Eine Frau hält ihr rechtes Auge zu.
© Jupiterimages/PhotoObjects.net Pictures

Entropium (Einwärtskehrung des Augenlids)

Unter einem Entropium versteht man eine Lidfehlstellung, bei der das Augenlid nach innen eingedreht ist. Dabei schleifen die Wimpern ständig auf dem Auge und können es beschädigen. Das Unterlid ist häufiger betroffen als das Oberlid.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Überblick

Ein Entropium kann unterschiedliche Ursachen haben. Am häufigsten entsteht diese Lidfehlstellung – wie auch das auswärts gekehrte Augenlid (Ektropium) – durch ein Missverhältnis der Zugkraft verschiedener Augenlidmuskeln. Zu diesem Zustand kommt es vor allem im Alter, wenn bestimmte Lidmuskeln erschlaffen (sog. altersbedingtes Entropium bzw. Entropium senile). Auch Narben auf der Bindehaut des Augenlids können zu einem Entropium führen (sog. Narbenentropium bzw. Entropium cicatriceum).

Die Einwärtskehrung des Augenlids kann außerdem angeboren sein (sog. Entropium congenitum) und somit bereits Säuglinge betreffen: Ursache hierfür ist meist ein zu kleines Auge (Mikrophthalmus) mit einwärts gedrehtem Oberlid oder ein unzureichend entwickelter Aufhängeapparat am Unterlid. Des Weiteren kann ein Lidkrampf ein vorübergehendes Entropium hervorrufen (sog. Entropium spasticum) oder ein bestehendes Entropium verstärken. Hierbei sind die lidnahen Fasern des ringförmigen Augenlidmuskels anhaltend zusammengezogen.

Wegen der auf dem Auge scheuernden Wimpern ist das Auge beim Entropium chronisch gereizt. Typische Folgen des nach innen gedrehten Augenlids sind daher rote und teilweise eitrig-schleimig verklebte Augen. Die Betroffenen haben ein Fremdkörpergefühl im Auge und kneifen es häufig zu, was das Auge umso mehr reizt und die Beschwerden zusätzlich verstärkt. Das ständige Scheuern der Wimpern kann sich auch auf die Hornhaut auswirken: Hier entstehen beim Entropium manchmal kleine Schäden mit Entzündungen, Geschwüren und Vernarbungen, was unter Umständen die Sehschärfe des betroffenen Auges vermindert.

Welche Behandlung bei einem Entropium zum Einsatz kommt, hängt davon ab, wie stark die Lidfehlstellung ist: Um ein leichtes Entropium zu beheben, reicht manchmal ein am Unterlid angebrachtes Heftpflaster. Alternativ kann der der Augenarzt das Lid durch eine sogenannte Schöpfer-Naht mit einem Faden fixieren. Besteht das Entropium dauerhaft, ist unter Umständen eine Operation ratsam.

Ein behandeltes Entropium hat im Allgemeinen eine gute Prognose; manchmal dreht sich das Lid mit der Zeit jedoch erneut nach innen.

Definition

Ein Entropium ist eine Lidfehlstellung, bei der das Augenlid nach innen gerollt ist, sodass die Wimpern ständig auf der Hornhaut (Kornea) und auf der Bindehaut (Konjunktiva) des Auges schleifen.

Nur in seltenen Fällen besteht das Entropium von Geburt an. Meistens dreht sich das Augenlid erst relativ spät im Leben nach innen, wofür verschiedene Gründe infrage kommen. Entsprechend kann das Entropium in unterschiedlichen Formen auftreten:

  • altersbedingtes Entropium (Entropium senile)
  • Narbenentropium (Entropium cicatriceum)
  • angeborenes Entropium (Entropium congenitum)
  • Lidkrampf (Entropium spasticum)

Von diesen vier verschiedenen Formen ist das altersbedingte Entropium am häufigsten, wobei überwiegend das Unterlid betroffen ist. Das Narbenentropium, das angeborene Entropium und der Lidkrampf können hingegen sowohl am Ober- als auch am Unterlid entstehen.

Ursachen

Für ein Entropium – also ein nach innen gedrehtes Augenlid – kommen vielfältige Ursachen infrage. Wie beim Ektropium ist die häufigste Ursache ein Missverhältnis bei der Zugkraft verschiedener Augenlidmuskeln. Dieses Ungleichgewicht entsteht vor allem im fortgeschrittenen Lebensalter. Ein solches altersbedingtes Entropium (Entropium senile) tritt auf, wenn der Aufhängeapparat des Auges am Unterlid erschlafft: Das Augenlid besitzt einen ringförmigen Schließmuskel, der das ganze Auge umgibt (Musculus orbicularis oculi) – erschlafft der sogenannte Lidöffnermuskel, führt dies zu einem Missverhältnis der Muskelkräfte, wodurch sich das Unterlid einwärts rollt.

