Das Bild zeigt eine Pille auf dem Zeigerfinger einer Frau.
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Pille danach: Anwendung, Kosten und Nebenwirkungen

Kondom gerissen, Pille falsch eingenommen – eine Verhütungspanne kann schnell passieren. Um nach einem solchen Missgeschick eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern, können Frauen als Notfallverhütung auf die Pille danach zurückgreifen. Wann sie eingenommen werden kann, was sie kostet und beachtet werden muss.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Häufige Fragen zur Pille danach

Die Pille danach kann maximal 72 bis 120 Stunden nach dem Sex eingenommen werden, abhängig vom Präparat. Die Sicherheit ist höher, je früher sie eingenommen wird.

Die Pille danach ist rezeptfrei in Apotheken erhältlich und kostet zwischen 15 und 40 Euro. Bei Frauen bis zum Ende des 22. Lebensjahr übernehmen die Krankenkassen die Kosten, wenn sie ärztlich verschrieben wurde.

Mögliche Nebenwirkungen der Pille danach können sein:

  • Zyklusunregelmäßigkeiten mit Zwischenblutungen oder stärkerer Periode
  • Übelkeit
  • Unterleibsschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit

Überblick zur Pille danach

Die Pille danach ist kein Verhütungsmittel im eigentlichen Sinne, sondern eine Form der Notfallverhütung. Sie hilft ausschließlich rückwirkend – nimmt eine Frau die Pille danach vor dem Geschlechtsverkehr, schützt sie sich nicht vor einer Schwangerschaft.

Die Pille danach eignet sich, wenn:

  • eine Frau während ihrer fruchtbaren Tage ungeschützten Geschlechtsverkehr hatte,
  • die angewandte Verhütungsmethode nicht funktioniert hat (Kondom verrutscht oder gerissen, Pille vergessen oder erbrochen, Diaphragma verrutscht)
  • oder der Geschlechtsverkehr erzwungen wurde (Vergewaltigung).

Was muss man bei der Einnahme beachten?

Damit die Pille danach sicher vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen kann, muss sie so schnell wie möglich nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Es gilt: Je früher die Frau die Pille danach einnimmt, desto besser ist die Wirkung!

Wenn es also zur Verhütungspanne gekommen ist, sollten Frauen nicht lange warten und umgehend eine Apotheke aufsuchen. Passiert ein solcher Verhütungsunfall abends oder nachts, sollte die nächstgelegene Notdienstapotheke aufgesucht werden.

Am besten ist es, wenn die Pille danach innerhalb von 12 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen wird. Dann liegt der Pearl-Index der klassischen Pille danach bei 1 – die Methode gilt damit als sehr sicher. Danach geht die Wirksamkeit allmählich zurück.

Bei der Pille danach handelt es sich um eine einzige Tablette, die einmalig eingenommen wird. Sollten Sie sie in den ersten drei Stunden nach der Einnahme allerdings wieder erbrechen, müssen Sie möglichst schnell eine neue Tablette mit dem gleichen Wirkstoff besorgen, damit die Wirksamkeit erhalten bleibt.

Die klassische Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel wirkt bis maximal 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr, das Präparat mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat ist für bis maximal 120 Stunden danach zugelassen.

Der Eisprung wird durch die Pille danach verzögert. Ist es allerdings schon zum Eisprung gekommen, wirkt sie nicht mehr und es besteht die Gefahr einer ungewollten Schwangerschaft. Deshalb ist eine frühzeitige Einnahme sinnvoll.

Sicherheit der Pille danach

Es gibt zwei verschiedene Wirkstoffe für die Pille danach. Der neuere ist der Wirkstoff Ulipristal. Diese Pille danach kann bis spätestens zum fünften Tag nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommen werden und gilt inzwischen als Standard-Methode. Studien belegen eine höhere Wirksamkeit innerhalb der ersten 24 Stunden, aber auch bis zu 72 Stunden nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr als mit dem Wirkstoff Levonorgestrel. Das Risiko einer Schwangerschaft wird bei Einnahme innerhalb von 24 Stunden nach dem Sex auf 0,9 Prozent gesenkt.

Die andere Pille danach enthält ausschließlich den Wirkstoff Levonorgestrel (eine synthetische Form des Hormons Gestagen). Sie muss spätestens 72 Stunden (3 Tage) nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommen werden, am besten jedoch so früh wie möglich. Die Sicherheit variiert mit der Zeit, die nach dem ungeschützten Sex vergeht:

Zeitspanne nach dem Geschlechtsverkehr Wirksamkeit (%)
Bis zu 24 Stunden 95
24 bis 48 Stunden 85
48 bis 72 Stunden 58
Nach 72 Stunden -
Wichtig!
Die Pille danach ist ausschließlich für Notfälle vorgesehen und kann die eigentliche Verhütung nicht ersetzen! Da der Eisprung durch die Pille danach nur verschoben wird, können Frauen noch im selben Zyklus durch erneuten ungeschützten Geschlechterverkehr schwanger werden. Nach der Verwendung dieser Notfallverhütung sollten Frauen daher für den Rest ihres Zyklus auf sichere, nicht-hormonelle Verhütungsmethoden (Kondom, Diaphragma) zurückgreifen.

Kosten für die Pille danach

Wie viel die Pille danach kostet, hängt von dem jeweiligen Präparat ab:

  • Bei der Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel betragen die Kosten zwischen 15 bis 18 Euro. Sie muss spätestens 72 Stunden (3 Tage) nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommen werden.
  • Die Pille danach mit dem Wirkstoff Ulipristal kostet etwa 30 bis 40 Euro. Dieses Präparat ist bis zu 120 Stunden (5 Tage) nach der Verhütungspanne wirksam.

Die Kosten für die Pille danach können allerdings je nach Apotheke schwanken, da es keinen festgelegten Preis gibt.

Für gesetzlich versicherte Frauen unter 22 Jahren ist die Pille danach per Kassenrezept kostenlos – die Krankenkasse übernimmt die Kosten. Stellt der Arzt oder die Ärztin allerdings ein Privatrezept aus, müssen die Kosten für die Pille danach selber getragen werden. Wer die Pille danach ohne Rezept in der Apotheke kauft, bekommt die Kosten von der Krankenkasse nicht erstattet.

Bei Frauen zwischen 18 und dem 21 Jahren kann eine Rezeptgebühr in Höhe von fünf Euro anfallen. Mit dem 22. Geburtstag müssen betroffene Frauen die Kosten für die Pille danach in jedem Fall selbst übernehmen – egal ob sie sich die Pille danach mit oder ohne Rezept besorgen.

Anwendung

Bei der Pille danach wird einmalig eine einzige Tablette eingenommen – am besten innerhalb von zwölf Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr. Wird die Pille danach innerhalb von drei Stunden nach der Einnahme erbrochen, muss sie erneut eingenommen werden.

Wird zur Verhütung normalerweise die Antibabypille verwendet, sollten die Tabletten aus dem angebrochenen Blister bis zur Menstruationsblutung wie gewohnt weiter eingenommen werden, um mögliche Zyklusstörungen zu verhindern. Da der Hormonhaushalt durch die Einnahme der Pille danach durcheinandergerät, muss bis zum Ende des Zyklus zusätzlich eine nicht-hormonelle Verhütungsmethode angewendet werden (Kondom, Diaphragma).

Nach Einnahme der Pille danach kann sich die Periode verschieben. Bei der Pille danach mit dem Wirkstoff Ulipristal sind auch Zwischen- und Schmierblutungen möglich. Falls die Periode sieben Tage nach der Einnahme nicht einsetzt, sollte zur Sicherheit ein Schwangerschaftstest durchgeführt werden.

Wirkungsweise der Pille danach

Die genaue Wirkungsweise des Wirkstoffs Levonorgestrel ist nicht vollständig bekannt. Die klassische Pille danach verzögert oder unterdrückt den Eisprung und verhindert so eine Befruchtung der Eizelle. Es wird angenommen, dass der Wirkstoff Levonorgestrel außerdem den Schleim der Gebärmutter verdickt und so den männlichen Spermien den Weg in die Gebärmutter versperrt.

Der Wirkstoff Ulipristal ist ein sogenannter selektiver Progesteronrezeptor-Modulator. Auch die neue Pille danach hemmt die Eizellreifung und verzögert oder unterdrückt den Eisprung. Bei einer Gabe kurz vor dem Eisprung kann nur Ulipristalacetat den Eisprung noch verzögern. Levonorgestrel wirkt in den letzten zwei Tagen vor der Ovulation nicht mehr sicher.

Sobald sich die Eizelle in die Gebärmutter eingenistet hat, wirkt die Pille danach nicht mehr. Im Unterschied zur Abtreibungspille führt sie daher nicht zum Abbruch einer Schwangerschaft.

Nebenwirkungen der Pille danach

Sowohl bei der "klassischen" (Wirkstoff: Levonorgestrel) als auch bei der "neuen" Pille danach (Wirkstoff: Ulipristal) sind einige – wenn auch nicht schwerwiegende – Nebenwirkungen möglich. In den meisten Fällen treten

auf. Normalerweise verschwinden bei der Pille danach diese Nebenwirkungen innerhalb von ein bis zwei Tagen.

In einigen Fällen kann sich auch der Zeitpunkt der erwarteten Monatsblutung um ein paar Tage nach vorn oder nach hinten verschieben. Auch Zwischen- oder Schmierblutungen sowie Brustspannen, Schwindel und Erbrechen sind möglich.

Treten nach der Einnahme der Pille danach sehr starke Nebenwirkungen auf (z. B. starke Kopfschmerzen), sollte ärztlicher Rat gesucht werden.

Bestimmte Arzneimittel können die Wirksamkeit der Pille danach jedoch verringern oder gar aufheben. Dazu zählen: