Nulldiät, weißer Teller auf blauem Tisch, Besteck mit Maßband
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Nulldiät: Wie riskant ist Vollfasten?

Keine feste Nahrung, nur kalorienarme Flüssigkeiten wie Wasser und Tee: So gestaltet sich die radikale Nulldiät. Die Motive dahinter können unterschiedlich sein. Manche Menschen fasten aus religiösen Gründen oder möchten ihren Körper "reinigen". Andere streben eine möglichst schnelle Gewichtsabnahme an. Aber wie genau funktioniert die Nulldiät? Lesen Sie hier, wie viel sich tatsächlich abnehmen lässt und welche Risiken mit dem Vollfasten einhergehen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Was ist eine Nulldiät?

Bei der Nulldiät, auch als totales Fasten oder Vollfasten bekannt, wird über einen bestimmten Zeitraum komplett auf feste Nahrung verzichtet. Wie der Name Nulldiät schon vermuten lässt, nimmt man also keine Kalorien zu sich. Erlaubt sind ausschließlich Wasser und ungesüßter Tee. 

Das Prinzip hinter der radikalen Ernährungsform ist einfach: Wenn dem Körper nicht mehr genügend Energie zugeführt wird, muss er sich diese Energie auf andere Weise verschaffen. Deshalb bedient sich der Organismus an körpereigenen Reserven. Zum einen greift er auf das Fettgewebe zurück.

Daneben bedient sich der Körper aber auch der Muskelmasse. Denn der Organismus benötigt Eiweiß (Protein). Wenn man dem Körper über die Ernährung kein Eiweiß mehr zuführt, wird dieses vorwiegend aus der Muskulatur mobilisiert.

Durch den Abbau von Fett und Eiweiß ist die Gewichtsreduktion bei völligem Nahrungsentzug vergleichsweise hoch. Frauen verlieren etwa 380 Gramm (g) und Männer rund 450 g Körpergewicht pro Tag. Dabei sind rund 80 bis 120 g allein auf den Eiweißabbau zurückzuführen.

So lassen sich in einer Woche rund 2,7 bis 3,2 Kilogramm (kg) abnehmen. Bei einem Zeitraum von drei Wochen wären das 8 bis 10 kg.

Wie wird eine Nulldiät durchgeführt?

Üblicherweise wird die Nulldiät über einen Zeitraum von einer bis drei Wochen durchgeführt. Gerade bei Menschen, die noch keine Erfahrung mit dem Fasten haben, sollte die Diät aber nicht länger als eine Woche dauern.

Grundsätzlich gliedert sich die Nulldiät in drei Phasen:

1. Entlastungstage

Um den Körper schrittweise an den Nahrungsentzug zu gewöhnen, kann man gewisse Vorbereitungen treffen. So setzen viele Fastende ein bis drei Tage vor der eigentlichen Diät vor allem auf leicht verdauliche Lebensmittel, etwa

  • Obst,
  • Gemüse
  • oder Reis.

Genussmittel wie Alkohol, Kaffee und Tabak werden in diesem Zeitraum üblicherweise weggelassen.

Stimmt man den Organismus – und auch die Psyche – nicht allmählich auf die bevorstehende Diät ein, kann es zu unerwünschten Reaktionen kommen, etwa zu

2. Die eigentliche Fastenzeit

In diesem Zeitraum wird dem Körper nur kalorienfreie Flüssigkeit zugeführt, also Wasser oder Tee. Feste Nahrung ist nicht vorgesehen.

3. Aufbautage

Nach der Nulldiät muss der Körper wieder langsam an feste Nahrung gewöhnt werden. Dazu eignen sich, wie auch während der Entlastungstage, leicht verdauliche Lebensmittel besonders gut. Zu vermeiden sind hingegen schwer verdauliche Lebensmittel, etwa Fleisch oder besonders fettige Gerichte und Frittiertes. Denn während der Diät wird die Verdauung weitgehend eingeschränkt. Diese muss schrittweise angeregt werden, damit es nicht zu Beschwerden wie Magenkrämpfen kommt.

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Für wen eignet sich eine Nulldiät?

Die Motive für eine Nulldiät können unterschiedlich sein. Einige Menschen fasten aus religiösen Gründen oder möchten ihren Körper "entgiften". Meist steht jedoch eine schnelle Gewichtsabnahme im Vordergrund. 

Da die Nulldiät immer nur über einen gewissen Zeitraum erfolgt, ist die Gewichtsreduktion in aller Regel ebenfalls nicht von Dauer. Dadurch ist sie für Menschen, die langfristig abnehmen möchten, eher nicht geeignet – außer, sie wird als motivierender Einstieg gewertet, auf den eine Ernährungsumstellung folgt.

Für Menschen, die nur kurzfristig abnehmen möchten, kann die Nulldiät durchaus effektiv sein. Zum Beispiel gibt es Sportarten, für die das Körpergewicht eine wichtige Rolle spielt, etwa Kampfsport oder Bodybuilding. Doch auch hier sollte man sich etwaigen Risiken bewusst sein.

