Penicillamin

Allgemeines

Der Wirkstoff hat verschiedene Einsatzgebiete:
  • Chronisches Gelenkrheuma (chronische Polyarthritis rheumatica)
  • die sogenannte Kupferspeicherkrankheit "Morbus Wilson"
  • Vergiftungen mit den Schwermetallen Blei, Quecksilber, Kupfer und Zink
  • Harnsteine aus Cystin, die durch ein Überschuss an dieser Aminosäure im Urin entstehen. Allerdings verordnet der Arzt Penicillamin erst, wenn sich trotz anderer Maßnahmen wieder Nierensteine bilden sowie bei fortgeschrittenem Cystinsteinleiden und dadurch bedingten besonderen Risiken (beispielsweise nach einer Nierenentfernung).
Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Penicillamin auch gegen die Hautverhärtung (Sklerodermie) wirksam ist.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Schwermetalle binden und zur Ausscheidung bringen
  • Aminosäure Cystin spalten
  • Nierensteine aus Cystin abschmelzen
  • Gelenkrheuma lindern

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Penicillamin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Penicillamin nicht verwendet werden?

Penicillamin darf nicht angewendet werden bei
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Allergie gegen Penicillin
  • Nierenschädigungen
  • Knochenmarkschäden
  • der Autoimmunkrankheit systemischer Lupus erythematodes oder Anzeichen dafür im Labortest
  • Schäden des Lebergewebes
  • gleichzeitiger Rheuma-Therapie mit Goldpräparaten oder Chloroquin (gegen Malaria).
Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Penicillamin angewendet werden bei Patienten mit einer Neigung zu allergischen Reaktionen (Heuschnupfen, Ekzeme, Nesselfieber, Asthma-Anfälle).

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Gebärfähige Frauen müssen während der Behandlung mit Penicillamin eine wirksame Schwangerschaftsverhütung einhalten. Schwangere mit Gelenkrheuma dürfen den Wirkstoff nicht verabreicht bekommen. Schwangere mit anderen Erkrankungen sollten nur mit Penicillamin behandelt werden, wenn keine andere Therapie zur Verfügung steht, die mit geringeren Risiken einhergeht.

Während der Behandlung mit Penicillamin sollten Mütter nicht stillen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Auch Kinder und Jugendliche können bei den genannten Anwendungsgebieten mit Penicillamin behandelt werden. Allerdings wird der Arzt die Dosierung nach Körpergewicht vornehmen.

Welche Nebenwirkungen kann Penicillamin haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Penicillamin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
meist harmlose und nach Dosisverminderung oder Therapie-Ende vorübergehende Geschmacksstörungen, Magenunverträglichkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit.

Häufige Nebenwirkungen:
Knochenmarkschädigungen (Mangel an weißen Blutkörperchen und Blutplättchen, Blutarmut mit der Gefahr des völligen Fehlens von Granulozyten oder einer Entgleisung des Blutbildes), Hauterscheinungen überwiegend allergischer Natur (verschiedene Ausschläge, Hautrötung, Nesselsucht, Papeln und blutunterlaufene Hautschäden, gelegentlich mit Fieber), Brechreiz, Schleimhautveränderungen im Mund und an der Zunge, Eiweiß im Urin, Blut im Urin.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Muskelschäden (überwiegend an den Augen), Schäden an der körpereigenen Abwehr, Magen- und Darmblutungen.

Sehr seltene Nebenwirkungen:
tödliche Knochenmarksveränderung (bei Nichtbeachtung der ersten Anzeichen), Autoimmunerkrankung (systemischer Lupus erythematodes), Gallenstau in der Leber, verstärkte Bildung von Antikörpern gegen Insulin, Entzündung des Sehnervs, Nervenbeschwerden bei Morbus Wilson-Patienten (zum Teil bleibend), vorübergehend Flüssigkeit in der Lunge, Lungenveränderungen, Neuauftreten einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (Colitis ulcerosa), Überbehaarung, Haarausfall, Gelbfärbung der Nägel, schwerwiegende Hautschäden, Muskelschäden Muskel- und Hautschäden, Nierenschäden, Vergrößerung der Brustdrüse (nach länger dauernder Anwendung).

Besonderheiten:
Der Wirkstoff kann die Untersuchung auf Ketonkörper (Nitroprussid-Test) falsch positiv ausfallen lassen. Dieser Test kommt bei Zuckerkranken zur Anwendung.

Vor Operationen rät der Arzt dem Patienten in der Regel dazu, die Therapie mit Penicillamin vorübergehend auszusetzen. Alternativ kann er ihm raten, die Dosis sechs Wochen vor dem chirurgischen Eingriff und bis zum Abschluss der Wundheilung zu vermindern. Sonst kann Penicillamin möglicherweise die Wundheilung beeinträchtigen.

Vor Beginn der Behandlung überprüft der Arzt das Blutbild, den Urin, die Nieren- und Leberwerte und die Nervenfunktion des Patienten, um auszuschließen, dass die Behandlung mit Penicillamin besondere Risiken für ihn birgt. Diese Kontrolle muss während der Behandlung in regelmäßigen Abständen von anfänglich einer bis zwei Wochen, vom dritten Behandlungsmonat an in Abständen von maximal vier Wochen erfolgen.

