Ein Mann und eine Frau liegen im Bett und haben Sex.
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Libido

Das Wort Libido kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie Begehren oder Begierde. Gemeint ist damit allgemein sexuelles Verlangen beziehungsweise sexuelle Motivation – also ein Trieb, der auf die sexuelle Befriedigung abzielt. Umgangssprachlich ist in diesem Zusammenhang auch manchmal von "Geilheit“ die Rede.

Allgemeines

Während des Geschlechtsverkehrs oder der Selbstbefriedigung laufen bestimmte körperliche Veränderungen ab, die sich in mehrere Phasen unterteilen lassen (sog. sexueller Reaktionszyklus): Als Erstes kommt die Erregungsphase, dann folgen die Plateau- und die Orgasmusphase und am Ende steht die Rückbildungsphase. Die Libido bildet die Vorstufe der eigentlichen Erregung: Diese sogenannte Appetenzphase ist gekennzeichnet durch sexuelle Fantasien oder ein Verlangen nach sexueller Aktivität.

Als mitverantwortlich für die Libido gilt das Hormon namens Wirkstoffe/Testosteron. Dies ist zwar ein männliches Geschlechtshormon, kommt aber sowohl bei Männern als auch bei Frauen vor.

Demnach steuert die Libido das Bedürfnis nach sexuellen Handlungen. Sie sorgt dafür, dass Menschen sich gegenseitig oder sich selbst berühren möchten, um durch die Berührung der erogenen Zonen des Körpers ihre Lust zu steigern und schließlich sexuelle Befriedigung zu erfahren.

Aus psychoanalytischer Sicht nach Sigmund Freud ist die Libido eine sexuelle Triebkraft – eine Art Energie, die auf Lustgewinn ausgerichtet ist und sich in körperlicher Erregung ausdrückt.

Nach der – umstrittenen – Theorie Freuds bildet sich die Libido bereits in der Kindheit in verschiedenen Phasen aus:

  • Während der sogenannten oralen Phase (etwa 1. Lebenshalbjahr) konzentriert sich die Triebkraft auf den Mund,
  • während der sogenannten analen Phase (etwa 2. bis 3. Lebensjahr) auf den Analbereich.
  • Schließlich rücken die Geschlechtsorgane in der sogenannten phallischen Phase (bzw. erste genitale Phase) in den Fokus der Begierde: In der letzteren Phase (etwa 4. bis 6. Lebensjahr) entdecken Kinder zum Beispiel, dass es körperliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt.
  • Dieses Interesse an den Genitalien lebt nach einer Ruhephase (bzw. Latenzphase) mit Einsetzen der Pubertät in einer weiteren genitalen Phase wieder auf.

Ungünstige Erfahrungen in der frühen Kindheit können laut Freud angeblich zu einer Fehlentwicklung der Libido führen, die seelische Störungen nach sich ziehen kann.

Unter bestimmten Bedingungen kann auch in späteren Lebensphasen eine Störung des sexuellen Verlangens auftreten – eine sogenannte Libidostörung, bei der es im Extremfall zum völligen Libidoverlust kommt: Dann fehlen über einen längeren Zeitraum sowohl sexuelle Fantasien als auch sexuelles Verlangen.

Libidostörung, Libidoverlust

Eine Libidostörung ist eine Störung des sexuellen Verlangens (sog. sexuelle Appetenzstörung): Damit gehört sie zu den sogenannten Sexuelle Funktionsstörungen der Frau.

Typischerweise äußert sich eine Libidostörung dadurch, dass jemand zeitweise wiederholt kein Bedürfnis nach sexueller Aktivität verspürt und keine sexuellen Fantasien hat. Eine solche sexuelle Lustlosigkeit – auch als Libidomangel bezeichnet – kann bis hin zum vollständigen Libidoverlust reichen. Manche Betroffenen fühlen sich durch sexuelle Annäherungsversuche des Partners belästigt, andere verspüren sogar eine ausgeprägte Abneigung gegenüber Sexualität (sog. sexuelle Aversion).

Demnach lässt sich eine Libidostörung einteilen in:

  • allgemeine oder situationsabhängige sexuelle Unlust – zum Beispiel gegenüber einem bestimmten Partner
  • sexuelle Aversion oder Sexualangst, die sich in einem ausgeprägten Widerwillen gegen bestimmte Formen oder jede Art von sexuellen Handlungen äußert, wobei die Betroffene teilweise sexuelle Aktivitäten vollständig meiden

Da jeder Mensch Sexualität anders erlebt, lässt sich allerdings nicht eindeutig eingrenzen, ab wann ein Libidomangel als Störung anzusehen ist. Wenn der ein oder andere Partner hin und wieder keine Lust auf Geschlechtsverkehr oder sonstige sexuellen Aktivitäten hat, ist dies noch keine sexuelle Funktionsstörung: Von einer Libidostörung sprechen Mediziner erst dann, wenn sexuelles Verlangen mindestens sechs Monate lang ganz oder wiederholt ausbleibt und dies mit einem Leidensdruck verbunden ist.

Menschen mit einer reinen Libidostörung können aber trotzdem noch sexuell erregbar sein oder bei sexuellen Aktivitäten ein Gefühl sexueller Befriedigung erreichen. Sie ergreifen hierzu nur selten die Initiative.

Ein Mangel oder Verlust der Libido kommt bei der Frau deutlich öfter vor als beim Mann: Insgesamt haben 20 Prozent der Frauen und weniger als 3 Prozent der Männer eine Libidostörung. Gerade bei Frauen beeinflussen Faktoren wie Anspannung, Stress, Müdigkeit, Unsicherheit, körperliche Erkrankungen oder Probleme in der Partnerschaft die Libido. Fast jede dritte Frau verspürt – zumindest zeitweise – kein Verlangen nach Sex.

Für eine Libidostörung beziehungsweise einen Libidoverlust kommen verschiedene Ursachen infrage. Dazu gehören:

Auch Angst oder Scham können hinter einem Libidoverlust stecken: So kann sexuelle Unlust beispielsweise in einer strengen, konservativen Erziehung begründet sein. Wenn Eltern etwa nicht offen über Sexualität sprechen oder Sex und sexuelle Lust als etwas Anstößiges vermitteln, kann dies im Erwachsenenalter zu Hemmungen, Scham- oder Schuldgefühlen führen, welche die natürlichen sexuellen Bedürfnisse und die Libido unterdrücken. Kultur, Sitte oder Brauchtum können ebenfalls bestimmte Vorstellungen hervorrufen, die bei ihren Zugehörigen Scham oder Angstgefühle gegenüber Sexualität auslösen.

Zur Behandlung einer Libidostörung bieten sich eine Sexualberatung, eine Sexualtherapie und / oder eine Psychotherapie an. Unterstützend können auch Antidepressiva oder beruhigende beziehungsweise angstlösende Substanzen dabei helfen, die Libido zu steigern.