FSME: Bild einer Zecke, die Viren in sich trägt.
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FSME: Risikogebiete und Symptome

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) stellt eine akute Entzündung der Hirnhaut, des Rückenmarks und des Gehirns dar. Auslöser ist eine Infektion mit dem FSME-Virus, der vor allem durch Zecken übertragen wird. Was genau ist FSME? Welche Risikogebiete gibt es und was schützt neben einer FSME-Impfung noch? Erfahren Sie hier mehr dazu.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

FAQ: Häufige Fragen und Antworten zu FSME

Vor allem Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen, Südhessen und der Südosten Thüringens zählen zu den FSME-Risikogebieten. Weiterhin gibt es vereinzelte Landkreise im Saarland, der Mitte Hessens, in Niedersachsen, Brandenburg und Rheinland-Pfalz.

Die FSME-Impfung gilt als einziger zuverlässiger Schutz vor der Erkrankung. Kinder und Erwachsene in Risikogebieten und Personen, die beispielsweise in der Landwirtschaft tätig sind, sollten sich impfen lassen. 

Für einen vollständigen Impfschutz sind drei Impfungen notwendig. Nach dem Erhalt der ersten Impfung erfolgt die zweite nach zwei bis zwölf Wochen. Die dritte FSME-Impfung steht dann fünf bis zwölf Monate nach der zweiten an. Der Schutz besteht mindestens drei Jahre lang.

In der Regel kommt es zu grippeähnlichen Symptomen wie beispielsweise Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Auch Bauchschmerzen sind gelegentlich möglich.

Eine direkte Übertragung der FSME-Viren von Mensch zu Mensch ist normalerweise ausgeschlossen: Wer eine Frühsommer-Meningoenzephalitis hat, ist für andere nicht ansteckend. Allerdings sind FSME-Viren von Mensch zu Mensch übertragbar.

Was ist FSME?

FSME ist eine Viruserkrankung, die vor allem durch Zecken übertragen wird. Dabei kann es zu einer Entzündung des Gehirns (Meningitis), der Hirnhäute (Enzephalitis) und des Rückenmarks (Myelitis) kommen. Die Krankheit kann leicht verlaufen, aber auch schwere Folgen nach sich ziehen.

Die Häufigkeit der Erkrankung in Deutschland schwankt von Jahr zu Jahr: Im Jahr 2012 waren die Zahlen mit 195 Fällen besonders niedrig. 2020 wurden 704 Fälle gemeldet. Das ist die höchste Zahl seit 2001, seitdem eine Meldepflicht für FSME-Erkrankungen in Deutschland eingeführt wurde. 2021 sanken die Fallzahlen auf 390 Fälle.

Welche FSME-Risikogebiete gibt es?

Zecken, die FSME-Viren übertragen können, sind in vielen Ländern Europas, Asiens und in Russland verbreitet. Risikogebiete (Endemiegebiete) sind vorwiegend Zentral-, Nord- und Osteuropa sowie China. In Spanien, Portugal, den Beneluxstaaten, Großbritannien und Irland ist FSME dagegen nicht heimisch. Hier gab es entweder keine oder nur vereinzelt Fälle. 

Aktuell, im Jahr 2022, sind laut Robert Koch-Institut (RKI) insgesamt 175 Landkreise in den folgenden deutschen Bundesländern als FSME-Risikogebiete ausgewiesen:

  • Bayern
  • Baden-Württemberg
  • Thüringen
  • Hessen
  • Sachsen
  • Brandenburg
  • Rheinland-Pfalz
  • Saarland
  • Niedersachsen

Die betroffenen Landkreise sind in der Karte der FSME-Risikogebiete des RKI zu finden.

