Sensibilitätsstörungen: Kribbeln, Jucken, Brennen & Co.

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (22. Dezember 2017)

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Ob Kribbeln, Brennen oder ein taubes, pelziges Gefühl – Sensibilitätsstörungen können sich auf unter­schiedliche Weise äußern und werden oft als sehr störend empfunden. Solche Wahrnehmungen können harmlos sein, aber auch auf Erkrankungen hinweisen.

Was sind Sensibilitätsstörungen?
Sensibilitätsstörungen liegen vor, wenn man Reize wie Berührungen, Temperatur oder Schmerzen nicht richtig wahrnehmen kann oder verändert wahrnimmt. Sensibilitätsstörungen werden oft auch als Missempfindungen bezeichnet.

Eine häufige Form der Sensibilitätsstörung ist die sogenannte Parästhesie, die sich durch Kribbeln (sog. Ameisenlaufen) und Taubheitsgefühl in der betroffenen Körperregion äußert. Einige Menschen verwenden deshalb auch den Begriff Gefühlsstörungen.

Zahlreiche Nervenendigungen, Rezeptoren und Sensoren auf der Haut und im ganzen Körper sowie die Sinnesorgane des Menschen, beispielsweise Augen, Ohren und Nase, nehmen Reize wahr und leiten sie über die Nerven ans Gehirn weiter. Das Gehirn verarbeitet die Informationen der Sinnesorgane und Sensoren zu Eindrücken und Empfindungen. Mediziner unterscheiden dabei unter anderem

  • mechanische Reize (z.B. Druck, Vibration),
  • Temperaturempfindung,
  • Schmerzempfindung sowie
  • Bewegungs- und Lageempfinden.

Sensibilitätsstörungen äußern sich zum Beispiel in unangenehmen Missempfindungen oder in einer veränderten Reizwahrnehmung. So können Menschen mit einer Sensibilitätsstörung Reize zum Beispiel entweder gesteigert, abgeschwächt oder auch gar nicht mehr wahrnehmen. Typische Sensibilitätsstörungen sind

Manchmal treten auch sogenannte Wärme- oder Kältemissempfindungen auf. Dabei haben die Betroffenen das Gefühl, dass eine bestimmte Körperstelle ungewöhnlich warm oder kalt ist – bei Berührung fühlt sich diese Körperstelle jedoch normal an. Auch ein gesteigertes Schmerzempfinden zählt zu den Sensibilitätsstörungen. Mediziner verwenden dafür den Fachbegriff "Hyperalgesie".

Sensibilitätsstörungen: Man sieht die Beine einer Frau, die auf einer Fensterbank sitzt. © iStock

Manche Sensibilitätsstörung ist harmlos: Bei eingeschlafenen Beinen etwa bessert sich Gefühl nach kurzer Zeit von selbst, sobald man die Beine normal aufstellt.

In manchen Fällen äußern sich Sensibilitätsstörungen als Taubheitsgefühle. Die betroffene Körperstelle fühlt sich dann an, als ob sie – ähnlich wie bei einem chirurgischen Eingriff – örtlich betäubt ist. Die Schmerzempfindung ist hierbei eingeschränkt oder ausgeschaltet. Menschen mit Sensibilitätsstörungen an den Füßen merken deshalb zum Beispiel manchmal nicht, wenn sich kleine Risse in der Haut bilden oder sie sich am Fuß verletzen. Insbesondere bei Diabetikern, deren Füße oft schlecht durchblutet sind, kann das mitunter zu schweren Infektionen führen. Ärzte sprechen bei fortgeschrittener Erkrankung auch vom sogenannten diabetischen Fuß.

Je nach Art der Missempfindung, dem Alter, den Vorerkrankungen und eventuell zusätzlich auftretenden Symptomen sollte man Sensibilitätsstörungen umgehend von einem Arzt abklären lassen. Denn plötzlich aufgetretene Taubheitsgefühle können beispielsweise auf einen Schlaganfall hindeuten, insbesondere wenn diese einseitig auftreten. Aber auch wenn Sensibilitätsstörungen bereits über längere Zeit bestehen, ist ein Arztbesuch zu empfehlen.

Sensibilitätsstörungen: Was sind die Ursachen?

