Frau möchte aufgrund einer Geschmacksstörung nichts essen.
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Geschmacksstörung (Dysgeusie)

Bei einer Geschmacksstörung (Dysgeusie) kann der Geschmackssinn in verschieden starker Ausprägung eingeschränkt sein oder vollständig ausfallen. Es ist auch möglich, dass nur bestimmte Geschmacksrichtungen nicht mehr oder falsch wahrgenommen werden. In anderen Fällen wird etwas geschmeckt, das gar nicht vorhanden ist.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Geschmacksstörung (Dysgeusie)

Geschmacksstörungen alleine treten im Vergleich zu Geruchsstörungen relativ selten auf. Häufig kommen diese beiden Sinneseinschränkungen jedoch in Kombination vor.

Was ist eine Geschmacksstörung (Dysgeusie)?

Der Begriff Geschmacksstörung (Dysgeusie) umfasst jegliche Veränderung des Geschmackssinns. Man unterscheidet zwischen qualitativen und quantitativen Geschmacksstörungen.
 

  • Das normale Geschmacksempfinden bezeichnen Mediziner als Normogeusie.
  • Ist der Geschmackssinn verändert, handelt es sich um eine Dysgeusie.

Geruchs- und Geschmackssinn eng verbunden

Schmecken und Riechen stehen im engen Zusammenhang. Während Geschmacksrichtungen durch Geschmacksknospen auf der Zunge erkannt werden, nehmen Rezeptoren in der Nase Gerüche wahr. Sowohl die Wahrnehmung der Zunge als auch die der Nase werden an das Gehirn weitergeleitet. Dieses fügt die Informationen zusammen und erkennt dadurch Aromen und ordnet sie ein.

Die fünf Geschmacksrichtungen sauer, salzig, bitter, süß oder umami können die tausenden Geschmacksknospen auf der Zunge allein wahrnehmen. Für komplexere Zusammensetzungen wie "Apfel" wird zusätzlich der Geruchssinn benötigt.

Geschmacksstörung: Ursachen

Geschmacksstörungen können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Bei einigen Menschen ist die Dysgeusie angeboren. In den meisten Fällen ist sie aber erworben und tritt erst im Lauf des Lebens auf.

Geschmacksstörungen können je nach Ursache in drei Gruppen unterteilt werden:

  • epitheliale,
  • nervale und
  • zentrale Ursachen.

Die epithelialen Ursachen wirken sich auf den Geschmackssinn aus, indem sie die Geschmacksknospen schädigen. Epitheliale Ursachen können sein:

Ursache für Geschmacksstörungen mit nervalen Ursachen kann eine Schädigung bestimmter Hirnnerven sein. Infrage kommen:

  • Hirnnerv VII – N. facialis, Gesichtsnerv,
  • Hirnnerv IX – N. glossopharyngeus, Zungen-Rachen-Nerv oder
  • Hirnnerv X – N. vagus, Hauptnerv des Parasympathikus

Diese Nerven können zum Beispiel bei Operationen am Ohr oder bei Zahnbehandlungen geschädigt werden. Entfernt der Hals-Nasen-Ohren-Arzt die Gaumenmandeln (Tonsillektomie) oder Hals-Lymphknoten (Neck dissection), kann er dabei in seltenen Fällen die Hirnnerven verletzen. Zu den möglichen nervalen Ursachen zählen außerdem:

  • Tumoren
  • Schädelbasisbrüche aufgrund eines Sturzes oder Schlags auf den Kopf
  • entzündliche oder degenerative Nervenerkrankungen

Desweiteren können zentralnervöse Störungen der Schmeckbahn eine Dysgeusie verursachen. Hierzu gehören beispielsweise:

Geschmacksstörung nach Corona

Riech- und Schmeckstörungen nach einer Corona-Infektion zählen zu den frühesten und spezifischsten Symptomen. Anders als beispielsweise bei einer Grippe ist nicht die verschleimte Nase die Ursache für die veränderte oder fehlende Geruchs- und Geschmackswahrnehmung, sondern vermutlich durch das SARS-CoV-2-Virus abgetötete Nervenzellen des Geruchssystems. Wie es genau zur Geruchs- und Geschmacksstörung durch Corona kommt, muss noch erforscht werden. Auch ist noch unklar, ob die Geschmacksstörung aufgrund des fehlenden Geruchssinns oder auf eine tatsächliche Schmeckstörung zurückzuführen ist.

In der Regel bilden sich Geruchs- und Geschmackssinn wieder vollständig aus, dies kann aber einige Zeit dauern. Zum Test und auch als Riechtraining können identische Dosen mit verschiedenen Geruchsträgern befüllt werden. Diese müssen sich gut unterscheiden. Möglich sind zum Beispiel Minze, Nelken, Zitrone und duftende kosmetische Produkte wie Haarshampoo. Nach und nach kann das Training mit dezenteren Düften erweitert werden. Abwechselnd soll nun an den Dosen gerochen und der Inhalt identifiziert werden.

