Eine Frau träufelt sich Augentropfen in die Augen
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Tränende Augen: Ursache, Behandlung und Hausmittel

Tränende Augen sind vor allem eine Reaktion der Augen auf Einflüsse von außen. Kleine Fremdkörper und Allergene reizen die Augen und führen zu verstärktem Tränenfluss. Aber auch eine trockene Augenoberfläche kann Augen zum Tränen bringen. Erfahren Sie, was Sie gegen tränende Augen tun können.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Tränende Augen sind meist eine Reaktion des Auges, um sich gegen verschiedene Ursachen zu schützen. Einflüsse von außen oder eine trockene Augenoberfläche regen verstärkten Tränenfluss an (Epiphora), um beispielsweise Fremdkörper aus den Augen zu spülen oder den fehlenden, schützenden Tränenfilm zu ersetzen.

Allergiker reagieren typischerweise mit tränenden Augen, Niesen und einer laufenden Nase auf Allergene aus der Umwelt, die das Immunsystem reizen. Es gibt viele verschiedene Substanzen, die die Augen reizen können – dazu zählen unter anderem:

  • Blütenpollen
  • Schimmelsporen
  • Ausscheidungen von Hausstaubmilben
  • Tierhaare
  • kleinste Flugpartikel (Pflanzenteile, Sandkörner, Staub)
  • Tabakrauch
  • Zwiebeln und Gewürze
  • Dämpfe von Chemikalien
  • ungehinderte Sonneneinstrahlung
  • Wind und Luftzug

Es mag auf den ersten Blick paradox klingen, aber auch trockene Augen können für tränende Augen verantwortlich sein. Weiterhin gelten altersbedingte Veränderungen sowie verschiedene Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus als mögliche Ursachen für tränende Augen.

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Aufgabe der Tränenflüssigkeit

Tränen befeuchten die Augenoberfläche – die Lidinnenseite, die Bindehaut und die Hornhaut. Indem sie die Oberfläche des Augapfels glatt und geschmeidig halten, tragen Tränen zu gutem Sehen bei. Ein regelmäßiger Lidschlag sorgt stets für einen frischen Tränenfilm und verhindert auf diese Weise, dass die Augenoberfläche abtrocknet und infolgedessen wund und undurchsichtig wird.

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In einem gesunden Tränenfilm sind zudem keimtötende Substanzen enthalten – sie schützen das Auge vor bakteriellen Infektionen. Das ist besonders wichtig, weil die Augen permanent vielfältigen Einflüssen von außen ausgesetzt sind. Bei einer trockenen Augenoberfläche ist das Risiko für Infektionen entsprechend größer. Entzündete Augen erscheinen glasig, sind häufig verklebt und können brennen und schmerzen.

Eine weitere Aufgabe des Tränenfilms ist es, die durchsichtige Hornhaut mit Sauerstoff und Nährstoffen wie zum Beispiel Glukose zu versorgen und so ein "klares Fenster zur Außenwelt" zu ermöglichen. Und auch die Entsorgung von Stoffwechsel-Abbauprodukten übernimmt der Tränenfilm. Ist der Tränenfilm unterbrochen, erhält die Hornhaut über ihn keinen Sauerstoff mehr und muss über die Blutgefäße der Bindehaut versorgt werden. In solchen Momenten erscheinen die Augen von außen betrachtet gerötet.

Auch bei gesunden Menschen unterliegt die Tränenproduktion über den Tag deutlichen Schwankungen bezüglich ihrer Menge und Zusammensetzung. Bei Müdigkeit wird beispielsweise weniger Tränenflüssigkeit gebildet und die Augen jucken und brennen abends stärker. Weiterhin verringert sich die Tränenproduktion kontinuierlich mit zunehmendem Alter.
 

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Tränende Augen: Ursachen

Wenn die Augen tränen, ist dies in der Regel ein Ausdruck dafür, dass sich Produktion und Abtransport von Tränen aus dem Auge nicht mehr im Gleichgewicht befinden. Für tränende Augen gibt es verschiedene Ursachen:

Tränende Augen bei Allergie

Wiederholt und anhaltend tränende sowie juckende Augen sind nicht selten eine Reaktion auf Stoffe aus der Umwelt, die das Immunsystem reizen (Allergene). Unabhängig davon, ob es sich hierbei um eine Pollenallergie (Heuschnupfen), eine Reaktion auf Schimmelsporen oder Tierhaare beziehungsweise eine Hausstauballergie handelt – die akuten Symptome einer allergischen Reaktion auf Partikel aus der Luft ähneln sich in der Regel stark.

