Ein älterer Mann raucht auf dem Balkon.
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Lungenemphysem

Heilbar ist ein Lungenemphysem nicht. Rechtzeitig erkannt lässt sich die Erkrankung aber zum Stillstand bringen. Doch durch welche Symptome äußert sich ein Lungenemphysem? Und warum trifft es meist Raucher?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Lungenemphysem

Was ist ein Lungenemphysem?
Das Lungenemphysem ist eine chronische Erkrankung, bei sich nach und nach immer mehr Lungengenbläschen auflösen. Dadurch funktioniert der Gasaustausch in der Lunge nicht mehr richtig und den Betroffenen mangelt es an Sauerstoff.

Eine gesunde Lunge besteht aus rund 300 Millionen Lungenbläschen. Bei einem Lungenemphysem lösen sich Wände zwischen ihnen nach und nach auf: Die winzigen Lungenbläschen verschmelzen zu großen Blasen und die Lunge bläht sich immer stärker auf. Diesem Phänomen verdankt die Erkrankung ihren Namen (griech.: emphysein = hineinblasen).

Ein Lungenemphysem führt dazu, dass die Lunge weniger Sauerstoff aufnehmen kann. Denn in den Lungenbläschen vollzieht sich der sogenannte Gasaustausch: Aus der eingeatmeten Luft gelangt Sauerstoff durch die Wände der Lungenbläschen ins Blut. Gehen immer mehr Lungenbläschen zugrunde, mangelt es dem Körper irgendwann an Sauerstoff.

Um lebensbedrohliche Folgen zu verhindern, ist es wichtig, dass das Lungenemphysem so früh wie möglich behandelt wird. Es ist zwar nicht heilbar, da sich zerstörte Lungenbläschen nicht regenerieren und auch nicht reparieren lassen. Eine frühzeitige Therapie kann aber bewirken, dass sich das Emphysem nicht vergrößert.

Häufigkeit

Ein Lungenemphysem tritt fast immer in Zusammenhang mit einer sogenannten chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (engl. chronic obstructive pulmonary disease, kurz COPD) auf. Schätzungen zufolge sind in Deutschland etwa fünf bis zehn von 100 Erwachsenen in der Bevölkerung an COPD erkrankt. Die Erkrankung trifft vor allem Raucher.

Ein Lungenemphysem kann auch durch einen erblich bedingten Mangel an einem bestimmten Eiweißstoff entstehen. Dieser sogenannte Alpha-1-Antitrypsin-Mangel kommt jedoch sehr selten vor: Nur rund 8.000 Menschen in Deutschland sind davon betroffen.

Lungenemphysem: Ursachen

Mit Abstand die häufigste Ursache des Lungenemphysems ist das Rauchen. Fast immer entwickelt sich die Erkrankung in Zusammenhang mit COPD, an der vor allem Raucher erkranken. Die Kombination aus dauerhaften Entzündungen und Zigarettenrauch führt zu einer Zerstörung der Lungenbläschen.

Was genau dabei passiert, lässt sich so zusammenfassen: Bei Entzündungen bildet der Körper vermehrt sogenannte Proteasen. Das sind Eiweißstoffe, die Krankheitserreger bekämpfen. Da sie jedoch auch körpereigenes Gewebe angreifen, produziert der Körper normalerweise zusätzlich Alpha-1-Antitrypsin. Dieser Eiweißstoff schützt das entzündete Gewebe vor dem Abbau durch die Proteasen.

Bei COPD gerät dieses fein abgestimmte System aus dem Gleichgewicht: Im entzündeten Lungengewebe bilden sich vermehrt Proteasen. Zugleich inaktivieren Substanzen aus dem Zigarettenrauch die schützenden Alpha-1-Antitrypsine. Somit können die Proteasen ungehindert die Wände der Lungenbläschen abbauen.

Dadurch werden die Lungenbläschen instabiler und weniger elastisch. Anders als gesunde Lungenbläschen, die beim Ausatmen schrumpfen und verbrauchte Luft wieder abgeben, blähen sich die beschädigten Bläschen immer weiter auf und platzen schließlich.

