Man sieht einen Mann bei einer augenärztlichen Untersuchung.
© Getty Images

Glaukom (grüner Star)

Bei einem Glaukom (grüner Star) ist meist der Augeninnendruck erhöht. Das kann unbehandelt zu Sehschäden bis hin zur Erblindung führen. Deshalb ist es wichtig, ein Glaukom frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Erfahren Sie, wie man die Diagnose stellt und was hilft.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Glaukom (grüner Star)

Die Bezeichnung "Glaukom" ist eigentlich ein Sammelbegriff für verschiedene Augenerkrankungen, bei denen der Sehnerv allmählich immer mehr Schaden nimmt. Die Schädigung entsteht dabei in allen Fällen durch ein gestörtes Verhältnis zwischen Augeninnendruck und Durchblutung des Sehnervs.

Besonders ungünstig wirkt sich hierbei die Kombination aus erhöhtem Augeninnendruck und aus schlechter Blutversorgung des Sehnervs aus. In manchen Fällen entsteht ein Glaukom jedoch auch bei niedrigem Augeninnendruck. Die genauen Ursachen für ein Glaukom sind bislang nicht vollständig verstanden.

Fachleute unterscheiden verschiedene Glaukom-Formen. Von medizinischer Bedeutung sind vor allem diese:

  1. primäres Glaukom:
    • primäres Offenwinkelglaukom
    • Glaukom ohne erhöhten Augeninnendruck (Normaldruckglaukom)
    • Glaukomanfall (akutes Glaukom, primäres Winkelblockglaukom)
    • primäres angeborenes (kongenitales) Glaukom
  2. sekundäres Glaukom: Augeninnendruck-Erhöhung als Folge einer anderen Erkrankung, von Medikamenten oder von Behandlungsmaßnahmen wie einem operativen Eingriff.

Wie kommt es zu erhöhtem Augeninnendruck?

Der sogenannte Ziliarkörper ist ein ringförmiger Abschnitt der mittleren Augenhaut. Er produziert fortwährend eine klare Flüssigkeit, das sogenannte Kammerwasser. Das Kammerwasser durchfließt das Auge und füllt den vorderen Teil des Augapfels aus. Ist der natürliche Abfluss des Kammerwassers gestört, steigt der Augeninnendruck.

Ein erhöhter Augeninnendruck kann auf Dauer den empfindlichen Sehnerv schädigen. Dieser ist dann nicht mehr in der Lage, alle Informationen ans Gehirn weiterzugeben. Dadurch entstehen Sehstörungen, die das Gesichtsfeld einschränken (sog. Gesichtsfeldausfälle). Sie sind typisch für ein Glaukom.

Aber auch bei normalen Augeninnendruck-Werten kann der Sehnerv unter Umständen Schaden nehmen und zu einem Glaukom führen. Fachleute sprechen in solch einem Fall von einem Normaldruck-Glaukom.

Es stehen deshalb außer einem erhöhtem Augeninnendruck noch weitere Ursachen in der Diskussion. So ist beispielsweise denkbar, dass Durchblutungsstörungen am Sehnerv und der Netzhaut eine Rolle bei der Entstehung spielen. Infrage kommen auch Gefäßerkrankungen und Blutdruckstörungen.

Glaukom-Risikofaktoren

Verschiedene Risikofaktoren können die Wahrscheinlichkeit für ein primäres Offenwinkelglaukom erhöhen:

Auch eine dünne Hornhaut bei gleichzeitig erhöhtem Augeninnendruck steigert das Risiko für ein Offenwinkelglaukom.

Wichtige Risikofaktoren für die Entstehung eines Glaukomanfalls sind:

  • ein zu kurzer Augapfel (tritt häufig bei Weitsichtigkeit auf)
  • gehäuftes Auftreten von grünem Star in der Familie

Beim primären kongenitalen, also angeborenen Glaukom liegt eine erbliche Veranlagung vor.