Mit dem Start der Pollensaison, besonders im Frühjahr bei Ausflug der Birkenpollen, und im Falle von Haselpollen sogar bereits zur ausklingenden Winterzeit, beginnen die Augen vieler Allergiker regelmäßig zu jucken und zu tränen. Je nachdem, wie empfindlich Allergiker auf die Pollen von Bäumen oder Gräsern reagieren, kommt dann bei Aufenthalten an der frischen Luft häufig auch spontanes Niesen dazu. Bei starken allergischen Reaktionen kann es weiterhin zu einer Verengung der Atemwege sowie zu Asthmaanfällen kommen.

Auch außerhalb der Pollensaison reagieren Allergiker auf verschiedene Substanzen empfindlich: Regelmäßig tränende Augen in Innenräumen können beispielsweise Anzeichen einer Allergie gegen Staub beziehungsweise gegen die Ausscheidungen von Hausstaubmilben sein. Hausstaubmilben nisten insbesondere in Matratzen und Stofftieren sowie anderen plüschig-flauschigen Einrichtungsgegenständen.

Wenn Beschwerden wie tränende Augen, Husten und häufiges Niesen am Wochenende verschwinden, kann es sich auch um eine berufsbedingte Allergie handeln, also gegen Substanzen, mit denen am Arbeitsplatz oder in dessen Umgebung Kontakt besteht.

Tränende Augen bei trockenen Augen

Werden Bindehaut und Hornhaut der Augen nur unzureichend von einem schützenden Flüssigkeitsfilm benetzt, dann entstehen sogenannte trockene Augen. Normalerweise verteilt der Lidschlag eine vom Tränenapparat (Tränendrüsen und Tränenwegen) gebildete, fetthaltige Flüssigkeit auf der Augenoberfläche. Bei trockenen Augen wird entweder zu wenig Tränenflüssigkeit gebildet oder der Tränenfilm reißt infolge stärkerer Verdunstung ab. Menschen mit trockenen Augen haben dann häufig das Gefühl, einen Fremdkörper im Auge zu haben. Paradoxerweise brennen und jucken trockene Augen nicht nur, auch ein verstärkter reflexartiger Tränenfluss ist regelmäßige die Folge.

Ursachen für trockene Augen sind vor allem Einflüsse aus der Umwelt, wie zum Beispiel der Luftzug von Klimaanlagen sowie lange Arbeit am Bildschirm. Bei langem Sehen auf den Monitor verringert sich die Frequenz des Lidschlags, der die Augen normalerweise regelmäßig befeuchtet.

Weiterhin können verschiedene Krankheiten wie Diabetes mellitus, Rheuma sowie Schilddrüsenleiden beziehungsweise die Einnahme von bestimmten Medikamenten trockene Augen verursachen.

Tränende Augen: Altersbedingte Ursachen

Bei älteren Menschen, insbesondere bei Frauen in den Wechseljahren, können hormonelle Veränderungen die Tränenproduktion und den Tränenfluss stören. Zudem verlieren Muskeln und Bindegewebe des Augenlids, der Tränendrüse und der Tränenpumpe altersbedingt an Spannung. In der Folge läuft der Tränenfluss nicht mehr kontrolliert ab, die Tränenwege sind zum Teil verlegt, sodass die Augen häufiger tränen.

Weitere Ursachen für tränende Augen

Fremdkörper, wie zum Beispiel umherfliegende Pflanzenteile oder Sandkörner sowie nach innen verdrehte Wimpern, können die Augen mechanisch reizen und ebenfalls dazu führen, dass die Augen stark jucken und tränen.

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Tränende Augen: Symptome

Tränende Augen sind meist selbst das Symptom verschiedener Ursachen wie Allergien oder trockener Augen. Zusätzlich zum vermehrten Tränenfluss können, je nach Ursache, weitere Beschwerden auftreten. Insbesondere bei trockenen, tränenden Augen beobachtet man häufig zusätzlich folgende Symptome:

Was tun bei tränenden Augen?

