Eine Augenarzt untersucht die Augen einer Frau mit einem Exophthalmometer.
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Exophthalmus (Vorwölbung des Augapfels)

Unter einem Exophthalmus versteht man eine krankhafte Vorwölbung des Augapfels. Dabei treten entweder sowohl der linke als auch der rechte Augapfel oder nur einer der beiden Augäpfel aus der Augenhöhle (Orbita) hervor.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Definition

Ein Exophthalmus behindert den Augapfel in seiner Beweglichkeit. Tritt der Augapfel sehr stark aus der Augenhöhle hervor, ist es auch möglich, dass der Betroffene das Lid nicht mehr vollständig schließen kann. Mögliche Begleitbeschwerden, die aufgrund eines Exophthalmus auftreten können, sind zum Beispiel:

  • Doppelbilder: Sie können entstehen, wenn der hervorstehende Augapfel die Muskeln, die den Augapfel bewegen, sowie die zugehörigen Nerven beeinträchtigt.
  • Schwellung der Bindehaut (Chemosis)
  • Austrocknung der Hornhaut (Xerophthalmie)
  • Entzündungen am Auge (z.B. Bindehautentzündung)

Neben diesen Beschwerden treten häufig auch Schmerzen auf.

Eine Vorwölbung des Augapfels kann verschiedene Ursachen haben. So können zum Beispiel Verletzungen, Geschwulste oder Abszesse den Augapfel aus der Augenhöhle hervortreten lassen. Auch hormonelle Erkrankungen sind mögliche Ursachen eines Exophthalmus, zum Beispiel Schilddrüsenerkrankungen wie der Morbus Basedow. Dann sprechen Mediziner von einer endokrinen (hormonell bedingten) Orbitopathie (Erkrankung des Inhalts der Augenhöhle), die sich in sechs Schweregrade unterteilt:

  • Grad I: Oberlid zieht sich zurück, Augenbewegungen sind eingeschränkt
  • Grad II: angeschwollene Augenlider und Bindehaut, Lichtempfindlichkeit
  • Grad III: Exophthalmus: auffällige Vorwölbung des Augapfels
  • Grad IV: Sehen von unscharfen Bildern oder Doppelbildern
  • Grad V: Augapfel trocknet aus, Trübungen und Oberflächenzerstörung der Hornhaut
  • Grad VI: Sehausfälle bis Sehverlust aufgrund einer Schädigung des Sehnervs

Bei einer Vorwölbung des Augapfels richtet sich die Therapie nach der jeweiligen Ursache. In eine andere Grundkrankheit wie etwa eine Schilddrüsenerkrankung die Ursache dafür, dass sich der Augapfel vorwölbt, besteht die Therapie vor allem in der Behandlung der Schilddrüsenerkrankung. Im Falle eines Abszesses oder eine Entzündung im Bereich der Augenhöhle (Phlegmone) verschreibt der Arzt unter Umständen Antibiotika. Manchmal ist es auch nötig, einen Abszess chirurgisch zu öffnen und zu entleeren. Bedingen Tumoren die Vorwölbung des Augapfels, entfernt der Arzt diese meist operativ.

Was sind die Ursachen?

Ein Exophthalmus (Vorwölbung des Augapfels) kann unterschiedliche Ursachen haben. Sie beeinflussen das Erscheinungsbild des Exophthalmus, beispielsweise ob er ein- oder beidseitig auftritt, und seine Begleitsymptome.

Als charakteristisches Symptom von Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse wölben sich beide Augäpfel aus der Augenhöhle hervor. Zu diesen Krankheiten, bei denen ein Exophthalmus typischerweise auftritt, gehören der Morbus Basedow und die Hashimoto-Thyreoiditis. Bei diesen Erkrankungen entzündet sich die Augenhöhle, wodurch das Gewebe hinter dem Auge anschwillt und so den Augapfel hervordrückt.

Gleiches können Tumoren, die hinter dem Auge liegen (z.B. Neuroblastom, Neurinom), oder eine Phlegmone (eitrige Infektionen) im Bereich der Augenhöhle hervorrufen. Bei diesen Ursachen ist die Vorwölbung des Augapfels meist einseitig. Bei Krebserkrankungen wie Leukämie oder Lymphomen (Lymphdrüsenkrebs) kann es ebenfalls zu einem Exophthalmus kommen, wenn sich etwa Tochtergeschwülste (Metastasen) in der Augenhöhle befinden.

Weitere Ursachen für einen Exophthalmus können sein:

  • hochgradige Kurzsichtigkeit (Myopie)
  • Entzündungen der Augenmuskeln
  • Blutungen in der Augenhöhle
  • Schädelfehlbildungen (Dyskranie)
  • Thrombose (Gefäßverschluss durch Blutgerinnsel) oder Aneurysma (Aussackung der Gefäßwand) der Gehirnvenen

Diagnose

Wenn Sie eine Vorwölbung des Augapfels (Exophthalmus) – bei sich feststellen, ist eine genaue Diagnose durch einen Arzt wichtig, um ernsthafte Ursachen auszuschließen. Der Arzt untersucht die Augen und stellt den Schweregrad des Exophthalmus fest. Beim Blick von hinten und oben kann er am besten feststellen, ob der Exophthalmus ein- oder beidseitig auftritt und wie stark er ausgeprägt ist. Die eigentliche Vorwölbung kann er aber auch objektiv mit einem speziellen Instrument, dem Exophthalmometer messen.

Mithilfe verschiedener bildgebender Verfahren wie einer Computer- oder Magnetresonanztomographie (CT, MRT) kann der Arzt die Struktur der Augenhöhlen darstellen und mögliche Tumoren oder Entzündungen feststellen. Häufig veranlasst er auch eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) oder Röntgenuntersuchung des Auges, um weiteren Aufschluss über die Ursache zu bekommen.

Vermutet der Arzt als Ursache für die Vorwölbung des Augapfels eine Schilddrüsenerkrankung, lässt er die Schilddrüsenwerte mithilfe einer Blutuntersuchung bestimmen. Zusätzlich können Entzündungswerte im Blut einen Hinweis auf eine mögliche Entzündung (wie eine Phlegmone) als Ursache des Exophthalmus liefern.

Begleitend führt der Augenarzt bei einem Exophthalmus auch einen SehtestSehtest durch, bestimmt das Gesichtsfeld und misst den Augeninnendruck.

Therapie

Bei einer Vorwölbung des Augapfels (Exophthalmus) richtet sich die Therapie immer nach der jeweiligen Ursache. Ziel ist es auch, Komplikationen zu vermeiden, die durch einen vorgewölbten Augapfel entstehen können. Um zu verhindern, dass das Auge zu sehr austrocknet und die Hornhaut dadurch Schaden nimmt, ist es wichtig, die Augen sorgfältig zu pflegen und regelmäßig künstlich zu befeuchten (z.B. mit künstlicher Tränenflüssigkeit). In manchen Fällen kann es notwendig sein, Ober- und Unterlid (meist seitlich) operativ zu vernähen (sog. Tarsorrhaphie), damit sich die Lidspalte verkleinert und die Lider sich schließen können.

Entsteht der Exophthalmus aufgrund von Phlegmonen oder Abszessen, werden diese mit Antibiotika behandelt. In manchen Fällen öffnet und entleert der Arzt die Eiteransammlung zunächst in einem chirurgischen Eingriff. Falls Tumoren in der Augenhöhle den Augapfel nach vorne drängen, werden diese meist operativ entfernt.

Ist der Exophthalmus das Begleitsymptom einer anderen Grunderkrankung, wie zum Beispiel der Schilddrüsenerkrankung Morbus Basedow, ist die gezielte Therapie dieser Erkrankung notwendig.