Eine Frau tastet ihren Hals ab.
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Eagle-Syndrom

Gesichtsschmerzen, Halsschmerzen oder Schluckbeschwerden, die durch Kopfbewegung ausgelöst oder verstärkt werden – mit solchen oder ähnlichen Symptomen kann sich das Eagle-Syndrom bemerkbar machen. Erfahren Sie mehr über Ursachen und Behandlung der Erkrankung.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Eagle-Syndrom

Ursache für die Schmerzen und Beschwerden beim Eagle-Syndrom (auch bezeichnet als Stylohyoid-Syndrom oder Styalgie) sind

  • ein übermäßig langer Griffelfortsatz (Processus styloideus), einem normalerweise etwa 2 bis 3 Zentimeter langen spitzen Knochen unterhalb des Ohrs,
  • sowie eine Verknöcherung des Ligamentum stylohyoideum, einem paarigen Band, das den Griffelfortsatz mit dem Zungenbein verbindet.

Ein verlängerter Griffelfortsatz kommt als anatomische Abweichung bei etwa 2 bis 4 von 100 Menschen vor. Beschwerden gehen jedoch nicht automatisch damit einher. Nur etwa 2 bis 10 Prozent der Betroffenen mit überlangem Griffelfortsatz spüren Symptome. In diesen Fällen ist der Griffelfortsatz länger als 3 Zentimeter, in extremen Fällen auch über 5 Zentimeter lang.

Berücksichtigt man das, tritt das Eagle-Syndrom schätzungsweise bei einem von 62.500 Menschen auf. Das Eagle-Syndrom zählt damit zu den seltenen Erkrankungen. Frauen sind etwa dreimal häufiger vom Eagle-Syndrom betroffen als Männer.

Warum der Griffelfortsatz bei manchen Menschen länger ist beziehungsweise das Ligamentum stylohyoideum verknöchert, ist bislang nicht sicher bekannt.

Benannt wurde das Eagle-Syndrom nach dem US-amerikanischen Hals-Nasen-Ohren-Arzt Watt Weems Eagle. Er beschrieb den Beschwerdekomplex 1937 als Erster in einer Veröffentlichung.

Eagle-Syndrom: Symptome

Beim Eagle-Syndrom kommt es typischerweise zu Beschwerden wie einseitigen Gesichtsschmerzen oder Halsschmerzen, insbesondere in der Nähe des Kieferbereichs. Möglich sind aber auch Schmerzen im Bereich der Gaumenmandeln, der Zungenbasis oder im unteren Rachen.

Die Schmerzen können beim Eagle-Syndrom kommen und gehen oder ständig auftreten. Häufig verschlimmern sich die Schmerzen bei bestimmten Kopfbewegungen, etwa beim Gähnen, Schlucken oder Sprechen oder wenn man den Kopf dreht. In manchen Fällen strahlen die Schmerzen ins Ohr aus.

Weitere mögliche (oft durch Kopfbewegung auslösbare) Symptome beim Eagle-Syndrom sind zum Beispiel:

Eagle-Syndrom: Diagnose

Besteht Verdacht auf das Eagle-Syndrom, wird die Ärztin oder der Arzt zunächst versuchen, den Griffelfortsatz am Kopf beziehungsweise im Halsbereich zu ertasten.

Mit bildgebenden Verfahren wie der Computertomographie (CT) oder einer Röntgenuntersuchung lassen sich die Bereiche am Griffelfortsatz und Ligamentum stylohyoideum gut darstellen.

Mitunter dauert es lange, bis das Eagle-Syndrom als Ursache der Symptome erkannt wird. Denn das Beschwerdebild kann auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Viele Betroffene haben vor der Diagnose bereits diverse Fachärzte und Fachärztinnen aufgesucht.

Eagle-Syndrom: Therapie

Ein verlängerter Griffelfortsatz geht nicht automatisch mit Beschwerden einher. Solch eine anatomische Abweichung ist deshalb nicht zwingend behandlungsbedürftig.

Wenn jedoch Schmerzen dadurch ausgelöst werden und damit das Eagle-Syndrom vorliegt, ist zur Behandlung in der Regel ein operativer Eingriff nötig.

Je nach Methode entnimmt beziehungsweise zertrümmert man dabei den überlangen Griffelfortsatz und entfernt verknöcherte Teile des Ligamentum stylohyoideum. Der Eingriff kann entweder

  • über den Mund- und Rachenraum,
  • von außen über den Halsbereich oder
  • minimal-invasiv erfolgen.

Um beim Eingriff über den Mundraum an den Griffelfortsatz heranzukommen, müssen auch die Gaumenmandeln chirurgisch entfernt werden.

Der Eingriff von außen über den Halsbereich ermöglicht einen besseren Zugriff auf den Griffelfortsatz und eventuell verknöcherte Abschnitte des Ligamentum stylohyoideum.

Mittlerweile lässt sich die Operation unter Umständen auch minimal-invasiv mit endoskopischer Hilfe durchführen.

Die beim Eagle-Syndrom auftretenden Beschwerden gehen nach der Operation in der Regel rasch zurück. Die schmerzhaften Beschwerden lassen sich zudem durch Medikamente lindern, zum Beispiel mit Wirkstoffen aus der Gruppe der NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) oder Glukokortikoide.