Oseltamivir

Allgemeines

Oseltamivir wird zur Vorbeugung und Therapie der Grippe verwendet. Zur Therapie einer Grippeinfektion muss der Wirkstoff binnen zweier Tage nach Auftreten der ersten Symptome eingenommen werden. Um einer Infektion vorzubeugen, sollte Oseltamivir möglichst bald nach dem Kontakt mit einem Infizierten zum Einsatz kommen.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Beschwerden bei Grippe mindern
  • Krankheitsdauer der Grippe verkürzen
  • schweren Folgeerkrankungen der Grippe vorbeugen
  • Grippeerkrankungen vorbeugen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Oseltamivir im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Oseltamivir nicht verwendet werden?

Der Wirkstoff sollte bei Patienten mit einer Überempfindlichkeit gegen Oseltamivir sowie von schwer Nierenkranken (Kreatinin-Clearance unter 10 Milliliter pro Minute) nicht angewendet werden.

Eine eingeschränkte Nierenfunktion ist kein Ausschlussgrund für die Behandlung mit Oseltamivir, die Dosis muss aber von einem Arzt angepasst werden. Für nierenkranke Kinder gibt es bisher keine Dosierungsempfehlungen. Gleiches gilt, wenn bei einem weltweiten Grippe-Ausbruch frühgeborene Säuglinge unter einem Jahr vor Grippe geschützt werden sollen.

Bei chronisch Kranken, abwehrgeschwächten Patienten oder Patienten mit einer Behandlung, die das Immunsystem schwächt, ist die Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Oseltamivir zur Therapie oder Vorbeugung einer Grippe noch nicht gesichert. Diese Personengruppen sollten nur in Ausnahmefällen mit dem Wirkstoff behandelt werden.

Ob Oseltamivir Patienten mit chronischen Herzleiden oder chronischen Erkrankungen der Atemwege vor den Komplikationen einer Grippe bewahren kann, wurde noch nicht eindeutig in Studien nachgewiesen.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Der Einsatz des Wirkstoffs in der Schwangerschaft und Stillzeit sollte nur nach strenger Risiko-Nutzen-Abwägung durch den Arzt erfolgen, da nicht bekannt ist, ob Oseltamivir das Kind schädigen kann.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Bei Kindern ab einem Jahr darf Oseltamivir sowohl zur Behandlung einer Grippeinfektion wie zur Vorbeugung eingesetzt werden. Die Dosierung erfolgt nach Gewicht, wobei es für nierenkranke Kinder keine verbindlichen Dosierungsempfehlungen gibt.

Kinder unter einem Jahr dürfen nur im Falle eines weltweiten Grippe-Ausbruchs Oseltamivir zu Vorbeugung erhalten. Hierzu ist meist eine Spezialanfertigung aus der Apotheke nötig, da die handelsüblichen Pärparate für diese Altersgruppe zu stark dosiert sind. Die Anwendung muss ärztlich überwacht werden. Für Frühgeborene gibt es allerdings ebenfalls keine verbindlichen Dosierungsempfehlungen.

Welche Nebenwirkungen kann Oseltamivir haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Oseltamivir. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Oseltamivir zeigt bei Jugendlichen und Erwachsenen eine etwas andere Nebenwirkungsverteilung in Art, Ausprägung und Häufigkeit auf als bei Kindern.

Jugendliche und Erwachsene
Sehr häufige Nebenwirkungen:
Kopfschmerzen, Übelkeit

Häufige Nebenwirkungen:
Erbrechen, Schmerzen.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Überempfindlichkeitsreaktion, eingeschränktes Bewusstsein, Krampfanfälle, Herzrhythmusstörungen, erhöhte Leberwerte, Ekzeme, Hautentzündung, Hautausschlag, Nesselsucht.

Seltene Nebenwirkungen:
Mangel an Blutplättchen, allergischer Schock, Aufregung, unnormales Verhalten, Angst, Verwirrtheit, Wahnvorstellungen, Delirium, Albträume, Selbstverletzung, Sehstörungen, Magen-Darm-Blutungen, blutige Dickdarmentzündung, heftige Leberentzündung, Leberversagen, Blutgefäßschwellung, schwere Hautreaktionen (Erythema multiforme, Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse).

Kinder
Sehr häufige Nebenwirkungen:
Erbrechen.

Häufige Nebenwirkungen:
Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Oberbauchschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Übelkeit.

