Eine Frau mit Vitiligo an den Armen.
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Vitiligo (Weißflecken­krankheit)

Bei Vitiligo (Weißfleckenkrankheit) bilden sich weiße Flecken auf der Haut. Die Pigmentstörung kann in einzelne Körperbereiche oder am ganzen Körper auftreten. Vitiligo ist bislang nicht heilbar. Eine Behandlung kann den Verlauf jedoch manchmal verlangsamen. Auch ist es möglich, dass sich Flecken von allein wieder zurückbilden. Lesen Sie, welche möglichen Ursachen infrage kommen und wie Ärzte die Vitiligo behandeln.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vitiligo (Weißfleckenkrankheit)

Vitiligo ist eine nicht ansteckende, entzündliche Pigmentstörung der Haut. Dabei sterben die Pigmentzellen ab, die der Haut ihre Färbung geben. Diese Zellen heißen Melanozyten. Gefährlich ist diese "Entfärbung" nicht – aber mitunter sehr belastend. Die genauen Ursachen von Vitiligo sind bislang nicht abschließend geklärt.

Charakteristisches Symptom der Weißfleckenkrankheit sind weiße, scharf begrenzte Hautflecken. Im Anfangsstadium der Vitiligo sind die Flecken noch klein. Im Laufe der Zeit vergrößern sie sich jedoch meist. Die "entfärbten", also nicht mehr pigmentierten Hautbereiche bezeichnen Ärzte als depigmentiert. Wie groß die Flecken sind und wie viele es sind, ist von Person zu Person verschieden: Manche Betroffene haben nur vereinzelte Flecken. Bei anderen wiederum hat ein großer Teil der Haut seine Farbe verloren.

Meist sind diese Flecken auf beiden Körperseiten symmetrisch angeordnet (also z.B. beide Kniekehlen, beide Handrücken). Sie können aber auch nicht-symmetrisch verteilt sein. Die Flecken können in ihrer Größe variieren und ineinander übergehen.

Die weißen Flecken können sich an allen Körperstellen zeigen. Vor allem entstehen sie

  • im Gesicht, etwa um die Augen, auf den Augenlidern oder um den Mund herum,
  • an Finger- und Handgelenken,
  • an den Ellenbogen,
  • an den Knien
  • an den Armen,
  • in der Gesäßfalte und im Genitalbereich,
  • an Schleimhäuten oder
  • auf den Unterarmen.

Haare, die auf depigmentierten Hautstellen wachsen, können weiß sein, während sie an anderen Körperstellen normal gefärbt sind (sog. Poliosis circumscripta). Depigmentierungen der Schleimhäute, besonders der Lippen und Mundschleimhaut, können ebenfalls vorkommen; sie fallen bei dunklen Hauttypen optisch besonders auf. Selten sind auch die Augen oder das Innenohr von der Erkrankung betroffen. Einige der Erkrankten verspüren Juckreiz, wenn ein neuer Fleck entsteht.

Mehr wissen: Wie häufig ist Vitiligo?

Vitiligo zählt zu den häufigsten Störungen des Pigmentsystems. Etwa 1 von 100 Personen erkrankt im Laufe ihres Lebens daran. Rund die Hälfte der Betroffenen ist noch im Kindes- oder Jugendalter, wenn die Flecken auftreten. Grundsätzlich kann Vitiligo aber in jedem Lebensalter ausbrechen.

Vitiligo: Formen

Vitiligo ist nicht gleich Vitiligo: Die Ausdehnung und Lage der weißen Flecken kann von Person zu Person erheblich variieren.

Mediziner unterscheiden unter anderem:

  • lokale Vitiligo: Bei der lokalen Vitiligo sind nur vereinzelt weiße Flecken vorhanden. Die Flecken sind nur in einem oder einigen wenigen Körperbereichen zu sehen. Treten die Flecken nur in einer Körperhälfte auf, sprechen Ärzte von einer segmentalen Vitiligo.
  • generalisierte Vitiligo:
    • Vitiligo vulgaris: Es erscheinen größere Flecken in mehreren Körperbereichen. Meist sind hierbei beide Körperseiten betroffen (symmetrische Anordnung). Die Vitiligo vulgaris ist die häufigste Form der Weißfleckenkrankheit.
    • Vitiligo acrofacialis: Bei dieser Form treten die Flecken insbesondere im Gesicht sowie an Händen und Füßen auf.

Selten ist die universelle Vitiligo: Dabei sind über 80 Prozent der Körperoberfläche entfärbt.

Vitiligo: Ursachen

Die Ursachen von Vitiligo (Weißfleckenkrankheit) sind noch nicht vollständig geklärt. Fest steht, dass eine genetische Veranlagung eine Rolle spielt: In manchen Familien tritt die Weißfleckenkrankheit gehäuft auf.

Forscher diskutieren über verschiedene mögliche Ursachen oder Auslöser. Demnach könnte die Vitiligo zum Beispiel eine Autoimmunkrankheit sein. Bei einer Autoimmunkrankheit reagiert das Immunsystem aus ungeklärten Gründen auf körpereigene Zellen und bekämpft diese. Wissenschaftler konnten im Blut erkrankter Personen bestimmte Antikörper nachweisen, die sich gegen die Pigmentzellen (Melanozyten) richten. Einige Patienten leiden zugleich an anderen Autoimmunerkrankungen: So haben einige zum Beispiel Probleme mit der Schilddrüse in Form einer Schilddrüsenentzündung. Das unterstützt die Annahme, dass es sich bei Vitiligo um eine Immunreaktion gegen den eigenen Körper handelt.

Einer anderen Theorie zufolge könnte die Weißfleckenkrankheit mit bestimmten Veränderungen im Nervensystem zusammenhängen. Dabei produziert der Körper bestimmte schädigende Stoffe, sodass die pigmentbildenden Zellen zugrunde gehen.

Bestimmte Faktoren können den Ausbruch der Erkrankung zusätzlich begünstigen ("triggern"). Dazu zählen unter anderem mechanische Reize oder Verletzungen der Haut, intensive Sonneneinstrahlung oder Stress.

Vitiligo: Diagnose

Ob es sich bei weißen Flecken auf der Haut tatsächlich um Vitiligo handelt, kann ein Hautarzt meist leicht erkennen. Im Vorfeld ist es für ihn unter anderem hilfreich, zu wissen,

  • seit wann die Flecken schon bestehen,
  • ob und in welchem Zeitraum sie sich vergrößert haben,
  • ob der Patient weitere Beschwerden hat,
  • ob der Patient unter bestimmten Erkrankungen leidet, die häufig im Zusammenhang mit Vitiligo auftreten (z.B. Diabetes mellitus),
  • ob weitere Familienmitglieder an Vitiligo erkrankt sind oder
  • ob den Flecken emotionaler Stress, Sonnenbrand oder eine körperliche Erkrankung vorausgegangen ist.

Im Rahmen der körperlichen Untersuchung ermittelt der Hautarzt, wie viel Prozent der Körperoberfläche depigmentiert sind. Mithilfe eines speziellen UV-Lichts (Wood-Licht) lässt sich die Vitiligo besonders gut erkennen: Die betroffenen Hautbereiche erscheinen in diesem Licht weiß-gelblich.

Da auch die Schleimhäute depigmentiert sein können, wird der Hautarzt auch den Mund und den Genitalbereich untersuchen. Sind die Haare auf den betroffenen Hautpartien weiß, ist das ein Anzeichen dafür, dass die Erkrankung weit fortgeschritten ist. Gegebenenfalls kann auch ein Gang zum Augenarzt Aufschluss bringen, denn viele Vitiligo-Patienten weisen Pigmentveränderungen an der Netzhaut auf.

Vitiligo kommt bei bestimmten Krankheiten häufiger vor, so zum Beispiel im Rahmen einer Schilddrüsenenerkrankung. Mithilfe einer Blutuntersuchung wird der Arzt daher die Laborwerte bestimmen. Unter anderem wird er prüfen, ob die Funktion der Schilddrüse gestört.

Weiße Flecken auf der Haut: Andere Erkrankungen ausschließen

Manche Erkrankungen rufen Beschwerden hervor, die den Symptomen der Weißfleckenkrankheit ähneln. Dazu zählt zum Beispiel die Pityriasis versicolor alba, eine Hefepilz-Infektion, die die Hautfarbe verändert – oder Naevus anaemicus, ein heller Fleck auf der Haut, der durch verengte Blutgefäße entsteht. Bei kleinen weißen Flecken, die vor allem an den Streckseiten der Beine auftreten, kann es sich um UV-Schäden durch die Sonne handeln, die als Hypomelanosis guttata bezeichnet werden.

Vitiligo: Behandlung

Die Weißfleckenkrankheit ist nicht gefährlich. Daher muss sie aus rein medizinischer nicht unbedingt behandelt werden, da sie nicht gefährlich ist. Aber: Viele Betroffene leiden unter den Hautveränderungen. Sie empfinden die Flecken als unästhetisch oder störend – oder sie fühlen sich von anderen Personen stigmatisiert und ausgegrenzt.

Vitiligo ist bislang nicht heilbar, jedoch kann man den Verlauf unter Umständen verlangsamen. Auch ist es möglich, die Flecken mit kosmetischen Mitteln abzudecken.

Ob eine Therapie sinnvoll ist und welche Behandlung infrage kommt, hängt unter anderem davon ab,

  • wie stark die Erkrankung ausgeprägt ist und
  • wie sehr die Person darunter leidet.

