Chloroquin

Allgemeines

Chloroquin wird hauptsächlich zur vorbeugenden Behandlung und Therapie von Malaria eingesetzt.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Vermehrung der Malariaerreger in den roten Blutkörperchen hemmen
  • Entzündungen bei rheumatischen Erkrankungen hemmen
  • Lupus erythematodes behandeln.

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Chloroquin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Chloroquin nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen Chloroquin oder andere 4-Aminochinoline darf der Wirkstoff nicht eingesetzt werden. Auch bei folgenden Erkrankungen ist die Behandlung mit Chloroquin nicht erlaubt:
  • entzündlichen Erkrankungen der Netzhaut (Retinopathie) und Gesichtsfeldeinschränkungen
  • Erkrankungen des blutbildenden Systems (Knochenmark)
  • Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel und daraus folgenden bestimmten Formen der Blutarmut wie hämolytischer Anämie
  • Muskelerkrankungen wie Myasthenia gravis.
Chloroquin darf außerdem nicht mit MAO-Hemmern oder für die Leber giftigen Wirkstoffen kombiniert werden.

Die Anwendung von Chloroquin während der Schwangerschaft ist prinzipiell nicht gestattet. Da Malaria aber auch das ungeborene Kind schädigt, muss der behandelnde Arzt nach Abwägen von Nuzten und Risiko entscheiden, ob eine Behandlung mit dem Wirkstoff gerechtfertigt ist. Wenn das Leben der Mutter bedroht ist, sollte Chloroquin in jedem Fall verabreicht werden. In der Stillzeit darf Chloroquin nicht angewendet werden. Vor Beginn einer Behandlung muss daher abgestillt werden.

Nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko durch den behandelnden Arzt darf Chloroquin angewendet werden bei
  • Schuppenflechte
  • bestimmten Stoffwechselerkrankungen, die mit dem Auf- und Abbau von Hämoglobin verbunden sind (Porphyrie)
  • Epilepsie
  • schweren Funktionsstörungen von Leber und Niere.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Chloroquin gelangt über die Plazenta in den Embryo und kann ihn schädigen. Aus diesem Grund sollte der Wirkstoff während der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn das Leben der Mutter gefährdet ist. Ansonsten sollte vor Beginn der Behandlung eine Schwangerschaft unbedingt ausgeschlossen werden. Während der Therapie und bis zu drei Monate nach Beendigung müssen Maßnahmen zur Schwangerschaftsverhütung ergriffen werden.

Der Wirkstoff kann über die Muttermilch in den Säugling gelangen. Um Schädigungen des Kindes zu vermeiden, muss vor einer Anwendung unbedingt abgestillt werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Chloroquin kann zur Behandlung von Malaria bei Kindern angewendet werden. Jedoch ist von einer Langzeitvorbeugung mit dem Wirkstoff abzusehen.

Welche Nebenwirkungen kann Chloroquin haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Chloroquin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Häufige Nebenwirkungen:
Magen-Darm-Beschwerden, Appetitlosigkeit, Magenschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Gewichtsverlust.

Gelegentlich auftretende Nebenwirkungen:
Augenerkrankungen (Hornhauttrübungen, entzündliche Netzhautveränderungen, Retinopathien, Gesichtsfeldausfall, Sehkraftverlust, Farbensehenbeeinträchtigung, Gesichtsfeldverdunklung, Flimmerlinie), Schlafstörungen, Nervosität, Benommenheit, Verwirrtheitszustände, Schläfrigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Missempfindungen (wie Taubheitsgefühl, Brennen, Kribbeln), Herz-Kreislaufstörungen, Herzleitungsstörungen, niedriger Blutdruck.

Seltene Nebenwirkungen:
Hautausschlag, Juckreiz, Lichtempfindlichkeit, Haarausfall, Pigmentstörungen (Ausbleichen oder Ergrauen der Haare, dunkle Verfärbung der Haut in der Sonne), Mundschleimhautverfärbung, Blasenbildung, Porphyrie, Schuppenflechte (Verschlechterung), Muskelkontraktionsverminderung (Skelettmuskulatur), Muskelschmerzen, Nervenschmerzen, Muskelermüdung (krankhaft, Myasthenie), Leberfunktionsstörungen.

Sehr seltene oder vereinzelt auftretende Nebenwirkungen:
Schwerer Hautausschlag, Blutzellenverminderung (Panzytopenie), Verringerung der Granulozyten (Agranulozytose), Blutplättchenverminderung (Thrombozytopenie), Leukozytenanstieg (Eosinophilie),
Blutfarbstoffschädigung (Methämoglobinämie), Ohrgeräusche (Tinnitus), Hörschäden, Psychosen, Epilepsie, Überempfindlichkeitsreaktionen (Fieber, Hautentzündung, Bauchschmerzen, Durchfall, Husten).

Besonderheiten:
Durch Einlagerung von Chloroquin in die Hornhaut (vorübergehend) und Netzhaut (häufig dauerhaft) kann es zu schweren Augenschädigungen kommen. Dies ist vor allem bei einer Langzeittherapie mit dem Wirkstoff oder unter starker Sonneneinstrahlung der Fall.