Besonderheiten:
Die häufigen und sehr häufigen Nebenwirkungen traten in den Studien im Allgemeinen bei den Betroffenen nur einmal auf, verschwanden trotz beibehaltener Dosierung und führten in der überwiegenden Mehrheit der Fälle nicht zu einem Abbruch der Therapie.

Aus der Zeit nach der Markteinführung gibt es bei Patienten mit Grippe, die den Wirkstoff erhalten haben, Meldungen über Krampfanfälle und Delirium (inklusive veränderter Bewusstseinsgrad, Verwirrung, anormales Verhalten, Wahnvorstellungen, Sinnestäuschungen, Erregung, Angst, Albträume), die in sehr wenigen Fällen zu Selbstverletzungen oder zum Tod führten. Diese Ereignisse betrafen vor allem Kinder und Jugendliche, traten oft unvermittelt auf und klangen schnell wieder ab. Da auch unbehandelte Grippe solche Beschwerden hervorrufen kann, ist der Beitrag von Oseltamivir dazu unbekannt.

Welche Wechselwirkungen zeigt Oseltamivir?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Oseltamivir und seine Stoffwechselprodukte werden über die Nieren ausgeschieden. Deshalb können Wirkstoffe, die die Nierenfunktion beeinflussen, die Ausscheidung und damit die Wirkung von Oseltamivir verändern. Zu diesen Wirkstoffen zählen zum Beispiel Chlorpropamid, Methotrexat, Phenylbutazon und das Gichtmittel Probenecid.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Das Medikament stellt keinen Ersatz für eine Grippeschutzimpfung dar.
  • Das Medikament ist lediglich gegen Influenzaviren, nicht gegen andere Virenarten wirksam.
  • Das Medikament ist für schwer Nierenkranke mit einer Kreatinin-Clearance unter zehn Milliliter/Minute nicht geeignet.
  • Patienten, die mit dem Medikament behandelt werden, besonders Jugendliche und Kinder, müssen sorgfältig auf eventuelle Verhaltensstörungen hin beobachtet werden.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Oseltamivir?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Oseltamivir enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Oseltamivir

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Oseltamivir. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen virenhemmende Mittel, Neuraminidase-Hemmstoffe, zu welcher der Wirkstoff Oseltamivir gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Oseltamivir

Oseltamivir wird zur Vorbeugung und Therapie der Grippe verwendet. Zur Therapie einer Grippeinfektion muss der Wirkstoff binnen zweier Tage nach Auftreten der ersten Symptome eingenommen werden. Um einer Infektion vorzubeugen, sollte Oseltamivir möglichst bald nach dem Kontakt mit einem Infizierten zum Einsatz kommen.

Oseltamivir muss altersgerecht und bei Kindern nach Gewicht dosiert werden. Nur im Falle eines weltweiten Grippe-Ausbruchs darf der Wirkstoff zur Vorbeugung auch an Säuglinge unter einem Jahr gegeben werden. Für Frühgeborene gibt es allerdings dabei keine Dosierungsempfehlungen.

Der Wirkstoff kann die Grippe nicht heilen. Er mildert lediglich die Symptome und kürzt die Erkrankungsdauer etwas ab. Dadurch sinkt auch das Risiko schwerer Folgeerkrankungen wie etwa einer Lungenentzündung. Oseltamivir kann auf keinen Fall eine Grippeimpfung ersetzen.

Die Anwendung von Oseltamivir sollte streng auf den Einsatz bei einer Virusgrippe-Epidemie beschränkt sein und ärztlich überwacht werden.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Oseltamivir sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Oseltamivir

Oseltamivir ist ein Neuraminidase-Hemmstoff und zählt somit zu den virenhemmenden Mitteln.

Das Grippevirus dringt in menschliche Zellen ein, um sich dort zu vermehren. Die in der Zelle neu gebildeten Viren müssen diese verlassen, um ihrerseits neue Zellen zu infizieren und sich so auszubreiten. Zum Verlassen der Zelle muss ein Verbindungsstück zwischen dem Virus und der Zelle mit Hilfe des Enzyms Neuraminidase zerschnitten werden. Oseltamivir aber verhindert diesen Prozess durch Blockade des Enzyms. So kann das Virus keine neuen Zellen infizieren. Für das menschliche Immunsystem sind die unbeweglichen Viren außerdem leichter zu besiegen.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.