Bromocriptin

Von: Andrea Lubliner (Pharmazeutin und Fachtexterin für medizinische Fachtexte)
Letzte Aktualisierung: 05.12.2014

Allgemeines

Bromocriptin wird vor allem bei Erkrankungen eingesetzt, die durch eine zu hohe Prolactin-Konzentration im Blut (Prolactinspiegel) hervorgerufen werden. Das Hormon Prolactin regt das Wachstum der Brustdrüse und die Muttermilchproduktion an. Bromocriptin nun hemmt die Wirkung des Prolactins. Allerdings darf Bromocriptin nicht routinemäßig angewendet werden, um Schmerzen und Schwellungen der Brust nach der Geburt zu behandeln oder den Milchfluss zu beenden. Ausnahme sind zwingende Gründe wie eine HIV-Infektion der Mutter oder aber der Tod des Kindes während oder kurz nach der Geburt, um die seelische Belastung der Mutter zu vermindern.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Muttermilchproduktion beim Abstillen hemmen
  • Symptome der Parkinson-Krankheit mindern
  • Akromegalie behandeln
  • prolaktinbedingte Krankheiten (zum Beispiel Fruchtbarkeitsstörungen) behandeln.

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Bromocriptin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Bromocriptin nicht verwendet werden?

Ist eine Überempfindlichkeit gegen Mutterkornalkaloide bekannt, darf Bromocriptin nicht eingesetzt werden. Auch bei Schwangerschafts-Gestose darf Bromocription nicht verabreicht werden. Zudem darf der Wirkstoff bei unkontrolliertem Bluthochdruck, bei Durchblutungsstörungen durch Gefäßverengungen der Arterien und bei schweren psychischen Störungen nicht eingesetzt werden.

Die Anwendung darf nur unter besonderer Vorsicht und strenger ärztlicher Kontrolle erfolgen bei Patienten mit psychischen Störungen in der Vorgeschichte oder schweren hirnorganischen psychischen Erkrankungen. Dasselbe gilt für Patienten mit schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen (besonders, wenn sie andere den Blutdruck beeinflussende Arzneimittel einnehmen), mit Magen- und Zwölffingerdarm-Geschwüren sowie Blutungen im Magen-Darm-Trakt (auch wenn diese Beschwerden in der Vorgeschichte auftraten). Hohe Dosierungen von Bromocriptin sind für diese Patientengruppen nicht geeignet.

Vorsicht bei der Verordnung ist auch bei Leber- und Nierenerkrankungen geboten. Bei diesen Patienten sind Wirksamkeit und Sicherheit von Bromocriptin nicht belegt.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Die bisherigen Erfahrungen weisen darauf hin, dass die Einnahme von Bromocriptin während der Schwangerschaft nicht nachteilig für das ungeborene Kind ist. Dennoch sollte sicherheitshalber Bromocriptin abgesetzt werden, wenn eine Schwangerschaft festgestellt wurde - es sei denn, zwingende medizinische Gründe erfordern die Weiterbehandlung.

Frauen, die stillen möchten, sollten Medikamente mit dem Wirkstoff Bromocriptin nicht anwenden, weil dadurch die Muttermilchbildung gehemmt wird.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Über die Anwendung von Bromocriptin bei Kindern und Jugendlichen liegen keine Erkenntnisse vor. Deshalb wird der Wirkstoff bei Kindern und Jugendlichen nicht angewendet.

Welche Nebenwirkungen kann Bromocriptin haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Bromocriptin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Häufige Nebenwirkungen:
Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, Depressionen, Erbrechen, Magen-Darm-Beschwerden, Durchfall, Oberbauchbeschwerden, Verdauungsschwäche, Appetitlosigkeit, Verstopfung, Herzstolpern.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Allergische Hautreaktionen, Wassereinlagerungen (Ödeme), schmerzhafte Bein-und Fußschwellung (Erythromelalgie), Haarausfall, Muskelkrämpfe, Unruhe, Schlafstörungen, Sehstörungen, Seh-Halluzinationen, Psychosen, Verwirrtheit, Benommenheit, Angst, Nervosität, verstopfte Nase, Mundtrockenheit, Bewegungskoordinationsstörungen, Durchblutungsstörungen, Harnverhaltung, Inkontinenz, häufiges Wasserlassen, nach Absetzen des Arzneimittels: Milchfluss.

