Teriflunomid

Allgemeines

Teriflunomid dient der Behandlung erwachsener Patienten mit schubförmig-wiederkehrender Multipler Sklerose (MS). Die Behandlung darf nur von einem Arzt begonnen und überwacht werden, der Erfahrung in der Behandlung der Multiplen Sklerose hat.

Welchem Zweck dient dieser Wirkstoff?

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Teriflunomid im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Teriflunomid nicht verwendet werden?

Teriflunomid darf nicht angewendet werden bei
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Patienten mit schwerer Beeinträchtigung der Leberfunktion (Child Pugh Stadium C)
  • Patienten mit schwer beeinträchtigter körpereigener Abwehr, beispielsweise durch AIDS
  • deutlich beeinträchtigter Knochenmarkfunktion oder schweren Blutbildveränderungen wie Blutarmut, Mangel an weißen oder neutrophilen Blutkörperchen oder Blutplättchen
  • schweren aktiven oder chronischen Infektionen, bis diese sich zurückgebildet haben
  • Patienten mit schweren Nierenfunktionsstörungen, die Blutwäschen benötigen, da die Erfahrung bei dieser Patientengruppe unzureichend ist
  • schwerem Eiweißmangel im Blut, wie er im Rahmen der Niererkrankung nephrotisches Syndrom vorkommt.
Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Teriflunomid eingesetzt werden bei
  • Patienten mit vorbestehender Lebererkrankung, weil bei diesen die Leberwerte schnell entgleisen können
  • Patienten, die bedeutende Mengen an Alkohol trinken, weil dieser zusätzlich leberschädigend wirkt
  • Bluthochdruck, weil dieser durch die Behandlung noch steigen kann
  • Blutbildveränderungen, weil sich diese verstärken können.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Teriflunomid kann schwerwiegende Schädigungen des Ungeborenen verursachen, wenn es während der Schwangerschaft angewendet wird. Daher darf der Wirkstoff in dieser Zeit nicht eingesetzt werden.

Frauen im gebärfähigen Alter müssen während und nach der Behandlung mit Teriflunomid eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden - so lange, bis die Blutkonzentration von Teriflunomid unter 0,02 Milligramm/Liter liegt. Das kann durchschnittlich acht Monate und bei einigen Patienten bis zu zwei Jahre dauern, wenn kein Verfahren zur beschleunigten Entgiftung angewendet wird. Daher sollte auf jeden Fall die Blutkonzentration von Teriflunomid gemessen werden, bevor eine Frau versucht, schwanger zu werden. Sprechen Sie mit Ihrem Frauenarzt, wenn Sie planen, die Verhütungsmethode abzusetzen oder zu wechseln.

Tierstudien haben gezeigt, dass Teriflunomid in die Muttermilch übergeht. Stillende Frauen dürfen Teriflunomid daher nicht verwenden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Teriflunomid bei Kindern im Alter von zehn bis 18 Jahren ist bisher noch nicht erwiesen. Das liegt vor allem daran, dass die Krankheit meist später ausbricht. So wurden keine Studien mit der genannten Altersgruppe durchgefhrt.

Welche Nebenwirkungen kann Teriflunomid haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Teriflunomid. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Grippe, Infektion der oberen Atemwege, Harnwegsinfektion, nervliche Missempfindung, Durchfall, Übelkeit, Haarausfall, erhöhter Leberwert (ALAT).

Häufige Nebenwirkungen
Bronchitis, Nasennebenhöhlenentzündung, Rachenentzündung, Blasenentzündung, Magen-Darm-Entzündung durch Viren, Lippenherpes, Zahninfektion, Kehlkopfentzündung, Fußpilz, Mangel an Neutrophilen Blutkörperchen, verminderte Zahl weißer Blutkörperchen, leichte allergische Reaktionen, Angst, Hexenschuss, Sehnenentzündung an der Hand (Karpaltunnelsyndrom), Überempfindsamkeit, Nervenschmerzen, Nervenerkrankung in Armen oder Beinen, Bluthochdruck, Erbrechen, Zahnschmerzen, Ausschlag, Akne, Muskelschmerzen, Knochenschmerzen, häufiges Wasserlassen, zu starke und zu lange andauernde Regelblutung, Schmerz, erhöhte Leberwerte (Gamma-GT, ASAT), Gewichtsabnahme, vermehrte Schmerzen nach Operationen oder Verletzungen.