Mittel der Wahl bei Vitiligo: die Phototherapie

Die Phototherapie gilt als Mittel der Wahl zur Behandlung der Vitiligo. Dabei werden die betroffenen Hautareale mit UV-Licht bestrahlt. Dadurch werden unter anderem noch verbliebene pigmentierte Zellen in der Haut stimuliert, sodass es zu einer Repigmentierung kommen kann. Das bedeutet: Die Hautbereiche nehmen wieder Farbe an. Bei der Vitiligo können unterschiedliche Formen der Phototherapie helfen, so zum Beispiel die UVB-Schmalspektrum-Therapie. Dabei setzt man die Haut energiereicher UVB-Strahlung (Wellenlänge 311 Nanometer) aus. Eine Alternative ist der sogenannte Xenonchlorid-Excimerlaser (Wellenlänge 308 Nanometer).

Die Phototherapie kann mit anderen Wirkstoffen kombiniert werden, die auf die Haut aufgetragen werden. Dazu zählen unter anderem kortisonhaltige Präparate und der Wirkstoff Calcipotriol. Allerdings sollten diese nicht über einen längeren Zeitraum verwendet werden, da die Haut dadurch dünner werden kann.

Alternative: PUVA-Therapie bei Vitiligo

PUVA ist die Abkürzung für Psoralen und UVA. Das bedeutet: Bei der Behandlung kombiniert man den Lichtsensibilisator Psoralen mit einer anschließenden Bestrahlung mit UVA-Licht. Das Psoralen wird zum Beispiel als Creme, Bad oder Dusche auf die Haut aufgetragen. Es bewirkt, dass die Haut empfindlicher auf UV-Strahlen reagiert, sodass nur eine geringe Bestrahlung mit UVA-Licht nötig ist.

Die PUVA-Therapie wirkt stärker als die Phototherapie. Allerdings ist auch die Wahrscheinlichkeit für Nebenwirkungen höher. So ist etwa das Risiko für Hautkrebs erhöht.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten bei Vitiligo

Zu weiteren Behandlungsmöglichkeiten zählen unter anderem:

  • Kosmetika: Mithilfe kosmetischer Produkte wie z.B. Camouflage lassen sich die Flecken überschminken. Auch Selbstbräuner können geeignet sein.
  • Sonnenschutz: Die Haut von Vitiligo-Patienten gilt als empfindlicher und sollte durch einen entsprechend hohen Lichtschutzfaktor geschützt werden. Ein Sonnenschutz trägt auch dazu bei, dass sich die gesunden Hautstellen optisch nicht allzu sehr von den weißen Stellen absetzen, wie das bei starker Sonnenbräune der Fall wäre.
  • Bleichen: Bei stark ausgeprägter Vitiligo ist es möglich, Bleichmittel einzusetzen, um die noch verbliebenen dunkleren Hautareale aufzuhellen. Bleichen ist das letzte Mittel bei einer stark ausgebildeten (universellen) Vitiligo. Der Prozess lässt sich nicht rückgängig machen. Wer sich mit dem Thema Bleichen auseinandersetzt, sollte diese Punkte bei seiner Entscheidung berücksichtigen. Als Nebenwirkung können unregelmäßige Bleicheffekte entstehen.
  • Transplantation: In bestimmten Fällen kann die sog. Melanozytentransplantation hilfreich sein. In einer kleinen Operation entnimmt der Arzt körpereigene Farbpigmente (Melanozyten), züchtet sie und verpflanzt sie auf die betroffenen Bereiche. Diese Therapie ist allerdings nur für kleine Hautbereiche geeignet.

Studien weisen zudem darauf hin, dass Extrakte aus Ginkgo biloba bei manchen Patienten zu einer Repigmentierung führen.

Viele Erkrankte fühlen sich durch die Vitiligo in ihrer Lebensqualität erheblich eingeschränkt. In einigen Fällen kann eine begleitende psychologische Behandlung sinnvoll sein.

Vitiligo: Verlauf

Vitiligo kann sehr unterschiedlich verlaufen:

  • In den meisten Fällen schreitet sie langsam fort; Die Flecken vermehren sich und werden größer. Oft gehen sie in einzelne Herde über.
  • Bei einigen Patienten kann Vitiligo eine vollständige Depigmentierung zur Folge haben.
  • Bei anderen bilden sich die weißen Flecken spontan wieder zurück (sog. Repigmentierung).

Eine frühzeitige Therapie kann den Verlauf der Vitiligo unter Umständen verlangsamen. Daher lohnt es sich, zeitnah den Hautarzt aufzusuchen, wenn Sie den Verdacht haben, an der Weißfleckenkrankheit zu leiden.

Gut vor der Sonne schützen

Die weißen Flecken sind sehr lichtempfindlich. Dies erhöht die Gefahr für einen Sonnenbrand. Daher sollten Sie stets auf einen guten Sonnenschutz achten und auch die Sonnenbank meiden. Sonnenbrände, Entzündungen oder Verletzungen können zudem dazu führen, dass sich bestehende Flecken vergrößern oder weitere hinzukommen.