FSME-Risikogebiete breiten sich aus

Zecken breiten sich immer mehr in Gebieten aus, in denen es bislang wenig oder keine der Parasiten gab, etwa in Brandenburg, Mitteldeutschland und Nordrhein-Westfalen. Auch in höheren Höhenlagen, beispielsweise in den Bergen Österreichs oder Bayerns, fühlen sich Zecken mittlerweile heimisch und somit steigt dort auch das Infektionsrisiko. Forschende vermuten für die Ausweitung der Endemiegebiete klimatische und landschaftliche Veränderungen.

FSME: Welche Symptome sind möglich?

Die meisten Menschen, die sich mit dem Virus anstecken, spüren keinerlei Symptome oder sind nach der ersten Krankheitsphase geheilt. Ein knappes Drittel der Infizierten entwickelt jedoch Krankheitssymptome. In den meisten Fällen heilt die Viruserkrankung folgenlos aus. FSME kann jedoch auch schwer verlaufen und bleibende Schäden am Nervensystem hinterlassen oder im Extremfall tödlich enden.

Kommt es zu ersten Symptomen, liegt die Ansteckung ein bis zwei Wochen zurück. Typischerweise verläuft die Erkrankung in zwei Phasen.

Die erste Phase dauert etwa eine Woche und ähnelt einer Grippe mit folgenden Beschwerden:

Sobald das Fieber zurückgeht, sind manche Betroffene geheilt. In den restlichen Fällen folgt auf eine fieberfreie Zwischenphase von rund einer Woche die zweite Phase der FSME, deren Symptome durch die Infektion des Nervensystems entstehen. Dann können die Viren eine

  • Entzündung der Hirnhäute (Meningitis),
  • Entzündung des Gehirns (Enzephalitis, Encephalitis) und/oder
  • Entzündung des Rückenmarks (Myelitis) hervorrufen.

Erkrankungsformen

In der zweiten Phase hängen die Symptome davon ab, welche Strukturen des Nervensystems infiziert sind. In 40 Prozent der Fälle sind Gehirn und Hirnhäute gleichzeitig entzündet (Meningoenzephalitis). Daneben kommen folgende Erkrankungsformen vor:

  • Isolierte Meningitis: alleinige Hirnhautentzündung (circa 50 Prozent der Fälle)
  • Meningoenzephalomyelitis: gleichzeitige Entzündung von Hirnhäuten, Gehirn und Rückenmark (circa 10 Prozent der Fälle)
  • Isolierte Myelitis: alleinige Entzündung des Rückenmarks ohne zusätzliche Entzündung des Gehirns oder der Hirnhäute (sehr selten)

Anzeichen einer isolierten Meningitis

Bei einer isolierten Meningitis können in der zweiten Phase folgende Symptome auftreten:

Oftmals klingen diese Beschwerden nach ein bis zwei Wochen folgenlos ab. 

Symptome bei Meningoenzephalitis

Eine Meningoenzephalitis heilt in ein bis drei Wochen ab. In diesem Fall verursacht die Infektion aber zusätzliche Symptome. Patient*innen können unter Bewusstseinsstörungen, Problemen bei der Bewegungskoordination (Ataxie) sowie unter Lähmungen der Beine und Arme leiden. Auch Krampfanfälle sind möglich.

Wie äußert sich eine Meningoenzephalomyelitis?

Am längsten dauert die schwerste Form, bei der neben Hirnhäuten und Gehirn auch das Rückenmark infiziert ist: Die Meningoenzephalomyelitis kann bis zu zwei Monate Beschwerden bereiten. Oftmals kommt es zu Lähmungen des Schultergürtels, der Arme und Beine sowie der Hals- und Gesichtsmuskulatur. Möglich sind zudem Störungen beim Schlucken und Sprechen. Gefährlich wird es besonders, wenn eine Atemlähmung entsteht, die tödlich enden kann.

FSME: Impfung und Tipps zur Vorbeugung

FSME kann durch einige Maßnahmen und Tipps vorgebeugt werden, indem man sich vor Zeckenstichen möglichst schützt und impfen lässt.