Nur in Einzelfällen wirkt sich Penicillamin deutlich auf den Blutzuckerspiegel aus.

Bei deutlicher Verschlechterung der Leber- oder Nierenwerte, des Blutbildes, bei starken Hauterscheinungen oder dem Auftreten einer Augenmuskellähmung wird der Arzt die Behandlung mit Penicillamin abbrechen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Penicillamin?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Das nicht-steroidale Antirheumatikum Indometacin kann zu erhöhten Penicillamin-Konzentrationen im Blut und somit mehr Nebenwirkungen führen.

Wenn der Patient das Immunologikum Azathioprin einnimmt, wird er Penicillamin schlechter vertragen.

Wenn der Patient eisenhaltige Präparate einnimmt, sollte er dies mindestens zwei Stunden vor (oder nach) Einnahme von Penicillamin tun. Die gleichzeitige Einnahme führt dazu, dass der Körper bis zu 70 Prozent weniger Penicillamin aufnimmt. Dies gilt auch für Antazida, die Magnesium oder Aluminiumverbindungen enthalten und Sucralfat (gegen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen).

Nach länger dauernder Therapie mit Penicillamin kann ein Mangel an Vitamin B6 auftreten. Dann kann es erforderlich sein, dass der Patient täglich 80 bis 160 Milligramm Vitamin B4 täglich einnehmen muss.

Wenn der Patient zuvor mit goldhaltigen Rheumamitteln behandelt wurde, besteht für ihn ein erhöhtes Risiko, dass eine Knochenmarkschädigung durch die Behandlung mit Penicillamin.

Eine gleichzeitige Therapie mit Krebsmitteln (Zytostatika) sowie den nicht-steroidalen Antirheumatika Phenylbutazon oder Oxyphenbutazon erhöht das Risiko für das Auftreten einer Knochenmark- und Nierenschädigung.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Eisen-Präparate, Antazida sowie Sucralfat dürfen nur in ausreichend großem zeitlichen Abstand von dem Medikament eingenommen werden.
  • Vor einer Operation muss das Medikament in der Dosis stark verringert oder die Einnahme ganz beendet werden.
  • Vor Beginn der Behandlung und regelmäßig währenddessen sollte der Patient seine Leber- und Nierenwerte, die Nervenfunktion und sein Blutbild vom Arzt kontrollieren lassen.
  • Bei deutlicher Verschlechterung der Leber- oder Nierenwerte, des Blutbildes, bei starken Hauterscheinungen oder dem Auftreten einer Augenmuskellähmung wird der Arzt die Behandlung abbrechen.
  • Während der Behandlung muss eine Schwangerschaft wirksam verhütet werden.
  • Das Medikament kann die Untersuchung auf Ketonkörper (Nitroprussid-Test bei Diabetikern) falsch positiv ausfallen lassen.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Penicillamin?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Penicillamin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Penicillamin

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Penicillamin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen , zu welcher der Wirkstoff Penicillamin gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Penicillamin

Der Wirkstoff hat verschiedene Einsatzgebiete:
  • Chronisches Gelenkrheuma (chronische Polyarthritis rheumatica)
  • die sogenannte Kupferspeicherkrankheit "Morbus Wilson"
  • Vergiftungen mit den Schwermetallen Blei, Quecksilber, Kupfer und Zink
  • Harnsteine aus Cystin, die durch ein Überschuss an dieser Aminosäure im Urin entstehen. Allerdings verordnet der Arzt Penicillamin erst, wenn sich trotz anderer Maßnahmen wieder Nierensteine bilden sowie bei fortgeschrittenem Cystinsteinleiden und dadurch bedingten besonderen Risiken (beispielsweise nach einer Nierenentfernung).
Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Penicillamin auch gegen die Hautverhärtung (Sklerodermie) wirksam ist.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Penicillamin sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Penicillamin

Penicillamin gehört zur Wirkstoffgruppe der sogenannten Komplex- oder Chelatbildner (von griechisch: Chele = die Krebsschere). Die Penicillamin-Moleküle haben bestimmte Bestandteile, mit denen sie die Schwermetalle Blei, Quecksilber, Kupfer und Zink binden können. So entstehen stabile Komplexe, die sich im Körper nicht mehr lösen. Sie werden mit dem Urin ausgeschieden. So lassen sich mit Penicillamin Vergiftungen sowie krankhafte Anreicherungen von Kupfer (Kupferspeicherkrankheit; Morbus Wilson) verhindern.

Der Bildung von Cystinsteinen wirkt Penicillamin auf andere Weise entgegen: Es spaltet die Cystin-Moleküle, sodass sich die Cystin-Steine in der Niere und den Harnwegen auflösen.

Penicillamin kann bei Langzeitbehandlung von Gelenkrheuma den Krankheitsverlauf bis hin zu einer Heilung verändern. Die Art der Wirkung ist nicht hinreichend geklärt. Die Wirkung erfolgt möglicherweise über eine Schwächung der körpereigenen Abwehr, da der Wirkstoff die Zahl gewisser Fresszellen (T-Lymphozyten) im Gelenkgewebe vermindert. Dadurch klingen die Entzündungen in den Gelenken ab.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.