Häufigkeit

Sowohl weltweit als auch in den westlichen Industrieländern ist der grüne Star die zweithäufigste Ursache für Erblindung. Ältere Menschen erkranken dabei häufiger – bei den über 65-Jährigen sind es etwa 2 bis 4 Prozent. Betrachtet man die Gesamtbevölkerung liegt in Deutschland bei etwa 1 bis 2 Prozent ein Glaukom vor. Manchen sprechen beim grünen Star deshalb auch von einer Volkskrankheit.

Ein Glaukomanfall (akutes Glaukom) kann prinzipiell in jedem Lebensalter auftreten. Insgesamt kommt er selten vor. Allerdings nimmt die Häufigkeit mit höherem Lebensalter zu.

Das primäre kongenitale (angeborene) Glaukom ist sehr selten und zeigt sich meist bereits innerhalb des ersten Lebensjahrs.

Glaukom (grüner Star): Symptome

Es gibt nicht die eine Glaukom-Erkrankung, sondern verschiedene. Welche Symptome auftreten, hängt davon ab, um welche Form des grünen Stars es sich handelt.

Symptome bei primärem Offenwinkelglaukom

Das primäre Offenwinkelglaukom verläuft anfangs lange ohne erkennbare Symptome. Schmerzen treten dabei nicht auf.

Bei hohem Augeninnendruck kann es sein, dass beim Sehen farbige Ringe oder Höfe um Lichtquellen entstehen. Ursache hierfür ist ein sogenanntes Epithelödem, bei dem sich Wasser in der äußersten Schicht der Hornhaut des Auges einlagert.

Im späteren Verlauf entwickeln sich bei dieser Glaukom-Form Symptome wie Gesichtsfeldausfälle. Betroffene mit einem Offenwinkelglaukom können ohne rechtzeitige Behandlung erblinden.

Symptome bei Glaukomanfall (akutes Glaukom)

Ein Glaukomanfall (akutes Glaukom) kommt selten vor. Er ist ein medizinischer Notfall, der sofortige ärztliche Hilfe erfordert. Meist entsteht ein Glaukomanfall nur einseitig und fällt durch typische Symptome auf, wie:

  • rotes Auge
  • Augapfel fühlt sich bei leichtem Druck auf das geschlossene Auge hart an (sogenanntes steinhartes Auge)
  • Pupille reagiert nicht auf Licht (Lichtstarre)
  • Augenschmerzen
  • Sehstörungen

Häufig kommt es bei einem Glaukomanfall außerdem zu folgenden Symptomen:

Symptome bei primärem kongenitalem Glaukom

Das primäre kongenitale Glaukom kommt insgesamt sehr selten vor und ist angeboren. Es zeigt sich bereits in den ersten Lebensmonaten und fällt durch lichtscheue, tränende Augen auf. Die Lider sind dabei verkrampft. Sehr große Augen bei Säuglingen sind möglicherweise ein Hinweis auf diese Form des grünen Stars. Symptome wie diese sollten deshalb unbedingt ärztlich abgeklärt werden.

Symptome bei sekundärem Glaukom

Ein sekundäres Glaukom kann infolge einer anderen Augenerkrankung oder infolge anderer Umstände am Auge entstehen (wie z. B. Verletzungen, Entzündungen oder Blutungen). Es verläuft entweder ohne Symptome oder mit Symptomen, die einem Glaukomanfall ähneln.

Glaukom (grüner Star): Diagnose

Um ein Glaukom (grünen Star) festzustellen, nehmen Augenärzte oder -ärztinnen verschiedene Untersuchungen vor, wie:

In einigen Fällen ist eine langjährige Verlaufskontrolle mit einer Dokumentation aller Befunde nötig, um ein Glaukom sicher zu diagnostizieren.

Augeninnendruck: Alleine nicht aussagekräftig

Ein Glaukom kann unter Umständen auch dann vorliegen, wenn sich der Augeninnendruck im Normbereich befindet. Für ein empfindliches Auge kann manchmal bereits ein normaler Druck ausreichen, um den Sehnerv zu schädigen.

