Schwangere Frau im Krankenhaus
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Geburt einleiten

"Wir sollten die Geburt einleiten!" – Wenn das Baby zu lange auf sich warten lässt oder es nötig ist, dass die Geburt beginnt, wird dieser Satz vermutlich früher oder später fallen. Arzt oder Hebamme müssen dann die Wehen künstlich starten oder verstärken. Lesen Sie alles über die verschiedenen Methoden, den richtigen Zeitpunkt und Alternativen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Allgemeines

Um das Kind zur Welt zu bringen, muss der Körper der Mutter bereit sein. Das bedeutet, dass der Gebärmutterhals sich verkürzt und abflacht – Fachleute sagen, der Gebärmutterhals "verstreicht". Der Muttermund wird weich und öffnet sich bis zu einer Weite von etwa neun Zentimetern. Häufig springt die Fruchtblase, Fruchtwasser fließt ab und das Kind drückt nach unten auf den Beckenboden.

All das kann dazu führen, dass die Wehen ausgelöst werden. Die Wehen wiederum unterstützen den Muttermund dabei, sich zu öffnen und können ihrerseits dazu führen, dass die Fruchtblase platzt, wenn dies nicht vorher bereits geschehen ist.

Wenn die Wehen nicht von selber beginnen, das Kind aber in absehbarer Zeit zur Welt kommen sollte, können die Hebamme oder ein Arzt die Geburt künstlich einleiten. Auch haben viele Schwangere zum Ende der Schwangerschaft das Gefühl, dass "es nun endlich losgehen könnte". Ein paar Dinge kann die werdende Mutter selber tun, um Wehen auszulösen oder zu verstärken – eine Wirkung ist aber nur dann möglich, wenn der Körper auch für die Geburt bereit ist.

Video: Diese 5 Dinge über die Geburt sollten Schwangere wissen

Das können Sie selber tun:

  • Stimulieren der Brustwarzen
  • Geschlechtsverkehr
  • heißes Bad
  • viel Bewegung

So können Arzt oder Hebamme die Geburt einleiten:

  • Eipollösung (mechanisches Stimulieren des Muttermunds durch Arzt oder Hebamme)
  • Prostaglandine (medikamentöses Stimulieren des Muttermunds)
  • Oxytocin-Infusion (löst Wehen aus)
  • Rizinus-Cocktail (kann Wehen auslösen)

Eine medizinisch eingeleitete Geburt ist häufig schmerzhafter als eine Geburt, die natürlich einsetzt und voranschreitet, da Gebärmutter und Muttermund zum Arbeiten "gezwungen" werden. Die Wehen können daher stärker und länger ausfallen, die Pausen zwischen den Wehen sind möglicherweise kürzer.

Lässt sich die Geburt nicht innerhalb von 48 Stunden medizinisch einleiten, muss entweder eine Pause eingelegt werden, um Mutter und Kind zu entlasten, oder es wird ein Kaiserschnitt vorgenommen.

Wann einleiten?

Unter bestimmten Umständen kann es nötig sein, die Geburt künstlich einzuleiten. Dazu zählen:

  • Plazentainsuffizienz (also nachlassende Funktion der Plazenta) nach Überschreiten des errechneten Geburtstermins (also ab 41. SSW)
  • Übertragung (10 bis 14 Tage nach dem errechneten Geburtstermin)
  • Gefährdung von Kind und / oder Mutter (etwa bei Plazentainsuffizienz, Diabetes mellitus, Gestose, zu wenig Fruchtwasser, ...)

In diesen Fällen werden Hebamme oder Frauenarzt der werdenden Mutter nahelegen, die Geburt einleiten zu lassen und sie über die möglichen Methoden aufklären. Je nach Grund für die Geburtseinleitung können zunächst nicht-medizinische Methoden probiert werden. Reichen diese nicht aus, um die Wehen auszulösen und die Geburt zu starten, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Geburt mechanisch oder mit Medikamenten einzuleiten.

Methoden

Wenn die Wehen nicht von selbst beginnen oder zu schwach sind, gibt es verschiedene Methoden, die Geburt einzuleiten. Welche Methode Arzt oder Hebamme wählen, hängt unter anderem davon ab, aus welchem Grund die Geburt eingeleitet werden soll.

Ab Beginn der 42. SSW können Sie selber ein paar Tricks anwenden, die die Zeit bis zur Geburt verkürzen können:

  • Sex kann die Geburt ankurbeln: Sperma enthält Prostaglandine, die Wehen auslösen können
  • Wenn die Brustwarzen stimuliert werden, kann das in einigen Fällen (und insofern der Körper bereit für die Geburt ist) innerhalb von 72 Stunden die Wehen auslösen.
  • Tanken Sie möglichst viel Energie: gesunde Ernährung, viel Bewegung und frische Luft, möglichst viel Schlaf sowie Schwangerschaftsgymnastik sind dafür optimal. Wenn Sie zu wenig Energie haben, kann Ihr Körper möglicherweise keine Wehen auslösen oder diese nicht aufrechterhalten.
  • Nehmen Sie ein heißes Bad: Wenn Sie bereit für die Geburt sind, kann ein 20-minütiges Bad bei 35 bis 37 Grad Celsius die Wehen fördern.