Gelegentliche Nebenwirkungen
Blutarmut, leichter Blutplättchenmangel.

Sehr seltene Nebenwirkungen
Lungenerkrankung (interstitielle Pneumonie), Bauchspeicheldrüsenentzündung.

Besonderheiten:
Vor Beginn der Behandlung mit Teriflunomid wird der Arzt den Blutdruck und die Leberwerte messen sowie ein großes Blutbild anfertigen. Diese Werte müssen auch während der Behandlung dauernd überwacht werden.

Patienten, die Teriflunomid erhalten, müssen Symptome von Infektionen sofort ihrem Arzt mitteilen.

Bei Lungenbeschwerden, wie etwa anhaltender Husten und Atemnot, sollte die Therapie abgebrochen und weitere entsprechende Untersuchungen unternommen werden.

Bei schweren Blutbildveränderungen wird der Arzt die Behandlung mit Teriflunomid sofort abbrechen.

Kommt es zu einer Mundschleimhautentzündung mit Geschwulsten, sollte die Anwendung von Teriflunomid abgebrochen werden. Gleiches gilt, wenn Reaktionen der Haut und/oder Schleimhaut beobachtet werden, die den Verdacht auf schwere Hautreaktionen wie das Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse oder Lyell-Syndrom begründen. Der Arzt wird dann unverzüglich das Verfahren zur beschleunigten Entgiftung beginnen. In diesen Fällen darf der Patienten Teriflunomid nicht erneut anwenden.

Zeigen sich Anzeichen einer Nervenstörung wie vermindertes Tastempfinden oder Nervenschmerzen, muss die Therapie ebenfalls beendet und das Verfahren zur beschleunigten Entgiftung erfolgen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Teriflunomid?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Das Tuberkulose-Mittel Rifampicin beschleunigt den Abbau von Teriflunomid so stark, dass seine Blutkonzentration um 40% verringert und die Wirkung damit sehr abgeschwächt wird. Die Antiepileptika Carbamazepin, Phenobarbital und Phenytoin sowie Johanniskraut (gegen Depressionen) haben einen ähnlichen Effekt und sollten während der Behandlung mit Teriflunomid nur mit Vorsicht angewendet werden.

Aktivkohle, aber auch der Blutfettsenker Cholestyramin binden Teriflunomid und schleusen es rasch aus dem Körper. Die Wirkung von Teriflunomid nimmt dadurch schnell ab, sodass Patienten, die den Wirkstoff erhalten, nicht mit diesen Substanzen behandelt werden sollten.

Auch Teriflunomid selbst beeinflusst die Wirkung anderer Wirkstoffe. So führen wiederholte Gaben von Teriflunomid bei den Antidiabetika Nateglinid, Repaglinid, Pioglitazon und Rosiglitazon zum Anstieg der Blutkonzentration, wodurch es zu einer Unterzuckerung kommen kann. Eine Wirkungssteigerung der Zytostatika Daunorubicin, Doxorubicin und Paclitaxel, verursacht mehr Nebenwirkungen. Möglicherweise steigert Teriflunomid auch die Wirksamkeit und damit die Nebenwirkungen der Antibiotika Benzylpenicillin, Cefaclor und Ciprofloxacin, der Entzündungshemmer Indomethacin, Ketoprofen und Sulfasalazin, des Entwässerungsmittels Furosemid, des Magenmittels Cimetidin, von Methotrexat (Rheumamittel) oder dem Virenhemmer Zidovudin. Gleiches gilt für die Kombination des Wirkstoffs mit den Cholesterinsenkern Atorvastatin, Pravastatin, Rosuvastatin und Simvastatin, für das Immunologikum Topotecan und das Tuberkulose-Mittel Rifampicin.

Auch die Blutkonzentration an Ethinyestradiol + Levonorgestrel, Bestandteilen der "Pille", kann steigen. Möglicherweise wird daher der Arzt das Verhütungspräparat während der Behandlung mit Teriflunomid wechseln.

In Gegenwart von Teriflunomid werden Wirkstoffe wie Koffein, das Psychopharmakon Duloxetin, Alosetron (gegen starke Durchfälle), das Antiasthmatikum Theophyllin und das Muskelrelaxans Tizanidin in ihrer Wirksamkeit abgeschwächt.