Umgekehrt verursacht ein erhöhter Augeninndruck zwar häufig, aber nicht unbedingt immer ein Glaukom. Das kann der Fall sein, wenn beim Betroffenen die Toleranzgrenze des Auges höher als der Normbereich ist. Der obere Normbereich des Augeninnendrucks liegt in der Regel bei circa 21 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule). Mit höherem Alter kann der Druck steigen.

Allein den Augeninnendruck zu messen reicht daher nicht aus, um ein Glaukom sicher zu erkennen. Entscheidend ist auch, wie der Sehnerv aussieht. Die zusätzliche Untersuchung von Hornhaut, Augenvorderkammer und Augenhintergrund ist deshalb zur Abklärung ratsam, insbesondere, wenn der Augeninnendruck im Grenzbereich liegt. Mit diesen zusätzlichen Informationen kann der Augenarzt den gemessenen Augeninnendruck besser einschätzen.

Glaukom-Früherkennung

Augenärzte und -ärztinnen bieten oft eine sogenannte Glaukom-Früherkennung an. Wie sinnvoll diese Art von Screening ist, lässt sich aus wissenschaftlicher Sicht jedoch zuzeit nicht sicher sagen. Aussagekräftigen Studien zur Wirksamkeit fehlen bislang.

Viele Augenarztpraxen empfehlen die Glaukom-Früherkennung als regelmäßige Untersuchung ab dem 40. Lebensjahr im Abstand von 3 bis 5 Jahren, da ältere Menschen in der Regel einen höheren Augeninnendruck als jüngere Menschen haben.

Teilweise besteht diese Früherkennung jedoch ausschließlich

Bei beiden Varianten fehlen allerdings wichtige Zusatzuntersuchungen des Auges, die für eine echte Einschätzung notwendig sind.

Weder für die alleinige Augeninnendruckmessung noch für die Augenspiegelung mit Augeninnendruckmessung ist wissenschaftlich erwiesen, dass sie für die Glaukom-Früherkennung einen Nutzen haben. Auch der Nutzen der sogenannten optischen Kohärenztomographie (OCT) ist für die Früherkennung aus wissenschaftlicher Sicht unklar.

Beim Thema Glaukom-Früherkennung ist außerdem zu bedenken, dass es sich beim Glaukom nicht um ein einzelnes Krankheitsbild handelt, sondern um einen Sammelbegriff für verschiedene Augenerkrankungen. Das eine einzelne Testverfahren, das ausreichend aussagekräftig für eine eindeutige Diagnose wäre, gibt bislang nicht.

Ungenaue Testverfahren erhöhen jedoch das Risiko, dass es zu einem falsch-positiven Testergebnis kommt – bei Betroffenen also ein Glaukom diagnostiziert wird, obwohl keines da ist. Als Folge wird möglicherweise unnötig eine Behandlung begonnen. Genauso kann es jedoch auch zu einem falsch-negativen Testergebnis kommen, also eine bestehendes Glaukom übersehen werden.

Wer trägt die Kosten für Untersuchungen zur Glaukom-Früherkennung?

Da der Nutzen der Augeninnendruckmessung mit oder ohne Augenspiegelung zur Glaukom-Früherkennung nicht erwiesen ist, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland die Kosten dafür zurzeit nicht. Sofern kein Verdacht auf ein Glaukom vorliegt, müssen Betroffene die Kosten deshalb in der Regel selbst tragen, denn es handelt sich dabei um eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL-Leistung).

Haben Betroffene dagegen bereits Beschwerden durch einen grünen Star beziehungsweise besteht Verdacht auf ein Glaukom, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen normalerweise die Kosten für die Untersuchung.

Glaukom (grüner Star): Therapie

Ein Glaukom (grüner Star) erfordert eine augenärztliche Behandlung. Die genaue Therapie richtet sich danach, um welche Glaukom-Form es sich genau handelt.

Therapie bei primärem Offenwinkelglaukom

Wird ein primäres Offenwinkelglaukom früh erkannt, lässt es sich gut mit Augentropfen behandeln, die den Augeninnendruck senken sollen. Zum Einsatz kommen hierbei zum Beispiel Augentropfen mit Wirkstoffen wie Dorzolamid, Acetazolamid, Latanoprost oder Timolol.

Senken die Augentropfen den Augeninnendruck nicht ausreichend, kann in einigen Fällen eine Laserbehandlung helfen. Allerdings senkt die Lasertherapie den Druck nur wenig und nicht dauerhaft. Dann hilft oft nur ein operativer Eingriff. Bei einer Glaukom-Operation schafft der Arzt einen künstlichen Abfluss für das Kammerwasser. Die Operation erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung, also ohne Vollnarkose.

Therapie bei Glaukomanfall (akutes Glaukom)

Ein Glaukomanfall (akutes Glaukom) ist ein medizinischer Notfall und erfordert eine sofortige Therapie. Als Erstes senkt man hierfür den Augendruck mithilfe von Medikamenten. Im Anschluss erfolgt eine Operation. Eine sofortige Behandlung verspricht in der Regel gute Heilungschancen. Unbehandelt kann ein Glaukomanfall zur Erblindung führen.

Therapie bei primärem angeborenem (kongenitalem) Glaukom

Ein angeborenes (kongenitales) Glaukom wird immer operativ behandelt.

Therapie bei sekundärem Glaukom

Die Therapie eines sekundären Glaukoms hängt von der zugrundeliegenden Ursache ab, etwa einer anderen Augenerkrankung. Diese sollte man zunächst behandeln.

Für das sekundäre Glaukom selbst eignet sich ansonsten im Prinzip die gleiche Behandlung wie beim primären Offenwinkelglaukom. In erster Linie verschreiben die Ärztin oder der Arzt also Augentropfen gegen den erhöhten Augeninnendruck.

Glaukom (grüner Star): Verlauf

Bei einem Glaukom (grüner Star) hängt der Verlauf davon ab, um welche Form der Augenerkrankung es sich handelt:

  • Ein Glaukomanfall (akutes Glaukom) hat rechtzeitig erkannt und bei geeigneter Behandlung sehr gute Heilungschancen. Bleibt er allerdings unbehandelt, besteht die Gefahr einer raschen Erblindung.
  • Ein primäres Offenwinkelglaukom schädigt den Sehnerv allmählich. Der Krankheitsprozess verläuft über Jahre oder sogar Jahrzehnte. Mit der passenden Behandlung lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen oder sogar stoppen.
  • Das angeborene (kongenitalen) Glaukom nimmt einen günstigeren Verlauf, wenn es frühzeitig behandelt wird. So lässt sich eine Erblindung oft verhindern. Dennoch kommt es auch bei rechtzeitiger Behandlung im Verlauf häufig zu einer eingeschränkten Sehkraft.
  • Bei einem sekundären Glaukom hängt der Verlauf von der zugrundeliegenden Erkrankung ab.

Generell gilt: Ohne Behandlung führt ein grüner Star in vielen Fällen zur Erblindung.

Glaukom (grüner Star): Vorbeugen

Bisher gibt es keine Maßnahmen, mit denen man einem Glaukom (grüner Star) direkt vorbeugen kann. Indirekt lassen sich jedoch zumindest teilweise einige Risikofaktoren für bestimmte Glaukom-Formen beeinflussen.

So lässt sich etwa die Wahrscheinlichkeit, an einem primären Offenwinkelglaukom zu erkranken, teilweise senken, indem man der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (wie Bluthochdruck) oder eines Diabetes mellitus Typ 2 vorbeugt. Das lässt sich zum Beispiel erreichen, indem man sich gesund und ausgewogen ernährt, regelmäßig Sport treibt und Übergewicht vermeidet.