Amantadin

Allgemeines

Amantadin kann bei der Parkinson-Krankheit zur Linderung der Symptome eingesetzt werden. Es vermindert das Zittern, die Bewegungsstörungen und die körperliche Starre. Der Wirkstoff Amantadin verringert auch solche Bewegungsstörungen, die durch Medikamente verursacht werden. Bewegungsstörungen können beispielsweise bei Einnahme von Neuroleptika oder ähnlich wirkenden Arzneimitteln auftreten.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Zittern bei Parkinson-Krankheit mindern
  • Bewegungsstarre bei Parkinson-Krankheit verringern
  • Beweglichkeit bei Parkinson-Krankheit verbessern
  • Nebenwirkungen von im Nervensystem wirksamen Medikamenten vermindern
  • Krankheitsdauer bei Grippe verkürzen
  • Beschwerden bei Grippe mindern
  • Grippe-Erkrankungen vorbeugen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Amantadin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Amantadin nicht verwendet werden?

Amantadin darf nicht angewandt werden bei:
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • schweren Herzerkrankungen wie schwerer Herzmuskelschwäche (Stadium NYHA IV), Herzmuskelerkrankungen und -entzündungen, Reizleitungsstörungen am Herzen (AV-Block Grad II und III, verlangsamter Herzschlag unter 55 Schläge/Minute, krankhaften EKG-Veränderungen) und schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen der Herzkammern einschließlich Torsade de pointes
  • gleichzeitiger Therapie mit Budipin oder anderen Medikamenten mit Einfluss auf die Reizleitung des Herzens
  • Verminderung von Kalium und Magnesium im Blut (Begünstigung von Herzrhythmusstörungen)
  • schwerer Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance unter zehn Milliliter/Minute)
Amantadin darf nur unter besonderer ärztlicher Vorsicht angewendet werden bei Patienten
  • mit vergrößerter Vorsteherdrüse (Prostatahypertrophie)
  • mit Engwinkelglaukom
  • mit Störung der Nierenfunktion (verschiedener Schweregrade; durch eine Verschlechterung Nierenfunktion besteht die Gefahr der Anreicherung von Amantadin im Körper mit Vergiftungsfolgen)
  • mit Erregungs- und Verwirrtheitszuständen
  • mit Delirium-ähnlichen Zuständen und (Medikamenten-bedingten) Psychosen in der Vorgeschichte
  • die mit dem Wirkstoff Memantine behandelt werden.
Die gleichzeitige Gabe von Entwässerungsmitteln vom Typ der Kombination Triamteren + Hydrochlorothiazid und
Amantadin sollte unterbleiben. Patienten mit dem Risiko von Störungen des Mineralhaushaltes (Einnahme von Entwässerungsmitteln, häufiges Erbrechen oder Durchfall, Insulin-Gabe in Notfallsituationen, Nierenerkrankungen, Unterernährung) sollten am besten kein Amantadin erhalten. Ist es unumgänglich, müssen regelmäßige ärztliche Laborkontrollen erfolgen und es ist für einen Mineral-Ausgleich, insbesondere für Kalium und Magnesium, zu sorgen.

Bei Herzschrittmacherpatienten muss der behandelnde Facharzt (Kardiologe) über die Therapie mit Amantadin entscheiden.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Die Anwendung sollte in der Schwangerschaft nur unter strenger Abwägung von Nutzen und Risiko erfolgen, da eine schädigende Wirkung auf das ungeborene Kind nicht ausgeschlossen werden kann.

Amantadin geht in die Muttermilch über. Bei erforderlicher Therapie der stillenden Mutter sollte zuvor abgestillt werden. Falls während der Einnahme von Amantadin gestillt wird, muss der Säugling auf Hautausschlag, Probleme beim Wasserlassen und Erbrechen beobachtet werden. Spätestens bei Auftreten solcher Nebenwirkungen beim Säugling muss abgestillt werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Anwendung von Amantadin ist bei Kindern ab fünf Jahren nur zur Vorbeugung und Behandlung der Virusgrippe Typ A vorgesehen. Die Gabe des Wirkstoffes an jüngere Kinder ist verboten, da bisher keine klinischen Erfahrungen aus Studien vorhanden sind.

Welche Nebenwirkungen kann Amantadin haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Amantadin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Häufige Nebenwirkungen:
Schlafstörungen, körperliche und innerliche Unruhe, Nervosität, Konzentrations- und Gedächtnisschwäche, Wassereinlagerungen in den Beinen, marmorierte Haut, Schwierigkeiten beim Wasserlassen, insbesondere bei vergrößerter Prostata (benigner Prostatahyperplasie).

