Eine Frau hat ihre Brille abgenommen und drückt die Finger gegen den Nasenrücken.
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Doppeltsehen (Diplopie), Doppelbilder

Menschen, die an Diplopie leiden, sehen Doppelbilder: Sie nehmen einen betrachteten Gegenstand als zwei neben- oder übereinanderliegende Gegenstände wahr. Die Ursachen des Doppeltsehens sind vielfältig – sie reichen von Schielen über Verletzungen bis hin zum Schlaganfall.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Diplopie (Doppelbilder)

Ärzte sprechen bei Doppelbildern von einer Diplopie. Sie unterscheiden zwischen der binokularen und der monokularen Diplopie:

  • Bei einer binokularen Diplopie verschwinden die Doppelbilder, sobald der Patient ein Auge zuhält. Die binokulare Diplopie entsteht, wenn die Achsen der beiden Augen nicht im richtigen Verhältnis zueinander stehen, sodass das Gehirn die Sinneswahrnehmungen nicht zu einem Bild verschmelzen kann.
  • Bei der monokularen Diplopie sieht der Patient auch dann noch Doppelbilder, wenn nur ein Auge geöffnet ist. Diese Form des Doppeltsehens entsteht, wenn das einfallende Licht an Hornhaut oder Linse unregelmäßig bricht.

Wann zum Arzt?

Neu aufgetretene Doppelbilder sollten Sie unverzüglich abklären lassen. Erster Ansprechpartner kann der Augenarzt oder der Hausarzt sein. Wenn weitere ernste Symptome auftreten (z.B. Sprachstörungen, Lähmungserscheinungen) sollten Sie nicht zögern, die Notaufnahme aufzusuchen oder den Notarzt zu alarmieren.

Kurz erklärt: Wie der Mensch Bilder wahrnimmt
Um den Sehvorgang zu verstehen, lohnt es sich, den Aufbau des Auges näher zu betrachten: Das Licht, das beim Sehen auf das Auge trifft, gelangt durch die Hornhaut, Pupille, Linse und den Glaskörper auf die Netzhaut (Retina). Hornhaut und Linse bündeln dabei den Lichtstrahl. Über die Pupille reguliert das Auge, wie viel Licht tatsächlich auf die Netzhaut gelangt. Hierzu zieht sich die Regenbogenhaut, die um die Pupille herum liegt, zusammen. Bei starkem Lichteinfall wird die Pupille dadurch ganz klein. Ist es dunkel, vergrößert sie sich hingegen.

Auf der Netzhaut befinden sich Millionen von speziellen Sinneszellen – die Stäbchen und die Zapfen. Die Stäbchen sind für das Schwarz-Weiß-Sehen zuständig, die Zapfen für Farbtöne. Das einfallende Licht reizt diese Sinneszellen unterschiedlich stark. Die Stäbchen und Zapfen erzeugen daraufhin verschiedene Nervensignale. Auf der Netzhaut entsteht ein verkleinertes Bild, das zunächst auf dem Kopf steht. Über den Sehnerv gelangen diese Nervenimpulse nun zur Sehrinde im Gehirn. Das Gehirn wertet die Signale schließlich aus und dreht das Bild um 180 Grad. Durch die Kombination der Bildeindrücke aus dem rechten und linken Auge erscheint ein dreidimensionales Bild.

Ist dieser komplexe Prozess gestört, können verschiedene Symptome die Folge sein – unter anderem auch Doppelbilder.

Doppelbilder: Ursachen

Doppelbilder entstehen in den meisten Fällen, wenn die Achsen der Augen nicht im richtigen Verhältnis zueinander stehen (sog. binokulare Diplopie). Die möglichen Ursachen einer binokularen Diplopie sind vielfältig. Dazu zählen:

Ursachen einer monokularen Diplopie

Manchmal gehen Doppelbilder auch nur von einem Auge aus. Mögliche Ursachen sind zum Beispiel

  • grauer Star (Katarakt)
  • Veränderungen der Hornhaut, z.B. Keratokonus, eine kegelförmige Verformung der Hornhaut

Doppelbilder: Diagnose

Um bei Diplopie (Doppeltsehen) die richtige Diagnose stellen zu können, ist in der Regel eine augenärztliche und/oder neurologische Untersuchung notwendig.

Im ersten Gespräch wird der Arzt einige Fragen stellen (sog. Anamnese). So wird er zum Beispiel wissen wollen,

  • wie lange das Doppeltsehen schon anhält,
  • ob sich die Doppelbilder im Verlauf verändert (verschlimmert, verbessert) haben,
  • wie die Doppelbilder angeordnet sind (nebeneinander, übereinander …),
  • in welcher Blickrichtung die Doppelbilder auftreten,
  • ob die Doppelbilder kontinuierlich oder sporadisch auftreten,
  • ob der Patient einen Unfall hatte,
  • ob der Patient weitere Symptome hat, z.B. Schmerzen, Schwindel, Taubheitsgefühle, Sprach- oder Schluckstörungen,
  • ob der Patient bestimmte Vorerkrankungen hatte und
  • ob der Patient Medikamente einnimmt.

Anhand der Schilderungen des Patienten kann der Arzt die Zahl der möglichen Diagnosen eingrenzen. Gegebenenfalls wird er den Patienten an einen Augenarzt oder einen Neurologen überweisen.

Nach der Anamnese folgt eine gründliche Untersuchung. Dabei prüft der Arzt, ob es sich um mono- oder binokulare Doppelbilder handelt (durch Abdecken eines Auges); dies gibt ihm wichtige Hinweise auf die Ursache. Auch beobachtet der Mediziner die Kopfhaltung des Patienten. Zudem testet er die Augenbeweglichkeit. Zum Beispiel muss der Patient mit den Augen dem Finger oder Stift des Arztes folgen und berichten, in welcher Blickrichtung die Doppelbilder erscheinen und wie sie genau aussehen. Daraus kann der Arzt schließen, welcher Muskel eventuell gelähmt sein könnte. Darüber hinaus prüft der Arzt unter anderem

  • die Sehkraft,
  • die Sensibilität der Hornhaut,
  • die Reaktion der Pupillen auf Licht und
  • die Funktionalität der äußeren Augenmuskeln.

Je nachdem, welche Ursache der Arzt hinter der Diplopie vermutet, führt er zur genauen Diagnose zusätzliche Untersuchungen durch, zum Beispiel:

  • Blutuntersuchungen
  • Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen
  • Computertomographie (CT)
  • Magnetresonanztomographie (MRT)
  • Hirnwasseruntersuchung
  • EEG

Doppelbilder: Behandlung

Die Behandlung der Diplopie (Doppeltsehen) ist so vielseitig wie ihre Ursachen. Einige Beispiele:

  • Ist Schielen die Ursache der Diplopie, wird der Arzt z.B. eine Brille verordnen. Auch kann es hilfreich sein, die Fehlsichtigkeit mit Prismenbrillen oder -folien auszugleichen, die der Arzt auf eine vorhandene Brille klebt. In manchen Fällen kann auch eine Operation nötig sein.
  • Ein Keratokonus (kegelförmige Hornhautveränderung) kann z.B. durch Kontaktlinsen oder in schweren Fällen durch eine Hornhauttransplantation behandelt werden.
  • Sind Kopfverletzungen oder Tumoren für die Doppelbilder verantwortlich, ist unter Umständen ein operativer Eingriff notwendig.