Mittel bei Nervenschäden

auch bezeichnet als:
Mittel bei Neuropathie; Neuropathiemittel; Neuropathiepräparate; neurotrope Arzneimittel

Wirkstoffe

Folgende Wirkstoffe sind der Wirkstoffgruppe "Mittel bei Nervenschäden" zugeordnet

Anwendungsgebiete dieser Wirkstoffgruppe

Nervenschäden können entweder durch Verletzungen entstehen, durch die Einwirkung von Stoffen, die giftig für das Nervengewebe sind oder aus unbekannter Ursache. Die Nerven werden dadurch in ihrer Funktion behindert, manchmal sogar komplett zerstört. Während man verletzungsbedingte Nervenschäden und solche mit unbekannter Ursache noch kaum behandeln kann, vermag man vergiftungsbedingte Nervenschäden heute schon in einem gewissen Rahmen positiv zu beeinflussen. Zunächst einmal muss bei Vergiftungen in erster Linie eine Behandlung des Auslösers erfolgen, um Schäden vorzubeugen und ein Fortschreiten der Beschwerden zu verhindern. Zu den auslösenden Faktoren gehören:
  • Diabetes mellitus vom Typ 1 und Diabetes mellitus vom Typ 2
  • Alkoholabhängigkeit
  • Mangel an Vitaminen
  • Vergiftungen mit Arzneimitteln und anderen Stoffen
Im Rahmen der Grunderkrankung Diabetes werden zusätzlich Mittel gegen Nervenschäden angewendet, die speziell die Nervenfunktion verbessern. Ein Vertreter ist die alpha-Liponsäure. Allerdings ist ihre Wirkung umstritten und in den Nationalen Versorgungs-Leitlinien vom November 2011 wird ihr Einsatz zur Behandlung einer schmerzhaften diabetischen Polyneuropathie nicht empfohlen.

Zur Behandlung von Nervenschäden bei Vitaminmangel werden vor allem Vitamin-B-Präparate eingesetzt. Zu diesen Wirkstoffen gehören beispielsweise Vitamin B1, Vitamin B6 und Vitamin B12.

Nervenschäden in Form einer Reizung oder sogar Nervenentzündungen entstehen durch übermäßigen Druck, beispielsweise bei Bandscheibenvorfall und Muskelverspannungen. Hier kommt neben den oben genannten Vitaminpräparaten auch die Wirkstoffkombination Uridin + Cytidin zum Einsatz.

Nervenschäden, wie sie bei der Multiplen Sklerose auftreten, bestehen im Abbau der isolierenden Eiweißschicht, die die meisten Nerven umgibt. Diese sogenannte Myelinscheide ist in regelmäßigen Abschnitten unterbrochen. Dadurch werden Nervenreize "springend" weitergeleitet, was wesentlich schneller efolgt, als es die fortlaufende Weiterleitung wäre. Eine Beseitigung der Myelinschicht stört die Funktion der Nervenbahn und es kommt zu Lähmungen. Man nimmt heute an, dass für die Zerstörung Entzündungsreaktionen veranwortlich sind, deren Ursachen man nicht kennt. Gegen diese Entzündungsreaktionen richtet sich die Behandlung mittels Wirkstoffen wie Glatiramer, Interferon-beta 1a, Azathioprin, Teriflunomid, Mitoxantron, Natalizumab, Fingolimod und in seltenen Fällen Cyclophosphamid.

Wirkung

Mittel gegen Nervenschäden weisen sehr unterschiedliche Wirkmechanismen auf:
  • Alpha-Liponsäure (Thioctsäure) ist eine bei höheren Lebewesen normalerweise im Körper vorkommende und im Energiestoffwechsel der Zellen biologisch aktive Substanz. Früher wurde alpha-Liponsäure zu den Vitaminen gerechnet. Heute zählt sie nicht mehr dazu, da Mangelerscheinungen unbekannt sind. Untersuchungen deuten auf eine günstige Wirkung bei Patienten mit Diabetes mellitus hin. So nehmen beispielsweise die häufig sehr quälenden nervlichen Missempfindungen durch die Behandlung ab. Allerdings ist ihre Wirkung gegen nervenbedingte Schmerzen umstritten und in den Nationalen Versorgungs-Leitlinien vom November 2011 wird ihr Einsatz dagegen nicht empfohlen.
    Alpha-Liponsäure ist Bestandteil dreier Enzyme, die an lebenswichtigen Schlüsselstellen beim Abbau von Zucker eingreifen. So fördert alpha-Liponsäure den Zuckerstoffwechsel, die Energiegewinnung und die Selbstheilungskraft der Nervenzellen. Das macht sich besonders positiv an den reizempfindenden Nervenzellen außerhalb des Gehirns bemerkbar. Außerdem kann alpha-Liponsäure nervenschädliche Radikale abfangen. Damit ergänzt alpha-Liponsäure die Wirkung anderer Radikalfänger wie Vitamin E und Vitamin C.
  • Die "Nervenvitamine" Vitamin B1, Vitamin B6 und Vitamin B12 sind grundlegend an der Erregungsleitung und dem Eiweißstoffwechsel, das heißt dem Wachstum der Nervenfasern beteiligt. Sie aktivieren die Erneuerung geschädigter Nerven und ihrer Funktion.
  • Die Reparatur von Geweben besteht in einer verstärkten Zellteilung und -vermehrung, zu der auch die Erbsubstanz verdoppelt werden muss. Zwei Bausteine der Erbsubstanz DNA, werden von der Wirkstoffkombination Uridin + Cytidin geliefert. Sie stellt also Materialien, die für die Erneuerung der Nervenfasern von entscheidender Bedeutung sind.
  • Die Zerstörung von Nervenzellen oder ihren Bestandteilen durch Entzündungsreaktionen kann durch Wirkstoffe aufgehalten werden, die sich gegen das körpereigene Abwehrsystem wenden. Dazu gehören Glatiramer, Interferon-beta 1a, Azathioprin, Teriflunomid, Mitoxantron, Natalizumab, Fingolimod und auch Cyclophosphamid. Sie Sei es, verhindern die Ausschüttung von Entzündungsfaktoren aus Zellen des Immunsystems oder vernichten Zellen, die direkt am Entzündungsgeschehen beteiligt sind.