MS & Wintersport: Skifahren, ja oder nein?

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Der Winterurlaub steht bevor – und es soll wieder in die Berge gehen! Der Gedanke an klare Bergluft, strahlende Sonne, glitzernden Schnee und natürlich ans Skifahren lassen zu dieser Jahreszeit viele Herzen höher schlagen. Aber geht das auch mit MS? Klar, das geht!

Grundsätzlich spricht auch bei multipler Sklerose nichts gegen das Skifahren. Ob Alpin-Ski oder Langlauf – beide Sportarten sind ein wunderbares Herz-Kreislauf-Training und das Zusammensein mit Freunden oder der Familie in entspannter Atmosphäre wirkt sich nicht nur auf Menschen mit MS positiv aus.

Welche Variante der Wintersportart für Sie am besten geeignet ist, hängt dabei vor allem davon ab, wie es mit Ihrer körperlichen Fitness aussieht und wie wohl Sie sich fühlen. Allgemein gilt: Sowohl beim Alpin-Ski als auch beim Langlauf sollten Sie nur solche Abfahrten oder Strecken wählen, die Sie nicht zu sehr überfordern. Achten Sie außerdem auf die Signale Ihres Körpers und machen Sie rechtzeitig Pausen.

Falls Sie durch die MS stärker wärmeempfindlich sind (sog. Uhthoff-Phänomen), können die körperliche Aktivität und die dadurch entstehende Wärme unter Umständen auch beim Skifahren zu Beschwerden führen. Dank der kühleren Temperaturen ist das Uhthoff-Phänomen jedoch im Winterurlaub in der Regel weniger belastend und lässt sich besser kontrollieren.

Multiple Sklerose: Eine Frau sitzt auf einer Bank vor einer Hütte, neben ihr stehen Alpinski. © iStock

Auch mit MS ist Alpin-Ski möglich.

Alpin-Ski

Wer Alpin-Ski fahren möchte, muss sich auf seinen Körper und vor allem auch auf seine Beine verlassen können, denn im Vergleich zum Langlauf wird der Körper hier stärker gefordert. Das heißt, Sie sollten idealerweise schon vor dem Winterurlaub regelmäßig Sport treiben und sich entsprechend vorbereiten, damit der Körper den stärkeren Belastungen bei einer Abfahrt gewachsen ist. Das gilt jedoch im Grunde nicht nur für Menschen mit MS, sondern auch für gesunde Menschen.

Was tun bei Handicaps?

Wer durch MS stärker körperlich eingeschränkt ist, glaubt vielleicht, auf Skifahren verzichten zu müssen. Doch das muss nicht sein – mit dem richtigen Equipment ist Alpin-Ski sogar mit kleineren oder größeren Handicaps kein Problem. Verschiedene Varianten erlauben die Skiabfahrt auch ohne die klassische Ski-Ausrüstung:

  • Krückenski: Sie sind zu empfehlen, wenn die körperliche Fitness zwar da ist, aber starke Probleme mit dem Gleichgewicht bestehen. Hier können die sogenannten Krückenski beim Stabilisieren helfen – also eine Art Unterarmgehstützen, die unten einen Mini-Ski montiert haben.
  • Skibob (Snowbike): Dieses Wintersportgerät ähnelt im Grunde einer Art niedrigem Fahrrad, bei dem die Räder durch kürzere Ski ersetzt wurden. Mit einem Skibob fahren Sie die Piste sitzend herunter und können über den Lenker die Richtung bestimmen. An Ihre Füße haben Sie zusätzlich kurze Fußski geschnallt.
  • Bi-Ski: Falls Sie Rollstuhlfahrer sind, ermöglicht Ihnen der Bi-Ski zu zweit die Piste hinunterzufahren beziehungsweise sich fahren zu lassen. Der Bi-Ski besteht aus einer Art Schlitten, der auf zwei Ski steht und in dem Sie mit angewinkelten Beinen sitzen. Ihr Partner steht dabei auf herkömmlichen Alpin-Ski direkt hinter dem Bi-Ski. Er hat den Bi-Ski über eine Haltestange von hinten im Griff und kann so mit Ihnen zusammen den Berg hinuntersteuern. Durch leichte Gewichtsverlagerung können Sie beim Richtungswechsel helfen.