Sensibilitätsstörungen können zahlreiche Ursachen haben. Manche sind harmlos und führen nur zu vorübergehenden Sensibilitätsstörungen. Wie etwa ein Kribbeln in den Fingern, wenn man sich am Ellenbogen stößt. Oder ein Nerv, der durch eine ungünstige Körperhaltung (z.B. überkreuzte Beine) etwas eingeklemmt oder schlechter durchblutet war. Sensibilitätsstörungen können jedoch auch auf Erkrankungen hindeuten – von Entzündungen bis hin zu schweren Erkrankungen des Nervensystems. Häufige Ursachen sind:

Sensibilitätsstörungen: Diagnose

Um die Ursache für Sensibilitätsstörungen herzauszufinden, benötigt der Arzt zunächst einige Informationen. Im Arztgespräch wird er deshalb einige Fragen stellen, wie zum Beispiel:

Es folgen eine körperliche beziehungsweise eine neurologische Untersuchung. Mittels sogenannter Sensibilitätsprüfungen kann der Arzt das Gefühlsempfinden und das Ausmaß der Sensibilitätsstörungen testen. Auf diese Weise kann er überprüfen, ob und wie stark das Druck- und Vibrationsempfinden ist, wie der Betroffene Temperatur und Schmerz empfindet und wie das Bewegungs- und Lageempfinden ausgeprägt ist.

Eine häufige Untersuchung zur Diagnose einer Sensibilitätsstörung ist die sogenannte Nadelstichprobe. Hierbei setzt der Arzt mit einem Holzstäbchen mehrere kleine Stiche hintereinander in die Haut. So lässt sich prüfen, ob der Betroffene eine veränderte beziehungsweise herabgesetzte Schmerzempfindlichkeit hat.

Je nach Befund können weitere Untersuchungen notwendig sein, zum Beispiel:

Sensibilitätsstörungen: Therapie

Bei Sensibilitätsstörungen richtet sich die Therapie nach der zugrundeliegenden Ursache. Einige Sensibilitätsstörungen verschwinden manchmal auch ganz ohne Behandlung, etwa wenn ein eingeklemmter oder gereizter Nerv sich einfach über die Zeit etwas "beruhigen" muss. In anderen Fällen kann bei Nerveneinklemmungen zum Beispiel eine kurzfristige physiotherapeutische Betreuung oder manuelle Therapie hilfreich sein (etwa bei Wirbelblockaden). Ursachen wie ein Bandscheibenvorfall können ebenfalls eine krankengymnastische Behandlung erfordern oder in schweren Fällen einen operativen Eingriff.

Andere Erkrankungen des Nervensystems wiederum erfordern unter Umständen eine dauerhafte Therapie mit Medikamenten, zum Beispiel bei multipler Sklerose,

Lösen hingegen bestimmte Arzneimittel die Sensibilitätsstörungen aus oder begünstigen diese, sollten Sie mit Ihrem Arzt Rücksprache halten. Er kann entscheiden, ob ein andere Medikament infrage kommt. Keinesfalls sollten Sie Ihre Medikamente eigenmächtig absetzen.

Haben Sie den Verdacht, dass ein Schlaganfall die Sensibilitätsstörungen verursachen könnte, rufen Sie den Notarzt (112)! Ein Schlaganfall erfordert so rasch wie möglich eine fachgerechte Behandlung, da er sonst bleibende Schäden nach sich ziehen und zu schweren, teils lebensbedrohlichen Komplikationen führen kann.

Sensibilitätsstörungen: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Sensibilitäts­störungen":

Onmeda-Lesetipps:

Kribbeln: Was steckt dahinter?
Polyneuropathie:Wie sich die Nervenerkrankung äußert
Restless-Legs-Syndrom: Infos zur Krankheit

Quellen:

Sensibilitätsstörungen. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 18.4.2017)

Grehl, H., et al.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2016

Neumann, N., et al.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

Gleixner, C., et al.: Neurologie und Psychiatrie für Studium und Praxis. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2013

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Diagnostik neuropathischer Schmerzen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/132 (Stand: September 2012)

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Diagnostik bei Polyneuropathien. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/067 (Stand: September 2012)

Bewermeyer, H.: Neurologische Differenzialdiagnostik. Schattauer, Stuttgart 2010

Hacke, W.: Neurologie. Springer, Heidelberg 2010

Aktualisiert am: 22. Dezember 2017

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