Arzt hält Röntgenbild von Lungenemphysem in der Hand.
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Lungenemphysem: Symptome, Lebenserwartung und Therapie

Bei einem Lungenemphysem liegt eine krankhafte Überblähung der Lunge vor. Die chronische Erkrankung ist nicht heilbar– rechtzeitig erkannt, lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung jedoch aufhalten. Welche Symptome sind typisch und wie steht es um die Lebenserwartung Betroffener? 

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Was ist ein Lungenemphysem?

Ein Lungenemphysem ist eine chronische Erkrankung, bei der die Lungenbläschen (Alveolen) nach und nach überblähen und zerstört werden. Eine gesunde Lunge besteht aus rund 300 Millionen Lungenbläschen. Bei einem Lungenemphysem lösen sich immer mehr Wände zwischen den Bläschen auf: Die winzigen Lungenbläschen verschmelzen zu großen Blasen und die Lunge bläht sich zunehmend auf. 

Ein Lungenemphysem führt dazu, dass die Lunge weniger Sauerstoff aufnehmen kann und der Gasaustausch gestört ist: Aus der eingeatmeten Luft gelangt Sauerstoff durch die Wände der Lungenbläschen ins Blut. Gehen immer mehr Lungenbläschen zugrunde, mangelt es dem Körper irgendwann an Sauerstoff.

Ein Lungenemphysem ist zwar nicht heilbar, da sich zerstörtes Lungengewebe weder regenerieren noch reparieren lässt. Eine rechtzeitige Behandlung kann jedoch dem Fortschreiten der Lungenüberblähung gegensteuern.

Häufigkeit von Lungenemphysemen

Ein Lungenemphysem tritt fast immer im Zusammenhang mit einer sogenannten chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) auf. Schätzungen zufolge sind in Deutschland etwa fünf bis zehn von 100 Erwachsenen an COPD erkrankt. Die Erkrankung trifft vor allem rauchende Personen.

Lungenemphysem: Welche Symptome sind typisch?

Oftmals bleibt ein Lungenemphysem über Monate bis Jahre hinweg unentdeckt, da sich die Symptome langsam und schleichend entwickeln. Art und Ausprägung der Beschwerden hängen auch davon ab, welcher Teil der Lunge vom Emphysem betroffen ist und welches Stadium der Erkrankung vorliegt. 

In frühen Stadien kommt es in der Regel zu Kurzatmigkeit unter körperlicher Belastung. In fortgeschritteneren Stadien verspüren Betroffene auch Atemnot im Ruhezustand. Neben der Atemnot sind bei Menschen mit chronischer Bronchitis und einem Lungenemphysem auch Husten und Auswurf mögliche Symptome. Im Endstadium sind Patient*innen mitunter dauerhaft auf ein Sauerstoffgerät angewiesen, da selbst geringe körperliche Belastung zu ausgeprägter Atemnot führt.

Darüber hinaus kann aufgrund des Sauerstoffmangels im Blut eine bläuliche Färbung von Nagelbetten und Lippen (Zyanose) auftreten – vorausgesetzt die Bronchien sind gleichzeitig verengt (Obstruktion). Ein Emphysem, das bereits seit Jahren besteht, äußert sich häufig durch sichtbare Symptome: Der Brustkorb ist dauerhaft aufgebläht und fassförmig vorgewölbt (Fassthorax). Bei schweren Formen ist zudem ein deutlicher Gewichtsverlust Betroffener möglich (Kachexie).

Aufgrund der Atemprobleme bei einem Lungenemphysem kommt es mitunter nachts zu Atemaussetzern (Schlafapnoe), die wiederum Symptome mit sich bringen, wie: 

Was verursacht ein Lungenemphysem?

Die häufigste Ursache des Lungenemphysems ist Rauchen, mitunter auch anhaltende Entzündungsprozesse im Rahmen einer Viruserkrankung. Fast immer entwickelt sich ein Emphysem im Zusammenhang mit COPD. Die Kombination aus dauerhaften Entzündungen und Zigarettenrauch führt zu einer Zerstörung der Lungenbläschen.

Was genau dabei passiert, lässt sich so zusammenfassen: Bei Entzündungen bildet der Körper vermehrt sogenannte Proteasen – Eiweißstoffe, die Krankheitserreger bekämpfen. Da sie jedoch auch körpereigenes Gewebe angreifen, produziert der Organismus normalerweise zusätzlich Alpha-1-Antitrypsin. Dieser Eiweißstoff schützt das entzündete Gewebe vor dem Abbau durch die Proteasen.

Bei COPD gerät dieses fein abgestimmte System aus dem Gleichgewicht. Somit können die Proteasen ungehindert die Wände der Lungenbläschen abbauen und zerstören.

Gendefekt als Ursache eines Lungenemphysems

Bei etwa einem Prozent der Betroffenen lässt sich die Krankheit auf einen angeborenen Mangel an Alpha-1-Antitrypsin zurückführen. Dieser erblich bedingte Mangel ist selten und kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Ein leichter Alpha-1-Antitrypsin-Mangel führt meist in Kombination mit anderen Risikofaktoren (vor allem Rauchen) dazu, dass sich ein Lungenemphysem entwickelt.