FSME-Impfung

Die FSME-Impfung (auch Zeckenimpfung genannt) ist eine aktive Immunisierung mithilfe von abgetöteten Viren. Der Impfstoff regt den Körper dazu an, Abwehrstoffe (Antikörper) gegen die Erreger zu bilden. In der Regel sind drei Impfungen nötig, um eine Grundimmunisierung zu erzielen. Eine Auffrischung erfolgt in der Regel nach drei Jahren, dann nach weiteren fünf Jahren. Die Zeckenimpfung schützt vor allen FSME-Viren und bietet den sichersten Schutz. 

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Zeckenimpfung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sich in FSME-Risikogebieten aufhalten und dort mit Zecken in Kontakt kommen können. Auch bestimmten Berufsgruppen, etwa in der Land- und Forstwirtschaft tätigen Personen, wird ein Impfschutz angeraten.

Allgemeine Schutzmaßnahmen gegen Zeckenstiche

Neben der Zeckenschutzimpfung sollte besonders darauf geachtet werden, einem Zeckenstich vorzubeugen. Folgende Tipps und Maßnahmen kommen hierfür infrage:

  • Risikogebiete meiden

  • Kleidung: Bei einem Aufenthalt in Wäldern, hohem Gras, im Gebüsch oder auf Wiesen sollten schützende, lange und helle Kleidung sowie geschlossene Schuhe getragen werden.

  • Zeckenschutzmittel: Es gibt verschiedene Zeckenschutzmittel, etwa in Form von Sprays oder Cremes, die auf Haut oder Kleidung aufgetragen werden können.

  • Kleidung und Körper kontrollieren: Nach jedem Aufenthalt im Freien sollten die Kleidung und der Körper nach Zecken abgesucht werden, insbesondere Hautfalten wie die Achseln, Gesäßfalten oder Kniekehlen.

  • Zeckenzange: Eine Zeckenzange, Zeckenkarte oder Zeckenpinzette ist hilfreich, um den Parasiten möglichst schnell entfernen zu können.

Sobald die Zecke ihre Blutmahlzeit beginnt, kann es zur Infektion mit den auslösenden Viren kommen. Eine saugende Zecke schnell zu entfernen, schützt also nicht immer vor FSME. Sicher kann der Krankheit nur mit einer Impfung vorgebeugt werden.

Was verursacht FSME?

Die Ursache der Krankheit ist eine Infektion mit dem FSME-Virus. Diese Viren gehören zur Familie der Flaviviren, wozu beispielsweise auch die Erreger des Denguefiebers und Gelbfiebers sowie das West-Nil-Virus zählen. Welche Ansteckungswege gibt es bei der Infektionskrankheit?

Übertragung durch Zecken

Wesentliche Überträger der Viren sind Zecken. Meist nehmen Zecken wiederum die Viren beim Blutsaugen an infizierten Mäusen auf. Stechen sie dann beispielsweise einen Menschen, können die Viren in dessen Blutbahn gelangen und die Erkrankung verursachen. Nicht jeder Zeckenstich geht jedoch mit einer Infektion einher.

Zecken halten sich bevorzugt in Sträuchern, dicht stehenden Gräsern sowie im Unterholz bis maximal anderthalb Meter über dem Erdboden auf. Vor allem von März bis Oktober besteht in Risikogebieten eine erhöhte Infektionsgefahr. Dabei sind nicht nur in der Land- und Forstwirtschaft tätige Menschen betroffen: Etwa 90 Prozent der Patient*innen infizieren sich während ihrer Freizeit. Besonders oft ziehen sich Kinder einen Zeckenstich zu.

Seltene Übertragungswege

In manchen Teilen Europas (vor allem in Osteuropa) kann der Mensch sich auch durch Rohmilch oder Milchprodukte aus nicht-pasteurisierter Milch von Ziegen, Schafen oder seltener Kühen anstecken (alimentäre Frühsommer-Meningoenzephalitis). In Deutschland spielen Nahrungsmittel bei der Übertragung hingegen kaum eine Rolle.

