Das Bild zeigt eine Pille auf dem Zeigerfinger einer Frau.
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Pille danach

Kondom gerissen, die Pille falsch eingenommen oder im Rausch der Gefühle die Verhütung vergessen – eine Verhütungspanne kann schnell passieren. Um nach einem solchen Missgeschick eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern, können Frauen auf die sogenannte "Pille danach" zurückgreifen. Frauen bekommen die Pille danach rezeptfrei in der Apotheke – Mädchen unter 14 Jahren benötigen dafür die Zustimmung ihrer Eltern.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

"Pille danach": Nun auch rezeptfrei

Die "Pille danach" ist kein Verhütungsmittel im eigentlichen Sinne, sondern eine Form der Notfallverhütung. Wie der Name "Pille danach" verdeutlicht, hilft sie ausschließlich rückwirkend – nimmt eine Frau die Pille danach vor dem Geschlechtsverkehr (Beischlaf, Koitus), schützt sie sich nicht vor einer Schwangerschaft.

Die Pille danach eignet sich, wenn:

  • eine Frau während ihrer fruchtbaren Tage ungeschützten Geschlechtsverkehr hatte,
  • die angewandte Verhütungsmethode nicht funktioniert hat (Kondom verrutscht oder gerissen, Pille vergessen oder erbrochen, Diaphragma verrutscht)
  • oder der Geschlechtsverkehr erzwungen wurde (Vergewaltigung).

Was muss man bei der Einnahme beachten?

Damit die Pille danach sicher vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen kann, müssen Sie sie so schnell wie möglich nach dem Geschlechtsverkehr einnehmen. Es gilt: Je früher die Frau die Pille danach einnimmt, desto besser wirkt sie!

Am besten ist es, wenn Sie die Pille danach innerhalb von 12 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr einnehmen. Dann liegt der Pearl-Index der klassischen Pille danach bei 1 – die Methode gilt damit als sehr sicher. Danach geht die Wirksamkeit allmählich zurück.

Bei der Pille danach handelt es sich um eine einzige Tablette, die Sie einmalig einnehmen. Sollten Sie sie in den ersten drei Stunden nach der Einnahme allerdings wieder erbrechen, müssen Sie möglichst schnell eine neue Tablette mit dem gleichen Wirkstoff besorgen, damit die Wirksamkeit erhalten bleibt.

Die klassische Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel wirkt bis maximal 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr, das Präparat mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat ist für bis maximal 120 Stunden danach zugelassen.

Wenn es also zur Verhütungspanne gekommen ist oder Sie aus anderen Gründen die Pille danach benötigen, sollten Sie nicht lange warten: Suchen Sie umgehend eine Apotheke auf. Passiert ein solches "Unglück" abends oder nachts, müssen Sie die nächstgelegene Notdienstapotheke aufsuchen.

Seit dem 15. März 2015 erhalten Frauen die Pille danach rezeptfrei in Apotheken. Dabei ist es ratsam, die Pille danach immer persönlich abzuholen – wird zum Beispiel der Partner oder eine Freundin geschickt, können Apotheker die Herausgabe auch verweigern. Der Grund: Die Pille danach ist kein Verhütungsmittel für den regelmäßigen Gebrauch. Ihre Einnahme bedarf sorgfältiger Aufklärung, da einige – wenn auch nicht schwerwiegende – Nebenwirkungen möglich sind.

Wie wirkt die Pille danach?

Die Pille danach verzögert oder unterdrückt einen noch nicht stattgefundenen Eisprung – dadurch kann sie nach einer Verhütungspanne eine ungewollte Schwangerschaft verhindern. Vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie AIDS, Hepatitis B oder Chlamydien schützt sie jedoch nicht.

Wichtig: Die Pille danach kann eine ungewollte Schwangerschaft nur dann verhindern, wenn sie vor dem Eisprung eingenommen wird. Hat der Eisprung nach der Verhütungspanne bereits stattgefunden, wirkt die Pille danach mehr. Daher ist es so wichtig, dass Sie die Pille danach so schnell wie möglich nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr einnehmen.

Für die Pille danach gibt verschiedene Präparate mit jeweils einem unterschiedlichen Wirkstoff:

Sowohl der Wirkstoff Levonorgestrel als auch Ulipristal unterdrücken oder verzögern den Eisprung, sodass eine Befruchtung durch Spermien nicht stattfinden kann. Die Pille danach wirkt nicht, wenn sich das befruchtete Ei bereits in der Gebärmutter eingenistet hat.

Die Pille danach verhindert also nur den Eintritt einer Schwangerschaft – eine bereits eingetretene Schwangerschaft kann sie nicht beenden. Dies unterscheidet die Pille danach maßgeblich von der sogenannten Abtreibungspille: Die Abtreibungspille bewirkt, dass der Körper eine befruchtete Eizelle abstößt, nachdem sie sich bereits in der Gebärmutter eingenistet und geteilt hat.
 

"Klassische" Pille danach

Die "klassische" Pille danach enthält ausschließlich den Wirkstoff Levonorgestrel (eine synthetische Form des Hormons Gestagen). Je nachdem, wann die Frau Levonorgestrel im Laufe ihres Zyklus einnimmt, verzögert oder unterdrückt Levonorgestrel den Eisprung und verhindert so die Befruchtung. Die klassische Pille danach muss spätestens 72 Stunden (3 Tage) nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommen werden, am besten jedoch so früh wie möglich.

Zeitspanne nach dem Geschlechtsverkehr Wirksamkeit (%)
Bis zu 24 Stunden 95
24 bis 48 Stunden 85
48 bis 72 Stunden 58
Nach 72 Stunden -

"Neue" Pille danach

Seit Oktober 2009 gibt es eine "neue" Pille danach. Sie enthält den Wirkstoff Ulipristal. Er verhindert oder verzögert ebenfalls den Eisprung. Die neue Pille danach kann bis spätestens zum fünften Tag nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommen werden und gilt inzwischen als Standard-Methode.

Erste Vergleichsstudien weisen darauf hin, dass Ulipristal effektiver vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen kann als die klassische Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel. Die Studien belegen eine höhere Wirksamkeit innerhalb der ersten 24 Stunden, aber auch bis zu 72 Stunden nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr. Die Ergebnisse stellen bisher lediglich eine Tendenz dar und müssen durch weitere Studien bestätigt werden.

Wissenswertes
Die Pille danach ist ausschließlich für Notfälle vorgesehen und kann die eigentliche Verhütung nicht ersetzen! Da der Eisprung durch die Pille danach oft nur verschoben wird, können Frauen noch im selben Zyklus durch erneuten ungeschützten Geschlechterverkehr schwanger werden. Nach der Verwendung dieser Notfallverhütung sollten Frauen daher für den Rest Ihres Zyklus auf sichere, nicht-hormonelle Verhütungsmethoden (Kondom, Diaphragma) zurückgreifen. Es gibt in Deutschland zwei verschiedene Wirkstoffe, die als Pille danach auf dem Markt sind: Wirkstoffe/UlipristalUlipristalacetat und Levonorgestrel.

Wirkungsweise

Die genaue Wirkungsweise des Wirkstoffs Levonorgestrel ist nicht vollständig bekannt. Die klassische Pille danach verzögert oder unterdrückt den Eisprung und verhindert so eine Befruchtung der Eizelle. Es wird angenommen, dass der Wirkstoff Levonorgestrel außerdem den Schleim der Gebärmutter verdickt und so den männlichen Samenzellen den Weg in die Gebärmutter versperrt.

Der Wirkstoff Ulipristal ist ein sogenannter selektiver Progesteronrezeptor-Modulator. Auch die neue Pille danach hemmt die Eizellreifung und verzögert oder unterdrückt den Eisprung. Bei einer Gabe kurz vor dem Eisprung kann nur Ulipristalacetat den Eisprung noch verzögern. Levonorgestrel wirkt in den letzten zwei Tagen vor der Ovulation nicht mehr sicher.

Dies beeinflusst die Effektivität der Präparate: Ersten Vergleichsstudien zufolge schützt Ulipristial effektiver vor einer ungewollten Schwangerschaft als Levonorgestrel. Für gesicherte Aussagen müssen die Ergebnisse durch weitere Studien bestätigt werden.

Sobald sich die Eizelle in die Gebärmutter eingenistet hat, wirkt die Pille danach nicht mehr. Im Unterschied zur Abtreibungspille führt sie daher nicht zum Abbruch einer Schwangerschaft.

Anwendung

Bei der Pille danach müssen Sie einmalig eine einzige Tablette einnehmen – am besten innerhalb von zwölf Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr. Sollten Sie die Pille danach innerhalb von drei Stunden nach der Einnahme erbrechen, müssen Sie sich diese erneut besorgen und noch einmal eine Tablette einnehmen.

Wenn Sie zur Verhütung normalerweise die Antibabypille verwenden, sollten Sie die Tabletten aus dem angebrochenen Blister bis zur Menstruationsblutung wie gewohnt weiter einnehmen. So verhindern Sie mögliche Zyklusstörungen. Da Ihr Hormonhaushalt durch die Einnahme der Pille danach durcheinander gerät, müssen Sie bis zum Ende Ihres Zyklus zusätzlich eine nicht-hormonelle Verhütungsmethode anwenden (Kondom, Diaphragma).

Nach Einnahme der Pille danach kann sich Ihre Monatsblutung um eine Woche nach hinten oder nach vorn verschieben. Bei der "neuen" Pille danach mit dem Wirkstoff Ulipristal sind auch Zwischen- und Schmierblutungen möglich. Falls Ihre Periode drei Wochen nach der Einnahme nicht einsetzt, sollten Sie zur Sicherheit einen Schwangerschaftstest durchführen.

Nebenwirkungen

Sowohl bei der "klassischen" (Wirkstoff: Levonorgestrel) als auch bei der "neuen" Pille danach (Wirkstoff: Ulipristal) sind einige – wenn auch nicht schwerwiegende – Nebenwirkungen möglich. In den meisten Fällen treten

auf. Normalerweise verschwinden bei der Pille danach diese Nebenwirkungen innerhalb von ein bis zwei Tagen.

In einigen Fällen kann sich auch der Zeitpunkt der erwarteten Monatsblutung um ein paar Tage nach vorn oder nach hinten verschieben. Auch Zwischen- oder Schmierblutungen sowie Brustspannen, Schwindel und Erbrechen sind möglich.

Treten nach der Einnahme der Pille danach sehr starke Nebenwirkungen auf (z. B. starke Kopfschmerzen), sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Prinzipiell gilt: Je früher Sie die Pille danach einnehmen, desto wahrscheinlicher wirkt sie auch. Bestimmte Arzneimittel können die Wirksamkeit der Pille danach jedoch verringern oder gar aufheben. Dazu zählen:

Kosten

Wie viel die Pille danach kostet, hängt von dem jeweiligen Präparat ab:

  • Bei der Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel betragen die Kosten zwischen 16 bis 18 Euro. Sie muss spätestens 72 Stunden (3 Tage) nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommen werden.
  • Die "neue" Pille danach mit dem Wirkstoff Ulipristal kostet etwa 30 Euro. Dieses Präparat ist bis zu fünf Tage nach der Verhütungspanne wirksam.

Die Kosten für die Pille danach können allerdings von Apotheke zu Apotheke schwanken, da es keinen festgelegten Preis gibt.

Ob Sie diese Kosten und eventuell andere Gebühren selber tragen müssen, hängt von Ihrem Alter ab und davon, ob Sie sich die Pille danach ärztlich verschreiben lassen.

Für gesetzlich versicherte Frauen unter 20 Jahren ist die Pille danach per Kassenrezept kostenlos – die Krankenkasse übernimmt die Kosten. Stellt der Arzt allerdings ein Privatrezept aus, müssen Sie die Kosten für die Pille danach selber tragen. Wenn Sie die Pille danach ohne Rezept in der Apotheke kaufen, bekommen Sie die Kosten von der Krankenkasse nicht erstattet.

Bei Frauen zwischen dem 18. und dem 20. Lebensjahr kann eine Rezeptgebühr in Höhe von fünf Euro anfallen. Mit dem 20. Geburtstag müssen betroffene Frauen die Kosten für die Pille danach in jedem Fall selbst übernehmen – egal ob Sie sich die Pille danach mit oder ohne Rezept besorgen.