Jemand entnimmt eine Blutprobe am Ohrläppchen.
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Übersäuerung (Azidose)

Eine Übersäuerung (Azidose) kann sich durch unterschiedliche Symptome bemerkbar machen. Welche Anzeichen auftreten, hängt vor allem von der jeweiligen Ursache der Übersäuerung ab. Erfahren Sie mehr über die unterschiedlichen Formen der Azidose und deren Behandlung.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Symptome

Übersäuerung (Azidose): Symptome

Von einer Übersäuerung spricht man, wenn der pH-Wert im arteriellen Blut unter 7,35 sinkt, also saurer wird. Der Fachausdruck für diesen Zustand lautet Azidose. Je nach Form der Blutübersäuerung können unterschiedliche Symptome auftreten.

Symptome bei atmungsbedingter (respiratorischer) Azidose

Die atmungsbedingte Übersäuerung (respiratorische Azidose) ist die häufigere Form der Azidose. Sie ist immer mit einer sogenannten Hypoxie verbunden. Das bedeutet, das Körpergewebe ist infolge der verringerten Atmung vollständig oder teilweise mit Sauerstoff unterversorgt. Das macht sich typischerweise durch Atemnot und blau gefärbte Lippen bemerkbar.

Darüber hinaus kann eine respiratorische Azidose weitere Symptome hervorrufen, die von Schwäche über Desorientiertheit bis hin zu Koma reichen. Da die Nieren versuchen, die Übersäuerung auszugleichen, ist zudem vermehrtes Wasserlassen typisch.

Symptome bei stoffwechselbedingter (metabolischer) Azidose

Die seltenere stoffwechselbedingte Übersäuerung (metabolische Azidose) löst andere Symptome aus. Typischerweise tritt eine beschleunigte Atmung (sog. Hyperventilation) auf, die ungewöhnlich tief ist: die sogenannte Kußmaulatmung (benannt nach dem Arzt Adolf Kußmaul). Auf diese Weise versucht der Körper, mehr saures Kohlendioxid abzuatmen. Ist ein Diabetes mellitus dafür verantwortlich, dass der Körper übersäuert ist, kann der Atem des Betroffenen außerdem obstähnlich nach Azeton riechen.

Darüber hinaus wirkt sich jede akute Azidose auch auf das Herz und die Blutgefäße aus. Ist der Körper übersäuert, sinkt die Herzleistung und die Gefäße in Armen und Beinen weiten sich. Dadurch sind bei einer Übersäuerung folgende weitere Symptome möglich:

Übersäuerung (Azidose): Ursachen

Um zu funktionieren, benötigt der Körper Energie, die er über die Nahrung erhält. Verschiedene Stoffwechselvorgänge machen die Energie für Muskeln und Organe nutzbar. Dabei fallen Abfallprodukte an, die der Körper über Nieren, Leber, Haut, Lunge und Darm ausscheidet. Diese Abfallprodukte können sauer oder basisch sein.

Für den Körper ist es wichtig, dass das Blut einen stabilen pH-Wert hat. Normalerweise liegt deshalb im Blut ein mehr oder weniger gleichbleibender pH-Wert zwischen 7,36 und 7,44 vor. Dafür sorgen verschiedene Puffersysteme, die den Säure-Basen-Haushalt ausgleichen:

  • Proteinpuffer
  • Ausgleich durch Abatmung über die Lunge (sog. respiratorische Kompensation)
  • Ausgleich durch Ausscheidung über die Nieren (sog. renale Kompensation)

Saure Abfallprodukte des Stoffwechsels scheidet der Körper über die Niere aus oder atmet sie über die Lunge ab. Ist diese Regulierung gestört, entsteht ein Säureüberschuss und es kommt zu einer Übersäuerung.

Eine Azidose kann verschiedene Ursachen haben. Je nach Ursache unterscheidet man zwei akute Formen der Übersäuerung:

  • atmungsbedingte Übersäuerung und
  • stoffwechselbedingt Übersäuerung

Atmungsbedingte Übersäuerung (respiratorische Azidose)

Eine atmungsbedingte Übersäuerung nennt man auch respiratorische Azidose. Sie entsteht durch eine zu oberflächliche und/oder zu langsame Atmung (sog. Hypoventilation). Der Körper atmet dabei zu wenig Kohlendioxid (CO2) ab. Das überschüssige saure Kohlendioxid lagert sich in Form von Bikarbonat in Blut und Gewebe an.

Für eine respiratorische Azidose sind unter anderem folgende Ursachen möglich:

Stoffwechselbedingte Übersäuerung (metabolische Azidose)

Der Fachausdruck für eine stoffwechselbedingte Übersäuerung lautet metabolische Azidose. Sie geht mit einer zu hohen Konzentration saurer Stoffwechselprodukte im Blut einher und überlastet die Puffersysteme. Als Folge sinkt der pH-Wert schlagartig. Diese Form der Übersäuerung ist häufig lebensbedrohlich.

