Eine junge Frau mit Schmerzen in Nacken und Rücken auf der Couch.
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Fibromyalgie – das steckt dahinter

Fibromyalgie kann sich lange Zeit im Hintergrund halten und dann ohne Vorankündigung zuschlagen. Die Ursachen bleiben meist unklar und die Schmerzen können sich durch Physiotherapie mal bessern, mal verschlechtern. Die Krankheit betrifft überwiegend Frauen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Fibromyalgie erkennen

Unter Fibromyalgie oder dem Fibromyalgiesyndrom versteht man Faser-Muskel-Schmerzen in mindestens drei Körperregionen und mindestens elf Schmerzdruckpunkten. Konkret bedeutet das, dass Sehnen und Muskeln im ganzen Körper wehtun können.

Welcher Art die Schmerzen bei Fibromyalgie sind, ist individuell unterschiedlich: Die Schmerzempfindungen reichen von dumpf, brennend, bohrend und schneidend bis hin zu großflächig fließend.

Typisch für Fibromyalgie ist, dass die Betroffenen empfindlicher sind gegenüber Kälte, Wärme und grellem Licht. Stress und körperliche Belastung können die Beschwerden verstärken. Oft fühlen sich die schmerzenden Regionen geschwollen an.

Mit der Zeit kommen weitere Beschwerden hinzu, wie:

Auffällig ist außerdem, dass Menschen mit Fibromyalgie nach Belastungen (körperlich sowie geistig und emotional) deutlich länger als Gesunde brauchen, um sich zu erholen.

Wie stellen Ärztinnen und Ärzte eine Fibromyalgie fest?

Folgende Punkte führen zur Diagnose einer Fibromyalgie:

  • In mindestens drei Körperregionen treten länger als drei Monate Schmerzen auf.
  • Ein spezieller Fragebogen zur Fibromyalgie hilft der Ärztin oder dem Arzt, das Beschwerdebild zu beurteilen.
  • Mindestens 11 der 18 zur Diagnose festgelegten Druckpunkte (Tenderpoints) reagieren schmerzhaft auf Druck.
  • Laborwerte sind unauffällig.
  • Es bestehen keine organischen Veränderungen.

Was ist ein Fibromyalgie-Schub?

Das Kommen und Gehen der Beschwerden bezeichnet man als schubförmigen Verlauf. Zu Beginn der Fibromyalgie sind Schübe einfach zu erkennen, da sie durch beschwerdefreie Zeiten unterbrochen werden.

Mit der Zeit kommen aber immer mehr Symptome hinzu, die auch zwischen den Schüben bestehen bleiben können – wie extreme Müdigkeit und Erschöpfung –, sodass die Schübe schwerer zu erkennen sind.

Meist beginnt ein Schub aber mit einem starken Krankheitsgefühl ähnlich einer Grippe. Über mehrere Tage oder sogar Wochen steigern sich die Beschwerden, bis sie allmählich wieder abklingen und der Schub nach und nach endet.

Leben mit Fibromyalgie

Fibromyalgie ist nicht heilbar. Doch die gute Nachricht lautet: Fibromyalgie zerstört keine Organe oder Gewebe und ist auch nicht lebensbedrohlich. Mit der Zeit gewöhnen sich viele Betroffene an die Beschwerden. Über 60-Jährige berichten häufig, dass sich die Symptome verbessern.

Den eigenen Weg finden, mit Fibromyalgie zu leben

Es ist wichtig, den eigenen Weg mit der Fibromyalgie zu finden, am besten in enger Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt. So ist es in vielen Fällen hilfreich, das Herz-Kreislauf-System mit Ausdauertraining zu stärken.

Antidepressiva und eine Psychotherapie können gegen die depressive Komponente helfen, die häufig mit dem Fibromyalgiesyndrom einhergeht.

Schmerzmittel einzunehmen ist nur dann ratsam, wenn die Schmerzen während eines Schubs zu stark werden.

Hilft eine spezielle Ernährung?

Bisher ist nicht nachgewiesen, dass eine bestimmte Ernährung die Fibromyalgie bessert oder gar heilt – auch wenn manche mit anderslautenden Versprechungen versuchen, den Betroffenen mit Fibromyalgie-Diäten oder bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Besteht ein Anspruch auf Nachteilsausgleich?

Es ist grundsätzlich möglich, mit Fibromyalgie einen Nachteilsausgleich zu erhalten. Wem dieser zusteht und woraus genau er besteht, hängt davon ab, wie stark die Beschwerden sind und wie sehr die Fibromyalgie den Alltag beeinflusst. Jeder einzelne Fall wird vom zuständigen Versorgungsamt anhand der Versorgungsmedizin-Verordnung beurteilt.

Bitten Sie Ihre Ärztin oder Ihrem Arzt um eine Einschätzung Ihres Falls und beantragen Sie anschließend den Nachteilsausgleich beim zuständigen Versorgungsamt.