Langlauf

Beim Langlauf wird der Körper ebenfalls gefordert, wenn auch nicht ganz so stark wie beim Alpin-Ski. Deshalb sollten Menschen mit MS auch für den Langlauf-Urlaub auf eine gute Fitness und Vorbereitung Wert legen. Langlauf eignet sich vor allem für Betroffene, bei denen hin und wieder Schwächen der Beine auftreten. Denn diese lassen sich durch einen stärkeren Einsatz der Arme beziehungsweise des Oberkörpers gut ausgleichen. Zudem werden die Gelenke beim Langlauf weniger stark belastet als beim Alpin-Ski.

Multiple Sklerose: Man sieht einen Mann beim Skilanglauf. © iStock

Die körperliche Belastung ist beim Langlauf etwas geringer als beim Alpin-Ski.

Tipps fürs Skifahren

  • Eine gute Vorbereitung ist das A und O:
    • Mit Ausdauertraining können Sie Ihre Kondition stärken. Gut eignen sich zum Beispiel Radfahren oder (Nordic) Walking. Überfordern Sie sich dabei jedoch nicht, sondern steigern Sie sich langsam. Hören Sie außerdem auf Ihren Körper und machen Sie ausreichend Pausen.
    • Üben Sie am besten bereits zu Hause (ohne Ski) das Fallen und das Wiederaufstehen, sofern Sie sich körperlich dazu in der Lage fühlen: Stellen Sie sich hin und lassen Sie sich dann langsam mit dem Hintern auf den Boden sinken, als wollten Sie sich auf einen sehr niedrigen Hocker setzen. Am Ende sollten Sie mit Hintern und Hüfte auf dem Boden sitzen und die Knie angewinkelt haben. Zum Aufstehen ziehen Sie die Füße an sich ran und stellen sie parallel zueinander auf den Boden auf. Drücken Sie sich jetzt mit den Armen hoch, lassen Sie die eigentliche Kraft jedoch aus den Beinen kommen.
    • Beweglichkeit ist auch beim Skifahren wichtig, deshalb sollte neben Ausdauertraining Gymnastik auf dem Programm stehen.
  • Fahren Sie immer in Begleitung Ski – egal wie erfahren Sie sind. So haben Sie im Falle eines Sturzes sofort einen Helfer zur Seite.
  • Ihr Begleiter sollte idealerweise hinter Ihnen fahren, damit er Sie im Blick hat.

Genießen Sie Ihren Skiurlaub

Für welche Art des Skifahrens Sie sich auch entscheiden, setzen Sie sich nicht unter Leistungsdruck, sondern genießen Sie Ihren Skiurlaub! Wichtig ist außerdem, dass Sie für sich die richtige Balance aus Aktivität und Ruhepausen finden. So haben Sie auch vom Abend noch etwas, anstatt nur erschöpft ins Bett zu fallen – und kommen am Ende erholt aus dem Urlaub zurück!

Bei schlechtem Wetter nehmen Sie sich am besten eine kleine sportliche Auszeit. Machen Sie es sich stattdessen zum Beispiel auf der Hütte gemütlich oder erkunden Sie den Ferienort.

Wann aufs Skifahren verzichten?

Sofern nicht aus anderen medizinischen Gründen dem Skifahren etwas im Wege steht, gibt es eigentlich kaum einen Grund, wegen MS aufs Skifahren zu verzichten. Im Falle eines Schubes sollten Sie allerdings für etwa drei bis vier Wochen gar keinen Sport treiben, also auch nicht Ski fahren. Möglich sind dann aber trotzdem individuelle auf Sie abgestimmte Übungen aus der Physiotherapie.



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