Taubheitsgefühl: Was steckt dahinter?

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (08. Dezember 2017)

© iStock

Taubheitsgefühle (Hypästhesie) können unangenehm und störend sein. Ursachen für die veränderte Wahrnehmung gibt es viele. Häufig ist ein Taubheitsgefühl harmlos und verschwindet nach kurzer Zeit von selbst. Es kann aber auch ernstzunehmende Ursachen geben.

Was ist ein Taubheitsgefühl?

Bei einem Taubheitsgefühl ist das Berührungsempfinden der Haut herabgesetzt. Betroffene haben dann das Gefühl, dass ein bestimmter Bereich der Haut (z.B. die Hand) teilweise oder gänzlich ohne Empfinden ist. Es wirkt möglicherweise wie abgestorben oder eingeschlafen.

Taubheitsgefühle zählen zu den Sensibilitätsstörungen. Der Fachausdruck für Taubheitsgefühle lautet Hypästhesie.

Unter dem Begriff Sensibilität versteht man in der Medizin das Empfinden von Sinnesreizen, wie zum Beispiel bei Berührungen. Zahlreiche Sensoren im ganzen Körper nehmen solche Sinnesreize wahr und leiten sie an das Gehirn weiter. Im Falle von Berührungen lassen sich verschiedene Aspekte der Wahrnehmung unterscheiden, wie etwa:

Je nachdem, wie sich das Taubheitsgefühl äußert, handelt es sich um eine bestimmte Form der Hypästhesie:

  • taktile Hypästhesie: Das Berührungs- und Druckempfinden ist herabgesetzt.
  • Thermhypästhesie: Das Hitze- oder Kälteempfinden ist abgeschwächt.
  • Hypalgesie: Die Schmerzempfindlichkeit ist verringert.
  • Pallhypästhesie: Vibrationen werden weniger wahrgenommen.

Einen vollständigen Sensibilitätsausfall bezeichnet man als Anästhesie. Diese kann krankheitsbedingt sein oder bewusst als örtliche Betäubung (Lokalanästhesie) oder Narkose herbeigeführt, zum Beispiel um aus medizinischen Gründen erforderliche Untersuchungen oder Eingriffe vornehmen zu können.

Ein Taubheitsgefühl tritt häufig in den Gliedmaßen auf, also in den Armen oder Beinen. Das taube Gefühl kann sich dabei ein- oder beidseitig einstellen. Taube Finger oder Zehen kommen ebenfalls häufiger vor. Am Rumpf oder im Gesicht treten Taubheitsgefühle dagegen eher selten auf. Auch hier kann sich eine Hypästhesie jedoch halb- oder beidseitig zeigen.

Je nach Ursache begleiten das Taubheitsgefühl Hypästhesie weitere Symptome, wie:

Verschwindet das Taubheitsgefühl von alleine, kann es danach zu einem typischen Kribbeln in den betroffenen Körperteilen kommen, etwa im Finger. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn eine mangelnde Durchblutung taube Finger hervorgerufen hat. Werden die Finger wieder ausreichend mit Blut versorgt, kann sich dies zunächst durch ein Kribbeln äußern.

Taubheitsgefühl (Hypästhesie): Mögliche Ursachen

Taubheitsgefühle (auch Hypästhesie genannt) können unterschiedliche Ursachen haben, etwa eine mangelnde Durchblutung im betroffenen Körperteil oder eine Nervenschädigung.

Wie lange das Taubheitsgefühl anhält, kann bereits ein Hinweis auf die Ursache sein. Ein vorübergehendes Taubheitsgefühl tritt beispielsweise häufig auf, wenn durch eine ungünstige Körperhaltung ein Nerv abgeklemmt wird. Das kann unter anderem vorkommen, wenn man den Oberarm auf einer Stuhllehne abstützt oder sich bäuchlings liegend längere Zeit auf den Ellenbogen aufstützt. Auch bei einer ungünstigen Schlafposition, bei der die Arme schlecht durchblutet werden oder wenn man die Beine länger übereinander schlägt, können Taubheitsgefühle entstehen beziehungsweise die Arme "einschlafen".

Taubheitsgefühle gelten außerdem als typisches Symptom für eine Polyneuropathie, eine Erkrankung des peripheren Nervensystems. Diese tritt zum Beispiel häufiger bei Menschen mit Diabetes mellitus als sogenannte "diabetische Polyneuropathie" auf.

Eine Hypästhesie kann auch infolge eines Bandscheibenvorfalls entstehen, wenn eine Bandscheibe eine Nervenwurzel zusammendrückt und so ein Taubheitsgefühl verursacht. Ein Taubheitsgefühl in den Beinen deutet häufig auf eine Erkrankung des Ischiasnervs (Nervus ischiadicus) hin.