Folgende Ursachen kommen für eine metabolische Azidose infrage:

  • Im Körper bilden sich vermehrt Säuren oder der Körper erhält zu viel Säure von außen (sog. Additionsazidose). Mögliche Gründe sind:
    • Diabetes mellitus
    • Alkoholismus
    • Hungerzustand
    • schwere Muskelarbeit
    • Schock
    • Vergiftungen, beispielsweise durch Methanol (z. B. in selbstgebranntem oder gepanschtem Alkohol), Glykol (z. B. in Frostschutzmitteln) oder Salicylate (z. B. in Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure)
    • Der Körper scheidet zu wenig Säuren über die Nieren aus (sog. Retentionsazidose). Das ist zum Beispiel der Fall bei:
    • Der Körper scheidet vermehrt Basen aus (sog. Subtraktionsazidose). Mögliche Auslöser hierfür sind zum Beispiel:

Ernährung und Übersäuerung

Über die Ernährung können sich unter Umständen Säuren im Körper anhäufen – beispielsweise bei einer sehr fleischlastigen Kost. Über eine vorwiegend pflanzliche Kost nimmt man hingegen vermehrt Basen auf. Den pH-Wert im Blut durch eine ungünstige Ernährung so zu verschieben, dass er saurer wird, ist jedoch für ansonsten Gesunde im Grunde unmöglich.

Video: Übersäuern durch Ernährung – geht das wirklich?

Der Körper kann die Säuren und Basen, die er bei der Ernährung aufnimmt, dank der Puffersysteme entsprechend abfangen. Der pH-Wert im Blut bleibt dadurch normalerweise in einem konstanten Bereich. Aus gesundheitlichen Gründen kann eine Ernährung mit hoher Säurelast (etwa bei hohem Fleischverzehr) allerdings dennoch ungünstig sein.

Übersäuerung (Azidose): Diagnose

Eine akute Übersäuerung (Azidose) lässt sich mit einer Blutgasanalyse feststellen. Dabei misst der Arzt den pH-Wert und den Säure-Basen-Haushalt des Blutes sowie die Gasverteilung von Sauerstoff und Kohlendioxid.

Ob die Übersäuerung des Körpers atmungsbedingt ist (also z. B. durch eine Lungenerkrankung, eingeschränkte Atmung infolge eines Rippenbruchs oder Lähmung des Atemzentrums im Gehirn entstand) oder ob der Körper stoffwechselbedingt übersäuert ist (wie z. B. eine Azidose bei Diabetes mellitus, Nierenversagen oder Durchfall), zeigen die Bikarbonatwerte und der Kohlendioxid-Partialdruck im Blut:

  • Ein hoher Kohlendioxid-Partialdruck weist auf eine atmungsbedingte Übersäuerung (bzw. respiratorische Azidose) hin.
  • Niedrige Bikarbonatwerte weisen auf eine stoffwechselbedingte Übersäuerung (bzw. metabolische Azidose) hin.

Außerdem stehen Teststreifen zur Verfügung, die jedoch nur bei Verdacht auf eine chronische Übersäuerung des Gewebes zur Diagnose zum Einsatz kommen. Mit diesen Teststreifen kann man den pH-Wert im Urin messen.

Übersäuerung (Azidose): Therapie

Bei der Therapie einer akuten Übersäuerung (Azidose) gibt es vor allem zwei Ziele:

  1. die Ursache für den Säureüberschuss im Körper zu beseitigen (d. h. die Grunderkrankung zu behandeln) und
  2. mit Sofortmaßnahmen gegen die akuten Symptome der Übersäuerung anzugehen.

Therapie bei respiratorischer Azidose

Bei einer respiratorischen Azidose, also einer Übersäuerung durch zu geringe Abatmung von Kohlendioxid, besteht die symptomatische Therapie darin, die Atemfrequenz zu steigern. Auf diese Weise lässt sich mehr saures Kohlendioxid (CO2) abatmen.

Das Körpergewebe ist bei einer respiratorischen Azidose infolge der verminderten Atmung gänzlich oder teilweise mit Sauerstoff unterversorgt (sog. Hypoxie). Je nachdem, welches Ausmaß die Hypoxie hat, kann das die Behandlung beeinflussen. In schweren Fällen sind eine intensivmedizinische Versorgung und eine maschinelle Beatmung erforderlich.

Je nach Ursache der respiratorischen Ursache können außerdem Medikamente zum Einsatz kommen, etwa bronchienerweiternde Mittel bei Asthma oder COPD.

Therapie bei metabolischer Azidose

Eine metabolische Azidose, also eine stoffwechselbedingte Übersäuerung, erfordert eine umgehende Behandlung.

Sofern die Atemfunktion ungestört ist, erhalten Betroffene Bikarbonat über eine Infusion. Auf diese Weise können sie vermehrt Kohlendioxid (CO2) über die Lunge abatmen.

Besteht allerdings die Chance, die ursächliche Grunderkrankung schnell behandeln zu können, setzen Ärzte Bikarbonat-Infusionen zur Therapie nur zurückhaltend ein. Das betrifft zum Beispiel Diabetiker mit einer diabetischen Ketoazidose, deren akute Symptome sich durch eine Insulin-Behandlung zumindest verbessern lassen.

Ist eine Erkrankung wie eine chronische Nierenschwäche für die metabolische Azidose verantwortlich, kann zur Therapie möglicherweise eine Dialyse notwendig sein. Langfristig ist es hier zur Behandlung ratsam, die Ernährung umzustellen. Diese sollte reich an Obst und Gemüse, aber eher arm an Eiweiß sein. Mit der Einnahme von Bikarbonat-Tabletten lassen sich bei einer Übersäuerung die natürlichen Puffersysteme unterstützen, die für das Säure-Basen-Gleichgewicht im Körper sorgen.