Sex im Verlauf der Schwangerschaft löst keine Wehen aus. Das ist erst möglich, wenn das Baby ohnehin kurz vor der Geburt steht.

Gibt es aber Komplikationen (z.B. Plazentainsuffizienz) oder lässt das Baby weiterhin auf sich warten, müssen Hebamme oder Arzt übernehmen. Die künstliche Geburtseinleitung ist nicht ohne Risiko und muss daher grundsätzlich von Fachpersonal vorgenommen und überwacht werden.

Eipollösung

Wenn der Muttermund bereits etwa fingerdurchlässig ist, kann die Hebamme oder der Arzt den inneren Muttermund massieren und dadurch die Eihäute (äußere Hülle der Fruchtblase) vom Rand der Gebärmutter lösen. Diesen Vorgang nennt man Eipollösung. Die Fruchtblase bleibt intakt.

Die Eipollösung kann unangenehm bis schmerzhaft sein, löst aber in vielen Fällen innerhalb von 48 Stunden Geburtswehen aus.

Infolge der Eipollösung kann eine leichte Blutung aus der Vagina auftreten, die aber unbedenklich ist. Die Eipollösung kann mehrmals durchgeführt werden, wenn der erste Versuch nicht erfolgreich ist.

Prostaglandine

Es ist möglich, sogenannte Prostaglandine, die auch natürlicherweise als Gewebehormone im Körper vorkommen, als Gel, Tablette oder Zäpfchen direkt auf den Muttermund aufzutragen beziehungsweise vor den Muttermund zu legen, wenn dieser weder weich noch geöffnet ist.

Einige Schwangere reagieren gar nicht auf die Prostaglandine. Bei anderen setzen innerhalb von zwei bis drei Stunden Wehen ein und die Geburt schreitet voran. In anderen Fällen sorgt das Prostaglandin lediglich dafür, dass der Muttermund weicher wird und sich der Gebärmutterhals verkürzt – und erleichtert so die Einleitung mit Oxytocin.

Prostaglandine können über mehrere Tage zweimal täglich angewendet werden, wenn die erste Anwendung keine Wehen auslöst.

Oxytocin-Infusion

Ist der Muttermund schon leicht geöffnet, die Schwangere hat aber noch keine Wehen, versuchen Ärzte häufig, die Geburt mit einer Oxytocin-Infusion einzuleiten. Das Hormon Oxytocin kommt auch natürlicherweise im Körper vor und hat verschiedene Wirkungen. Unter anderem kann es dazu führen, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht. Eine Oxytocin-Infusion löst deshalb zeitnah Wehen aus.

Rizinus-Cocktail

Der sogenannte Rizinus-Cocktail wirkt abführend und regt gleichzeitig die Gebärmutter an. Er besteht aus einem Gemisch aus Alkohol, Saft und Rizinusöl, das die Gebärmutter zu Kontraktionen anregen kann und abführend wirkt. Gerade bei Frauen, die bereits Kinder haben, reicht das oft schon aus, um die Wehen auszulösen.

Der Cocktail sollte aber nicht in Eigenregie, sondern grundsätzlich unter den Augen eines Arztes oder einer Hebamme eingenommen werden, da er besonders starke Wehen (Wehenstürme) auslösen kann. Ist der Muttermund noch nicht bereit für die Geburt, kann das für Mutter und Kind gefährlich sein.

Künstlicher Blasensprung

Bei schwachen Wehen und wenn der Muttermund bereits weich und leicht geöffnet ist, kann es ausreichen, die Fruchtblase zu öffnen (sog. Fruchtblasensprengung), um die Wehen zu verstärken. Das kann beispielsweise nötig sein, wenn die Eröffnungsphase der Geburt sehr lange dauert, die Wehen aber nicht stärker werden.

Die Fruchtblasensprengung führt meistens innerhalb von ein bis zwei Stunden zu starken Wehen, da das Baby nun vermehrt nach unten drückt. Schreitet die Geburt aber nicht voran, müssen weitere Mittel eingesetzt werden, da das Baby spätestens 24 Stunden nach dem Blasensprung zur Welt kommen sollte.

Der künstliche Blasensprung wird heute jedoch nur selten angewendet und grundsätzlich von einem CTG begleitet, da er Komplikationen mit sich führen kann. Dazu zählen:

  • aufsteigende Infektionen (also Infektionen, die durch die Scheide auf aufsteigen)
  • Nabelschnurvorfall

Alternative Geburtseinleitung

Viele Hebammen bieten alternative Methoden an, um eine Geburt einzuleiten. Es ist nicht nachgewiesen, dass diese Verfahren tatsächlich Wehen auslösen. Hier muss jede Schwangere für sich selbst entscheiden, welche dieser Möglichkeiten sie nutzen möchte.

Zu den alternativen Methoden der Geburtseinleitung zählen beispielsweise:

Aromaöle kann man als Duftlampe, als Badezusatz oder als Massageöl anwenden. Lavendel und Rose wird entspannende Wirkung nachgesagt, Nelke und Zimt sollen wehenfördernd wirken. Da Aromaöle aber plazentagängig sind, also auf das Kind übertragen werden können, sollte man sie nur in Maßen und immer unter professioneller Anleitung anwenden.