Nach langfristiger Anwendung können bei zu hoher Dosierung oder Überdosierung sehr selten Veränderungen im EKG auftreten, die durch Überleitungsstörungen im Herzen bedingt sind. Außerdem kann eine bereits eingeschränkte Nierenfunktion weiter verschlechtert werden.

Welche Wechselwirkungen zeigt Chloroquin?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Chloroquin darf nicht zusammen mit den folgenden Wirkstoffen angewendet werden, da es sonst zu einem Anstieg der Nebenwirkungen des Malariamittels kommen kann:Nur nach ärztlicher Rücksprache und unter ständiger Kontrolle darf Chloroquin mit nachfolgenden Wirkstoffen angewendet werden. Dazu gehören:
  • Phenylbutazon, ein Mittel gegen Rheuma (Gefahr einer bestimmten Hautentzündung, der exfoliativen Dermatitis, wird erhöht)
  • das Gichtmittel Probenecid (Gefahr von Überempfindlichkeitsreaktionen erhöht sich)
  • die Mittel gegen Malaria Pyrimethamin und Sulfadoxin (Risiko von Hautreaktionen steigt)
  • Bupropion zur Raucherentwöhnung und das Mittel gegen Malaria Mefloquin (Risiko für Krampfanfälle und Epilepsien wird erhöht)
  • Glukokortikoide (Skelett- und Herzmuskelerkrankungen werden verstärkt)
  • das Antibiotikum Metronidazol (verursacht Bewegungsstörungen)
  • Penicillamin, ein Mittel gegen Rheuma (Risiko von schweren Blutbildveränderungen steigt).
Bestimmte Wirkstoffe beeinflussen die Wirkung von Chloroquin beziehungsweise werden durch Chloroquin in ihrer Wirkung beeinflusst. Dazu gehören:
  • säurebindende Mittel (vermindern die Aufnahme von Chloroquin)
  • Cimetidin, ein Magensäurehemmer aus der Gruppe der H2-Rezeptorenblocker (vermindert die Ausscheidung von Chloroquin)
  • das Antibiotikum Ampicillin (wird in seiner Aufnahme blockiert)
  • Digoxin (die Blutkonzentration des Herzglykosids wird bei langfristiger Gabe von Chloroquin erhöht)
  • Praziquantel (das Mittel gegen Wurmerkrankungen wird in seiner Blutkonzentration verringert)
  • Tollwutimpfstoffe (Immunantwort kann herabgesetzt werden)
  • die Cholinesterase-Hemmstoffe Neostigmin und Pyridostigminbromid (werden in ihrer Wirkung beeinträchtigt).

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Bei den ersten Anzeichen einer entzündlichen Netzhauterkrankung mit Ausfall des Rotsehens (Retinopathie) muss die Behandlung sofort abgebrochen werden.
  • Zu Behandlungsbeginn muss eine Blutbildkontrolle durchgeführt werden, die alle zwei Monaten wiederholt werden muss.
  • Bei Epilepsie muss die Behandlung mit dem Wirkstoff ständig ärztlich überwacht werden.
  • Insbesondere bei einer langfristigen Anwendung sind regelmäßige augenärztliche Kontrollen erforderlich.
  • Aufgrund von Schwindel, Kopfschmerz, Schläfrigkeit und Verwirrtheitszuständen ist die aktive Teilnahme am Straßenverkehr nur eingeschränkt möglich.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Chloroquin?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Chloroquin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform
Injektionslösung

So wirkt Chloroquin

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Chloroquin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Mittel gegen Malaria, zu welcher der Wirkstoff Chloroquin gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Chloroquin

Chloroquin wird hauptsächlich zur vorbeugenden Behandlung und Therapie von Malaria eingesetzt.

In geringeren Dosierungen kann der Wirkstoff auch bei bestimmten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen angewendet werden. Hierzu zählt vor allem die chronische Polyarthritis (einschließlich der juvenilen chronischen Arthritis).

Schließlich eignet sich Chloroquin auch zur Behandlung der Autoimmunerkrankung Schmetterlingsflechte (Lupus erythematodes) oder zur Behandlung von bestimmten durch Parasiten ausgelösten Durchfallerkrankungen.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Chloroquin sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Chloroquin

Chloroquin gehört zu den Mitteln gegen Malaria und ist gegen die Malaria-Erreger Plasmodium vivax und Plasmodium falciparum gleichermaßen einsetzbar. Der Wirkstoff hemmt ein bestimmtes Eiweiß, die sogenannte Hämpolymerase, in den roten Blutkörperchen. Es ist lebensnotwendig für die Ernährung der Erreger, steht das Eiweiß nicht mehr zur Verfügung, sterben sie ab.

Zusätzlich besitzt Chloroquin entzündungshemmende Eigenschaften, die bei der Behandlung chronischer Gelenksentzündungen oder der Autoimmunkrankheit Lupus erythematodes ausgenutzt werden.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.