Lungenemphysem: Risikofaktoren

Neben dem Konsum von Nikotin gibt es weitere Risikofaktoren, die ein Lungenemphysem begünstigen:

  • schwere Lungenentzündung (Pneumonie)
  • unkontrolliertes Asthma bronchiale
  • Einatmen von Umweltschadstoffen (etwa Ozon, Stickoxide, Schwefeldioxid sowie Feinstaub)
  • Einatmen von Schadstoffen am Arbeitsplatz (Getreide-, Textil-, Holz- oder Papierstäube sowie Silikate)
  • Einatmen quarzhaltiger Stäube (sogenanntes Narbenemphysem)
  • zunehmendes Alter (Altersemphysem; da das Bindegewebe weniger elastisch ist, wodurch auch die Wände der Lungenbläschen an Elastizität einbüßen)

Lungenemphysem: Wie hoch ist die Lebenserwartung?

Ein Lungenemphysem lässt sich nicht heilen. Durch eine frühzeitige Behandlung und einen konsequenten Verzicht auf das Rauchen lässt sich die Lebenserwartung aber erheblich steigern:

  • Patient*innen, die nicht rauchen, haben eine mittlere Lebenserwartung von 67 Jahren.
  • Für rauchende Personen mit Lungenemphysem liegt die mittlere Lebenserwartung bei 48 Jahren.

Ist das Lungenemphysem bei Beginn der Therapie bereits weit fortgeschritten, senkt dies die Lebenserwartung ebenfalls erheblich. Bei Menschen mit angeborenem Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ist die Lebenserwartung vor allem davon abhängig, wie stark dieser Mangel ausgeprägt ist und ob die Betroffenen rauchen.

Wie lässt sich ein Lungenemphysem diagnostizieren?

Bei Atemnot oder anhaltendem Husten sollten sich Betroffene grundsätzlich ärztlich untersuchen lassen. Im Rahmen der Diagnose steht zunächst eine ausführliche Befragung (Anamnese) über die genauen Beschwerden und Vorerkrankungen an – auch das etwaige Rauchverhalten der Person ist von Interesse.

In der Regel folgt eine körperliche Untersuchung, bei der die*der Ärztin*Arzt das Aussehen des Brustkorbs begutachtet und die Lunge abhört. Beispielsweise können auffällige Atemgeräusche einen Hinweis auf ein Lungenemphysem geben. Um die Diagnose zu sichern, kommen weitere Untersuchungsmethoden infrage: 

Lungenemphysem: Wie sieht die Behandlung aus?

Da ein Lungenemphysem nicht heilbar ist, beschränkt sich die Therapie darauf, das Fortschreiten der Erkrankung zu verzögern. Dazu ist es notwendig, dass Betroffene umgehend mit dem Rauchen aufhören, um die Lunge so gut wie möglich vor einer weiteren Schädigung zu schützen. Neben dem kompletten Rauchverzicht sollte auch das Einatmen von Passivrauch und anderen Schadstoffen gemieden werden. Besonders wichtig ist zudem die konsequente Behandlung der Grunderkrankung, wie etwa COPD. 

Darüber hinaus sind weitere Maßnahmen zur Behandlung denkbar:

  • Behandlung mit Medikamenten: Oftmals kommen bronchienerweiternde (Beta-2-Sympathomimetika) und entzündungshemmende Medikamente (etwa Kortison) zum Einsatz, bei einer Infektion mit Bakterien auch Antibiotika. Bei einem angeborenen Mangel an Alpha-1-Antitrypsin können Arzneimittel mit dem Eiweißstoff als Infusion verabreicht werden.

  • Sauerstofflangzeittherapie: Bei schwerem Lungenemphysem kann auf eine Sauerstofftherapie gesetzt werden, wobei mindestens 12 bis 16 Stunden täglich reiner Sauerstoff eingeatmet werden muss. 

  • Atemphysiotherapie: Betroffene lernen hierbei spezielle Atemübungen, wie etwa die sogenannte Lippenbremse. Sie sollen eine richtige Atmung erhalten und zugleich verhindern, dass die Atemwege beim Ausatmen zusammenfallen.

  • operative Eingriffe: In manchen Fällen ist es sinnvoll, große Emphysemblasen operativ zu entfernen. Bei einem sehr weit fortgeschrittenen Erkrankungsstadium bleibt als einzige Therapiemöglichkeit oftmals nur eine Lungentransplantation.

Wer unter einem Emphysem leidet, ist meist anfälliger für Infekte. Deshalb sollten sich Betroffene gegen Grippe und Pneumokokken impfen lassen. Hierzu berät die behandelnde Praxis. Grundsätzlich sollten Atemwegsinfekte bei Betroffenen immer ärztlich behandelt und vollständig auskuriert werden.

Gesunde Lebensweise bei einem Lungenemphysem

Auch eine gesunde Lebensweise ist im Rahmen der Behandlung essenziell. Dazu zählt mitunter:

  • Kraft- und Ausdauertraining
  • eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung
  • Anstreben eines Normalgewichts

Grundsätzlich wirkt sich eine frühzeitige und konsequente Therapie auch positiv auf den Verlauf der Krankheit aus. Dennoch sind Komplikationen wie ein Pneumothorax (Ansammlung von Luft in Spalt zwischen Lunge und Brustwand) oder aber eine Rechtsherzschwäche (Rechtsherzinsuffizienz) möglich. 

Lungenemphysem: Vorbeugen

Einem Lungenemphysem lässt sich vorbeugen, indem auf den Konsum von Zigaretten verzichtet wird. Menschen mit einem angeborenen und schweren Alpha-1-Antitrypsin-Mangel können durch Rauchverzicht zumindest das Fortschreiten der Erkrankung verzögern.

Grundsätzlich sollten Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen weiteren Infektionen der Atemwege vorbeugen, indem sie sich gegen Pneumokokken und Grippe impfen lassen. Auch Menschen mit bereits vorhandenem Lungenemphysem sollten diese Impfungen regelmäßig auffrischen lassen, um das Fortschreiten der Krankheiten zu verhindern.