Seltene Nebenwirkungen:
Gesichtsblässe, Angina Pectoris-Anfallauslösung, Blutdruckabfall, Kollaps, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Kurzatmigkeit, bei Anwendung im Wochenbett: Krampfanfälle.

Sehr seltene und vereinzelte Nebenwirkungen:
Magen-Darm-Blutungen, Sprechstörungen, Herzrhythmusstörungen, Schwitzen, bei hochdosierter Langzeittherapie: Bindegewebsvermehrung zwischen Becken und Nieren (retroperitoneale Fibrose), Bindegewebsvermehrung zwischen Brustfell und Lunge (pleuropulmonale Fibrosen).

Nebenwirkungen ohne Angabe der Häufigkeit:
Laborwertveränderungen (Harnstoff, Harnsäure, alkalische Phosphatase, SGOT, SGPT, Gamma-GT, CPK).

Besonderheiten:
Nebenwirkungen treten verstärkt zu Beginn der Behandlung auf. Sie sind häufiger bei hohen Dosierungen sowie bei gleichzeitiger Anwendung von Blutdruckmitteln oder Levodopa (gegen Parkinson-Krankheit).

Nach Absetzen der Behandlung können über einige Wochen hinweg selten Halluzinationen auftreten. Zur Früherkennung der Bindegewebsvermehrung zwischen Becken und Nieren muss auf Symptome wie Rückenschmerzen in der Nierengegend, Nierenfunktionsstörungen und Wassereinlagerungen in den Beinen geachtet werden. Auch auf Hustenreiz und Atemnot sollte aufgrund möglicher Bindegewebsvermehrung zwischen Brustfell und Lunge geachtet werden. Der Zusammenhang zwischen starken Kopfschmerzen, Bluthochdruck, Herzinfarkten und der Einnahme von Bromocriptin ist nicht gesichert.

Die Patienten sollten vom Arzt und ihren Angehörigen regelmäßig hinsichtlich Verhaltensauffälligkeiten wie krankhafte Spielsucht, krankhaft gesteigerter Geschlechtsdrang, zwanghaftes Geldausgeben oder Einkaufen, Essattacken und Esszwang beobachtet werden. Wenn solche Symptome auftreten, sollte die Behandlung möglicherweise geändert werden.

Welche Wechselwirkungen zeigt Bromocriptin?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Während der Behandlung mit Bromocriptin ist die Alkoholverträglichkeit vermindert. Auf Alkoholgenuss sollte daher verzichtet werden.

Medikamente, die den Blutdruck beeinflussen, wie Methyldopa (bei Bluthochdruck) oder Glycerolnitrat (gegen Angina Pectoris), können in ihrer Wirkung verstärkt werden.

Bestimmte Medikamente zur Behandlung von psychischen Erkrankungen (zum Beispiel Neuroleptika) hemmen den Botenstoff Dopamin, sind so genannte Dopamin-Antagonisten. Daher schwächen sie die Bromocriptin-Wirkung, denn Bromocriptin verstärkt Dopamin-Effekte.

Griseofulvin, ein Wirkstoff zur Bekämpfung von Pilzinfektionen, kann die Wirkung von Bromocriptin aufheben.

Bestimmte Antibiotika (Makrolid-Antibiotika) können die Wirkung von Bromocriptin verstärken. Gleiches gilt für Octreotid, einen Wirkstoff, der bei bestimmten Tumoren verwendet wird.

