unter anderem beeinträchtigt er die Sauerstoffversorgung der Organe und schwächt das Immunsystem. Das kann sich etwa durch Müdigkeit und Schwäche bemerkbar machen, sowie durch Blässe und Hautprobleme (z. B. eingerissene Mundwinkel, spröde Haut). Auch werden die Betroffenen unter Umständen anfälliger für Infekte. 

Ferritinwert: Wie erhöhen?

Ein zu niedriger Ferritinwert normalisiert sich, sobald der Körper wieder ausreichend mit Eisen versorgt ist. Um den Eisenmangel zu beheben, muss die Ärztin oder der Arzt zunächst dessen Ursache klären. Manchmal ist es möglich, die Auslöser zu beseitigen. Darüber hinaus kann die Ärztin oder der Arzt Eisenpräparate verordnen – etwa in Form von Tabletten oder Brausetabletten. 

War eine zu einseitige Ernährung der Grund für den Eisenmangel, hilft es, diese entsprechend umzustellen. Eisenreiche Lebensmittel sollten regelmäßig auf dem Speiseplan stehen. Eisen steckt nicht nur in Fleisch, sondern auch in zahlreichen pflanzlichen Speisen.