Blutuntersuchung im Labor
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Luteinisierendes Hormon (LH-Wert)

Von: Lydia Klöckner (Medizinredakteurin)
Letzte Aktualisierung: 19.01.2021

Das luteinisierende Hormon (LH) ist ein Botenstoff, der für die männliche und weibliche Fruchtbarkeit wichtig ist. Ob ausreichend LH im Körper vorhanden ist, lässt sich durch eine Blutuntersuchung feststellen. Notwendig ist das zum Beispiel, wenn ein Paar einen unerfüllten Kinderwunsch hat. Wir erklären, was genau der LH-Wert verrät und welche Werte normal sind.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Wirkung & Bedeutung

Das luteinisierende Hormon (LH) bewirkt

  • bei der Frau, dass ein Eisprung stattfindet und
  • beim Mann, dass in den Hoden Testosteron gebildet wird.

Gebildet wird es vom Gehirn, genauer gesagt: in einer Drüse, die unterhalb des Gehirns liegt. Mit dieser Drüse kann das Gehirn die für die Fortpflanzung wichtigen Vorgänge in den Sexualorganen steuern. Schickt das Gehirn der Drüse ein entsprechendes Signal, bildet diese vermehrt bestimmte Botenstoffe, die über die Blutbahn zu den Eierstöcken beziehungsweise Hoden gelangen. Das luteinisierende Hormon ist einer dieser Botenstoffe.

Wirkung bei der Frau: LH-Anstieg führt zum Eisprung

Bei der Frau findet ab der Pubertät etwa alle vier Wochen ein Eisprung statt. Das ist vor allem zwei Botenstoffen zu verdanken: dem luteinisierenden Hormon (LH) und dem follikelstimulierenden Hormon (FSH). Nach der Regelblutung schickt das Gehirn größere Mengen FSH an die Eierstöcke. Dort beginnen dann mehrere Follikel zu reifen. In den Follikeln befinden sich die Eizellen. Während ihrer Reifung setzen die Follikel Östrogen frei. Dieses Hormon sorgt unter anderem dafür, dass die Schleimhaut der Gebärmutter dicker wird. Nur so kann sich ein Embryo in ihr einnisten.

Für das Gehirn ist der steigende Östrogenspiegel ein Zeichen dafür, dass es Zeit für den Eisprung ist: Es signalisiert der Hirnanhangsdrüse, vermehrt LH freizusetzen. LH wandert zu den reifenden Follikeln und löst den Eisprung aus: Das größte der gereiften Follikel platzt auf und entlässt dabei die Eizelle. Aus dem geplatzten Follikel entwickelt sich der sogenannte Gelbkörper. Eizelle und Gelbkörper bewegen sich in Richtung Gebärmutter. Auf dem Weg dorthin kann die Eizelle befruchtet werden.

Der Gelbkörper setzt Progesteron frei, das sogenannte Gelbkörperhormon. Es signalisiert dem Gehirn, dass der Eisprung stattgefunden hat. Das Gehirn bremst dann die LH-Bildung, sodass der LH-Spiegel wieder absinkt.

Wirkung beim Mann: LH fördert die Testosteronbildung

Beim Mann sind die Hoden dafür zuständig, Samenzellen zu bilden. Das luteinisierende Hormon (LH) regt bestimmte Zellen in den Hoden dazu an, den Botenstoff Testosteron herstellen. Testosteron sorgt gemeinsam mit dem follikelstimulierenden Hormon (FSH) dafür, dass in den Hoden neue Spermien entstehen und reifen können.

Außerdem ist Testosteron für die Entwicklung der männlichen Körpermerkmale wichtig. Dazu zählen nicht nur Penis und Hoden, sondern auch der typisch männliche Körperbau, die ausgeprägte Muskulatur, die tiefere Stimme sowie der Bart.

Ein Überschuss an Testosteron ist allerdings nicht zuträglich für den Körper. Deshalb schickt das Gehirn automatisch weniger LH an die Hoden, wenn die Testosteronkonzentration einen bestimmten Wert übersteigt. So verhindert das Gehirn, dass die Hoden zu viel Testosteron bilden und stellt sicher, dass der Hormonhaushalt im Gleichgewicht bleibt.

Normale LH-Werte

Die LH-Werte lassen sich durch eine Blutuntersuchung ermitteln. Da das luteinisierende Hormon schubweise freigesetzt wird, sollte die Ärztin oder Arzt mehrmals Blut abnehmen. Anschließend schickt sie oder er die Blutprobe an ein Labor, welches mehrere Hormonwerte bestimmt.

Im Laborbericht sind dann die gemessenen Werte und der sogenannte Referenzbereich angegeben: Das ist der Bereich, in dem die Werte normalerweise liegen.

Normale LH-Werte bei der Frau

Bei der Frau schwankt der LH-Wert im Zyklusverlauf. Wann im Zyklus die Werte wie hoch sein sollten, zeigt die folgende Tabelle:

ZeitpunktLH-Wert
erste Zyklushälfte (14 Tage ab dem ersten Tag der Monatsblutung)2-7 U/l (Einheiten pro Liter)
Zyklusmitte (Eisprung, um 14. Tag)6-25 U/l
zweite Zyklushälfte (nach dem Eisprung bis zur Blutung)2,9-9 U/l

Frauen jenseits der Menopause haben höhere LH-Werte (über 30 U/l). Das liegt daran, dass ihr Körper nur noch geringe Mengen von dem Hormon bildet, welches die LH-Bildung bremsen kann: das sogenannte Gelbkörperhormon (Progesteron). Bei jüngeren Frauen bildet der Gelbkörper dieses Hormon. Er entsteht beim Eisprung aus dem geplatzten Follikel. Da bei Frauen in den Wechseljahren kein Eisprung mehr stattfindet, kann auch kein Gelbkörper entstehen.

Normale LH-Werte beim Mann

Ein Mann hat ab der Pubertät normalerweise einen LH-Spiegel von 0,8 bis 8,6 U/l. Anders als bei der Frau kommt es nicht zu einem regelmäßigen, starken Anstieg, weil die Entwicklung neuer Samenzellen nicht in Zyklen verläuft.

Erhöhte LH-Werte

Hohe LH-Werte können darauf hindeuten, dass etwas mit den Fortpflanzungsorganen nicht stimmt. Bei der Frau kann die Funktion der Eierstöcke gestört sein, beim Mann die der Hoden. Was bei einem erhöhten LH-Wert zu tun ist, richtet sich nach der jeweiligen Ursache.

Erhöhte LH-Werte bei der Frau

Bei der Frau steigen die LH-Werte zur Zyklusmitte hin. Das ist normal: Der LH-Anstieg löst den Eisprung aus. Ist der Eisprung geglückt, sinkt der LH-Wert wieder.

Wenn der LH-Spiegel dauerhaft erhöht bleibt, kann das ein Zeichen dafür sein, dass der Eisprung ausgeblieben ist. Die häufigsten Gründe dafür sind

Auch eine Krebserkrankung – oder deren Behandlung – kann mit körperlichen Veränderungen einhergehen, die zur Folge haben, dass kein Eisprung stattfindet. Eine Chemotherapie kann die Follikel in den Eierstöcken an der Reifung hindern und somit die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Ob und wie stark sich eine Chemotherapie auf die Fruchtbarkeit auswirkt, hängt vom eingesetzten Wirkstoff und der Dosierung ab.

Erhöhte LH-Werte beim Mann

Erhöhte Werte des luteinisierenden Hormons (LH) beim Mann legen nahe, dass die Hoden ihre Funktion nicht richtig erfüllen. Zu den möglichen Ursachen zählen

Der hohe LH-Wert hängt in diesen Fällen mit einem Mangel an Testosteron zusammen. Das Gehirn schickt LH an die Hoden, um dort die Testosteronbildung anzukurbeln. Normalerweise hört es damit wieder auf, wenn ausreichend Testosteron vorhanden ist. Sind die Hoden aber nicht dazu in der Lage, mehr Testosteron zu produzieren, bleibt der Testosteronspiegel niedrig. Somit erhält das Gehirn kein "Stopp-Signal" und setzt die LH-Produktion fort.

Niedrige LH-Werte

Niedrige LH-Werte zeigen, dass die Hirnanhangsdrüse nur geringe Mengen des luteinisierenden Hormons (LH) ausschüttet. Das kann daran liegen, dass die Drüse geschädigt ist, etwa durch eine Verletzung oder einen gutartigen oder bösartigen Tumor. Eine weitaus häufigere Ursache für einen LH-Spiegel ist der Einfluss anderer Hormone:

  • Bei stillenden Frauen hemmt das Milchbildungshormon Prolaktin die LH-Freisetzung.
  • Die Einnahme hormonhaltiger Arzneimittel kann sich auf den LH-Spiegel auswirken. Das bekannteste Beispiel ist die Antibabypille.

Bei manchen Menschen gerät der Hormonhaushalt auch aus dem Gleichgewicht, wenn sie Stress haben, zu viel Sport treiben, zu wenig wiegen oder es ihnen an Nährstoffen mangelt. Ihr Gehirn reagiert empfindlich auf derartige Belastungen und schränkt die Kommunikation mit der Hirnanhangsdrüse ein. Das führt dazu, dass die Drüse die LH- und FSH-Produktion herunterfährt.