Wird Bromocriptin mit Levodopa-Präparaten (gegen die Parkinson-Krankheit) kombiniert, sollte nach der Dosissteigerung von Bromocriptin die Levodopa-Dosis verringert werden. So können die Levodopa-typischen Nebenwirkungen abgeschwächt werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Bei Auftreten von Hustenreiz und Atemnot den Arzt aufzusuchen.
  • Der Blutdruck sollte besonders in den ersten Behandlungstagen regelmäßig kontrolliert werden.
  • Bei Rückenschmerzen, insbesondere im Bereich der Nieren, Nierenfunktionsstörungen oder Wassereinlagerungen in den Beinen den Arzt aufsuchen.
  • Bei Langzeitbehandlung sind regelmäßige Kontrollen der Leber- und Nierenfunktion empfehlenswert.
  • Bei Bluthochdruck oder schweren, lang anhaltenden Kopfschmerzen den Arzt aufsuchen.
  • Bei Auftreten von krankhafter Spielsucht, gesteigertem Geschlechtsdrang, zwanghaftes Geldausgeben oder Einkaufen, Essattacken und Esszwang sollte die Behandlung möglicherweise geändert werden.
  • Die Reaktionsfähigkeit wird beeinträchtigt.
  • Die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen wird beeinträchtigt.
  • Auf Alkoholgenuss sollte verzichtet werden, da die Alkoholverträglichkeit vermindert ist.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Bromocriptin?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Bromocriptin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Bromocriptin

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Bromocriptin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen Mutterkornalkaloide, Parkinson-Mittel, zu welcher der Wirkstoff Bromocriptin gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Bromocriptin

Bromocriptin wird vor allem bei Erkrankungen eingesetzt, die durch eine zu hohe Prolactin-Konzentration im Blut (Prolactinspiegel) hervorgerufen werden. Das Hormon Prolactin regt das Wachstum der Brustdrüse und die Muttermilchproduktion an. Bromocriptin nun hemmt die Wirkung des Prolactins. Allerdings darf Bromocriptin nicht routinemäßig angewendet werden, um Schmerzen und Schwellungen der Brust nach der Geburt zu behandeln oder den Milchfluss zu beenden. Ausnahme sind zwingende Gründe wie eine HIV-Infektion der Mutter oder aber der Tod des Kindes während oder kurz nach der Geburt, um die seelische Belastung der Mutter zu vermindern.

Bromocriptin wird auch verwendet, um Fruchtbarkeitsstörungen (die durch zu hohe Prolactinspiegel bedingt sind) zu behandeln.

Bestimmte Medikamente (wie Psychopharmaka) erhöhen den Prolactinspiegel. Dadurch kann es zum Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhoe) sowie zur Produktion und zum Ausfließen von Muttermilch (Galaktorrhöe) kommen. In diesen Fällen normalisiert Bromocriptin den Prolactinspiegel und beseitigt so diese Symptome.

Bromocriptin wird außerdem zur Behandlung der Symptome der Parkinson-Krankheit eingesetzt.

In manchen Fällen wird Bromocriptin zur Behandlung der Akromegalie angewendet. Die Akromegalie ist eine Erkrankung, die sich dadurch zeigt, dass sich Körperteile wie Hände, Finger, Füße und im Gesicht Nase, Kinn, Augenbrauen und Jochbögen vergrößern. Hier wird Bromocriptin nur selten alleine eingesetzt, meist wird es mit einem zusätzlichen chirurgischen Eingriff oder einer Strahlentherapie kombiniert.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Bromocriptin sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Bromocriptin

Bromocriptin gehört zur Gruppe der Mutterkornalkaloide und wirkt an unterschiedlichen Stellen im Gehirn wie das körpereigene Hormon Dopamin als so genannter Dopamin-Agonist an den Dopamin-Bindungsstellen (Rezeptoren).

An den Dopaminrezeptoren der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) bewirkt Bromocriptin, dass die Freisetzung des Hormons Prolactin vermindert wird. Über diesen Mechanismus bessert Bromocriptin zum Beispiel Regelstörungen oder auch einen unerwünschten Milchfluss. Diese Wirkungen halten auch bei einer Langzeitanwendung an und verringern sich nicht im Laufe der Zeit (keine so genannten Toleranzerscheinungen). Auch die Freisetzung des Wachstumshormons Somatotropin wird durch die Stimulation der Dopamin-Rezeptoren gehemmt. Das erklärt, warum der Wirkstoff gegen Akromegalie eingesetzt werden kann.

Die Wirkung in bestimmten Gehirnbereichen (nigrostriatales System) bei der Parkinson-Krankheit betrifft vor allem Dopaminrezeptoren, die hinter einem zwischennervlichen Verbindungspunkt (postsynaptisch) liegen. Über die Wirkung auf diese Rezeptoren erklärt sich der günstige Einfluss auf Parkinson-Symptome.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihre*n Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.