Bei einigen Betroffenen lässt sich das Lungenemphysem auch auf einen angeborenen Mangel an Alpha-1-Antitrypsin zurückführen. Dieser erblich bedingte Mangel ist selten und kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Ein leichter Alpha-1-Antitrypsin-Mangel führt meist in Kombination mit anderen Risikofaktoren (vor allem Rauchen) dazu, dass sich ein Lungenemphysem entwickelt.

Lungenemphysem: Symptome

Ein Lungenemphysem äußert sich typischerweise durch das Gefühl, nicht genügend Luft zu bekommen. Anfangs tritt die Kurzatmigkeit nur unter körperlicher Belastung auf. Später verspüren die Betroffenen auch Atemnot, wenn sie sich zuvor nicht angestrengt haben. Neben der Atemnot sind Husten und Auswurf mögliche Symptome eines Lungenemphysems.

Welche Beschwerden auftreten, hängt jedoch auch davon ab, welcher Teil der Lunge vom Emphysem betroffen ist sowie vom Stadium der Erkrankung. Ein Lungenemphysem, das bereits seit Jahren besteht, äußert sich häufig durch sichtbare Symptome: Der Brustkorb ist dauerhaft aufgebläht und fassförmig vorgewölbt.

Lungenemphysem: Diagnose

Klagt ein Patient über Atemnot oder anhaltenden Husten, wird der Arzt ihn zunächst fragen, ob er raucht und/oder bereits eine chronische Lungenerkrankung (z.B. COPD) bei ihm festgestellt wurde. Sicher feststellen kann der Arzt ein Lungenemphysem nur durch eine körperliche Untersuchung, an die sich eine Röntgenuntersuchung und eine Lungenfunktionsprüfung anschließen.

Darauf achtet der Arzt bei der körperlichen Untersuchung

Zunächst sieht der Arzt sich den Patienten genau an. So kann er feststellen, ob der Brustkorb des Patienten aufgebläht erscheint. Auch beobachtet der Arzt, ob der Patient ungewöhnlich lange ausatmet und, ob er dabei intuitiv die sogenannte Lippenbremse einsetzt: Atmet der Patient gegen den gespitzten Mund aus, um ein Zusammenfallen ("Kollabieren") der kleineren Atemwege zu vermeiden, ist dies ein Anzeichen für ein Lungenemphysem.

Auch bestimmte Atemgeräusche können auf ein Lungenemphysem hindeuten. Daher hört der Arzt die Lunge des Patienten ab und achtet dabei auf bestimmte Nebengeräusche (z.B. Giemen, Pfeifen und/oder Brummen). Zudem klopft der Arzt den Brustkorb des Patienten ab. Nimmt er dabei ein hohlklingendes Schallgeräusch wahr, ist dies ebenfalls ein möglicher Hinweis auf ein Lungenemphysem.

Warum die Röntgenuntersuchung wichtig ist

Ein genaueres Bild über den Zustand der Lunge kann sich der Arzt durch eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs verschaffen. Ist der Patient an einem Lungenemphysem erkrankt, ist dies auf dem Röntgenbild durch charakteristische Veränderungen zu erkennen:

  • Die Rippen verlaufen nicht mehr leicht schräg, sondern horizontal.
  • Das Zwerchfell ist stärker in Richtung Bauchraum verlagert (tiefstehend).
  • Die Lunge erscheint im Röntgenbild dunkler (die sog. Röntgenstrahlentransparenz ist erhöht), weil sie mehr Luft enthält.

Genauer als das klassische Röntgenbild ist die hochauflösende Computertomographie, die sogenannte HRCT. Auf HRCT-Aufnahmen ist ein Lungenemphysem bereits im Frühstadium zu erkennen. Zudem kann der Arzt mithilfe der HRCT beurteilen, wie weit sich das Lungenemphysem bereits ausgebreitet hat.

So läuft der Lungenfunktionstest ab

Ein wichtiger Bestandteil der Untersuchung sind auch Lungenfunktionstests. Dazu bittet der Arzt den Patienten, in ein Mundstück ein- und auszuatmen. Das Mundstück ist über einen Schlauch mit einem speziellen Messgerät verbunden, dem sogenannten Spirometer. Es misst, viel Luft der Patient ein- und ausatmet. Der Display des Spirometers zeigt die ein- und ausgeatmeten Luftmengen an. Die Werte geben Aufschluss über die Lungenfunktion.