Inkubationszeit

Eine Zecke kann Viren auf den Menschen übertragen, sobald sie mit dem Blutsaugen beginnt. Ob der Stich eine Erkrankung zur Folge hat, zeigt sich erst nach einer Weile: Bei FSME beträgt die Inkubationszeit – also die Zeit zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit – etwa 7 bis 14 Tage, vereinzelt auch bis zu 28 Tage.

So lässt sich FSME diagnostizieren

Erste Hinweise kann die Befragung zur Krankengeschichte (Anamnese) liefern: Der Verdacht auf eine Infektion mit dem Virus kann sich zum Beispiel aus einem zurückliegenden Aufenthalt in einem FSME-Risikogebiet und einem Zeckenstich ergeben. Oftmals bleibt ein Zeckenbiss jedoch unbemerkt. 

Um die Erkrankung sicher diagnostizieren zu können, sind spezielle Untersuchungen nötig. 

Da bei einer FSME-Infektion eine Meldepflicht besteht, muss die*der Ärztin*Arzt bei einer Diagnose die betroffene Person dem zuständigen Gesundheitsamt melden.

FSME: Behandlung

Die Behandlung besteht darin, die Symptome durch schmerzlindernde oder krampflösende Medikamente zu lindern. Eine ursächliche Therapie, also ein wirksames Mittel gegen die Erreger selbst, gibt es bisher nicht. Patient*innen sollten sich körperlich schonen und Bettruhe einhalten, um die Erkrankung auszukurieren. 

Wer unter Funktionsstörungen des Nervensystems wie Lähmungen leidet, erhält oftmals Rehabilitationsmaßnahmen wie Krankengymnastik, Logopädie oder Ergotherapie. Bei einer schweren Form müssen Patient*innen in der Regel stationär behandelt werden, möglicherweise auch auf der Intensivstation.

Verlauf und Prognose von FSME

Meistens heilt FSME folgenlos aus. Bei einem schweren Verlauf können allerdings bleibende Schäden am Nervensystem entstehen. Wie die Erkrankung im Einzelfall verläuft, hängt vor allem davon ab, welche Strukturen des Nervensystems befallen sind.

  • Meningitis: Die Prognose ist am besten, wenn sich nur die Hirnhäute entzünden. Dann heilt die Krankheit meist nach ein bis zwei Wochen aus, ohne Schäden zu hinterlassen.

  • Meningoenzephalitis: Ist neben den Hirnhäuten auch das Gehirn entzündet, heilt die Erkrankung in ein bis drei Wochen ab. In manchen Fällen kommt es aber vorübergehend oder dauerhaft zu verschiedenen Störungen (etwa bei Konzentration, Gedächtnis, Sprache) und zu Lähmungen.

  • Meningoenzephalomyelitis: Bei einer zusätzlichen Rückenmarkentzündung dauert die Erkrankung länger an. Die meisten Betroffenen erholen sich oftmals nicht vollständig.

Kinder haben im Allgemeinen bessere Heilungsaussichten als Erwachsene. Die höchste Sterblichkeitsrate haben ältere Menschen, bei denen eine Meningoenzephalomyelitis vorliegt. Die Sterblichkeitsrate bei einer Entzündung von Hirnhäuten und Gehirn liegt bei etwa einem Prozent.

Komplikationen

FSME-Infektionen sind nur selten mit Komplikationen verbunden. Kommt es zu einer Erkrankung und erreicht sie die zweite Krankheitsphase, ist bei durchschnittlich zehn Prozent mit einem komplizierten Verlauf zu rechnen. 

Zu den möglichen Komplikationen gehören psychische Auffälligkeiten, zum Beispiel Intelligenz- und Verhaltensstörungen, und vor allem Funktionsstörungen des Nervensystems beziehungsweise neurologische Störungen, wie: