Lithium: Anwendung und Nebenwirkungen

Allgemeines

Lithium wird bei psychischen Erkrankungen, vor allem bei Störungen der Gefühlslage, eingesetzt. Hierzu gehört die Anwendung bei der sogenannten Manie, einer krankhaft gehobenen Stimmung oder die vorbeugende Behandlung von starken Stimmungsschwankungen (manisch-depressive Psychosen). Auch Patienten mit bestimmten akuten Depressionen können Lithium bei einer Unverträglichkeit gegen andere Antidepressiva einnehmen.

 

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • manisch depressiven Erkrankungen, schizoaffektiven Psychosen und endogenen Depressionen vorbeugen
  • krankhaft gehobene Stimmungen wie Manien und Hypomanien behandeln
  • akute, nicht mit Antidepressiva behandelbare Depressionen behandeln
  • Kopfschmerzattacken im Augen-Stirn-Schläfen-Bereich lindern

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Lithium im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Lithium nicht verwendet werden?

Bei einer Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff darf Lithium nicht eingesetzt werden. Auch während der ersten vier Monate und im letzten Monat einer Schwangerschaft sowie in der Stillzeit ist die Behandlung mit dem Wirkstoff nicht erlaubt.

Folgende Begleiterkrankungen schließen die Anwendung von Lithium aus. Dazu gehören:

  • schwere Herzfunktionsstörungen, wie etwa Herzinfarkt oder Herzrhythmusstörungen
  • Funktionsstörungen der Nebennierenrinde, wie etwa bei Morbus Addison
  • schwere Nierenfunktionsstörungen bis hin zum Nierenversagen
  • gestörter Salz-Haushalt oder eine kochsalzarme Diät.

Wenn eine der nachfolgenden Erkrankungen beziehungsweise Umstände besteht, darf Lithium nur unter ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden:

Lithium muss mindestens zwei Tage vor Narkosen oder Operationen abgesetzt werden.

Kinder unter zwölf Jahren sollen Lithium nur unter ärztlicher Kontrolle verwenden.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Der Wirkstoff gelangt über den Mutterkuchen zum Ungeborenen und kann dort zu Schädigungen des Herz-Kreislauf-Systems führen. Aus diesem Grund darf Lithium in den ersten vier Schwangerschaftsmonaten und im letzten Monat vor der Geburt nicht eingenommen werden. Bei einer Anwendung in der übrigen Zeit muss der Blutspiegel von Lithium ständig ärztlich kontrolliert werden. Wenn die Wehentätigkeit beginnt, ist Lithium vollständig abzusetzen.

Besteht zu Beginn der Behandlung mit dem Wirkstoff keine Schwangerschaft, müssen in jedem Fall Maßnahmen zur Schwangerschaftsverhütung ergriffen werden.

Während der Stillzeit ist die Behandlung mit Lithium nicht erlaubt, da der Wirkstoff über die Muttermilch in den Säugling gelangt und diesen schädigen kann.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Bei Kindern unter zwölf Jahren sollte die Behandlung mit Lithium nur nach ärztlicher Rücksprache und unter ständiger Kontrolle erfolgen.

Welche Nebenwirkungen kann Lithium haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Lithium. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Häufige Nebenwirkungen:
Gewichtszunahme (dosisabhängig).

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, vermehrtes Wasserlassen, Magenschleimhautentzündung, Mundtrockenheit, Speichelproduktion, Muskelschwäche, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Zittern, Muskelzuckungen, unwillkürliche Bewegungen der Arme und Beine, Bewegungsstörung, Sehnenreflexsteigerung, Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle, Sprachstörungen, Koordinationsstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Benommenheit, Bewusstseinstrübung, Gedächtnisverlust, Aktivitätsverlust (bei erhaltenem Bewusstsein), Koma, Halluzinationen, Geschmacksstörungen, unwillkürliche Augenbewegungen, Gesichtsfeldausfälle, vorgetäuschte Tumorbildung im Gehirn, Verschwommensehen, Impotenz, sexuelle Störungen

Seltene Nebenwirkungen:
Herzrhythmusstörungen (meist Verlangsamung), Kreislaufversagen, niedriger Blutdruck, EKG-Veränderungen, Wassereinlagerungen (Ödeme), Gefäßkrämpfe, Durchblutungsstörungen (an Händen und Füßen)

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Haarausfall, Hautstörungen (ähnlich einer Akne), Haarfollikelentzündung, Juckreiz, Schuppenflechte (Ausbreitung), Schleimhautschwellung (im Mund- und Rachenraum), Überempfindlichkeitsreaktionen (Hautausschlag), Kropf, Schilddrüsenüberfunktion, Schilddrüsenunterfunktion, Erhöhung der Blutzuckerwerte, Nebenschilddrüsenüberfunktion, Erhöhung des Kalziumspiegels, Magersucht (Anorexie), Erhöhung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten), Verringerung des Natriumspiegels, Verringerung des Kaliumspiegels (innerhalb einer Woche sollte die Natrium-Kalium-Konzentration auf Ausgangsniveau zurückkehren), Wasserhaushaltsstörung, Inkontinenz

Nebenwirkungen mit nicht bekannter Häufigkeit:
gutartige Nierentumore und Nierenkrebs (bei Langzeitbehandlung).

Besonderheiten:
Vorwiegend zu Beginn der Behandlung:
feinschlägiges Zittern, Harndrang, Durst, Übelkeit. Meist klingen diese unerwünschten Wirkungen mit der Fortsetzung der Behandlung oder nach Verringerung der Dosis ab.

 

Welche Wechselwirkungen zeigt Lithium?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Antiepileptika wie Phenytoin, Carbamazepin, Methyldopa sowie tri-und tetrazyklische Antidepressiva erhöhen den Lithiumgehalt im Blut und steigern dadurch die Gefahr von Nervenschädigungen. Auch Diuretika wie Thiazide und andere kaliumsparende Entwässerungsmittel sowie Schleifendiuretika führen zu einer Erhöhung des Lithiumspiegels und damit zu einer Wirkungsverstärkung. Das Antibiotikum Metronidazol, nicht-steroidale Antirheumatika wie Indometazin, blutdrucksenkende ACE-Hemmer wie Captopril oder Enalapril sowie ebenfalls blutdrucksenkende Kalziumkanalblocker wie Diltiazem oder Verapamil können die Wirkstärke von Lithium sogar so stark erhöhen, dass es zu Vergiftungserscheinungen kommt.

Dagegen erniedrigen andere Diuretika aus der Gruppe der Carboanhydrasehemmer wie Azetazolamid den Lithiumgehalt im Blut und schwächen dessen Wirkung ab. Dies gilt auch für Harnstoff, säurebindende Mittel und Xanthinderivate wie Theophyllin und Koffein (im Kaffee).

Antibiotika aus der Gruppe der Tetrazykline können den Lithiumspiegel erhöhen oder erniedrigen.

Die gleichzeitige Anwendung von Neuroleptika (Haloperidol, Chlorpromazin oder Clozapin) führt vor allem bei hoher Dosierung zu einem gehäuften Auftreten von unerwünschten Wirkungen. Auch die Kombination mit MAO-Hemmern und selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern kann verstärkt zu Bewusstseinsstörungen, Ruhelosigkeit, Muskelzucken, gesteigerten Reflexen, Schweißausbrüchen, Frösteln und Zittern führen. In diesem Falle ist die gesamte Behandlung abzubrechen und gegebenenfalls eine Einweisung ins Krankenhaus einzuleiten.

Lithium verlängert die Wirkung von Muskelrelaxanzien, wie sie etwa vor Operationen verabreicht werden. Die Behandlung mit dem Wirkstoff sollte deshalb etwa 48 Stunden vor dem Eingriff abgebrochen werden.

Die Alkoholverträglichkeit wird durch Lithium abgeschwächt.

 

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Die Alkoholverträglichkeit ist bei gleichzeitiger Einnahme des Medikaments vermindert.
  • Während der Einnahme des Medikaments muss der Wirkstoffgehalt im Blut ärztlich überwacht werden.
  • Die Behandlung mit dem Medikament erfordert jährliche ärztliche Schilddrüsenfunktionstests und eine vierteljährliche Kontrolle von Körpergewicht und Halsumfang.
  • Die Behandlung mit dem Medikament erfordert jährliche ärztliche Tests der Nieren- und Herzfunktion, des Mineralhaushalts und des Blutbildes.
  • Während der Behandlung mit dem Medikament sollte der Patietnen seinen Blutdruck regelmäßig kontrollieren.
  • 24 Stunden vor Operationen muss die Behandlung mit dem Medikament beendet werden.
  • Während der Behandlung mit dem Medikament ist auf eine ausreichende Kochsalz- und Flüssigkeitszufuhr zu achten.
  • Bei Gefahr von Wechselwirkungen zum Beispiel mit Neuroleptika ist die Gehirnfunktion durch ein EEG zu prüfen.
  • Vor Beginn einer Behandlung mit dem Medikament ist eine Schwangerschaft sicher auszuschließen.
  • Die Reaktionsfähigkeit kann durch das Medikament so weit beeinträchtigt sein, dass Autofahren und die Bedienung von Maschinen gefährlich sind.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

 

Welche Medikamente beinhalten Lithium?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Lithium enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

 
Medikament
Darreichungsform
Tabletten
Tabletten
Retardtabletten

 

So wirkt Lithium

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Lithium. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Neuroleptika, zu welcher der Wirkstoff Lithium gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Lithium

Lithium wird bei psychischen Erkrankungen, vor allem bei Störungen der Gefühlslage, eingesetzt. Hierzu gehört die Anwendung bei der sogenannten Manie, einer krankhaft gehobenen Stimmung oder die vorbeugende Behandlung von starken Stimmungsschwankungen (manisch-depressive Psychosen). Auch Patienten mit bestimmten akuten Depressionen können Lithium bei einer Unverträglichkeit gegen andere Antidepressiva einnehmen.

Schließlich wird der Wirkstoff auch verwendet, um anfallsweise auftretende oder chronische Cluster-Kopfschmerzen zu lindern. Bei diesem sogenannten Bing-Horton-Syndrom handelt es sich um eine streng halbseitig auftretende Schmerzattacke im Augen-Stirn-Schläfen-Bereich mit Rötung des Auges und verstärktem Tränenfluss.

 

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Lithium sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Lithium

Lithium gehört zur Gruppe der Neuroleptika. Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht vollständig aufgeklärt, hat aber mit der Beeinflussung von zellulären Signalwegen im Gehirn zu tun. Ob und inwieweit dies mit der Erniedrigung des körpereigenen Botenstoffs Dopamin verbunden ist, dessen Aktivität von allen anderen Neuroleptika gehemmt wird, ist ebenfalls unklar.

 

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.