Man sieht eine vereinfachte Versione der Darmflora auf dem Bauch einer Frau aufgemalt.
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Darmreinigung, Darmspülung

Eine Darmreinigung oder Darmspülung ist gesund, glauben viele. Sie soll unter anderem das Wohlbefinden verbessern sowie beim Entschlacken oder Abnehmen helfen. Aber was genau versteht man eigentlich darunter? Und wann ist eine Darmreinigung oder Darmspülung wirklich sinnvoll?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Darmreinigung, Darmspülung: Sinnvoll oder nicht?

Wer von Darmreinigung spricht, kann damit unterschiedliche Dinge meinen, so etwa:

  • das Entleeren des Darms mithilfe von Abführmitteln.
  • eine Darmspülung, bei der Flüssigkeit rektal in den Darm eingeleitet wird und wieder abfließt (Einlauf).
  • eine Kombination aus Abführen und Darmspülung bzw. Einlauf.

Eine Darmreinigung kommt häufig im Bereich von Alternativmedizin oder Wellness zum Einsatz, so zum Beispiel im Rahmen von Fastenkuren. Meist stehen hierbei Aspekte wie eine "innere Reinigung" oder das sogenannte Entschlacken im Vordergrund.

Aus medizinischer Sicht ist eine Darmreinigung nur in bestimmten Situationen notwendig – so zum Beispiel vor einer Darmspiegelung (Koloskopie): Denn damit der Arzt oder die Ärztin eine gute Sicht auf die Darmwände hat, muss der Darm vollkommen entleert sein.

Darmreinigung aus medizinischen Gründen

Eine medizinische Darmreinigung beginnt meist am Vortag der eigentlichen Untersuchung. Betroffene erhalten hierfür eine abführende Lösung, die sie in bestimmten Zeiträumen trinken müssen. Je nach Art des Präparats schwankt die zu trinkende Flüssigkeitsmenge zwischen 2 bis 4 Litern.

Für eine Darmreinigung aus medizinischen Gründen nutzt man vor allem zwei Gruppen von abführenden Präparaten. Diese basieren entweder auf

  • PEG (Polyethylenglykol) oder auf
  • Natriumphosphat.

Abführen mit PEG

PEG (Polyethylenglykol) wird nicht vom Körper aufgenommen, sondern wirkt rein physikalisch im Darminneren und wird mit dem Stuhl wieder ausgeschieden.

Wenn der Nahrungsbrei aus dem Magen in den Darm gelangt, enthält er auch Wasser, das normalerweise während der Darmpassage entzogen und vom Körper aufgenommen wird. PEG wirkt abführend, indem es einen Teil dieses Wassers im Darm bindet, wodurch der Stuhl flüssiger bleibt und rascher durch den Darm wandert.

Durch das Mehr an Flüssigkeit vergrößert sich zudem das Stuhlvolumen, was die Darmwände dazu anregt, für stärkere Darmbewegungen (Peristaltik) zu sorgen.

Oft enthalten PEG-Lösungen zusätzlich abführende Stoffe – in der Regel entweder Natriumsulfat (Glaubersalz) oder hohe Konzentrationen von Ascorbinsäure (Vitamin C): Beide Substanzen bewirken, dass Wasser aus der Darmwand ins Darminnere gelangt und verflüssigen so den Stuhl.

Abführen mit Natriumphosphat

Natriumphosphat veranlasst den Körper, große Mengen Wasser ins Darminnere abzugeben. Das macht den Stuhl ebenfalls flüssiger und voluminöser, sodass es auch hier zu vermehrter Darmbewegung kommt. Im Unterschied zu PEG bindet Natriumphosphat jedoch nicht das Wasser, das sich bereits im Darm befindet, sondern zieht Wasser aus den Körperzellen.

Mögliche Nebenwirkungen

Sowohl bei einer Darmreinigung mit PEG als auch mit Natriumphosphat kann es zu Nebenwirkungen kommen, wie zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen.

Ablauf einer medizinischen Darmreinigung

Je nach Präparat unterscheidet sich das Prozedere bei einer Darmreinigung etwas:

  • Bei Natriumphosphat nehmen Betroffene die darmreinigende Lösung in der Regel morgens und abends am Tag vor der Untersuchung zu sich.
  • Bei PEG nehmen Betroffene den ersten Teil der Flüssigkeit meist am Nachmittag des Vortags zu sich. Dabei sollte man die abführende Lösung möglichst im Laufe kurzer Zeit trinken. Die zweite Portion des abführenden Präparats folgt dann in der Regel 2 bis 3 Stunden vor der Darmspiegelung.

Generell ist es wichtig, während einer Darmreinigung viel zu trinken. So lassen sich der Flüssigkeitsverlust, der durch das Abführen entsteht, und damit einhergehende Verschiebungen im Elektrolyt-Gleichgewicht ausgleichen.

Am Ende der Darmreinigung sollte der Stuhl ähnlich aussehen wie Kamillentee: hell, klar und flüssig. Dann kann die Darmspiegelung ohne Probleme stattfinden.

Darmspülung: "Darmreinigung" aus Wellness-Gründen

In der Alternativmedizin und im Wellness-Bereich versteht man unter einer Darmreinigung in der Regel eine Darmspülung. Ihr kommt vor allem als Teil sogenannter ausleitender Verfahren eine größere Rolle zu – zum Beispiel für eine Art innere Reinigung beziehungsweise weil man sie für gesund hält oder als Vorbereitung auf eine Fastenkur. Einer Darmspülung schreiben viele Menschen gesundheitsfördernde Effekte zu. Wissenschaftliche Belege dafür gibt es nicht.

Bei einer Darmspülung leitet man mit einem Schlauch rektal Wasser in den Darm ein, um den Darm zu entleeren. Das abfließende Wasser samt Darminhalten wird über einen zweiten Schlauch abgeleitet. Je nach gewählter Variante können die Wassermengen bei einer Darmspülung deutlich variieren: Bei einer Darmspülung fließen in der Regel größere Mengen Wasser durch den Darm – teilweise bis zu 60 Liter.

Beim klassischen Einlauf mit Klistier gelangt dagegen nur eine kleinere Menge Wasser in den Darm: Hierbei werden mit dem Klistier, also einem kleinen, flüssigkeitsgefüllten Plastikbehälter mit Einführvorrichtung, höchstens 5 bis 200 Milliliter Flüssigkeit rektal in den Darm "gespritzt". Diese müssen (wenn möglich) für kurze Zeit aktiv im Darm gehalten werden, ehe die Flüssigkeit wieder ablaufen kann.

Anwendungsbeispiele für eine Darmreinigung gibt es im alternativmedizinischen Bereich viele. Oft unter der Annahme, dass eine Darmspülung gesund sei und Krankheitsbilder (wie z. B. Arthritis, Allergien, Asthma, Kopfschmerzen) bessern kann, das Immunsystem stärkt oder auch einfach nur das Wohlbefinden positiv beeinflusst. Zwar berichten manche Menschen, dass sie sich nach einer Darmspülung besser fühlen. Wissenschaftlich Beweise für diese Wirkungen gibt es bislang nicht.

Weit verbreitet ist zudem die Annahme, dass sich im Darm "Schlacken" oder Giftstoffe ansammeln, die auf Dauer zu gesundheitlichen Problemen führen und deshalb mit einer Darmreinigung entfernt werden müssen. Aus medizinischer Sicht ist solch ein "Entschlacken" jedoch unnötig. Mithilfe der normalen Darmtätigkeit entledigt sich der Körper bereits ganz natürlich der Stoffe, die er nicht gebrauchen kann.

Lesetipp: Funktioniert Entschlacken – und was sind Schlacken überhaupt?Darmspiegelung (Koloskopie)

Je nach Art der Darmspülung enthalten die eingenommenen abführenden Präparate oder das per Darmspülung zugeführte Wasser Stoffe wie:

Mögliche Nebenwirkungen

Als Folge der Darmspülung kann es zu Nebenwirkungen kommen, wie etwa:

Wissenschaftlich gesehen gibt es für eine Darmreinigung – außer zum Beispiel im Rahmen einer Darmspiegelung oder einer Darm-OP – keine Gründe, die dafürsprechen.

Mögliche Risiken

Unsachgemäß durchgeführt kann eine Darmreinigung zu Verletzungen oder gesundheitlichen Beschwerden führen, wie zum Beispiel:

Während einer Darmreinigung verliert man viel Wasser. Deshalb sollte man unbedingt darauf achten, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen.

Insbesondere für Menschen mit Vorerkrankungen besteht ein erhöhtes Risiko für schwere, zum Teil lebensbedrohlich Nebenwirkungen. In diesem Fall sollte man daher von einer Darmreinigung absehen, sofern sie nicht medizinisch notwendig ist. Zu solchen Erkrankungen zählen unter anderem:

Von einer Darmspülung, also einer Darmreinigung aus Wellness-Gründen, sollten außerdem alle absehen, die erst vor kurzem eine Darmoperation hatten.

Um sicherzugehen, dass keine gesundheitlichen Gründe gegen eine Darmspülung sprechen, ist vorab ein Gespräch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt sinnvoll. Sie können abschätzen, ob eventuell Risikofaktoren bestehen. Ohnehin ist es empfehlenswert, bereits bestehende gesundheitliche Beschwerden vor der Darmreinigung ärztlich abklären zu lassen.

Mit Darmreinigung entschlacken: Geht das?

Auf den Menschen bezogen gibt es die Begriffe Schlacken beziehungsweise Entschlacken noch nicht sehr lange. Erst 1935 führte Otto Buchinger (1878-1966) diese Begrifflichkeiten ein. Der deutsche Arzt wurde vor allem durch seine Konzepte zum Thema Heilfasten bekannt.

Buchinger stellte sich vor, dass sich im Darm schädliche Stoffe ablagern, die regelmäßig entfernt werden müssten. Ähnlich wie Hochöfen oder Feuerkessel von Dampflokomotiven immer wieder eine Reinigung brauchten, weil sich auf Dauer Schlacken (Verbrennungsrückstände) ansammelte.

Dass sich im Darm oder in anderen Körperbereichen sogenannte Schlacken ablagern beziehungsweise ungesund sind, konnte jedoch bislang nicht nachgewiesen werden. Verwertbare Stoffe werden vom Köper aufgenommen – nicht verwertbare Substanzen über die Nieren und den Darm ausgeschieden. Eine Darmreinigung oder Darmspülung benötigt man dafür nicht.