Wenn Augen über eine längere Zeit ständig oder in regelmäßigen Abständen immer wieder tränen, sollte zeitnah ein* Augenärztin*Augenarzt aufgesucht werden. Dabei zielt die augenärztliche Untersuchung nicht ausschließlich darauf ab, eine Ursache für den starken Tränenfluss am Auge direkt zu identifizieren. Mithilfe der Angaben aus dem ärztlichen Vorgespräch (Anamnese) lassen sich auch mögliche Grunderkrankungen ausschließen sowie Folgeerkrankungen verhindern.

Augenärztliche Untersuchungen bei tränenden Augen

Bei Verdacht auf tränende Augen infolge von zu trockenen Augen betrachten Augenärzte bereits vor der eigentlichen Augenuntersuchung die Umgebung des Auges. Trockene Haut im direkten Umfeld und die Stellung des Augenlids können bereits Hinweise auf trockene Augen liefern. Darüber hinaus untersuchen Augenärzte den Lidrand samt seiner Lidranddrüsen und beobachten den Lidschluss sowie die Frequenz des Lidschlags.

Daraufhin erfolgt in der Regel eine Untersuchung der Augenoberfläche mit dem Biomikroskop, der sogenannten Spaltlampe. Gegebenenfalls färben Augenärzte den Tränenfilm auch mit einem Farbstoff (Fluoreszin) ein, um Aufschluss über die Stabilität und die Qualität des Tränenfilms zu erlangen. Hierbei spielt zudem die sogenannte Tränen-Aufrisszeit eine große Rolle: Unter Zuhilfenahme der Spaltlampe bestimmt der Augenarzt, wieviel Zeit zwischen dem Lidschlag und dem Aufreißen des Tränenfilms vergeht.

Bei Verdacht auf eine Benetzungsstörung untersuchen Augenärzte anhand des sogenannten Schirmer-Tests die Menge der Tränenproduktion. Hierzu wird ein kleiner Filterpapierstreifen in das Auge eingelegt. Nach kurzer Zeit lässt sich ablesen, wie weit der Streifen mit wässriger Tränenflüssigkeit benetzt wird.

Augenärzte stellen bei tränenden Augen auf Basis von Schilderungen aus der Anamnese nicht selten den Verdacht, dass eine allergische Reaktion hinter den tränenden Augen steckt. Augenärzte raten dann in der Regel zu einer umfassenderen Allergie-Diagnostik bei einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Mithilfe eines schmerzfreien Hauttests (Pricktest) lassen sich bereits eine Reihe verschiedener Allergene als Ursache allergischer Reaktionen identifizieren.

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Was hilft gegen tränende Augen?

Im Falle einer Benetzungsstörung (trockene Augen) helfen in der Regel spezielle Tränenersatzmittel, sogenannte "künstliche Tränen". Damit lässt sich die Oberfläche des Auges in regelmäßigen Abständen befeuchten und die Qualität des Tränenfilms verbessern.

Bei der Wahl des richtigen Tränenersatzmittels kann ein*e Augenärztin*Augenarzt beraten. Abhängig von der Ursache kommen verschiedene Präparate mit Fettzusätzen in Tropfenform, als Gel oder als Spray zum Einsatz. Wenn die Benetzungsstörung aufgehoben wurde, tränen die Augen in der Regel deutlich weniger.

Ist eine allergische Reaktion die Ursache für tränende und juckende Augen, ermöglichen Präparate mit anti-allergischen Wirkstoffen, sogenannte Antihistaminika, schnell Linderung. Als Tabletten oder Tropfen angewendet, sorgen sie dafür, dass Histamin – der Botenstoff, der für die Reaktion am Auge verantwortlich ist – nicht an Rezeptoren im Auge bindet und seine Wirkung entfalten kann. Außerdem verhindern Antihistaminika, wie Cetirizin oder Azelastin, dass weiteres Histamin am gereizten Auge freigesetzt wird.

