Man sieht eine Frau beim Sehtest.
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Perimetrie (Gesichtsfeldmessung)

Perimetrie (Gesichtsfeldmessung) ist die Überprüfung des Gesichtsfelds – also des Bereichs, den man optisch wahrnehmen kann, ohne das Auge zu bewegen. Hierbei unterscheiden sich das Gesichtsfeld eines Auges (monokulares Gesichtsfeld) und das beider Augen (binokulares Gesichtsfeld).

Allgemeines

Beim Blick geradeaus, reicht das Gesichtsfeld zur Seite bis zu einem Winkel von über 90 Grad. Nach unten sind es bis zu 70 Grad und nach oben sowie zur Nase hin bis 60 Grad. Für Farben ist das Gesichtsfeld kleiner als für weißes Licht. Gegenstände am Rande des Felds, werden deshalb nicht farbig wahrgenommen. Außerdem ist das Gesichtsfeld abhängig von der Gewöhnung (Adaptiaton), der Größe und der Helligkeit eines betrachteten Objekts.

Im Alter nimmt die Größe des Gesichtsfelds aufgrund normaler Alterungsprozesse ab. Auch verschiedene Erkrankungen des Auges oder des Gehirns, wie beispielsweise Grüner Star oder Makuladegeneration) können das Gesichtsfeld beeinträchtigen. Ausfälle im Gesichtsfeld werden mit der Gesichtsfeldmessung (Perimetrie, Perimetermessung) bestimmt. Diese erfasst das gesamte Sehfeld vom Zentrum bis zum äußersten Rand.

Die Gesichtsfeldgrenzen kann der Arzt recht rasch und ohne weitere Hilfsmittel abschätzen. Diese sogenannte Fingerperimetrie ist vielen Menschen bekannt, denn sie ist Bestandteil einer gründlichen klinischen Untersuchung, die zum Beispiel oft im Rahmen von Eignungstests durchgeführt wird. Dabei stehen sich Arzt und Patient im Abstand von circa einem Meter gegenüber und der Arzt breitet die Arme in entgegengesetzte Richtungen aus. Der Patient muss dabei das Gesicht des Arztes fixieren. Er darf während der Perimetrie-Untersuchung seine Blickrichtung auch nicht ändern. Bewegt der Arzt nun die Finger einer Hand, kann der Patient dies im sprichwörtlichen "Augenwinkel" erkennen. Leidet er jedoch an einem Gesichtsfeldausfall in genau dem Bereich, in dem sich die Hand des Arztes befindet, fällt ihm die Fingerbewegung nicht auf. Der Arzt bringt seine Arme während der Untersuchung nacheinander in unterschiedliche Positionen – ähnlich wie die Flügel einer Windmühle. Bei jedem Positionswechsel bewegt er erneut die Finger einer Hand und der Patient muss wieder sagen, wo er die Bewegung wahrnimmt. Neben dieser schnellen, aber auch etwas gröberen Methode gibt es noch weitere Verfahren zur Gesichtsfeldmessung. Teilweise sind dazu auch spezielle Apparturen notwendig.

Automatische statische Perimetrie

Die automatische statische Perimetrie ist die am häufigsten angewandte Methode der Gesichtsfeldmessung. Sie misst, wie empfindlich die Netzhaut an bestimmten Stellen gegenüber Lichteinstrahlung ist. Bei der statischen Perimetrie sitzt der Patient vor einem halbrunden Testschirm (Perimeter). Auf dem Schirm erscheinen in zufälliger Reihenfolge aufblinkende Lichtpunkte. Die zu testende Person blickt auf ein Fixierlicht in der Mitte des Schirms und muss immer dann, wenn sie ein Licht in der Umgebung bemerkt, einen Signalknopf drücken. Betätigt sie bei einer Lichtmarke den Knopf nicht, so erhöht sich zunächst die Lichtstärke. Nimmt die Person den Punkt wieder nicht wahr, registriert der angeschlossene Computer einen Ausfall. Das Messergebnis vergleicht der Arzt anschließend mit einem Normalbefund.

Durchschnittlich dauert eine Gesichtsfeldmessung 10 bis 20 Minuten. Dabei wird immer nur ein Auge getestet, während das andere mit einer Augenklappe abgedeckt ist.

Kinetische Perimetrie

Eine ältere und seltener angewandte Art der Perimetrie (Gesichtsfeldmessung) ist die kinetische Perimetrie. Auch bei dieser Methode sitzt die zu testende Person meist vor einem halbrunden, selten vor einem flachen Testschirm (Kampimetrie). Auf diesem werden bewegte Lichtpunkte von außen nach innen in das Gesichtsfeld herangeführt. Der Zeitpunkt an dem der Patient die Punkte wahrnimmt, wird vom untersuchenden Arzt oder automatisch von einem Computer erfasst und anschließend ausgewertet. Auf diese Weise kann der Arzt die genaue Größe des Gesichtsfelds bestimmen.

Parallelversuch (Konfrontationstest, Fingerperimetrie)

Ein sehr einfacher Test, der häufig im Rahmen einer neurologischen Untersuchung durchgeführt wird, ist die Fingerperimetrie. Dabei stehen sich Arzt und Patient im Abstand von circa einem Meter gegenüber. Der Arzt breitet die Arme in entgegen gesetzte Richtungen aus. Der Patient muss während der Untersuchung das Gesicht des Arztes fixieren und darf im Folgenden seine Blickrichtung nicht ändern. Nun bewegt der Arzt die Finger einer Hand. Ist das Gesichtsfeld des Patienten in Ordnung, kann er erkennen, an welcher Hand der Arzt seine Finger bewegt. Der Arzt bringt seine Arme danach in verschiedene Positionen – ähnlich wie die Flügel einer Windmühle. Bei jedem Positionswechsel bewegt er erneut die Finger einer Hand, und der Patient muss wieder sagen, wo er die Bewegung wahrnimmt. Auf diese Weise kann der Arzt die Gesichtsfeldgrenzen des Patienten abschätzen. Liegt ein Gesichtsfeldausfall vor, kann der Patient in einem bestimmten Bereich nicht erkennen, ob sich die Finger des Arztes bewegen oder nicht.

Der Parallelversuch ist eine einfach und schnelle Möglichkeit der kinetischen Gesichtsfeldmessung. Arzt und Patient sitzen sich dabei mit etwa einem halben Meter Abstand gegenüber. Beide verdecken ein Auge mit der Hand und fixieren mit dem anderen das jeweils gegenüberliegende Auge. Mit der freien Hand bringt der Arzt Gegenstände aus allen Richtungen zwischen sich und die zu testende Person in das Gesichtsfeld. Wenn die Testperson angibt, ab wann sie den Gegenstand wahrnimmt, vergleicht der Untersucher bei dieser Methode der Perimetrie diesen Zeitpunkt direkt mit seiner eigenen Wahrnehmung und seinem normalen Gesichtsfeld.

Anwendungsgebiete

Eine Perimetrie (Gesichtsfeldmessung) ermöglicht, die Größe des Gesichtsfelds einer Person zu bestimmen. Dies ist einerseits wichtig bei bestimmten Eignungstests, zum Beispiel der Untersuchung zur Flugtauglichkeit. Andererseits kann die Gesichtsfeldmessung auch diagnostisch eingesetzt werden, um die Ursachen von Sehstörungen festzustellen. So lokalisiert der Augenarzt Schädigungen der Sehbahn – das heißt, er kann feststellen, ob die Ursache für die den Gesichtsfeldausfall im Auge, im Sehnerven oder im Gehirn liegen. Außerdem kann der Arzt mit wiederholten Gesichtsfeldmessungen das Fortschreiten von Gesichtsfelddefekten kontrollieren.