Bild eines männlichen Oberkörpers mit Plattenepithelkarzinom.
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Plattenepithelkarzinom (Spinaliom): Behandlung und Aussehen

Das Plattenepithelkarzinom ist ein bösartiger Hauttumor, der nach dem Basalzellkarzinom als zweithäufigste bösartige Form des weißen Hautkrebses gilt. Männer sind in der Regel öfter betroffen als Frauen. Wie sieht ein Spinaliom aus? Wie lässt es sich behandeln und ist es heilbar? Erfahren Sie hier mehr dazu.  

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Was ist ein Plattenepithelkarzinom?

Unter einem Plattenepithelkarzinom (auch Spinaliom, spinozelluläres Karzinom oder Stachelzellkarzinom genannt) verstehen Fachleute einen bösartigen Tumor der Haut, der von den Zellen des Stratum spinosum abstammt. Das Stratum spinosum (Stachelzellschicht) ist, von innen nach außen betrachtet, die zweite der fünf Schichten der Oberhaut (Epidermis). Das Spinaliom kann per Definition grundsätzlich an jeder Körperstelle mit Plattenepithel (Gewebe mit platten Zellen) oder Gewebe, das sich in Plattenepithel umwandeln kann (Plattenepithelmetaplasie), auftreten. Dazu zählen sowohl Haut als auch Schleimhäute wie in Mund, Zunge, Genitalbereich oder Lunge.

Nachdem Basalzellkarzinom (Basaliom) sind Spinaliome die zweithäufigste Hautkrebsform. Sie zählen zum sogenannten weißen Hautkrebs. Ein Plattenzellkarzinom streut nur selten, bildet also nur vereinzelt Metastasen (Tochtergeschwülste) – zudem ist ein Spinaliom in der Regel heilbar. Ein Plattenepithelkarzinom tritt meist im höheren Lebensalter auf, das durchschnittliche Alter beträgt etwa 70 Jahre. Männer sind zudem häufiger von einem Plattenepithelkarzinom betroffen als Frauen.

Plattenepithelkarzinom: Ursachen und Risikofaktoren

Ein Spinaliom entsteht durch Veränderungen des Erbguts (DNA) in den Hautzellen, die verschiedene Ursachen haben können. Hauptursache ist die langfristige Belastung mit UV-Strahlung der Haut. Besonders betroffen sind demnach Personen, die häufig der Sonne ausgesetzt sind. Menschen mit einem hellen Hauttyp gelten als Risikogruppe, da ihre Haut sensibler auf UV-Strahlung reagiert.

Oftmals entwickelt sich ein Plattenepithelkarzinom aus einer aktinischen Keratose (solare Keratose) heraus, bei der es durch intensive UV-Strahlung zu Verhornungen der Haut kommt. Sie tritt für gewöhnlich im Gesicht und Handrücken sowie auf der Kopfhaut auf – also Körperstellen, die eine hohe Sonnenexposition aufweisen.

Neben der schwer lichtgeschädigten Haut bei einer aktinischen Keratose kann sich auch aufgrund dieser Ursachen ein Plattenepithelkarzinom entwickeln: 

  • chronische Wunden und Entzündungen
  • bestimmte Hautkrankheiten
  • Narben und Verbrennungen
  • ionisierende Strahlen, wie Röntgen- oder Gammastrahlen
  • Kontakt mit krebsauslösenden Stoffen, zum Beispiel mit Arsen oder Teer
  • Nikotinkonsum (häufig kommt es zu einem Spinaliom an der Lippe von rauchenden Personen)
  • Infektionen mit humanen Papillomaviren (HPV)
  • genetische Prädisposition, wie beispielsweise die Pigmentstörung Albinismus

Weiterhin haben Menschen mit einer verminderten Immunabwehr ein erhöhtes Risiko für die Entstehung eines Spinalioms und einen meist ungünstigen Krankheitsverlauf. Dies gilt beispielsweise für Personen, deren Immunsystem durch eine Organtransplantation oder eine HIV-Infektion geschwächt ist.

Plattenepithelkarzinom: Symptome und Aussehen

Spinaliome sehen im Anfangsstadium einer aktinischen Keratose ähnlich, die als Krebsvorstufe des Plattenepithelkarzinoms gilt. Das Bild der Haut ist in der Regel durch schuppige, rote sowie leicht erhabene Hautpartien gezeichnet. Typisch ist auch, dass sich die Oberfläche der Haut ähnlich wie ein Sandpapier anfühlt. Häufig sind die oberflächlich liegenden Hauttumore auch mit bloßem Auge und ohne Hilfsmittel sichtbar.

Im Verlauf verhärten sich diese Hautstellen zunehmend. Es entstehen derbe Knoten, die eine raue, stark ausgeprägte Hornschicht aufweisen. Häufig neigen diese verhornten Hautpartien zu Blutungen, sie lassen sich oft auch nur schwer abkratzen. Möglich ist zudem, dass sich derartige Knoten direkt ohne vorherige Anzeichen bilden. 

Wichtig: Menschen, die Hautveränderungen wie raue Stellen, bleibende Krusten oder nicht heilenden Wunden bei sich bemerken, sollten sich ärztlich untersuchen lassen.

Plattenepithelkarzinom: Betroffene Hautstellen

Überwiegend entstehen derartige Hautveränderungen an Körperstellen, die besonders stark Sonnenstrahlung ausgesetzt sind wie:

  • Gesicht
  • Lippen
  • Kopf
  • Hände
  • Unterarme
  • Unterschenkel
  • Dekolleté
  • Ohren
  • Nacken

Jedoch kann ein Plattenzellkarzinom auch in Schleimhäuten wie im Mund, auf der Zunge, der Lunge oder an den Geschlechtsorganen wie der Vagina oder dem Penis entstehen. Besonders häufig kommt es zu dem Hauttumor bei Menschen mit spärlicher oder fehlender Kopfhaut (Glatze). 

Plattenepithelkarzinom: Diagnose

Häufig erkennen Fachleute bereits anhand der typischen Hautveränderungen ein Spinaliom. Um die Diagnose zu sichern, wird dann eine Gewebeprobe des Tumors (Biopsie) entnommen und feingeweblich (histologisch) untersucht. 

Beträgt die Tumordicke mehr als zwei Millimeter führen Ärzt*innen in der Regel eine Ultraschalluntersuchung der umliegenden Lymphknoten durch und tasten diese zudem ab. So können Fachleute ermitteln, ob der Stachelzellkrebs gestreut (metastasiert) und sich in den Lymphknoten ausgebreitet hat. Bei größeren Hauttumoren, die gegebenenfalls noch weiter gestreut und ins Gewebe eingewachsen sind, folgen in der Regel bildgebende Untersuchungsmethoden, etwa eine Computertopographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT).

Plattenepithelkarzinom: Therapie

Bei einem Plattenepithelkarzinom richtet sich die Behandlung zunächst nach Größe und Ausbreitung des Spinalioms und nach dem Ergebnis der histologischen Untersuchung des Gewebes. Das Mittel der Wahl zur Therapie stellt eine operative Entfernung des Plattenepithelkarzinoms dar. Wichtig dabei ist eine vollständige Entfernung von entarteten Hautzellen, also auch des Randgewebes um den Tumor. Ist das etwa aufgrund der Größe und Lage des Tumors oder eines schlechten Allgemeinzustandes von Patient*innen nicht möglich, empfehlen Fachleute in der Regel eine Strahlentherapie. Auch eine photodynamische Therapie (PDT) oder Immuntherapie sind dann zur Behandlung denkbar.

Eine Bestrahlung ist auch sinnvoll, wenn die*der Ärztin*Arzt das Plattenepithelkarzinom nur unvollständig entfernen konnte und/oder Lymphknoten vom Krebs befallen sind. Ebenso können in diesem Fall weitere Maßnahmen zur Therapie verordnet werden. Bei einem fortgeschrittenen Plattenepithelkarzinom kann auch eine Chemotherapie infrage kommen.

Sofern das Plattenepithelkarzinom relativ oberflächig ist, kann der Tumor möglicherweise durch eine Ausschabung entfernt werden. Bei oberflächigen Tumoren ist auch eine Kältetherapie (Kyrotherapie) denkbar, wobei die Krebszellen mit flüssigem Stickstoff vereist und durch einen Kälteschock zerstört werden.

Plattenepithelkarzinom: Nachsorge

Wichtig ist die regelmäßige Nachuntersuchung, die je nach Metastasen- oder Rezidiv-Risiko (Wiederauftreten des Tumors) unterschiedlich ausfällt. Konnte der Tumor vollständig operativ entfernt werden und besteht ein niedriges Risiko, werden bis zum zweiten Jahr nach der Operation halbjährige Kontrolltermine vereinbart – danach bis zum fünften Jahr jährlich. 

Besteht hohes Risiko eines erneuten Hauttumors, ist das Intervall kürzer: 

  • Bis zum zweiten Jahr nach der Operation alle drei Monate.
  • Zwischen dem dritten und fünften Jahr alle sechs Monate.
  • Anschließend jährliche Nachsorgeuntersuchungen.

Menschen mit einem fortgeschrittenem Spinaliom, deren Tumor erfolgreich behandelt werden konnte, erhalten in der Regel individuell vereinbarte Kontrolltermine. Grundsätzlich sollten Patient*innen regelmäßig ihre Haut selbst untersuchen. Auch ein ausreichender Schutz vor UV-Strahlung ist essenziell. 

Plattenepithelkarzinom: Verlauf und Heilungschancen

Wie bei anderen Krebsarten ist beim Spinaliom die Therapie besonders aussichtsreich, wenn sie in einem frühen Stadium der Erkrankung beginnt: Je eher also ein Plattenepithelkarzinom diagnostiziert und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Plattenepithelkarzinome mit einem Durchmesser von weniger als zwei Zentimetern bilden selten Tochtergeschwulste und haben daher die beste Prognose.

Bei etwa fünf Prozent der Betroffenen kommt es zu einer Metastasierung. Ein Spinaliom bildet in der Regel zuerst Metastasen in den lokalen Lymphknoten und anschließend in der Lunge. Sobald Metastasen vorhanden sind, verschlechtert sich die Prognose wesentlich. Tritt ein Plattenepithelkarzinom bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem auf, wirkt sich dies ebenfalls ungünstig auf Verlauf und Prognose aus. Zudem wachsen bei Menschen mit Immunsuppression metastasierende Tumoren mit etwa 16 bis 20 Prozent häufig aggressiver und schneller. 

Menschen, die bereits Hautkrebs hatten, weisen ein erhöhtes Risiko auf, wieder daran zu erkranken. Dann kann der Krebs mitunter aggressiver sein. Von rund 1.000 Betroffenen eines Plattenepithelkarzinoms sterben etwa 40 bis 50 infolge.

Plattenepithelkarzinom: Vorbeugung

Einem Plattenepithelkarzinom beziehungsweise Hautkrebs allgemein kann mit verschiedenen Maßnahmen vorgebeugt werden. Wesentlich ist es jedoch, Risikofaktoren zu meiden, beispielsweise:

  • Die Dauer der Sonnenbestrahlung einschränken.
  • Für ausreichenden Sonnenschutz sorgen, etwa durch Sonnencreme, Sonnenhüte und Sonnenschirme.
  • Den Kontakt zu krebsauslösenden Stoffen meiden.

Wichtig ist auch, die Haut regelmäßig selbst zu untersuchen, um Hautkrebs frühzeitig zu entdecken. Außerdem empfiehlt es sich, die gesetzliche Hautkrebsvorsorge wahrzunehmen. Bei einer unklaren Hautveränderung sollte unverzüglich ärztlicher Rat eingeholt werden.