Ein Mann greift sich mit beiden Händen ins Kreuz.
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Ischias (Ischiasschmerzen, Ischialgie)

Typisch für Ischias sind Schmerzen im unteren Rücken, die bis ins Bein ausstrahlen. Ischiasschmerzen können ganz plötzlich auftreten – zum Beispiel wenn man sich bückt oder etwas Schweres hebt.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Ischias (Ischiasschmerzen, Ischialgie)

Ischias ist die Kurzform für Ischiasschmerzen oder Ischialgie. Dabei handelt es sich um einen Nervenschmerz (= Neuralgie): Denn die Schmerzen entstehen durch eine Schädigung am Ischiasnerv (Nervus ischiadicus) beziehungsweise an seiner Nervenwurzel.

Der Ischiasnerv hat seinen Ursprung im Rückenmark im Bereich zwischen dem vierten Lendenwirbel (L4 = Lumbalwirbel vier) und dem zweiten Kreuzbeinwirbel (S2 = Sakralwirbel zwei) der Wirbelsäule. Von dort zieht der Nerv ins Bein – genauer gesagt:

  • durch den Gesäßbereich
  • zur Streckseite des Hüftgelenks und dann
  • über die Rückseite des Oberschenkels
  • in Richtung Kniekehle.

Im Oberschenkel verzweigt sich der Ischiasnerv in zwei große Äste, die bis in den Fuß ziehen: den Schienbeinnerv (Nervus tibialis) und den gemeinsamen Wadenbeinnerv (Nervus fibularis communis).

Ischias tritt im Versorgungsgebiet des Ischiasnervs auf. Ischiasschmerzen sind also Schmerzen im unteren Rücken (im Bereich der Lendenwirbelsäule), die bis ins Bein ausstrahlen.

Nicht verwechseln: Ischias und Hexenschuss

Ischiasschmerzen können zusammen mit einem Hexenschuss (Lumbago) auftreten: In dem Fall liegt eine Lumboischialgie vor. Anders als beim Ischias bleiben die Schmerzen bei einem reinen Hexenschuss aber auf den Rücken begrenzt.

Ischias: Ursachen

Ischias kann beispielsweise folgende Ursachen haben:

  • muskuläre Verspannungen (z. B. durch Fehlbelastungen),
  • länger anhaltenden Druck auf das Gesäß (z. B. durch langes Sitzen auf harter Unterlage),
  • Blockierungen der Wirbelkörper,
  • eine Bandscheibenvorwölbung (Protrusion) bzw.
  • einen Bandscheibenvorfall (Prolaps) oder
  • eine Verletzung (z. B. durch einen Sturz oder bei einem operativen Eingriff am Hüftgelenk).

Oft ist der Ischiasnerv eingeklemmt

Oft ist bei Ischias der Ischiasnerv eingeklemmt – beziehungsweise seine Nervenwurzeln im Rückenmark in Höhe des vierten Lendenwirbels (L4) und des zweiten Kreuzbeinwirbels (S2). Wenn das passiert, können die Ischiasschmerzen ganz plötzlich auftreten.

Am häufigsten entsteht Ischias durch verschleißbedingte Veränderungen der beiden unteren Bandscheiben der Lendenwirbelsäule (zwischen L4 und L5 sowie zwischen L5 und S1): Unter erhöhtem Druck (z. B. beim Bücken) kommt es dann eher zu einer Bandscheibenvorwölbung oder einem Bandscheibenvorfall. Je nach Lage kann dadurch der Ischiasnerv eingeklemmt werden.

Verschleiß im Bereich der Wirbelsäule ist nicht der einzige Risikofaktor für Bandscheibenvorfälle und damit für Ischias. Weitere Risikofaktoren sind:

  • Rauchen
  • Sport mit hoher Gewichtsbelastung
  • Berufe mit einseitiger körperlicher Belastung

Neben Bandscheibenvorfällen können auch andere Veränderungen oder Störungen im Bereich der Wirbelsäule dazu führen, dass ein eingeklemmter Ischiasnerv Schmerzen bereitet:
Arthrose (Gelenkverschleiß)

  • arthrotische Veränderungen der Wirbelbogengelenke (Spondylarthrose)
  • Instabilität der Wirbelsäule (Wirbelgleiten bzw. Spondylolisthesis)
  • Verengung des Wirbelkanals (Spinalkanalstenose)

Eine eher seltene Ursache für Ischiasschmerzen ist das Piriformis-Syndrom. Dann wird der Ischiasnerv durch den Piriformis-Muskel eingeklemmt, der unterhalb der Gesäßmuskeln liegt.