Ein nach innen gedrehtes Augenlid kann auch durch Narben auf der Bindehaut des Augenlids entstehen: Ein solches Narbenentropium (Entropium cicatriceum) hat seine Ursachen häufig in einer bakteriellen Augenentzündung (Trachom). Aber auch Verbrennungen, Verätzungen und starke allergische Reaktionen können Narben am Augenlid hinterlassen, die zu einem Entropium führen.

Ein Entropium kann seine Ursachen außerdem in einem sogenannten Lidkrampf (Blepharospasmus) haben: Hierbei sind die lidnahen Fasern des ringförmigen Augenlidmuskels anhaltend zusammengezogen. Dieser Zustand führt zu einer vorübergehenden Einwärtskehrung des Augenlids (Entropium spasticum) oder kann ein bestehendes Entropium verstärken.

Nicht immer hat ein Entropium erworbene Ursachen – die Lidfehlstellung kann auch von Geburt an bestehen. Die Ursache für ein solches angeborenes Entropium (Entropium congenitum) ist meist ein zu kleines Auge (Mikrophthalmus) mit Einwärtskehrung des oberen Augenlids oder ein unzureichend entwickelter Aufhängeapparat am Unterlid.

Ein angeborenes Entropium kommt bei der asiatischen Bevölkerung deutlich häufiger vor als bei Europäern. Dabei können sowohl der obere als auch der untere Lidrand nach innen gedreht sein. In den meisten Fällen bildet sich diese Lidfehlstellung im Laufe der Kindheit von alleine zurück, sie kann aber auch bis ins Erwachsenenalter bestehen.

Symptome

Ein Entropium (Einwärtskehrung des Augenlids) zeichnet sich durch folgende Symptome aus:

  • Die Lidkante ist nach innen gewendet und
  • die Wimpern scheuern auf dem Auge.

Allgemein kann sowohl das Oberlid als auch das Unterlid nach innen gerollt sein – meistens ist jedoch das Unterlid von der Fehlstellung betroffen. Das ständige Reiben der Wimpern auf der Hornhaut und der Bindehaut ist verantwortlich für die bei einem Entropium auftretenden Symptome: vor allem gerötete und teilweise eitrig-schleimig verklebte Augen.

Durch die bei einem Entropium ständig auf dem Auge reibenden Wimpern entsteht ein Fremdkörpergefühl. Menschen mit einem Entropium kneifen ihre Augen daher häufig zu. Dieses Verhalten reizt das betroffene Auge umso mehr und verstärkt die Symptome der Lidfehlstellung. Mit der Zeit entsteht ein chronischer Reizzustand der Bindehaut, bei dem das betroffene Auge gerötet ist und tränt. Diesen Tränenfluss bezeichnen Ärzte auch als Epiphora. Der chronische Reizzustand kann mitunter Lidkrämpfe auslösen. Ein solcher Lidkrampf (Blepharospasmus), bei dem die lidnahen Fasern des ringförmigen Augenlidmuskels anhaltend zusammengezogen sind, verstärkt ein bestehendes Entropium (Entropium spasticum) zusätzlich.

Auch die Hornhaut des Auges kann bei einem länger bestehenden Entropium verschiedene Symptome entwickeln: Durch die scheuernden Wimpern entstehen hier manchmal kleine Schäden mit Entzündungen, Geschwüren und Vernarbungen. Daher kann infolge einer Einwärtsdrehung des Augenlids am betroffenen Auge auf Dauer die Sehschärfe abnehmen.

Anders als ein erworbenes Entropium wirkt sich eine von Geburt an eingedrehtes Augenlid aus: Da die Wimpern bei Neugeborenen sehr weich sind, ruft ein angeborenes (kongenitales) Entropium meist keine Beschwerden oder Schädigungen der Hornhaut hervor. Die Symptome der Lidfehlstellung verschwinden in der Regel innerhalb der ersten beiden Lebensjahre ohne Behandlung von selbst, können aber auch bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben.