Weil Teriflunomid mit dem Blutverdünner Warfarin in Wechselwirkung treten könnte, wird der Arzt die Blutgerinnung bei Kombination beider sorgfältig überwachen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Vor Beginn der Behandlung mit dem Medikament werden der Blutdruck und die Leberwerte gemessen sowie ein großes Blutbild angefertigt. Diese Werten müssen auch während der Behandlung dauernd überwacht werden. Patienten, die Teriflunomid erhalten, müssen Symptome von Infektionen sofort ihrem Arzt mitteilen. Bei Lungenbeschwerden, wie etwa anhaltender Husten und Atemnot, sollte die Therapie abgebrochen und weitere entsprechende Untersuchungen unternommen werden. Bei schweren Blutbildveränderungen wrid der Arzt die Behandlung mit Teriflunomid sofort abbrechen. Kommt es zu einer Mundschleimhautentzündung mit Geschwulsten, sollte die Anwendung von Teriflunomid abgebrochen werden.
  • Anzeichen von Infektionen sollten sofort einem Arzt mitgeteilt werden.
  • Kommt es zu einer Mundschleimhautentzündung mit Geschwulsten, sollte die Anwendung des Medikaments abgebrochen werden.
  • Bei schweren Blutbildveränderungen wird der Arzt die Behandlung sofort abbrechen.
  • Lungenbeschwerden wie etwa anhaltender Husten und Atemnot müssen dem Arzt gemeldet werden - dann wird die Therapie möglicherweise abgebrochen.
  • Kommt es zu Schwindelgefühl, kann die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit so weit eingeschränkt sein, dass Autofahren und das Bedienen von Maschinen gefährlich sind..

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Teriflunomid?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Teriflunomid enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Teriflunomid

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Teriflunomid. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Mittel bei Nervenschäden, zu welcher der Wirkstoff Teriflunomid gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Teriflunomid

Teriflunomid dient der Behandlung erwachsener Patienten mit schubförmig-wiederkehrender Multipler Sklerose (MS). Die Behandlung darf nur von einem Arzt begonnen und überwacht werden, der Erfahrung in der Behandlung der Multiplen Sklerose hat.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Teriflunomid sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Teriflunomid

Die meisten Nerven bestehen aus Nervenfasern, die wie ein Elektrokabel von einer schützenden und isolierenden Hülle aus dem Eiweiß Myelin umhüllt sind. Diese Hülle weist in regelmäßigen Abständen Unterbrechungen auf, sodass Nervenreize nicht an den Fasern fortlaufen, sondern von einer "blanken" Stelle zur anderen springen, was die Reizübertragung wesentlich beschleunigt.

Bei der Multiplen Sklerose (MS), auch als Encephalomyelitis disseminata (ED) bezeichnet, wird die Hülle der Nervenfasern im Gehirn und Rückenmark abgebaut. Es finden sich dort dann verstreut vielfache (multiple) Entmarkungsstellen. Ursache sind chronisch-entzündliche Vorgänge, die noch nicht endgültig aufgeklärt sind. Man vermutet, dass sie auf einem Angriff körpereigener Abwehrzellen auf die Myelinschicht der Nerven beruhen. Neben der Epilepsie ist MS eine der häufigsten Nervenerkrankungen bei jungen Erwachsenen.

Teriflunomid ist ein Wirkstoff, der die körpereigene Abwehr unterdrückt und dadurch entzündungshemmende Eigenschaften hat. Teriflunomid hemmt vorübergehend das Enzym Dihydroorotat-Dehydrogenase (DHO-DH), das sich in den Mitochondrien, den "Kraftwerken" der Körperzellen, befindet. DHO-DH ist für die Herstellung von Pyrimidin erforderlich, einer Stickstoffverbindung, die ein wesentlicher Baustein des Erbgutes ist. Infolgedessen blockiert Teriflunomid die Vermehrung von Zellen, die dafür Pyrimidin benötigen. Der genaue Mechanismus, durch den Teriflunomid seine Wirkung bei der Multiplen Sklerose entfaltet, ist nicht vollständig geklärt. Er könnte aber darauf beruhen, dass die Anzahl an aktivierten weißen Blutkörperchen verringert ist, was entzündliche Vorgänge langsamer ablaufen lässt.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.