FSME: Bild einer Zecke, die Viren in sich trägt.
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FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis): Symptome und Risikogebiete

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) stellt eine akute Entzündung der Hirnhaut, des Rückenmarks und des Gehirns dar. Auslöser ist eine Infektion mit dem FSME-Virus, der vor allem durch Zecken übertragen wird. Was genau ist FSME? Welche Risikogebiete gibt es und was schützt neben einer FSME-Impfung noch? Erfahren Sie hier mehr dazu.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Was ist FSME?

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) ist eine Viruserkrankung, die vor allem durch Zecken übertragen wird. Dabei kann es zu einer Entzündung des Gehirns (Meningitis), der Hirnhäute (Enzephalitis) und des Rückenmarks (Myelitis) kommen. Die Krankheit kann leicht verlaufen, aber auch schwere Folgen mit sich bringen. 

Die Häufigkeit von FSME in Deutschland schwankt von Jahr zu Jahr: Im Jahr 2012 etwa waren die Erkrankungszahlen mit 195 Fällen besonders niedrig. Im Jahr 2020 wurden 704 FSME-Fälle gemeldet. Das ist die höchste Zahl seit 2001, seitdem eine Meldepflicht für FSME-Erkrankungen in Deutschland eingeführt wurde. 2021 sanken die Fallzahlen auf 390.

FSME: Symptome

Nicht jede FSME-Infektion verursacht Symptome einer Frühsommer-Meningoenzephalitis. Die meisten Menschen, die sich mit dem Virus anstecken, spüren davon überhaupt nichts. Höchstens ein knappes Drittel der Infizierten entwickelt Krankheitssymptome. Wenn die Viruserkrankung ausbricht, heilt sie meistens folgenlos aus. Trotzdem ist mit einem Zeckenstich nicht zu spaßen. Denn FSME kann auch schwer verlaufen und bleibende Schäden am Nervensystem hinterlassen – oder im Extremfall tödlich enden.

Wenn eine FSME-Infektion erste Symptome hervorruft, liegt die Ansteckung meist ein bis zwei Wochen zurück. Typischerweise verläuft die Frühsommer-Meningoenzephalitis in zwei Phasen.

Die erste Phase dauert etwa eine Woche und ähnelt einer Grippe mit folgenden Beschwerden:

Sobald das Fieber zurückgeht, ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis für manche Betroffene überstanden. In den restlichen Fällen folgt auf eine fieberfreie Zwischenphase von rund einer Woche – die zweite Phase der FSME, deren Symptome durch die Infektion des Nervensystems entstehen. Dann können die Viren folgende Entzündungen hervorrufen:

  • Entzündung der Hirnhäute (Meningitis),
  • Entzündung des Gehirns (Enzephalitis, Encephalitis) und/oder
  • Entzündung des Rückenmarks (Myelitis).

Schätzungsweise bis zu 95 Prozent aller Infektionen mit den Erregern verursachen keinerlei Symptome oder sind schon nach der ersten Krankheitsphase vorbei.

Erkrankungsformen

In der zweiten Phase der FSME hängen die Symptome davon ab, welche Strukturen des Nervensystems infiziert sind. In 40 Prozent der Fälle sind Gehirn und Hirnhäute gleichzeitig entzündet. Diese kombinierte Entzündung heißt fachsprachlich Meningoenzephalitis. Daneben kommen folgende Erkrankungsformen vor:

  • isolierte Meningitis: alleinige Hirnhautentzündung (circa 50 Prozent der Fälle)
  • Meningoenzephalomyelitis: gleichzeitige Entzündung von Hirnhäuten, Gehirn und Rückenmark (circa 10 Prozent der Fälle)
  • isolierte Myelitis: alleinige Entzündung des Rückenmarks ohne zusätzliche Entzündung des Gehirns oder der Hirnhäute (sehr selten)

FSME-Symptome einer isolierten Meningitis

Bei einer isolierten Meningitis können in der zweiten Phase der FSME folgende Symptome auftreten:

Grundsätzlich leiden Patient*innen auch unter einem schlechten Allgemeinbefinden. Oftmals klingen diese Beschwerden nach ein bis zwei Wochen folgenlos ab. 

FSME-Symptome bei einer Meningoenzephalitis

Auch eine Meningoenzephalitis heilt meist in ein bis drei Wochen ab. In diesem Fall verursacht die FSME-Infektion aber zusätzliche Symptome. Patient*innen können unter Bewusstseinsstörungen, Problemen bei der Bewegungskoordination (Ataxie) sowie unter Lähmungen der Beine und Arme leiden. Auch Krampfanfälle sind möglich.

FSME-Symptome bei einer Meningoenzephalomyelitis

Am längsten dauert die schwerste FSME-Erkrankungsform, bei der neben Hirnhäuten und Gehirn auch noch das Rückenmark infiziert ist: Die Meningoenzephalomyelitis kann bis zu zwei Monate Beschwerden bereiten. Oftmals kommt es zu Lähmungen des Schultergürtels, der Arme und Beine sowie der Hals- und Gesichtsmuskulatur. Möglich sind zudem Störungen beim Schlucken und Sprechen. Gefährlich wird es besonders, wenn eine Atemlähmung entsteht, die tödlich enden kann.

FSME: Ursachen

Die Ursache der Krankheit ist eine Infektion mit dem FSME-Virus. Diese Viren gehören zur Familie der Flaviviren, wozu beispielsweise auch die Erreger des Dengue-, das Gelbfieber- und das West-Nil-Virus zählen. Welche Ansteckungswege gibt es bei der Infektionskrankheit?

Übertragung durch Zecken

Die wichtigsten Überträger der FSME-Viren sind Zecken: Das sind Parasiten, die sich vom Blut zahlreicher Wirbeltiere ernähren – einschließlich des Menschen. Meist nehmen Zecken die Viren beim Blutsaugen an infizierten Mäusen auf. Stechen sie ihr nächstes Opfer, können die Viren in dessen Blutbahn gelangen und so die Erkrankung verursachen. Nicht jeder Zeckenstich geht jedoch mit einer Infektion einher. 

Zecken halten sich bevorzugt in Sträuchern, dicht stehenden Gräsern sowie im Unterholz bis maximal anderthalb Meter über dem Erdboden auf. Darum ist die Wahrscheinlichkeit, sich einen Zeckenstich zuzuziehen, im Wald sowie an Wegrändern, aber auch in Gärten und Parkanlagen besonders hoch.

Vor allem während der Monate März bis Oktober besteht in Risikogebieten eine erhöhte Infektionsgefahr. Dabei sind nicht nur in der Land- und Forstwirtschaft tätige Menschen betroffen: Etwa 90 Prozent der Patient*innen infizieren sich während ihrer Freizeit. Besonders ziehen sich Kinder einen Zeckenstich zu.

Übrigens: Zecken sind erst bei Temperaturen ab acht bis zehn Grad Celsius richtig aktiv. Darum treten FSME-Infektionen gehäuft im Frühjahr und Sommer auf. Doch an milden Tagen können Zecken auch im Herbst und Winter aktiv sein und die Viren übertragen.

Seltene Übertragungswege

In manchen Teilen Europas (vor allem in Osteuropa) kann der Mensch sich auch durch Rohmilch oder Milchprodukte aus nicht-pasteurisierter Milch von Ziegen, Schafen oder seltener Kühen anstecken (alimentäre Frühsommer-Meningoenzephalitis). In Deutschland spielen Nahrungsmittel bei der Übertragung hingegen kaum eine Rolle.

Infizierter Mensch: Ist FSME ansteckend?

Eine direkte Übertragung der FSME-Viren von Mensch zu Mensch ist normalerweise ausgeschlossen: Wer eine Frühsommer-Meningoenzephalitis hat, ist für andere nicht ansteckend. Allerdings sind FSME-Viren durch Organtransplantationen von Mensch zu Mensch übertragbar.

Inkubationszeit

Eine Zecke kann FSME-Viren auf den Menschen übertragen, sobald sie mit dem Blutsaugen beginnt. Ob das eine Frühsommer-Meningoenzephalitis zur Folge hat, zeigt sich aber erst nach einer Weile: Bei der FSME beträgt die Inkubationszeit – also die Zeit zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit – etwa 7 bis 14 Tage, vereinzelt auch bis zu 28 Tage.

FSME: Risikogebiete

Die Zecken, die FSME-Viren übertragen können, sind in vielen Ländern Europas, Asiens und in Russland verbreitet. Risikogebiete (Endemiegebiete) sind vorwiegend Zentral-, Nord- und Osteuropa sowie China. In Spanien, Portugal, den Beneluxstaaten, Großbritannien und Irland beispielsweise ist FSME dagegen nicht heimisch. Hier gab es entweder keine oder nur vereinzelt Fälle. 

Aktuell, im Jahr 2022, sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) insgesamt 175 Kreise in Deutschland als FSME-Risikogebiete ausgewiesen:

  • Bayern (92 betroffene Landkreise)
  • Baden-Württemberg (43 betroffene Landkreise)
  • Thüringen (12 betroffene Landkreise)
  • Hessen (10 betroffene Landkreise)
  • Sachsen (10 betroffene Landkreise)
  • Brandenburg (3 betroffene Landkreise)
  • Rheinland-Pfalz (1 betroffener Landkreis)
  • Saarland (1 betroffener Landkreis)
  • Niedersachsen (1 betroffener Landkreis)

FSME: Risikogebiete breiten sich zusehend aus

Zecken breiten sich immer mehr in Gebieten aus, in denen es bislang wenig oder keine der Parasiten gab. Somit gibt es mittlerweile auch FSME-Risikogebiete in Brandenburg, Mitteldeutschland und Nordrhein-Westfalen. Auch in höheren Höhenlagen, etwa in den Bergen Österreichs oder Bayerns, fühlen sich Zecken mittlerweile heimisch und somit steigt auch das Risiko einer FSME-Infektion. Forschende vermuten für die Ausweitung der Endemiegebiete mitunter klimatische und landschaftliche Veränderungen.

Übrigens: Neben FSME-Viren können Zecken auch Bakterien der Gattung Borrelia übertragen und so eine Lyme-Borreliose hervorrufen. Im Gegensatz zur Frühsommer-Meningoenzephalitis ist die Borreliose landesweit verbreitet.

FSME: Diagnose

Bei einer Frühsommer-Meningoenzephalitis kann die Krankengeschichte (Anamnese) erste wertvolle Hinweise für die Diagnose liefern: Der Verdacht auf eine Infektion mit dem FSME-Virus kann sich zum Beispiel aus einem zurückliegenden Aufenthalt in einem FSME-Risikogebiet und einem Zeckenstich ergeben. Oftmals bleibt ein Zeckenbiss jedoch auch unbemerkt. 

Um FSME sicher diagnostizieren zu können, sind jedoch spezielle Untersuchungen nötig wie eine Blutuntersuchung: Im Verlauf der Frühsommer-Meningoenzephalitis bildet der Körper IgM- und IgG-Antikörper (spezielle Abwehrstoffe des Immunsystems) gegen das FSME-Virus, die sich im Blut nachweisen lassen.

Im Nervenwasser (Liquor) sind die Antikörper gegen das FSME-Virus ebenfalls vorhanden. Darum kann die*der Ärztin*Arzt auch mithilfe einer Lumbalpunktion eine Liquorprobe entnehmen und diese dann auf Antikörper untersuchen lassen, um die Krankheit festzustellen. Jedoch ist das Virus nur während der ersten Phase der Krankheit im Liquor nachweisbar. Vermutet die*der Ärztin*Arzt eine Gehirnentzündung, kann zudem eine Magnetresonanztomographie (MRT) zur Diagnosestellung dienen.

Da bei einer FSME-Infektion eine Meldepflicht besteht, muss die*der Ärztin*Arzt bei einer Diagnose die betroffene Person dem zuständigen Gesundheitsamt melden.

FSME: Behandlung

Bei FSME besteht die Behandlung darin, die Symptome zu lindern etwa durch schmerzlindernde oder krampflösende Medikamente. Eine ursächliche Behandlung, also ein wirksames Mittel gegen die Erreger selbst, gibt es bisher nicht. Patient*innen sollten sich körperlich schonen und Bettruhe einhalten, um die Erkrankung auszukurieren. 

Wer unter Funktionsstörungen des Nervensystems wie Lähmungen leidet, erhält oftmals Rehabilitationsmaßnahmen wie Krankengymnastik, Logopädie oder Ergotherapie. Kommt es zu einer schweren Form der FSME, müssen Patient*innen in der Regel stationär behandelt werden, möglicherweise auch auf der Intensivstation.

FSME: Verlauf

Meistens heilt die FSME folgenlos aus. Bei einem schweren Verlauf können allerdings bleibende Schäden am Nervensystem entstehen. Wie die Frühsommer-Meningoenzephalitis im Einzelfall verläuft, hängt vor allem davon ab, welche Strukturen des Nervensystems befallen sind.

  • Meningitis: Die Prognose ist am besten, wenn sich nur die Hirnhäute entzünden. Dann heilt die FSME meist nach ein bis zwei Wochen aus, ohne Schäden zu hinterlassen.

  • Meningoenzephalitis: Auch wenn neben den Hirnhäuten das Gehirn entzündet ist, heilt die FSME meist in ein bis drei Wochen ab. In manchen Fällen kommt es aber vorübergehend oder dauerhaft zu verschiedenen Störungen (etwa bei Konzentration, Gedächtnis, Sprache) und zu Lähmungen.

  • Meningoenzephalomyelitis: Ist zusätzlich das Rückenmark entzündet, dauert die Erkrankung länger. Die meisten Betroffenen erholen sich oftmals nicht vollständig von der Erkrankung.

Auch das Alter beeinflusst die Prognose der FSME: Kinder haben im Allgemeinen bessere Heilungsaussichten als Erwachsene. Die höchste Sterblichkeitsrate haben ältere Menschen, bei denen eine Meningoenzephalomyelitis vorliegt. Die Sterblichkeitsrate der Frühsommer-Meningoenzephalitis mit Entzündung von Hirnhäuten und Gehirn liegt bei etwa einem Prozent.

Komplikationen

FSME-Infektionen sind nur selten mit Komplikationen verbunden. Kommt es zu einer Erkrankung und erreicht die Frühsommer-Meningoenzephalitis die zweite Krankheitsphase, ist bei durchschnittlich zehn Prozent mit einem komplizierten Verlauf zu rechnen. 

Zu den möglichen Komplikationen der FSME gehören psychische Auffälligkeiten, zum Beispiel Intelligenz- und Verhaltensstörungen, und vor allem Funktionsstörungen des Nervensystems (bzw. neurologische Störungen), wie:

FSME: Vorbeugen

Einer FSME können Sie durch einige Maßnahmen und Tipps vorbeugen, indem Sie Zeckenstiche möglichst vermeiden und sich gegen FSME impfen lassen.

FSME-Impfung

Die FSME-Impfung (auch Zeckenimpfung genannt) ist eine aktive Immunisierung mithilfe von abgetöteten Viren. Der Impfstoff regt den Körper dazu an, Abwehrstoffe (Antikörper) gegen die Erreger zu bilden. In der Regel sind drei Impfungen nötig, um eine Grundimmunisierung zu erzielen. Eine Auffrischung erfolgt in der Regel nach drei Jahren, danach nach weiteren fünf Jahren. Die Zeckenschutzimpfung schützt vor allen FSME-Viren und bietet den sichersten Schutz vor der Frühsommer-Meningoenzephalitis. 

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Zeckenimpfung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sich in FSME-Risikogebieten aufhalten und dort mit Zecken in Kontakt kommen können. Auch bestimmten Berufsgruppen, etwa in der Land- und Forstwirtschaft tätige Personen, wird ein Impfschutz angeraten.

Allgemeine Schutzmaßnahmen gegen Zeckenstiche

Neben der Zeckenschutzimpfung sollten Sie besonders darauf achten, einem Zeckenstich vorzubeugen. Folgende Tipps und Maßnahmen kommen hierfür infrage:

  • Risikogebiete meiden: Meiden Sie nach Möglichkeit Regionen mit hohem Infektionsrisiko (FSME-Risikogebiete).

  • richtige Kleidung: Bei einem Aufenthalt in Wäldern, hohem Gras, im Gebüsch oder auf Wiesen sollten Sie schützende, lange Kleidung tragen. Auch helle Kleidung eignet sich, da sich Zecken dort besser finden lassen. Ebenso sollten Sie geschlossene Schuhe tragen, um einem Zeckenbiss und somit FSME vorzubeugen.

  • Zeckenschutzmittel: Es gibt verschiedene Zeckenschutzmittel, etwa in Form von Sprays oder Cremes, die auf Haut oder Kleidung aufgetragen werden können.

  • Kleidung und Körper kontrollieren: Suchen Sie nach jedem Aufenthalt im Freien den Körper und die Kleidung nach Zecken ab. Auch Hautfalten wie die Achseln, Gesäßfalten oder Kniekehlen sollten Sie gründlich kontrollieren

  • Zeckenzange: Nehmen Sie stets eine Zeckenzange, Zeckenkarte oder Zeckenpinzette mit, um den Parasiten möglichst schnell entfernen zu können. 

Sobald die Zecke ihre Blutmahlzeit beginnt, kann es zur Infektion mit FSME-Viren kommen. Eine saugende Zecke schnell zu entfernen, schützt also nicht immer vor der Frühsommer-Meningoenzephalitis. Sicher können Sie der FSME nur vorbeugen, indem Sie sich impfen lassen.

Neben FSME übertragen Zecken jedoch auch die Borreliose – und deren Übertragung beginnt erst rund 24 Stunden nach Beginn der Blutmahlzeit. Darum ist es trotzdem ratsam, bei einem Zeckenstich die Zecke immer so schnell wie möglich zu entfernen.