Gelegentliche oder weniger häufige Nebenwirkungen:
Schwindel, Übelkeit, Blutdruckschwankungen, Mundtrockenheit.

Seltene Nebenwirkungen:
Einschränkungen der Sehschärfe.

Sehr seltene oder vereinzelte Nebenwirkungen:
Erbrechen, Durchfall, Magenschmerzen, Kopfschmerzen, Magersucht, vorübergehender Verlust des Sehvermögens, erhöhte Lichtempfindlichkeit der Augen, Auslösung eines epileptischen Anfalls, Muskelkrämpfe, Herzrhythmusstörungen, Herzrasen, Nervenerkrankungen.

Besonderheiten:
Bei der Anwendung von Amantadin zur Grippe-Vorbeugung kommt es häufg zu Nervosität, Schwindel, Gedächtnisstörungen und Konzentrationsstörungen. Gelegentlich treten Stimmungsveränderungen, Albträume und Wahnvorstellungen auf. Die Behandlung muss trotz der auftretenden Beschwerden nicht abgebrochen werden.

Herzrhythmusstörungen wie Herzrasen und Unregelmäßigkeiten des Herzschlags kommen bevorzugt bei Patienten mit Vorerkrankungen des Herzens, Überdosierung von Amantadin oder gleichzeitiger Einnahme anderer Medikamente vor.

Bei älteren, vorbelasteten Patienten können besonders in Kombination mit anderen Antiparkinsonmitteln Halluzinationen und exogene Psychosen auftreten.

Welche Wechselwirkungen zeigt Amantadin?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Amantadin sollte nicht gleichzeitig mit Wirkstoffen eingenommen werden, welche die Erregungsausbreitung im Herzen verzögern. Dazu gehören Wirkstoffe wie Procain, Chinidin, Disopyramid, Amiodaron, Sotalol, Thioridazin, Chlorpromazin, Haloperidol, Pimozid, tri- und tetrazyklische Antidepressiva wie Amitriptylin sowie Astemizol und Terfenadin.

Auch Wirkstoffe gegen Pilzinfektionen (Azol-Antimykotika, Clotrimoxazol), gegen Bakterien (Makrolid-Antibiotika wie Erythromycin und Clarithromycin, Gyrasehemmer wie Sparfloxacin), das Mittel zur Behandlung der Parkinson-Krankheit Budipin, das Mittel gegen Malaria Halofantrin, das Parasitenmittel Pentamidin; die Verdauung fördernde Mittel wie Cisaprid und Bepridil können die Erregungsausbreitung im Herzen verzögern und sollten daher auch nicht mit Amantadin zusammen eingesetzt werden.

Amantadin kann mit anderen Mitteln zur Behandlung der Parkinson-Krankheit wie Levodopa, Bromocriptin, Trihexyphenidyl, Selegilin, Benserazid oder Budipin kombiniert werden. Bei Kombinationen mit Amantadin kann die Verringerung der Dosis des anderen Wirkstoffs notwendig werden. Die gleichzeitige Einnahme des Alzheimer-Mittels Memantin sollte nur unter besonderer Vorsicht erfolgen.

Die gleichzeitige Einnahme von anticholinergen Wirkstoffen wie Benzatropin, Scopolamin, Trihexyphenidyl, Biperiden oder Orphenadrin mit Amantadin kann zu einer Verstärkung der Nebenwirkungen wie Verwirrtheit und Halluzinationen führen. Außerdem verstärken indirekt zentral wirkende Sympathomimetika die Wirkungen von Amantadin im Gehirn.

Amantadin sollte nach kombinierter Anwendung mit Neuroleptika, die gegen Schizophrenie eingesetzt werden, nicht plötzlich abgesetzt werden. Es kann bei plötzlichem Absetzen zu einer lebensbedrohlichen Verschlechterung der Krankheit kommen.

Bei gleichzeitiger Einnahme von Amantadin und Entwässerungsmitteln wie Triamteren und Hydrochlorothiazid kann die Ausscheidung des Wirkstoffs durch die Niere behindert werden. Es verbleibt zu viel Wirkstoff im Körper, der dann Symptome wie bei einer Überdosierung auslösen kann.