Diagnose

Bei einem Entropium gelingt die Diagnose angesichts der auffälligen Lidstellung des betroffenen Auges meist schnell: Die Kante des betroffenen Augenlids – meistens das Unterlid – ist nach innen gewendet, sodass die Wimpern ständig auf dem Auge scheuern.

Um die Folgen des Entropiums zu beurteilen, nutzt der Augenarzt eine sogenannte Spaltlampe: Mit ihr kann er das Auge untersuchen und bestimmen, in welchem Ausmaß sich das einwärts gekehrte Augenlid auf das betroffene Auge auswirkt. So kann er feststellen, wie stark die Wimpern des einwärts gekehrten Augenlids auf der Bindehaut und der Hornhaut schleifen und ob die Hornhaut bereits durch das ständige Reiben geschädigt ist. Das ständige Scheuern der Wimpern bei einem Entropium verursacht auf der Hornhaut manchmal kleine Schäden mit Entzündungen, Geschwüren und Vernarbungen. Unter Umständen kann daher die Sehschärfe des betroffenen Auges vermindert sein.

Therapie

Beim Entropium (Einwärtskehrung des Augenlids) hängt die Therapie davon ab, wie stark die Fehlstellung des Augenlids ausgeprägt ist und welche Ursache ihr zugrunde liegt.

Wenn Sie ein leichtes Entropium haben, das beispielsweise durch eine Entzündung oder einen Verband entstanden ist, kann zur Therapie möglicherweise ein am Unterlid angebrachter Heftpflasterstreifen ausreichen: Das Heftpflaster übt einen Zug auf das Augenlid aus, wodurch sich das Entropium unter Umständen von selbst zurückbildet. Die Methode mit dem Heftpflaster eignet sich auch dazu, die Zeit bis zu einem operativen Eingriff zu überbrücken.

Alternativ ist es bei einer leichten Einwärtskehrung des Augenlids möglich, das Lid durch eine sogenannte Schöpfer-Naht mithilfe eines Fadens zu fixieren. Dies ist ein relativ kleiner Eingriff, den der Augenarzt ambulant und unter örtlicher Betäubung durchführen kann.

Ein stärker ausgeprägtes oder lang anhaltendes (chronisches) Entropium erfordert in vielen Fällen eine Operation: Um die Einwärtskehrung des Augenlids zu beheben, verkürzt der Operateur hierbei das Augenlid und entfernt Anteile des Muskels.

Wenn sich der Zustand Ihres betroffenen Auges nicht oder kaum gebessert hat und die Behandlungsmöglichkeiten erschöpft sind, kann gegen das Entropium eine therapeutische Kontaktlinse helfen: Die Linse hält die Wimpern von der Hornhaut fern und verhindert so die mit dem Entropium einhergehende Reizung des Auges. Die entstandenen Veränderungen der Hornhaut machen gegebenenfalls eine Therapie mit Augensalben notwendig.

Ein angeborenes (kongenitales) Entropium erfordert meistens keine besondere Therapie: Da die Wimpern bei Neugeborenen sehr weich sind, verursachen sie bei einem einwärts gekehrten Augenlid meist keine Beschwerden oder Hornhautschäden. In der Regel bildet sich die von Geburt an bestehende Lidfehlstellung innerhalb der ersten beiden Lebensjahre auch ohne Behandlung zurück.

Verlauf

Ein Entropium nimmt meist einen guten Verlauf, wenn eine frühzeitige und ausreichende Behandlung erfolgt. In dem Fall ist auch die Prognose für das Auge gut. Ein angeborenes (kongenitales) Entropium bildet sich sogar oft von selbst zurück. Auch wenn die Lidfehlstellung stärker ausgeprägt oder chronisch ist und eine Operation nötig macht, gelingt es in den meisten Fällen, sie dauerhaft zu beheben. Nur gelegentlich tritt das Entropium nach der Operation erneut auf.

Ein unbehandeltes Entropium kann, wenn die Hornhaut (Kornea) chronisch gereizt ist, im weiteren Verlauf zu Hornhautschäden mit Entzündungen, Geschwüren und Vernarbungen führen. Dies kann unter Umständen eine Beeinträchtigung der Sehkraft bis hin zur Erblindung zur Folge haben.

Vorbeugen

Einem Entropium (Einwärtskehrung des Augenlids) können Sie im Allgemeinen nicht vorbeugen. Allerdings können Sie versuchen, Infektionen oder Verletzungen der Augen zu vermeiden. Durch die entstehenden Narben entwickelt sich in manchen Fällen ein Narbenentropium (Entropium cicatriceum).