Botulinumtoxin Typ A

Allgemeines

Botulinumtoxin Typ A wird eingesetzt zur Lösung von Krämpfen der Augenlider (Blepharospasmen), halbseitigen Krämpfen der Gesichtsmuskulatur (hemifaziale Spasmen) und Verspannungen im Halsbereich, auch "Schiefhals" genannt (zervikale Dystonie, Torticollis spasmodicus).

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Nerven lähmen
  • Schweißbildung unterdrücken
  • Gesichtsfalten glätten
  • Lidkrampf lösen
  • Schiefhals korrigieren
  • krankhafte Muskelverspannungen aufheben

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Botulinumtoxin Typ A im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Botulinumtoxin Typ A nicht verwendet werden?

Botulinumtoxin Typ A darf bei Personen mit Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff sowie bei Infektionen an den vorgesehenen Injektionsstellen nicht angewendet werden.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt darf der Wirkstoff eingesetzt werden bei
  • Entzündung an den vorgesehenen Injektionsstellen
  • Schwäche oder Abbau des zu behandelnden Muskels sowie bei Muskelerkrankungen (beispielsweise amyotrophe Lateralsklerose oder motorische Neuropathie)
  • Myasthenia gravis oder Eaton-Lambert-Syndrom, hier kann eine ausgeprägte Muskelschwäche auftreten
  • Injektionen in der Nähe von leicht verletzlichen Organen wie beispielsweise dem Auge
  • Nervenerkrankungen einschließlich Schluckbeschwerden. Bei diesen Patienten kann es nämlich leicht zu Funktionsstörungen der Speiseröhre und Lungenentzündungen kommen.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Bisher wurden noch zu wenige Schwangere mit Botulinumtoxin Typ A behandelt, um das Risiko für Mutter und Kind abzuschätzen. In Studien an Tieren wurden Schäden an den Ungeborenen nachgewiesen. Daher darf der Wirkstoff in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn es der Arzt für unumgänglich hält.

Es ist nicht bekannt, ob Botulinumtoxin Typ A in die Muttermilch übergeht. Auf eine Anwendung während der Stillzeit sollte daher besser verzichtet werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Der Einsatz des Wirkstoffs bei Kindern unter zwölf Jahren ist auf das Anwendungsgebiet der spastischen Lähmungen beschränkt; die Dosierung erfolgt dabei nach Körpergewicht.

Zur Sicherheit und Wirksamkeit von Botulinumtoxin Typ A bei der Behandlung von Lidkrämpfen, halbseitigen Gesichtskrämpfen oder Schiefhals bei Kindern unter zwölf Jahren gibt es keine Erfahrungen. Daher ist die Anwendung bei dieser Altersgruppe für die genannten Einsatzgebiete untersagt.

Aus dem gleichen Grund dürfen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht mit dem Wirkstoff gegen übermäßige Achselschweißbildung behandelt werden.

Welche Nebenwirkungen kann Botulinumtoxin Typ A haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Botulinumtoxin Typ A. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Die Nebenwirkungen der Anwendung von Botulinumtoxin Typ A sind stark vom Einsatzgebiet abhängig:

Lidkrampf, halbseitiger Gesichtskrampf
Sehr häufige Nebenwirkungen:
Oberlidlähmung.

Häufige Nebenwirkungen:
Hornhautentzündung (als Keratitis punctata), Lidspaltenerweiterung, trockenes Auge, Lichtscheu, Tränenfluss, Reizungen, Gesichtsschwellung.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Schwindel, Gesichtslähmung, Hornhautentzündung, Unterliderschlaffung, Doppeltsehen, Unterlideinstülpung, Sehstörungen, Verschwommensehen, Hautausschlag, Hautentzündung, Erschöpfung.

Seltene Nebenwirkungen:
Augenlidschwellung.

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Hornhautgeschwür.

Schiefhals
Sehr häufige Nebenwirkungen:
Schluckstörungen, Muskelschwäche, Schmerzen.

Häufige Nebenwirkungen:
Schnupfen, Infektion der oberen Atemwege, Schwindel, Muskelspannung, Empfindungsstörung, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, trockener Mund, Übelkeit, Wundsein, Muskelsteifigkeit, Schwäche, grippeähnliche Erkrankung, Unwohlsein.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Doppeltsehen, Oberlidlähmung, Atemfunktionsstörung, Sprechstörungen, Fieber.

kindliche spastische Lähmungen
Sehr häufige Nebenwirkungen:
Virusinfektion, Ohrinfektion.

Häufige Nebenwirkungen:
Schläfrigkeit, nervliche Missempfindungen, Hautausschlag, Muskelschmerzen, Muskelschwäche, Harninkontinenz, Gangstörungen, Unwohlsein.

Handkrämpfe bei Schlaganfallpatienten
Häufige Nebenwirkungen:
Muskelverspannungen, Unterhautblutungen, blaue Flecken, Hautentzündung, Armschmerzen, Beinschmerzen, Blutungen (an der Einstichstelle), Reizungen (an der Einstichstelle).

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Depressionen, Schlaflosigkeit, Empfindungsstörungen, Kopfschmerzen, Orientierungslosigkeit, Gedächtnisverlust, Schwindel, Blutdruckabfall (bei Körperlageveränderung), Übelkeit, Missempfindungen im Mund, Hautentzündung, Juckreiz, Hautausschlag, Gelenkschmerzen, Schleimbeutelentzündung, Schwäche, Schmerzen, Überempfindlichkeit (an der Einstichstelle), Unwohlsein, Armschwellungen, Beinschwellungen.

Besonderheiten:
Einige der gelegentlichen Nebenwirkungen können krankheitsbedingt sein.

Übermäßige Achselschweißbildung
Erkrankungen des Nervensystems
Häufige Nebenwirkungen:
Kopfschmerzen, Hitzewallungen, Schwitzen, Reaktionen an der Einstichstelle, Schmerzen (an der Einstichstelle).

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Übelkeit, Juckreiz, Muskelschwäche, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Armschmerzen, Beinschmerzen, Schwäche, Schwellungen (an der Einstichstelle).

Weitere allgemein auftretende Nebenwirkungen
ohne Häufigkeitsangabe:
Gelenkbeschwerden, Bauchschmerzen, Verschwommensehen, Fieber, Gesichtslähmung (anfallsweise), Empfindungsstörungen, Unwohlsein, Muskelschmerzen, Juckreiz, Schwitzen, Durchfall, Essensverweigerung, Hörbeschwerden, Ohrensausen, Nervenwurzelbeschwerden, Ohnmacht, Myasthenia gravis, Erythema multiforme, Schuppenflechte-artige Hautentzündung, Erbrechen, Erkrankung des Armnervengeflechts.

Selten:
Herzrhythmusstörungen,Herzinfarkt, Überempfindlichkeitsreaktionen (schwerwiegend, einschließlich Schock, Serumkrankheit, Nesselsucht, Weichteilschwellung, Atemnot).

Sehr selten:
Nervenstörungen in Armen und Beinen (periphere Neuropathie), Grüner Star (Engwinkelglaukom).

Besonderheiten:
Neu oder wiederholt auftretende epileptische Anfälle kommen besonders bei Patienten mit entsprechender Neigung vor. Der genaue Zusammenhang mit der Injektion von Botulinumtoxin ist allerdings nicht nachgewiesen. Bei Kindern waren vorwiegend spastisch Gelähmte betroffen.

Die mit der Injektion in Zusammenhang stehenden Schmerzen und/oder Angstgefühle können Reaktionen wie Kreislaufprobleme und Ohnmachten auslösen.

Im Allgemeinen treten Nebenwirkungen der Behandlung innerhalb der ersten Tage nach der Injektion auf und sind vorübergehend. In seltenen Fällen können Nebenwirkungen mehrere Monate oder noch länger andauern.

Bei Auftreten von Überempfindlichkeitsreaktionen darf der Wirkstoff auf kleinen Fall nochmals angewendet werden.

Welche Wechselwirkungen zeigt Botulinumtoxin Typ A?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Die Wirkung von Botulinumtoxin Typ A kann möglicherweise durch Wirkstoffe, die die Reizübertragung vom Nerv zum Muskel beeinflussen, gesteigert werden. Zu diesen Substanzen gehören Aminoglykosid-Antibiotika, das Antibiotikum Spectinomycin und bestimmte Muskelrelaxanzien wie Pancuronium, Atracurium, Vecuronium und Rocuronium.

Die Wirkung gleichzeitig oder innerhalb mehrerer Monate verabreichter Typen von Botulinumtoxin ist nicht bekannt. Eine übersteigerte Muskelschwäche kann sich noch verstärken, wenn ein anderes Botulinumtoxin vor Abklingen der Wirkung eines zuvor verabreichten Botulinumtoxins angewendet wird.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Wenn Schluck-, Sprech- oder Atemstörungen auftreten, ist sofort der Arzt zu verständigen.
  • Bislang bewegungsarme Patienten sollten nach der Anwendung des Medikaments körperliche Aktivitäten langsam und vorsichtig wieder beginnen.
  • Bei Auftreten von Überempfindlichkeitsreaktionen darf das Medikament auf keinen Fall nochmals angewendet werden.
  • Das Medikament darf nur von spezialisierten Ärzten mit geeigneter Ausbildung und Praxisausstattung angewendet werden.
  • Je nach Anwendung kann der Einsatz des Medikaments die Fähigkeit zum Autofahren oder der Maschinenbedienung einschränken, was zum Teil zeitverzögert auftreten kann.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Botulinumtoxin Typ A?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Botulinumtoxin Typ A enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform
Durchstechflaschen mit Trockensubstanz
Durchstechflaschen mit Trockensubstanz
Durchstechflaschen mit Trockensubstanz
Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung

So wirkt Botulinumtoxin Typ A

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Botulinumtoxin Typ A. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Muskelrelaxanzien, zu welcher der Wirkstoff Botulinumtoxin Typ A gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Botulinumtoxin Typ A

Botulinumtoxin Typ A wird eingesetzt zur Lösung von Krämpfen der Augenlider (Blepharospasmen), halbseitigen Krämpfen der Gesichtsmuskulatur (hemifaziale Spasmen) und Verspannungen im Halsbereich, auch "Schiefhals" genannt (zervikale Dystonie, Torticollis spasmodicus).

Ein weiteres Einsatzgebiet sind Muskelverspannungen, die durch Fehlsteuerungen des Gehirns verursacht sind (fokale Dystonien). Solche Verspannungen treten bei spastisch gelähmten Kindern auf (oft gepaart mit der typischen "Spitzfuß"-Stellung) sowie an den Händen und Handgelenken von erwachsenen Schlaganfallpatienten.

Auch eine übermäßige Schweißbildung der Achseln kann mit Botulinumtoxin Typ A unterdrückt werden. Allerdings kommt der Wirkstoff nur zum Einsatz, wenn die Schweißbildung so stark ist, dass sie störende Auswirkungen auf die Aktivitäten des täglichen Lebens hat und durch örtliche Behandlung nicht ausreichend kontrolliert werden kann.

Weitere Einsatzgebiete für Botulinumtoxin sind chronische Migräne und nervlich bedingte Harninkontinenz, wie sie im Rahmen einer Rückenmarksverletzung oder Multipler Sklerose auftritt.

Neben diesen medizinischen Anwendungen kommt Botulinumtoxin Typ A zunehmend im Rahmen kosmetischer Eingriffe an Gesunden zum Einsatz. Durch gezielte Lähmung von Gesichtsnerven wird dabei die Faltenbildung verhindert oder werden vorhandene Falten geglättet.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Botulinumtoxin Typ A sind vertiefende Informationen verfügbar:

    Wirkungsweise von Botulinumtoxin Typ A

    Ein Nervenreiz wird dort auf eine Muskelfaser übertragen, wo das Nervenende mit der Faser verbunden ist. Bei Erregung des Nerven schüttet das Nervenende den Botenstoff Acetylcholin aus. Dieser löst dann die Zusammenziehung der Muskelfaser aus. Botulinumtoxin Typ A zerstört dauerhaft ein Eiweiß, ohne das die Ausschüttung von Acetylcholin aus dem Nervenende nicht möglich ist.

    Binnen zwei bis drei Tagen kommt es im Gebiet, in das das Toxin eingespritzt wurde, zu einer Muskellähmung. Die maximale Wirkung tritt fünf bis sechs Wochen nach der Injektion ein. Das Nervenende muss erst wieder nachwachsen, damit die Reizübertragung auf den Muskel funktioniert. Daher hält die krampflösende Botulinum-Wirkung etwa zwölf Wochen an.

    Bei Injektion unter die Haut, wie sie zur Hemmung der Achselschweißbildung üblich ist, kann die Wirkung sogar bis über ein Jahr lang anhalten.

    Disclaimer:
    Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.