Die Alkoholverträglichkeit ist während der Einnahme von Amantadin verringert.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Der Elektrolythaushalt ist regelmäßig insbesondere bei Risikogruppen wie nierenkranken, zuckerkranken und magersüchtigen Patienten zu kontrollieren.
  • Bei Auftreten von Schwindel, plötzlicher Ohnmacht oder Herzrasen muss eine Kontrolle des Herzens erfolgen, bevor das Medikament weiter eingenommen wird.
  • Treten während der Behandlung mit dem Medikament Beschwerden beim Wasserlassen auf, ist der behandelnde Arzt zu befragen.
  • Die Behandlung mit dem Medikament sollte nicht plötzlich beendet werden, da sonst eine starke Verschlechterung der Parkinson-Beschwerden und psychische Probleme auftreten können.
  • Die Dosierung des Medikaments ist zu Beginn der Behandlung langsam zu steigern ("Einschleichen").
  • Das Medikament kann die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen und Konzentration wie Sehvermögen einschränken. Dadurch können Autofahren und das Bedienen von Maschinen gefährlich sein.
  • Zusammen mit dem Medikament kann Alkohol unverträglicher sein.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Amantadin?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Amantadin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform
Filmtabletten
Filmtabletten
Infusionslösungs­konzentrat

So wirkt Amantadin

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Amantadin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen virenhemmende Mittel, NMDA-Antagonisten, Parkinson-Mittel, zu welcher der Wirkstoff Amantadin gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Amantadin

Amantadin kann bei der Parkinson-Krankheit zur Linderung der Symptome eingesetzt werden. Es vermindert das Zittern, die Bewegungsstörungen und die körperliche Starre. Der Wirkstoff Amantadin verringert auch solche Bewegungsstörungen, die durch Medikamente verursacht werden. Bewegungsstörungen können beispielsweise bei Einnahme von Neuroleptika oder ähnlich wirkenden Arzneimitteln auftreten.

Amantadin wird zudem zur Vorbeugung und Verkürzung der Grippe eingesetzt. Es wird zu diesem Zweck als Tablette geschluckt und hemmt die Vermehrung der Grippeviren.

Die Vorbeugung empfiehlt sich bei Ansteckungsgefahr (Ärzte, Pflegepersonal, Apotheker) und insbesondere bei Personen mit schwachen Abwehrkräften oder Personen mit chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma oder chronischer Bronchitis. Zur Vorbeugung der Infektion muss der Wirkstoff möglichst bald nach oder vor dem Kontakt mit infizierten Personen eingenommen werden.

Zur Therapie einer Grippe ist der Wirkstoff wie bei der Vorbeugung zu dosieren. Mit der Einnahme sollte möglichst bald nach dem Erkrankungsausbruch begonnen werden.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Amantadin sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Amantadin

Amantadin ist ein NMDA-Antagonist und ein virenhemmendes Mittel.

Bei der Parkinson-Krankheit kommt der Wirkstoff in seiner Eigenschaft als Hemmer des NMDA (Glutamin)-Rezeptors zum Einsatz. Bei Parkinson sind die Bewegungsabläufe gestört. Dies ist zu einem Teil darauf zurückzuführen, dass der Botenstoff Glutamat Nerven im Gehirn erregt. Diese Erregung kann zu unkontrollierten Bewegungen führen. Amantadin verhindert die Erregung solcher Nerven durch Glutamat, sodass die unwillkürliche Aktivität der Muskulatur nachlässt.

Die virenhemmende Wirkung von Amantadin wird zur Bekämpfung von Viruserkrankungen wie der Grippe genutzt. Grippeviren müssen menschliche Zellen befallen, damit sie sich vermehren können. Dazu dringen sie in die Zelle ein und legen ihre Hülle ab. In dieser Hülle befindet sich die Erbinformation des Virus. Amantadin hindert das Virus daran, seine Hülle abzulegen. Es kann sich nun nicht mehr vermehren.

Amantadin wird nur als Salz, nämlich als Amantadin-Hemisulfat oder Amantadin-Hydrochlorid eingesetzt. Beide Salze unterscheiden sich deutlich in Hinsicht der Aufnahme in den Körper. Amantadin-Hydrochlorid erreicht im Vergleich zu Amantadin-Hemisulfat nach Einzelgabe die maximale Konzentration im Blut schneller und dazu etwa dreifach stärker. Dadurch können bei Amantadin-Hydrochlorid mehr Nebenwirkungen auftreten.

Bei der Dosierung ist zu beachten, dass der Anteil an eigentlichem Wirkstoff in den Amantadin-Salzen unterschiedlich ist. So enthalten 100 Milligramm Amantadin-Hydrochlorid 80,58 Milligramm Mantadin, während die gleiche Menge Amantadin-Hemisulfat 75,51 Milligramm Amantadin enthält.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.