Reicht eine Behandlung mit lokal eingesetzten Augentropfen nicht aus, um allergische Reaktionen einzudämmen, raten Mediziner im nächsten Schritt häufig zu Antihistaminika in Tablettenform, die im ganzen Körper wirken. Eine weitere Behandlungsoption für tränende Augen bei Allergien ist eine spezifische Immuntherapie, die sogenannte Hyposensibilisierung.

Bei Entzündungsreaktionen an der Augenoberfläche werden spezielle antientzündliche Präparate am Auge eingesetzt, zum Beispiel Augentropfen mit Kortison oder Cyclosporin.

Achtung: Augentropfen mit gefäßverengender Wirkung verursachen bei anhaltender Nutzung trockene Augen – mit folgenreichen Auswirkungen auf die Sehfähigkeit. Insgesamt ist bei zahlreichen Präparaten zur Anwendung am Auge von einer Selbstmedikation abzuraten, um ungewünschte Auswirkungen zu vermeiden. Es sollte daher bei tränenden Augen immer ein*e Augenärztin*Augenarzt aufgesucht werden!

Hausmittel bei tränenden Augen

Sind Ihre Augen zum Beispiel durch starken Pollenflug gereizt und tränen übermäßig, dann sind kalte Kompressen ein bewährtes Mittel, um die Irritation an den Augen zu lindern.

Allergene in der Nase lösen oft starkes, wiederkehrendes Niesen aus, woraufhin die Augen erneut zu Tränen beginnen. Mithilfe einer Nasendusche lassen sich die Reizstoffe ausspülen und die Schleimhäute beruhigen. Nutzen Sie hierzu in Wasser gelöste (isotonische) Salzmischungen, um Ihre Nase bestmöglich zu pflegen. Für den Einsatz im Alltag sind auch Nasensprays mit (isotonischen) salzhaltigen Lösungen eine bewährte Alternative.

Tränenden Augen vorbeugen

Allergiker, die häufig mit juckenden und tränenden Augen sowie beeinträchtigten Atemwegen auf Allergene aus der Umwelt reagieren, sollten vorbeugend tätig werden. Die Belastung durch Allergene lässt sich senken durch:

  • regelmäßiges Staubwischen oder Staubsaugen (mit einem Feinstaubfilter), um vorhandene Pollen zu beseitigen,
  • bestimmte Staubtücher oder Tischstaubsauger für hartnäckige Staubreste,
  • das Tragen von Schutzkleidung (Atemmaske, Schutzbrille) bei der Gartenarbeit.

Es kann auch sinnvoll sein, den Fahrzeuginnenraum regelmäßig zu reinigen, die Fußmatten und Polster auszuklopfen und eventuell Lederbezüge zu verwenden. Einmal jährlich sollte der Pollenfilter gewechselt werden. Auf diese Weise vermeidet man auch gefährliche Situationen im Straßenverkehr durch eine getrübte Sicht oder Ablenkung infolge tränender Augen.

Menschen, die größtenteils draußen arbeiten, sollten sich von ihrer behandelnden Ärztin oder ihrem behandelnden Arzt beraten lassen, wie sie sich bestmöglich darauf vorbereiten. Pollenflug-Vorhersagen in den Tagesmedien informieren zum Beispiel darüber, welche Pollen zu welchen Zeiten besonders stark auftreten.

Bei einer Milbenallergie ist es ratsam, spezielle milbendichte Matratzen- und Bettbezüge (sogenannte Encasings) zu verwenden und das Bettzeug täglich zu lüften. Außerdem sollte die Bettwäsche häufig gewechselt und bei mindestens 60 °C gewaschen werden. Stofftiere und Kuscheldecken sollten regelmäßig in einer Plastiktüte in den Gefrierschrank, um Milben abzutöten.

Für Milben bieten Räume bei 25 °C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70 Prozent ideale Lebensbedingungen. Bei geringerer Temperatur und Luftfeuchte sterben sie umso schneller ab.

Um tränenden Augen vorzubeugen, helfen außerdem

  • häufiges Stoßlüften,
  • regelmäßiges Wischen der Böden (mehrmals wöchentlich und nicht zu nass, denn Feuchtigkeit lockt Milben an),
  • regelmäßiges Reinigen von Luftfiltern.