Weitere mögliche Ursachen für ein Taubheitsgefühl sind unter anderem:

Taubheitsgefühl (Hypästhesie): Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Um herauszufinden, wodurch das Taubheitsgefühl (auch Hypästhesie genannt) entsteht, benötigt der Arzt einige Informationen vom Betroffenen, wie zum Beispiel:

  • Wann ist das Taubheitsgefühl das erste Mal aufgetreten?
  • Hält die Hypästhesie seitdem an oder verschwindet das Taubheitsgefühl zwischenzeitlich von alleine wieder?
  • Tritt die Hypästhesie ein- oder beidseitig auf?

Entscheidend ist auch, ob das Taubheitsgefühl nach einem bestimmten Vorfall aufgetreten ist, beispielsweise nach einer ungeschickten Bewegung oder nach einem Unfall. Ein wichtiger Aspekt für die Diagnose ist außerdem, ob beim Betroffenen andere Erkrankungen (wie z.B. Diabetes mellitus) bestehen, die bei einer Hypästhesie als mögliche Ursache infrage kommen.

Außerdem versucht der Arzt, mithilfe einer körperlichen Untersuchung genauer herauszufinden, welcher Bereich von dem Taubheitsgefühl betroffen ist. Sind nur einige Finger oder die ganze Hand betroffen? Fühlen sich mehrere Stellen am Körper taub an? Auf diese Weise lassen sich mögliche Nervenschädigungen oft schon aufspüren. Um neurologische Ausfälle festzustellen, prüft er zusätzlich die Eigenreflexe, das Gehör, die visuelle Wahrnehmung ("Sehsinn") und den Gleichgewichtssinn des Betroffenen.

Je nach vermuteter Ursache der Hypästhesie können weitere Untersuchungen notwendig sein, so zum Beispiel:

Taubheitsgefühl (Hypästhesie): Therapie

Bei einem Taubheitsgefühl (auch Hypästhesie genannt) richtet sich die Therapie nach der jeweiligen Ursache. Ein vorübergehendes Taubheitsgefühl aufgrund einer ungünstigen Körperhaltung (z.B. "eingeschlafene Beine" beim Schneidersitz) verschwindet meist kurze Zeit später von allein, sobald man die Haltung verändert.

Steckt eine Polyneuropathie hinter dem Taubheitsgefühl, hängt die Therapie davon ab, welche Form dieser Erkrankung vorliegt. Eine angeborene Polyneuropathie beispielsweise kann bisher nicht ursächlich behandelt werden, die Behandlung konzentriert sich deswegen vor allem auf eine Linderung der Beschwerden. Eine diabetische Polyneuropathie erfordert hingegen vor allem eine optimale Einstellung des Blutzuckers.

Tritt die Hypästhesie infolge einer bakteriellen Infektion (z.B. Borreliose) auf, hilft eine Antibiotikatherapie. Wenn das Taubheitsgefühl dagegen mit einer Herpesinfektion zusammenhängt, behandelt der Arzt diese zumeist mit dem Wirkstoff Aciclovir. Dabei handelt es sich um ein spezielles Arzneimittel, das die Vermehrung der Herpesviren hemmt (sog. Virostatikum).

Ist ein Bandscheibenvorfall die Ursache der Hypästhesie, besteht die Therapie vor allem darin, die Wirbelsäule zu entlasten – zum Beispiel durch eine Stufenbettlagerung. Um die Schmerzen zu lindern, verabreicht der Arzt mitunter Schmerzmittel und Mittel zur Muskelentspannung (Muskelrelaxanzien). Eine anschließende Physiotherapie empfiehlt sich, um langfristig die Rückenmuskulatur zu kräftigen. In schweren Fällen kann auch eine Operation an der betroffenen Bandscheibe notwendig sein.

Ist das Taubheitsgefühl das Begleitsymptom einer bestehenden Grunderkrankung (wie Diabetes mellitus), ist immer die zielgerichtete Therapie dieser Krankheit erforderlich.

Taubheitsgefühl (Hypästhesie): Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Taubheitsgefühl":

Onmeda-Lesetipps:

Sensibilitätsstörungen: Was dahinter steckt
Kribbeln: Mögliche Ursachen
Juckreiz: Alle Infos

Quellen:

Sensibilitätsstörungen. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 18.4.2017)

Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2016

Gleixner, C., Müller, M., Wirth, S.: Neurologie und Psychiatrie. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2013

Bewermeyer, H.: Neurologische Differenzialdiagnostik. Schattauer, Stuttgart 2010

Hacke, W.: Neurologie. Springer, Heidelberg 2010

Schaps, K.-P., Kessler, O., Fetzner, U.: Neurologie, Psychiatrie, Psychosomatik. Springer, Heidelberg 2007

von Albert, H.-H.: Vom neurologischen Symptom zur Diagnose. Springer, Heidelberg 2002

Aktualisiert am: 8. Dezember 2017

Wie steht es um Ihre Gesundheit?




Symptom-Check