Eine trauernde Frau im Schlafzimmer mit Teddy.
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Plötzlicher Kindstod (SIDS)

Der plötzliche Kindstod (engl.: Sudden Infant Death Syndrome, SIDS) ist ein heikles Thema, denn bisher sind keine Ursachen bekannt und theoretisch kann es jeden treffen. Mittlerweile ist jedoch eine Reihe von Risikofaktoren bekannt und es gibt zahlreiche Empfehlungen zum Umgang mit Säuglingen. So konnten die SIDS-Fälle in den letzten Jahren um ganze 80 Prozent reduziert werden. Erfahren Sie mehr über mögliche Ursachen, Risiken und Möglichkeiten, um vorzubeugen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Allgemeines

Was ist der plötzliche Kindstod (SIDS)?

Als plötzlichen Kindstod (SIDS) bezeichnet man den unerwarteten, unerklärlichen und unvorhersehbaren Tod eines Säuglings während des Schlafs.

Bekannte Risikofaktoren für SIDS sind Beispielsweise das Schlafen in Bauchlage und das Rauchen in der Schwangerschaft oder Stillzeit. Werden diese Faktoren vermieden, kann man das Risiko für den plötzlichen Kindstod verringern.

Aufgrund einer verbesserten Vorsorge hat sich die Anzahl der am plötzlichen Kindstod verstorbenen Säuglinge in den letzten 14 Jahren stark reduziert. Dennoch waren im Jahre 2015 in Deutschland noch 127 Babys betroffen. Mithilfe einer gute Aufklärung über die Risikofaktoren und das richtige Verhalten im Notfall wird wesentlich dazu beigetragen, den plötzlichen Kindstod zu vermeiden.

Definition

Unter dem plötzlichen Kindstod versteht man den unerwarteten, unerklärlichen und unvorhersehbaren Tod eines Säuglings während des Schlafs. Andere Bezeichnungen sind plötzlicher Säuglingstod oder auch "Krippentod". Der englische Begriff, der auch im deutschsprachingen Raum häufig verwendet wird, lautet Sudden Infant Death Syndrome (SIDS).

Wann ist das Risiko für SIDS am höchsten?

Das Risiko für den plötzlichen Kindstod besteht ausschließlich im ersten Lebensjahr. Nach dieser Zeit endet das Risiko für SIDS.

Die meisten Fälle ereignen sich in der Zeit zwischen dem zweiten und vierten Lebensmonat. Im Winter treten mehr Fälle auf als im Sommer..

Was passiert beim plötzlichen Kindstod?

Die meisten SIDS-Säuglinge versterben während des Schlafs in der Nacht, insbesondere in den frühen Morgenstunden. Meist können die Eltern im Vorfeld keine Auffälligkeiten an ihrem Säugling beobachten. Nur wenige der betroffenen Babys machen sich durch übermäßiges Schreien, Schwitzen und Unruhe bemerkbar.

Wie oft kommt es zu SIDS?

Der plötzliche Kindstod ist die häufigste Todesursache von Säuglingen in Deutschland; Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. Im Jahr 2015 gab es in Deutschland 127 Fälle – damit konnte SIDS innerhalb weniger Jahre um gut 80 Prozent reduziert werden.

Ursachen

Warum es zum plötzlichen Kindstod kommt, kann bisher niemand genau sagen, auch wenn eine ganze Reihe von Risikofaktoren bekannt ist. Es gibt jedoch Hinweise und Vermutungen bezüglich möglicher Ursachen:

  • Eventuell kann eine genetische Disposition in Kombination mit weiteren Einflüssen zum plötzlichen Kindstod führen.
  • Ein nicht vollständig aulsgereifter Atemantrieb und schwere Erweckbarkeit des Säuglings könnten eine Ursache für SIDS sein.
  • Experten vermuten, dass so genannte RS-Viren (Respiratory-syncytical-Virus), welche unter anderem zu Atemwegserkrankungen führen können, eine Rolle bei der Entstehung von SIDS spielen könnten.
  • Möglicherweise kann auch ein Neurotransmitterdefekt, also ein Defekt bei bestimmten Botenstoffen im Gehirn, dazu führen, dass kein Atemreflex erfolgt, wenn der Sauerstoffgehalt im Blut einen kritischen Wert erreicht.

Was sind die Risikofaktoren für SIDS?

Man nimmt an, dass mehrere Faktoren zusammentreffen müssen, damit es zu SIDS kommt. Zu den wesentlichen Risikofaktoren zählen:

  • Bauchlage des Kindes (80 % der Säuglinge lagen in Bauchlage, als sie an SIDS starben)
  • Überhitzung des Babys im Schlaf
  • Raucherumgebung (Passivrauchen, aber auch Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft oder Stillzeit)
  • Drogenkonsum während der Schwangerschaft
  • sehr niedriges oder Alter der Mutter (unter 20 Jahre) und kurz aufeinander folgende Schwangerschaften
  • Alleinlassen im Schlaf, fehlende Zuwendung
  • Mehrlingsgeburten
  • Frühgeburten
  • niedriger sozialer Status
  • niedriges Geburtsgewicht
  • kein Stillen

Vorbeugen

Um die Gefahr für den plötzlichen Kindstod möglichst gering zu halten, sollten Sie die Risikofaktoren reduzieren. Besonders gefährdete Kinder können mithilfe eines Monitors, welcher Atmung und Herzfrequenz kontrolliert, überwacht werden.

Um SIDS vorzubeugen, sollten Sie folgende Punkte berücksichtigen:

  • Ihr Baby sollte im ersten Lebensjahr in Rückenlage schlafen, insbesondere nachts, wenn Sie es nicht beobachten können. Auch die Seitenlage ist ungünstig, da das Baby von hier in die Bauchlage rutschen kann.
  • Die Schlafunterlage sollte luftdurchlässig und nicht zu weich sein.
  • Sofern das Baby an Schnuller im Schlaf gewöhnt ist, sollten auch Schnuller verwendet werden.
  • Die Mutter sollte mindestens während Schwangerschaft und Stillzeit auf Nikotin und Drogen verzichten.
  • Halten Sie das Umfeld Ihres Kindes rauchfrei!
  • Die ideale Umgebungstemperatur zum Schlafen beträgt höchstens 18 Grad Celsius.
  • Das Baby sollte im Haus keine Mütze tragen. Zum Schlafen reicht unter dem Schlafsack ein Schlafanzug aus. Wenn das Baby schwitzt (heißer, feuchter Nacken), ziehen Sie ihm weniger an. Es ist für Säuglinge gefährlicher, zu überhitzen, als ein wenig zu frieren!
  • Halten Sie das Babybett möglichst leer. Unnötig sind:
    • Bettzeug (Kopfkissen, Decke, Bettumrandungen)
    • Betthimmel
    • Felle etc.
  • Lassen Sie Ihr Kind in einem gut sitzenden Babyschlafsack ohne zusätzliche Decke schlafen. Wenn Sie eine Decke verwenden möchten, sollte diese nicht zu schwer sein und das Baby nur bis auf Brusthöhe bedecken.
  • Halsketten, Ohrringe, Kuscheltiere o.Ä. sind weitere Gefahrenquellen, die Sie lieber aus dem Bett des Kindes verbannen sollten.
  • Wenn möglich, sollte das Baby im ersten Lebensjahr gestillt werden.
  • Lassen Sie Ihr Kind im eigenen Bett (Beistellbett, Gitterbett, ...) im Elternschlafzimmer schlafen.
  • Halten Sie Termine für Vorsorgeuntersuchungen ein. So kann der kann der Kinderarzt mögliche Risikozeichen rechtzeitig erkennen.

Wichtigste Regeln im Kampf gegen SIDS: Rückenlage! Rauchfrei! Richtige Schlafumgebung!

Gibt es Anzeichen für SIDS?

Es gibt bestimmte Anzeichen, die aus SIDS hinweisen können. Darum sollten Sie bei folgenden Auffälligkeiten Ihres Babys den Kinderarzt aufsuchen:

  • Atempausen des Babys (länger als 15 Sekunden)
  • unerklärliche blaue Flecken auf der Haut
  • starkes Schwitzen im Schlaf, das sich nicht durch weniger Kleidung regulieren lässt
  • auffallende Blässe
  • häufiges Erbrechen
  • Probleme beim Trinken, häufiges Verschlucken
  • Fieber
  • das Baby lässt sich nur schwer wecken
  • der Säugling wirkt apathisch
  • auffallend schrilles Schreien

Leidet Ihr Baby länger als drei Tage an Fieber oder Schnupfen, sollten Sie sicherheitshalber den Kinderarzt aufzusuchen, damit die Atemwege freigehalten werden können.

Was tun im Notfall?

Um im Notfall eingreifen zu können, sollten Sie einen Erste-Hilfe-Kurs für Säuglinge belegen, um in der Herzmassage und Mund- zu Mundbeatmung geübt zu sein.

Die Vorstufe auf den plötzlichen Kindstod wird als "apparent life threatening event" (ALTE), früher "Near-SIDS" bezeichnet. ALTE liegt vor, wenn Ihr Säugling ...

  • plötzlich einen Atemnotstand hat,
  • sehr blass ist oder blau anläuft und
  • leblos wirkt.

Diese Vorstufe oder der Verdacht auf SIDS stellt einen dringenden Notfall dar!

Verständigen Sie sofort den Notarzt (112) und beginnen Sie, das Baby durch Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzmassage zu reanimieren.