Selten ist der Ischiasnerv entzündet

Selten stecken Nervenentzündungen und andere entzündliche Prozesse hinter Ischiasschmerzen: So kann es zum Beispiel bei einer Gürtelrose passieren, dass sich der Ischiasnerv entzündet und Schmerzen verursacht.

Ischias in der Schwangerschaft

Viele Schwangere kennen Ischiasschmerzen: Gerade zum Ende der Schwangerschaft kann das Ungeborene so gegen den Ischiasnerv drücken, dass Schmerzen entstehen.

Das bedeutet aber nicht, dass Ischias in der Schwangerschaft immer harmlos ist: Es können auch schwerwiegende Gründe – wie ein Bandscheibenvorfall – dahinterstecken. Darum ist es auch bei einer Ischialgie in der Schwangerschaft wichtig, die Ursache abklären zu lassen.

Ischias: Symptome

Die für Ischias typischen Symptome sind Rückenschmerzen (bzw. Kreuzschmerzen), die bis ins Bein ausstrahlen:

  • vom Gesäß
  • über die Rückseite des Oberschenkels
  • bis zur Kniekehle,
  • imanchmal sogar bis zum Fuß.

Häufig verstärken sich die Ischiasschmerzen ...

  • ... durch Husten, Niesen oder Pressen.
  • … wenn man das Bein ausstreckt und gleichzeitig den Körper ab der Hüfte nach vorn beugt.
  • … wenn man auf dem Rücken liegt und versucht, das gestreckte Bein anzuheben.

Ist der Ischiasnerv eingeklemmt, macht sich Ischias meist plötzlich bemerkbar. Die Symptome – typischerweise ziehende oder reißende Schmerzen – sind sehr heftig. Manchmal treten Ischiasschmerzen gleichzeitig mit einem ebenfalls plötzlichen und heftigen Hexenschuss auf: Die Beschwerden einer solchen Lumboischialgie gehen dann fließend ineinander über.

Oft verursacht Ischias neben Schmerzen weitere Symptome, wie Muskelverspannungen oder Einschränkungen der Beweglichkeit. Nicht selten führt ein gereizter Ischiasnerv auch zu Gefühlsstörungen (wie Taubheitsgefühl oder Kribbeln) und Lähmungen. Bei einer schweren Ischialgie kann darüber hinaus eine Blasen- oder Darmschwäche entstehen.

Ischias: Diagnose

Ischias lässt sich meist rasch diagnostizieren. Oft reichen dazu schon die folgenden Angaben:

  • Wann und bei welchem Ereignis die Rückenschmerzen aufgetreten sind (z. B. beim Heben eines schweren Gegenstands),
  • wo genau sich die Schmerzen befinden,
  • ob die Schmerzen ins Gesäß oder ins Bein ausstrahlen,
  • ob eine Blasen- oder Darmschwäche vorliegt und
  • ob man bereits früher einmal Rückenprobleme, Ischiasbeschwerden oder einen Bandscheibenvorfall hatte.

Bei der anschließenden körperlichen Untersuchung überprüft die Ärztin oder der Arzt unter anderem das Gefühlsempfinden (Sensibilität), die Bewegungsfähigkeit (Motorik) und die Reflexe.

Um Ischias richtig behandeln zu können, ist es wichtig, seine Ursache herauszufinden. Hierzu sind meist weitere Untersuchungen nötig. Vor allem dann, wenn der Verdacht besteht, dass ein Bandscheibenvorfall für die Ischiasschmerzen verantwortlich ist. Geeignet sind zum Beispiel:

Ischias: Behandlung

Bei Ischias zielt die Behandlung darauf ab, die Schmerzen zu beseitigen und ihre Ursache zu beheben.

Ischias – was hilft sofort?

Um die mit Ischias verbundenen Schmerzen schnell zu lindern, können Sie über einen kurzen Zeitraum schmerz- und entzündungshemmende Medikamente einnehmen – wie:

Sprechen Sie die Behandlung am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Dann können Sie sich, wenn nichts anderes hilft, auch ein stärkeres Mittel (z.B. Opioide) gegen die Ischiasschmerzen verschreiben lassen.

Neben der Schmerztherapie können in der akuten Phase des Ischias – je nach Ursache – kurzfristig auch Bettruhe, Schonung und Wärme wohltuend sein. Wenn die Ischiasbeschwerden es zulassen, ist es aber besser, körperlich aktiv zu bleiben.