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Nulldiät für Adipositas-Patienten

Eine Zeit lang wurde die Nulldiät auch in der Adipositastherapie angewandt. Adipositas ist eine krankhafte Fettleibigkeit. In diesem Rahmen wurde die Nulldiät während eines Krankenhausaufenthalts durchgeführt. Die Zeitdauer belief sich hierbei in der Regel auf maximal 100 Tage.

Diese Behandlungsmethode findet heute keine Anwendung mehr, da kaum langfristige Erfolge erzielt werden konnten. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass im Anschluss an die Nulldiät keine ausreichende Betreuung der Patientinnen und Patienten mehr stattfand. Aufgrund fehlender Unterweisungen, was die weitere Ernährungsstrategie betrifft, erfolgte nach Beendigung der Therapie in den meisten Fällen wieder eine Gewichtszunahme.

Risiken der Nulldiät

Wer eine kurzfristige Gewichtsabnahme wünscht, kann dieses Ziel mithilfe der Nulldiät durchaus erreichen. Zudem verfolgt die Nulldiät ein einfaches Prinzip und ist somit leicht umzusetzen. Vollfasten ist sowohl zeit- als auch kostensparend. Für stark übergewichtige Menschen kann die Nulldiät ein motivierender Einstieg zum langfristigen Gewichtsverlust durch eine Ernährungsumstellung sein. Dennoch geht das Vollfasten mit einigen Risiken einher, deren sich Abnehmwillige bewusst sein sollten. 

Proteinmangel

Durch den Nahrungsentzug werden dem Körper essenzielle Nährstoffe vorenthalten, zum Beispiel Protein. Der Mensch benötigt Eiweiß aus der Nahrung, um neue Zellen bauen und bestehende Zellen reparieren zu können.

Der tägliche Eiweißbedarf liegt laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) bei Erwachsenen bei 0,8 g pro Kilogramm Körpergewicht. Damit dieser Bedarf weiterhin gedeckt werden kann, baut der Körper das körpereigene Protein aus der Muskulatur ab. Wir brauchen dieses Protein in den Muskeln jedoch, zum Beispiel, um den Körper mit Stickstoff zu versorgen.

Stickstoff ist am Stoffwechselprozess beteiligt, unterstützt das Bindegewebe und erfüllt wichtige Funktionen im Immunsystem. Stickstoff ist für den Menschen also lebenswichtig. Zwar besteht die Luft zu einem Großteil aus Stickstoff. Im gasförmigen Zustand können wir das Element aber nicht verwerten. Daher ist es essenziell, dass wir es über die Nahrung aufnehmen.

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Organe wie Herz und Nieren können beschädigt werden

Über einen längeren Zeitraum kann der durch die Nulldiät ausgelöste Eiweißmangel zu erheblichen Komplikationen führen. Zum einen konnte man bei einigen Menschen, die vollständig auf Nahrung verzichtet haben, Veränderungen am Herzmuskel beobachten. EKG-Untersuchungen zeigten zudem, dass sich Herzfrequenz und Herzrhythmus verändern können.

Auch für die Niere kann ein vollständiger Nahrungsentzug über einen längeren Zeitraum riskant sein. Denn während der Nulldiät hat sie doppelt Arbeit: Normalerweise ist sie vor allem für die Ausscheidung für Giftstoffen zuständig. Dies geschieht über den Harn. Beim Vollfasten muss sie allerdings noch mehr leisten.

Das Gehirn braucht nämlich Energie. Diese ist nach einer gewissen Zeit aber aufgebraucht. Dann werden Fettsäuren in sogenannte Ketonkörper umgewandelt, die das Gehirn nutzen kann. Und diese Ketonkörper müssen ausgeschieden werden, wodurch die Niere mehr arbeiten muss. Die Folge: Die Harnsäureausscheidung wird gehemmt und Harnsäure sammelt sich im Blut an. Das kann zum Beispiel Gicht begünstigen.

Mangel an Elektrolyten und Mineralstoffen

Der komplette Nahrungsentzug zieht nicht nur eine Gewichtsreduzierung nach sich. Durch die Entleerung des Verdauungstraktes und des Mangels an Eiweiß, Kohlenhydraten, Wasser und Elektrolyten, fehlt es dem Körper an wichtigen Mineralstoffen wie Natrium und Magnesium.

Das kann verschiedene Beschwerden mit sich bringen, etwa Müdigkeit, fehlende Energie, Heißhunger, Kreislaufprobleme, Magenschmerzen und bei längerer Fastendauer auch Haarausfall.

Diesem Nährstoffmangel können Sie entgegenwirken, indem Sie

  • auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten (mindestens 3 Liter / Tag)
  • dem Körper zusätzlich Vitamine zuführen
  • nicht ganz auf "Null gehen", indem Sie dem Körper Nährstoffe über Getränke wie Gemüsebrühe, Fruchtsäfte oder Eiweiß-Drinks zuführen