Wie wird ein Alpha-1-Antitrypsin-Mangel diagnostiziert?

Selten ist ein angeborener Mangel am Eiweißstoff Alpha-1-Antitrypsin Ursache des Emphysems. Da dieser Mangel erblich bedingt ist, lässt er sich durch einen Gentest feststellen. Eine Blutuntersuchung reicht zur Diagnose nicht aus. Denn auch bei Menschen, denen es eigentlich an Alpha-1-Antitrypsin mangelt, können die Alpha-1-Antitrypsin-Werte gelegentlich auf ein normales Niveau steigen, etwa durch Infekte.

Lungenemphysem: Behandlung

Ein Lungenemphysem ist nicht heilbar. Die Therapie beschränkt sich darauf, das Fortschreiten der Erkrankung zu verzögern. Dazu ist es notwendig, dass der Patient mit dem Rauchen aufhört und seine Lunge so gut wie möglich vor einer weiteren Schädigung schützt. Sorgen sollte er unter anderem für

Darüber hinaus ist es wichtig, dass die Grunderkrankung behandelt wird. Die Therapie der COPD besteht unter anderem darin, die Bronchien mittels bestimmter Medikamente zu erweitern, damit der Patient wieder leichter atmen kann. Hat der Patient einen angeborenen Mangel an Alpha-1-Antitrypsin, kann der Arzt ihm den Eiweißstoff als Medikament verabreichen, zum Beispiel als Infusion.

Wichtig: Eine Therapie mit Alpha-1-Antitrypsin reicht als Behandlung nicht aus. Wer von einem angeborenen Alpha-1-Antitrypsin-Mangel betroffen ist, sollte sich ebenfalls an die genannten Maßnahmen halten, um seine Lunge zu schonen. Rauchen ist bei genetisch bedingtem Alpha-1-Antitrypsin-Mangel besonders gefährlich.

Neben den genannten Maßnahmen wird der Arzt auch zu Atemübungen raten. Wichtig ist vor allem, dass der Patient die sogenannte Lippenbremse lernt: Beim Ausatmen lässt er die Luft langsam und ohne Anstrengung zwischen gespitzten Lippen ausströmen. So verhindert er, dass die Atemwege während der Ausatmung zusammenfallen.

Bei ausgeprägten Atemproblemen kann eine künstliche Beatmung durch eine spezielle Nasenmaske oder eine Nase-Mund-Maske nötig sein. Um den mit dem Lungenemphysem verbundenen Sauerstoffmangel auszugleichen, bekommt der Patient zusätzlich Sauerstoff zugeführt.

In manchen Fällen ist es sinnvoll, große Emphysemblasen operativ zu entfernen. Bei Erkrankten in einem sehr weit fortgeschrittenen Erkrankungsstadium des Lungenemphysems bleibt als einzige Therapie-Möglichkeit nur eine Lungentransplantation.

Lungenemphysem: Lebenserwartung

Ein Lungenemphysem lässt sich nicht heilen. Durch eine frühzeitige Behandlung und einen konsequenten Verzicht auf das Rauchen lässt sich die Lebenserwartung aber erheblich steigern:

  • Patienten, die nicht rauchen, haben eine mittlere Lebenserwartung von 67 Jahren.
  • Für Raucher mit Lungenemphysem liegt die mittlere Lebenserwartung bei 48 Jahren.

Ist das Lungenemphysem bei Beginn der Therapie bereits weit fortgeschritten, senkt dies die Lebenserwartung ebenfalls erheblich.

Bei Menschen mit angeborenen Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ist die Lebenserwartung vor allem davon abhängig, wie stark der Mangel ausgeprägt ist und ob die Betroffenen rauchen.

Lungenemphysem: Vorbeugen

Einem Lungenemphysem kann man vorbeugen, indem man auf Zigaretten verzichtet. Menschen mit einem angeborenen und schweren Alpha-1-Antitrypsin-Mangel können durch Rauchverzicht zumindest das Fortschreiten der Erkrankung verzögern.

Infektionen der Atemwege, die das Fortschreiten eines Lungenemphysems ebenfalls begünstigen, kann man außerdem mit zwei Impfungen vorbeugen: