Bild von einem Mann mit aktinischer Keratose.
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Aktinische Keratose: Vorstufe des weißen Hautkrebses

Die aktinische Keratose ist eine Vorstufe des Plattenepithelkarzinoms, die zweithäufigste Form von Hautkrebs. Vor allem Menschen, die sich wiederholt intensiver UV-Strahlung aussetzen, riskieren eine dauerhafte Schädigung der Oberhaut. Wie genau sieht eine aktinische Keratose aus? Welche Maßnahmen zur Behandlung und Vorbeugung gibt es? Erfahren Sie hier mehr dazu.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

FAQ: Fragen und Antworten rund um aktinische Keratose

Zu Beginn zeigt sich eine aktinische Keratose in der Regel durch rötlich-braune oder hautfarbene Stellen und durch weißliche, leichte Schuppenbildung. 

Die aktinische Keratose gilt als Hautkrebsvorstufe und kann sich unbehandelt in ein Plattenepithelkarzinom (Form des weißen Hautkrebses) entwickeln.

Zur Behandlung einer aktinischen Keratose können verschiedene Maßnahmen ergriffen werden, etwa operative Entfernung, Lasertherapie, örtliche Chemotherapie oder die Anwendung von Salben.

Ja, in manchen Fällen verschwindet die Hautkrankheit spontan. Nicht selten jedoch taucht sie wieder auf. In jedem Fall sollten sich Betroffene behandeln lassen.

Was ist aktinische Keratose?

Als aktinische Keratose (auch solare Keratose oder aktinische Präkanzerose) bezeichnen Fachleute eine dauerhafte Schädigung der Oberhaut (Epidermis), die sich anhand bestimmter Hautveränderungen zeigt. Diese Hautschädigungen entstehen durch UV-Strahlung, weshalb die solare Keratose gehäuft an Stellen auftritt, die der Sonne ausgesetzt sind. Diese sogenannten Lichtterrassen des Körpers sind etwa das Gesicht, Unterarme, Handrücken und eine spärlich behaarte oder kahle Kopfhaut (Glatze).

Die aktinische Keratose gilt als häufigste Krebsvorstufe des weißen Hautkrebses und kann sich unbehandelt zu einem Plattenepithelkarzinom (Spinaliom) entwickeln. Teilweise ist es auch möglich, dass die Hautkrankheit zunächst verschwindet, um sich zu einem späteren Zeitpunkt wieder zu zeigen. Früher trat die Hautkrankheit überwiegend bei älteren Menschen auf, weshalb sie auch als senile Keratose (Altersverhornung) bezeichnet wurde. Heute jedoch sind zunehmend auch jüngere Menschen betroffen. Als verantwortlich hierfür gelten veränderte Freizeitgewohnheiten wie häufiges Sonnenbaden und Besuche in Solarien.

Darüber hinaus weisen Menschen mit heller Haut, die in Ländern mit hoher UV-Strahlung (etwa Australien) leben, ein besonders hohes Risiko auf. Gleichermaßen gilt dies für Menschen, die aus beruflichen Gründen oder in ihrer Freizeit viel Zeit in der Sonne verbringen.

Aktinische Keratose: Häufigkeit

Laut einer Studie von 2014 beträgt die Prävalenz aller Altersgruppen rund 2,7 Prozent und stieg mit zunehmendem Alter – etwa 11,5 Prozent der 60- bis 70-Jährigen hatten eine aktinische Keratose. Männer waren dabei häufiger als Frauen betroffen. Gesichert ist, dass besonders Menschen mit heller Haut häufig daran leiden, da diese empfindlicher gegenüber UV-Strahlung reagieren.

Aktinische Keratose: Ursachen und Risikofaktoren

Eine aktinische Keratose wird durch starke UV-Strahlung verursacht, die immer wieder auf die Haut einwirkt, bis dauerhafte Hautschädigungen entstehen. Die Ursache hierfür können sowohl ausgedehnte Sonnenbäder und Aufenthalte in der Sonne sein als auch künstliche UV-Strahlung wie in einem Solarium. 

Eigentlich verfügt die oberste Hautschicht (Oberhaut bzw. Epidermis) über ein Reparatursystem, das durch Licht verursachte Veränderungen an der DNA der Hautzellen ausbessern kann. Wenn jedoch dauerhafte oder extrem hohe UV-Bestrahlung das Reparatursystem überlastet, entstehen atypische Zellen: Diese krankhaft veränderten Hautzellen können sich ungehindert vermehren und so die Hautkrankheit verursachen.

Risikofaktoren einer aktinischen Keratose

Grundsätzlich steigt das Risiko, die Hautkrankheit zu entwickeln, mit der Anzahl der Stunden, welche die Haut der Sonnenstrahlung ausgesetzt war (sogenanntes Lebenszeitkonto an UV-Strahlung). Folglich steigt das Risiko mit zunehmendem Alter. Darüber hinaus gibt es weitere Faktoren, die eine aktinische Keratose begünstigen können: 

  • Wohnort: Leben in Gegenden mit hoher UV-Strahlung, etwa in großer Höhenlage oder Länder wie Australien (nahe Äquator)
  • Beruf: überwiegend im Freien ausgeübte Berufe
  • Freizeit: häufige Freizeitaktivität im Freien
  • Hauttyp und Haarfarbe: Menschen mit hellem Hauttyp und/oder blonden oder rötlichen Haaren 
  • Sonnenbrände: schwere Sonnenbrände begünstigen Hautschädigungen (bereits ab dem Kindesalter)
  • genetisch bedingte Erkrankungen: Erkrankungen, die mit einem geschädigten DNA-Reparatursystem einhergehen wie Xeroderma pigmentosum (Mondscheinkrankheit) oder mit Pigmentstörung wie bei Albinismus
  • Hautinfektion: Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV)
  • Immunsuppression: Menschen mit geschwächtem Immunsystem, etwa nach Organtransplantation oder durch HIV-Infektion

Wenn das Immunsystem dauerhaft beeinträchtigt ist, besteht auch ein erhöhtes Risiko, dass eine aktinische Keratose nachfolgend in ein Spinaliom übergeht. 

Aktinischer Keratose: Aussehen und Symptome

Aktinische Keratosen zeigen sich zu Beginn oftmals mit kleinen hautfarbenen, rötlich bis braunen Hautstellen, die leicht schuppen können. Die ovalen-rundlichen, scharf begrenzten Knötchen und Papeln sind wenige Millimeter bis einige Zentimeter groß. Diese Hautveränderungen fühlen sich meist rau, ähnlich wie Sandpapier an, und verhornen zunehmend. Bei einer ausgeprägten Verhornung entstehen oft sogenannte Hauthörner. 

In der Regel bereitet die Hautkrankheit zunächst keine Beschwerden, wie etwa Jucken oder Brennen. Aufgrund ihrer leichten Verletzlichkeit neigen die Hautstellen allerdings zu Blutungen und können sich leicht entzünden, was mit Schmerzen einhergehen kann. Spätestens dann sollten Betroffene sich ärztlichen Rat einholen. 

Betroffene Hautstellen: Wo kann eine aktinische Keratose entstehen?

Typischerweise tritt eine aktinische Keratose an Hautstellen auf, die besonders oft mit Sonnenstrahlung in Berührung kommen. Dazu zählen etwa: 

  • Stirn
  • Gesicht
  • haarlose oder spärlich behaarte Kopfhaut (Glatze)
  • Wangen
  • Nase
  • Ohrmuschel
  • Lippen
  • Dekolleté
  • Handrücken
  • Unterschenkel
  • Unterarme

Oft treten die Hautveränderungen in kleinen Gruppen oder großflächig verteilt auf (multiple aktinische Keratose). Die aktinische Keratose wächst demnach nur selten an einzelnen Stellen.

Wichtig: Menschen mit Hautveränderungen und Läsionen an der Haut, die insbesondere nicht abheilen, sollten sich grundsätzlich ärztlich untersuchen lassen. Nur eine vorzeitige Diagnose und Behandlung kann das Fortschreiten möglicherweise aufhalten und auch die Entwicklung zu einem Plattenepithelkarzinom (auch Stachelzellkarzinom genannt) vorbeugen.

Aktinische Keratose: Diagnose

Bereits das typische Aussehen der aktinischen Keratose gibt einen ersten Hinweis auf die Hauterkrankung. Dann stellt die*der Hautärztin*Hautarzt im Rahmen der Anamnese einige Fragen, etwa über den Beruf, die Freizeitgestaltung und mögliche Vorerkrankungen.

Da besonders das Anfangsstadium einer aktinischen Keratose anderen Hauterkrankungen ähneln kann, müssen etwa folgende Krankheiten ausgeschlossen werden:

Mittels Dermatoskopie (Untersuchung mit einem speziellen hautärztlichen Mikroskop) kann die Hautkrankheit anhand von typischen Merkmalen meist von diesen anderen Erkrankungen und Tumoren abgegrenzt werden. 

Um die Diagnose zu sichern und den Grad der Ausprägung zu bestimmen, entnimmt die*der Hautärztin*Hautarzt in der Regel eine Gewebeprobe (Biopsie) und untersucht sie unter einem Mikroskop. Gegebenenfalls wird die Probe auch feingeweblich (histologisch) in einem Labor untersucht. Bei kleineren Hautveränderungen entfernen Fachleute das Gewebe auch oftmals vollständig. 

Aktinische Keratose: Behandlung

In manchen Fällen verschwindet die aktinische Keratose von selbst, dennoch sollte sie grundsätzlich therapiert werden. Neben kosmetischen Gründen ist das Ziel der Behandlung, das Fortschreiten der aufzuhalten und die Entstehung von Hautkrebs zu verhindern.

Je nach Schweregrad der Hauterkrankung, Allgemeinzustand von Patient*innen und weiteren Faktoren, wie beispielsweise das Alter oder Lokalisation und Ausdehnung Hautschädigungen, kommen verschiedene Therapieformen infrage. Tritt die Erkrankung im Gesicht auf, verschreibt die*der Hautärztin*Hautarzt zu Beginn meist Gels oder Cremes, da etwa ein chirurgischer Eingriff oft belastend sein kann.

Darüber hinaus stehen bei aktinischer Keratose folgende Maßnahmen zur Behandlung zur Auswahl:

  • Lasertherapie: Eine Lasertherapie kommt vor allem bei einzelnen, kleinflächigen Hautveränderungen zum Einsatz. Oftmals lässt sie sich so vollständig entfernen.

  • Vereisen (Kryotherapie): Bei der Kältetherapie werden die Hautareale mit flüssigem Stickstoff behandelt und vereist.

  • Photodynamische Therapie (PDT): Die PDT gilt als besonders erfolgreiche Therapieform. Dabei tragen Fachleute eine spezielle Creme auf die Hautareale auf, um anschließend krankhafte Zellen mittels spezieller Lichtstrahlen abzutöten. 

  • chemische Peelings: Chemische Peelings mit ätzenden Substanzen wie Trichloressigsäure oder hochprozentige Fruchtsäure können solare Keratosen vor allem im Gesicht behandeln.

  • Behandlung mit Salben: Oftmals werden Salben, Gels oder Cremes verschrieben, die über mehrere Tage oder Wochen aufgetragen werden sollen. Derartige Mittel verursachen oft eine Entzündungsreaktion, die krankhafte Zellen abtötet und schließlich einen Heilungsprozess verursachen sollen. Oft kommt der Wirkstoff Imiquimod für eine derartige lokale Immuntherapie zum Einsatz.

  • örtliche Chemotherapie: In manchen Fällen ordnen Fachleute eine örtliche Chemotherapie an, etwa mit den Wirkstoffen Diclofenac, 5-Fluorouracil (5-FU) oder Imiquimod.

  • chirurgische Entfernung (Exzision): Eine aktinische Keratose kann mittels Operation entfernt werden. Das Herausschneiden unter örtlicher Betäubung wird jedoch nur angewendet, wenn der Verdacht auf einen bösartigen Tumor besteht und das Gewebe untersucht werden soll. Auch eine oberflächliche Ausschabung mit einem scharfen Löffel (Kürettage) oder mithilfe eines Skalpells (Shaveexzision) kann in Betracht gezogen werden.

Einige dieser Therapiemethoden sind mit Nebenwirkungen wie Schmerzen, Narbenbildung, veränderter Pigmentierung der Haut, Schuppenbildung oder Entzündungsreaktionen verbunden. Die hautärztliche Praxis klärt darüber umfangreich auf und bestimmt individuell mit jedem Patienten und jeder Patientin eine geeignete Behandlung. Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen sind unerlässlich.

Aktinische Keratose: Verlauf und Komplikationen

Aktinische Keratosen gelten als gutartige Hautveränderungen, die – frühzeitig erkannt und behandelt – in der Regel einen günstigen Verlauf zeigen. Bei etwa 15 bis 63 Prozent der Betroffenen kommt es zu einem spontanen Nachlassen der Symptome. 

Dennoch gilt die aktinische Keratose als Krebsvorstufe und kann sich unbehandelt zu einer Form des weißen Hautkrebses – etwa ein Spinaliom – entwickeln. Kommt es zu Tochtergeschwülsten (Bildung von Metastasen), ist die Prognose deutlich schlechter. Vor allem Menschen mit heller Haut und einem hohen Grad an Sonnenexposition entwickeln häufiger einen bösartigen Hauttumor.

Je nachdem, welche Therapiemaßnahme zum Einsatz kommt, kann nach der Behandlung ein Rückfall (Rezidiv) entstehen. Nach einer Lasertherapie beispielsweise bildet sich die Hautveränderung in etwa 10 von 100 Fällen erneut. Daher ist es auch bei einer erfolgreich Behandlung wichtig, anschließend die Haut regelmäßig selbst zu untersuchen.

Aktinische Keratose: Vorbeugen

Spezielle Hausmittel, um aktinischer Keratose vorzubeugen oder sie zu behandeln, sind derzeit nicht bekannt. Jedoch gibt es einige Tipps zur Vorbeugung, wie zum Beispiel: 

  • Sonnenschutz: Ein ausreichender Sonnenschutz durch Sonnencreme, Sonnenhüte, lichtundurchlässige Kleidung oder etwa Schirme sollte stets beachtet werden. Auch das Meiden der Mittagssonne gilt als empfehlenswert. Wichtig ist auch der Sonnenschutz bei Kindern. 

  • Schatten: Der Aufenthalt im Schatten kann Sonnenbränden und somit der Entstehung aktinischer Keratosen vorbeugen.

  • Verzicht auf Solarium: Weiterhin sollte die schädliche, künstliche UV-Strahlung in Solarien gemieden werden.

  • Schutz im Beruf: Menschen, die im Freien arbeiten und oft der Sonne ausgesetzt sind, sollten stets auf ausreichenden UV-Schutz achten. Auch das Unternehmen ist dazu verpflichtet und kann etwa durch Sonnensegel und eine reduzierte Arbeitszeit während der Mittagssonne Schutzmaßnahmen gewährleisten.

Grundsätzlich sollten Menschen ihre Haut regelmäßig selbst untersuchen, um Hautveränderungen frühzeitig zu entdecken. Weiterhin sind regelmäßige Termine in der Hautarztpraxis zur Früherkennung von Hautkrebs (Hautkrebs-Screenings) unerlässlich. Wer bereits Hautkrebs oder aktinische Keratose hat, sollte zudem ärztlich angeordnete Nachsorgeuntersuchungen wahrnehmen.