Geschmacksstörung: Diagnose

Im Rahmen der Diagnose versucht der*die Arzt*Ärztin herauszufinden, welche Art der Geschmacksstörung vorliegt. Dazu werden der*dem Betroffenen unterschiedliche Fragen gestellt, etwa:

  • Schmecken Sie überhaupt nichts mehr?
  • Können Sie nur einen einzelnen Geschmacksstoff nicht schmecken?
  • Nehmen Sie Geschmacksreize besonders stark oder schwach wahr?
  • Bemerken Sie neben der Geschmacksstörung weitere Auffälligkeiten, z.B. Geruchsstörungen?
  • Nehmen Sie Medikamente ein?

Wichtig für die Diagnose ist auch, ob in der Vorgeschichte Kopfverletzungen, Krankheiten oder Operationen im Bereich von Hals, Nase, Ohren oder der Zähne vorkamen. Anschließend werden Mundraum, die Nase und der Rachen gründlich untersucht. Außerdem ist zu kontrollieren, ob die Mundschleimhaut ausreichend feucht ist.

Verschiedene Arten von Geschmackstests ermöglichen eine genaue Diagnose der Dysgeusie. Dabei werden folgende Fragen überprüft:

  • In welcher Konzentration nehmen Sie einen Geschmacksstoff gerade eben noch wahr?
  • Wie intensiv nehmen Sie eine bestimmte Geschmacksprobe wahr?
  • Erkennen Sie eine spezielle Geschmacksprobe?

    Andere Verfahren beruhen darauf, elektrische Signale aus den Hirnströmen abzuleiten, die nach einem Geschmacksreiz entstehen.

Je nach vermuteter Ursache können weitere Untersuchungen die Diagnose unterstützen, wie beispielsweise:

Wichtig für die Diagnose und die anschließende Therapie ist zudem, welche Form der Geschmacksstörung vorliegt:

Als qualitative Geschmacksstörung wird jegliche Form von verändertem Geschmacksempfinden bezeichnet, wenn also sauer beispielsweise als süß empfunden wird:

  • Mit Parageusie nimmt man Geschmacksreize anders wahr als mit normalem Geschmacksempfinden.
    • Eine Form der Parageusie ist z.B. die Kakogeusie: Wer unter dieser Geschmacksstörung leidet, empfindet alle Geschmacksreize als unangenehm bzw. übelschmeckend.
  • Phantogeusie: Menschen mit dieser Dysgeusie schmecken etwas, obwohl kein Geschmacksreiz vorhanden ist.

Bei einer quantitativen Geschmacksstörung ist die Stärke des Geschmacks verändert (stärker oder schwächerer Geschmack), die Geschmacksrichtung wird aber weiterhin normal empfunden (sauer bleibt sauer, süß bleibt süß, ...). Zu den quantitativen Formen der Dysgeusie gehören:

  • Hypergeusie: Betroffene empfinden jeden Geschmack als besonders intensiv. Sie reagieren überempfindlich auf Geschmacksreize.
  • Hypogeusie: Menschen mit dieser Geschmacksstörung nehmen Geschmacksreize weniger stark wahr.
  • Ageusie: Die Betroffenen können nichts mehr schmecken. Sie reagieren nicht auf Geschmacksreize.
    • komplette Ageusie: Menschen mit dieser Art der Dysgeusie nehmen keinerlei Geschmacksreize mehr wahr.
    • funktionelle Ageusie: Der Geschmackssinn der Betroffenen ist erheblich eingeschränkt.
    • partielle Ageusie: Menschen mit dieser Geschmacksstörung können einen bestimmten Geschmacksstoff nicht wahrnehmen. Auf andere Geschmacksreize reagieren sie dagegen normal.

Geschmacksstörung: Therapie

Die Therapie einer Geschmacksstörung richtet sich nach der jeweiligen Ursache – aber nicht alle Formen der Dysgeusie können behandelt werden. So gibt es etwa kaum Möglichkeiten, die häufig auftretenden qualitativen Geschmacksstörungen zu behandeln. Diese bilden sich aber in den meisten Fällen nach weniger als einem Jahr von alleine wieder zurück.

In einigen Fällen qualitativer Geschmacksstörungen konnte eine Behandlung mit Alpha-Liponsäure oder Zink beziehungsweise Zinkglukonat helfen. In besonders starken Fällen von Geschmacksstörungen mit hohem Leidensdruck kann ein lokales Betäubungsmittel wie Lidocain eingesetzt werden.

Wenn Nebenwirkungen von Medikamenten Ursache einer Dysgeusie sind, ist die Therapie oft einfacher. In diesen Fällen legen die Beschwerden sich in den meisten Fällen kurze Zeit nach dem Absetzen der entsprechenden Wirkstoffe.

Achtung: Setzen Sie Medikamente nicht ohne Absprache mit dem*der behandelnden Arzt*Ärztin ab. Reduzieren Sie auch die Dosierung nicht in Eigenregie.

Entwickelt sich eine Geschmacksstörung im Laufe einer Entzündung der Mundschleimhaut, können Antibiotika Abhilfe schaffen.