Um starke akute Ischiasschmerzen zu lindern, können Sie sich auch entzündungshemmende Medikamente (Kortikoide) und/oder ein örtliches Betäubungsmittel in die Nähe der Wurzel des Ischiasnervs spritzen lassen. Solche Spritzen können allerdings zu Nebenwirkungen führen – wie Nachblutungen, Infektionen und Nervenverletzungen.

Was hilft langfristig gegen Ischias?

Um Ischiasschmerzen langfristig in den Griff zu bekommen, ist es wichtig, aktiv zu bleiben und sich ausreichend zu bewegen. Schon regelmäßige flotte Spaziergänge (z. B. an jedem 2. Tag für 30 bis 60 Minuten) können helfen.

Sie können sich aber auch für ein gezielteres Training entscheiden. Bewährt haben sich bei Rückenschmerzen beispielsweise Ausdauertraining, Pilates, Tai-Chi und Yoga. Daneben helfen gegen Ischias Übungen, die

  • die tiefe Bauch-, Rücken- und Beckenmuskulatur kräftigen und stabilisieren und
  • die Waden-, Hüft- und Oberschenkelmuskeln dehnen.

Wenn Sie öfter mit Ischias zu tun haben, können Sie auch an einem standardisierten Schulungsprogramm (Rückenschule) teilnehmen: Hier trainieren Sie Ihre Rückenmuskulatur und lernen, sich im Alltag rückenschonend zu verhalten. (Das ist übrigens nicht nur zur Behandlung wiederholter Ischiasschmerzen sinnvoll, sondern bei allen hartnäckigen Rückenschmerzen).

Vollständig und dauerhaft heilen können solche Bewegungstherapien die Ischiasbeschwerden zwar nicht. Aber immerhin lindern sie oft die Ischiasschmerzen und steigern zudem die körperliche Fitness und Beweglichkeit.

Unter Umständen kann es notwendig sein, den Ischias operativ zu behandeln. Eine Operation kommt zum Beispiel dann infrage, wenn Sie:

  • starke oder wiederholt Bandscheibenvorfälle haben,
  • in Ihrer selbstständigen Beweglichkeit zunehmend gestört ist (motorische Störungen),
  • ein Kaudasyndrom entwickeln, das verbunden ist mit
    • einer verminderten Sensibilität im Bereich der inneren Oberschenkel, Genitalien und des Afters (Reithosenanästhesie),
    • einem Verlust der Kontrolle über Harnblase und Enddarm sowie
    • beidseitigem Fehlen des Achillessehnenreflexes.

Doch nicht immer ist bei Ischias ärztliche Hilfe nötig: Sogar heftige Ischiasschmerzen können mit der Zeit von selbst nachlassen.

Ischias: Verlauf

Ischias verläuft überwiegend günstig: Die Schmerzen verschwinden meist nach ein paar Tagen bis höchstens sechs Wochen wieder – auch ohne Behandlung. Selbst wenn ein Bandscheibenvorfall den Ischiasnerv eingeklemmt hat, kann der Ischiasschmerz von ganz alleine zurückgehen.

Langfristig ist es bei Ischias wichtig, die Rückenmuskulatur zu stärken und sich rückenschonend zu verhalten (z. B. nichts Schweres aus dem Rücken heraus heben). Um das zu erreichen, bieten sich krankengymnastische Übungen, Sport und der Besuch einer Rückenschule an.

Ischias: Vorbeugen

Wenn Sie Ischias vorbeugen möchten, ist vor allem eins wichtig: dass Sie langfristig am Ball bleiben – mit Rückentraining und einer rückenfreundlichen Lebensweise. Das bedeutet vor allem:

  • Achten Sie darauf, dass Sie nichts Schweres (z. B. einen Kasten Wasser) aus dem Rücken heraus heben, sondern aus den Knien heraus.
  • Vermeiden Sie eine falsche Haltung und falsches Sitzen, da dies auf Dauer die Bandscheiben verschleißen und zu Ischias führen kann.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig, treiben Sie Sport und machen Sie gezielte Rückengymnastik, um die Rückenmuskulatur zu stärken: Das beugt Erkrankungen von Muskulatur und Wirbelsäule vor, die zu Ischiasschmerzen führen können.

Weil Rauchen das Risiko für Bandscheibenvorfälle und Ischias erhöht, ist es zudem ratsam, aufs Rauchen zu verzichten.