Duloxetin

Allgemeines

Duloxetin hat vier Einsatzgebiete:
  • In Dosierungen von 20 bis höchstens 40 Milligramm wird der Wirkstoff bei Frauen zur Behandlung der mittelschweren bis schweren Harninkontinenz vom Belastungs- beziehungsweise Stresstyp eingesetzt. Bei der Belastungsinkontinenz ist der Harnblasenverschluss geschwächt. Eine Druckerhöhung, wie sie beim Niesen, Husten, Lachen oder Tragen von Lasten vorkommt, überfordert den Verschluss und es kommt zum unwillkürlichen Harnabgang. Die Belastungsinkontinenz als eine der häufigsten Urin-Inkontinenz-Formen ist weit häufiger bei Frauen als bei Männern anzutreffen. Schwangerschaft, natürliche Geburten, Bindegewebsschwäche und Alterungsprozesse verursachen das Krankheitsbild.
  • In Dosierungen von 30 bis höchstens 60 Milligramm dient der Wirkstoff zur Behandlung allgemeiner Angststörungen.
  • in Dosierungen von 60 bis höchstens 120 Milligramm behandelt man mit Duloxetin mittelschwere bis schwere Depressionen und
  • Nervenschmerzen im Rahmen einer Zuckerkrankheit (diabetische Polyneuropathie).

    Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

    • Muskelspannung des Blasenschließmuskels erhöhen
    • Verschluss der Harnblase fördern
    • Belastbarkeit des Blasenschließmuskels steigern
    • Angstzustände lösen
    • depressive Verstimmungen aufhellen
    • Schmerzen bei diabetischer Neuropathie stillen

    Gegenanzeigen

    Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Duloxetin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

    Wann darf Duloxetin nicht verwendet werden?

    Duloxetin darf nicht angewendet werden bei
    • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
    • einer Lebererkrankung, die zu einer Einschränkung der Leberfunktion führt
    • schwerer Einschränkung der Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance unter 30 Milliliter/Minute)
    • unkontrolliertem Bluthochdruck.
    Nur nach sorgfältiger Nutzen/Risiko-Einschätzung des Arztes und unter seiner Kontrolle darf Duloxetin verwendet werden bei
    • Patientinnen mit seelischen Störungen wie Übersteigerung (Manie) oder Manie mit Depressionen
    • epileptischen Krampfanfällen
    • erhöhtem Augeninnendruck oder Risiko für ein akutes Engwinkelglaukom (Spezialfall des Grünen Star), weil Duloxetin die Pupille erweitert
    • Bluthochdruck und/oder anderen Herzerkrankungen, weil der Wirkstoff den Blutdruck steigern kann
    • leichter oder mittelschwerer Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance 30 bis 80 Milliliter/Minute)
    • Blutungsneigung, weil sich diese mit Duloxetin verstärken kann
    • höherem Lebensalter, Leberzirrhose oder Austrocknung, weil alle drei Umstände zu einem Natriummangel im Blut führen können, der durch Duloxetin verstärkt wird
    • Depressionen, weil der Wirkstoff zu vermehrten Selbstmordgedanken führen kann.
    • Leberschädigung oder Einnahme anderer Wirkstoffe, die zu Leberschädigung führen können.

    Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

    Duloxetin darf während der Schwangerschaft nur eingenommen werden, wenn der Arzt den möglichen Nutzen und das Risiko für das Ungeborene für vertretbar hält. Setzen Sie also Ihren Arzt unbedingt in Kenntnis, wenn sie schwanger werden oder wenn Sie beabsichtigen, während der Therapie schwanger zu werden. Wie bei anderen Wirkstoffen mit ähnlichem Wirkmechanismus können bei Neugeborenen Entzugsbeschwerden auftreten, wenn die Mutter kurz vor dem Entbindungstermin Duloxetin eingenommen hat. Zu diesen Entzugszeichen können niedriger Blutdruck, Zittern, nervöse Unruhe, Schwierigkeiten beim Füttern, Atemnot und Gehirnkrämpfe gehören. In der Mehrzahl der Fälle traten diese entweder bei der Entbindung oder innerhalb weniger Tage danach auf.

    Duloxetin geht nur in sehr geringen Anteilen in die Muttermilch über. Da jedoch keine Information über die Verträglichkeit von Duloxetin bei Säuglingen und Kindern vorliegt, wird die Anwendung während der Stillzeit nicht empfohlen.

    Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

    Es wurden keine klinischen Studien mit Duloxetin bei Patienten unter 18 Jahren durchgeführt. Daher darf der Wirkstoff bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht angewendet werden. Außerdem fehlt es an Daten aus Langzeitstudien zur Sicherheit bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren
    hinsichtlich Wachstum, körperlicher Entwicklung sowie der Entwicklung des Denkvermögens und Verhaltens.

    Welche Nebenwirkungen kann Duloxetin haben?

    Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Duloxetin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

    Häufige Nebenwirkungen:
    Verminderter Appetit, Schlaflosigkeit, Angst, Schlafstörungen, Aufregung, Libido-Verminderung, Kopfschmerzen, Schwindel und Drehschwindel, Zittern, Lustlosigkeit, Schläfrigkeit, nervliche Missempfindungen, unscharfes Sehen, Bluthochdruck, Erröten, Durchfall, Erbrechen, Verdauungsstörungen, vermehrtes Schwitzen, Bauchschmerzen, Schwäche, Schüttelfrost.

    Gelegentliche Nebenwirkungen:
    Rachenentzündung, Überempfindlichkeitsreaktionen, Schilddrüsenunterfunktion, Austrocknung, Verwirrtheit, abnormale Träume, Teilnahmslosigkeit, Zähneknirschen, abnormaler Orgasmus, schlechter Schlaf, Aufmerksamkeitsstörung, Nervosität, Geschmacksstörung, Sehstörungen, Pupillenerweiterung, Ohrensausen, Ohrenschmerzen, Herzklopfen, Herzrasen, Ohnmacht, Blutdruckanstieg, Gähnen, Magen-Darm-Blutungen, Magen-Darm-Entzündung, Mundschleimhautentzündung, Magenschleimhautentzündung, Blähungen, Aufstoßen, Mundgeruch, Leberentzündung, erhöhte Leber-Enzym-Werte (ALAT, ASAT, alkalische Phosphatase), akute Leberschädigung, Hautausschlag, erhöhte Neigung zu Blutergüssen, Nachtschweiß, kalter Schweiß, Kontaktdermatitis, Nesselsucht, Muskelkrämpfe, Muskelsteifigkeit, Schmerzen an Knochen und Muskeln, Krampf der Kaumuskulatur, Harnverzögerung, Harnverhalt, nächtlicher Harndrang, abnormaler Uringeruch, Wechseljahres-Beschwerden, Blutungen aus Gebärmutter oder Scheide, Brustschmerzen, Unwohlsein, Unbehagen, Kältegefühl, Hitzegefühl, Durst, Gewichtsveränderungen, erhöhter Cholesterin-Spiegel, Anstieg des Wertes an Kreatininphosphokinase im Blut.

    Seltene Nebenwirkungen:
    Allergische Reaktion, Blutzuckerabfall (hauptsächlich bei Diabetes-Patienten), Natriummangel im Blut, gestörte hormonelle Regelung des Wasserhaushaltes im Körper, Selbstmordversuche, Selbstmordgedanken, Übersteigerung, Wahnideen, Aggression, Wut, Serotonin-Syndrom, Krampfanfälle, allgemeiner Muskelkrampf, krankhafte Bewegungsunruhe, seelische Unruhe, unwillentliche Bewegungen, Bewegungsstörungen, rastlose Beine, Grüner Star, Herzrhythmusstörungen (überwiegend Vorhofflimmern), Bluthochdruck-Krise, Blutdruckabfall bei Körperlageveränderung, kalte Hände, Arme und Beine, Nasenbluten, Engegefühl im Rachen, Blut im Stuhl, Leberschwäche, Gelbsucht, Stevens-Johnson-Syndrom, Gesichtsschwellung (Angioödem), Lichtüberempfindlichkeit der Haut, Muskelzuckungen.

    Besonderheiten:
    Die Behandlung darf nicht plötzlich beendet werden. Der Arzt muss dazu die Dosis über mindestens zwei Wochen schrittweise vermindern, um Absetz-Beschwerden möglichst zu vermeiden. Solche sind: Krampfanfälle, Ohrensausen, Selbstmordgedanken und -versuche, Aggression und Wut.

    Welche Wechselwirkungen zeigt Duloxetin?

    Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

    Duloxetin darf nicht mit folgenden Wirkstoffen kombiniert werden:
    • MAO-Hemmer (gegen Depressionen) wegen des hohen Risikos eines Serotonin-Syndroms. Innerhalb der ersten 14 Tage nach Beendigung der Behandlung mit einem MAO-Hemmer darf kein Duloxetin eingenommen werden; es müssen mindestens fünf Tage nach Beendigung der Duloxetin-Einnahme vergehen, bevor mit der Einnahme eines MAO-Hemmers begonnen werden darf.
    • Fluvoxamin (Psychopharmakon), weil es den Abbau von Duloxetin im Körper stark hemmt und zu mehr Nebenwirkungen führt.
    Nur mit Vorsicht dürfen folgende Wirkstoffe zusammen mit Duloxetin angewendet werden:
    • Substanzen mit Wirkung auf das Gehirn (beispielsweise Benzodiazepine (Schlafmittel), opiode Schmerzmittel, Antipsychotika, Phenobarbital (gegen Epilepsie), H1-Antihistaminika, Beruhigungsmittel).
    • Selektive-Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, trizyklische Antidepressiva (wie Clomipramin oder Amitriptylin), das Antidepressivum Venlafaxin oder Triptane (gegen Migräne), Tramadol (Schmerzmittel) und Tryptophan (Schlafmittel) wegen der Gefahr eines Serotonin-Syndroms.
    • auch das pflanzliche Antidepressivum Johanniskraut kann zu vermehrten Nebenwirkungen führen.
    Duloxetin steigert seinerseits die Blutkonzentration anderer Substanzen, was zu mehr Wirkung und Nebenwirkungen führt. Dies ist der Fall bei Desipramin (Psychopharmakon) und Tolterodin (ebenfalls gegen Harndrang), Risperidon (Neuroleptikum) und trizyklischen Antidepressiva mit starker Wirkung (wie Nortriptylin, Amitriptylin und Imipramin), bei Flecainid und Propafenon (Antiarrhythmika) und dem Betablocker Metoprolol). Bei Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmern steigert Duloxetin die Blutungsgefahr.

    Hinweis:
    Weil Alkohol Wirkung und Nebenwirkungen von Duloxetin erheblich verstärkt, Rauchen die Wirkung hingegen vermindert, sollte während der Behandlung auf beides verzichtet werden.

    Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

    • Die Therapie darf nicht plötzlich beendet, sondern muss vom Arzt über zwei Wochen mit verminderter Dosierung abgesetzt werden.
    • Auf Rauchen und Alkoholgenuss sollte während der Therapie mit dem Medikament verzichtet werden.
    • Mit der Anwendung des Medikaments kann möglicherweise Müdigkeit und Schwindel einhergehen, die Autofahren und Maschinenbedienung gefährlich machen.

    Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

    Welche Medikamente beinhalten Duloxetin?

    Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Duloxetin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

    Medikament
    Darreichungsform

    So wirkt Duloxetin

    Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Duloxetin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen Antidepressiva, selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (sSNRI), zu welcher der Wirkstoff Duloxetin gehört.

    Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Duloxetin

    Duloxetin hat vier Einsatzgebiete:
    • In Dosierungen von 20 bis höchstens 40 Milligramm wird der Wirkstoff bei Frauen zur Behandlung der mittelschweren bis schweren Harninkontinenz vom Belastungs- beziehungsweise Stresstyp eingesetzt. Bei der Belastungsinkontinenz ist der Harnblasenverschluss geschwächt. Eine Druckerhöhung, wie sie beim Niesen, Husten, Lachen oder Tragen von Lasten vorkommt, überfordert den Verschluss und es kommt zum unwillkürlichen Harnabgang. Die Belastungsinkontinenz als eine der häufigsten Urin-Inkontinenz-Formen ist weit häufiger bei Frauen als bei Männern anzutreffen. Schwangerschaft, natürliche Geburten, Bindegewebsschwäche und Alterungsprozesse verursachen das Krankheitsbild.
    • In Dosierungen von 30 bis höchstens 60 Milligramm dient der Wirkstoff zur Behandlung allgemeiner Angststörungen.
    • in Dosierungen von 60 bis höchstens 120 Milligramm behandelt man mit Duloxetin mittelschwere bis schwere Depressionen und
    • Nervenschmerzen im Rahmen einer Zuckerkrankheit (diabetische Polyneuropathie).

      Zu folgenden Anwendungsgebieten von Duloxetin sind vertiefende Informationen verfügbar:

      Wirkungsweise von Duloxetin

      Zur Weiterleitung von Nervenreizen müssen Botenstoffe zwischen den einzelnen Nervenzellen ausgeschüttet werden. Je schneller diese Botenstoffe wieder in die Zellen aufgenommen werden, umso schneller erlischt der Nervenreiz. Wirkstoffe, die diese Wiederaufnahme hemmen, führen zu einer Verstärkung der Nervenreize und Körperfunktionen.

      Duloxetin ist ein kombinierter Hemmstoff für die Wiederaufnahme der Nervenbotenstoffe Serotonin und Noradrenalin in die Nervenzellen. Duloxetin erhöht auf diese Weise dosisabhängig die Konzentration von Serotonin und Noradrenalin in verschiedenen Gehirnteilen. Auf diese erhöhte Konzentration führt man die Wirkung gegen Angstzustände, Depressionen und die durch Zuckerkrankheit verursachten Nervenschmerzen zurück. Auf die Nervenbotenstoffe Dopamin, Histamin, Adrenalin und Acetylcholin hat der Wirkstoff hingegen kaum Einfluss.

      Im Tierexperiment führt eine erhöhte Konzentration von Serotonin und Noradrenalin im unteren Teil des Rückenmarks zu einer Aktivierung des Blasenschließmuskels. Bei Frauen wird ein ähnlicher Mechanismus angenommen, der unter körperlicher Belastung zu einem stärkeren Verschluss der Harnblase während der Speicherungsphase des Urins führt. Dies könnte die Wirkung von Duloxetin bei der Behandlung von Frauen mit Harninkontinenz vom Belastungstyp erklären.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.