Propafenon

Allgemeines

Propafenon wird bei bestimmten Formen von Herzrhythmusstörungen, insbesondere bei zu schnellem und zu unregelmäßigem Herzschlag (Tachyarrhthmie und ventrikuläre Tachykardie) verabreicht. Der unregelmäßige Rhythmus wird durch Extrasystolen verursacht. Dies sind Herzschläge, die außerhalb des normalen Rhythmus einfallen.

Bei lebensbedrohenden, zu hohen Herzfrequenzen wird Propafenon ebenfalls erfolgreich eingesetzt.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Herzfrequenz senken
  • Reizempfindlichkeit des Herzens senken
  • Extraschläge verhindern
  • Herzrhythmusstörungen behandeln

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Propafenon im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Propafenon nicht verwendet werden?

Der Wirkstoff darf nicht angewandt werden bei
  • Überempfindlichkeit gegen Propafenon
  • dauerhafter, ausgeprägter Herzmuskelschwäche oder eingeschränkter Herzleistung, außer bei Patienten mit lebensbedrohenden Herzrhythmusstörungen der Herzkammern
  • Schock durch Herzstillstand, außer wenn dieser durch eine Störung der Herzschlagfolge bedingt ist
  • Herzrhythmusstörungen mit stark verlangsamtem Herzschlag (Bradykardie)
  • Herzinfarkt (innerhalb der ersten drei Monate danach)
  • ausgeprägten Reizleitungsstörungen wie SA-Block oder AV-Block II. und III. Grades, Schenkelblock (ohne Schrittmachereinpflanzung) oder Sinusknoten-Syndrom (ohne Schrittmachereinpflanzung)
  • ausgeprägt niedrigem Blutdruck
  • Störungen des Mineralstoffhaushaltes wie beispielsweise Kaliumstoffwechselstörungen
  • schwerer Atemwegserkrankung mit Einengung der Atemwege (beispielsweise Asthma)
  • der Muskelkrankheit Myasthenia gravis
  • gleichzeitiger Einnahme von 800 bis 1200 Milligramm des Virusmittels Ritonavir am Tag.
Bei älteren Patienten oder Patienten mit stark geschädigtem Herzmuskel wird der Arzt zu Beginn der Behandlung (in der Einstellungsphase) eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung vornehmen und den Wirkstoff besonders vorsichtig dosieren.

Durch Propafenon kann die Reaktion des Herzens auf die Signale eines Herzschrittmachers (Pacing- und Sensingschwelle) verändert sein. Die Funktion des Herzschrittmachers sollte daher ärztlich überprüft und, falls erforderlich, neu programmiert werden.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Für Propafenon wurden keine ausreichenden Studien über die Anwendung bei schwangeren und stillenden Frauen durchgeführt. Aus Tierstudien ergaben sich keine Anhaltspunkte für Schädigungen. Da Propafenon jedoch auf das Ungeborene übergeht und in die Muttermilch ausgeschieden wird, muss der Arzt den Nutzen einer Therapie während der Schwangerschaft oder Stillzeit gegen mögliche Risiken für das Kind abgewägen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Säuglingen und Kleinkindern kann Propafenon zum Beispiel mit dem Brei verabreicht werden.

Bei Kindern hat sich für die Einstellungsphase und Erhaltungsbehandlung eine Tagesdosis von durchschnittlich zehn bis 20 Milligramm Propafenon pro Kilogramm Körpergewicht bewährt. Diese Dosis wird üblicherweise auf drei bis vier Einzelgaben verteilt.

Welche Nebenwirkungen kann Propafenon haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Propafenon. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Häufige Nebenwirkungen:
Kreislaufregulationsstörungen (vor allem Blutdruckabfall bei Körperlageveränderung und bei älteren Patienten mit eingeschränkter Herzleistung), Brustschmerzen, Herzrhythmusstörungen-Veränderungen, Herzrhythmusstörungen-Verstärkung, Herzrasen, Herzmuskelschwäche-Verschlimmerung, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Brechreiz, Völlegefühl, Verstopfung, Bauchschmerzen, Mundtrockenheit, bitterer Geschmack, Mund-Taubheitsgefühl, Essenverweigerung, Sehstörungen, Ohnmacht, nervliche Missempfindungen, Schwindel, Benommenheit, Fieber.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Gallenstau, Leberfunktionsstörungen, Gelbsucht, Leberentzündung, Atemnot (bei Patienten mit Neigung zu Bronchialkrämpfen), allergische Hauterscheinungen (Rötung, Juckreiz, Ausschläge, Nesselsucht), Müdigkeit, Angst, Verwirrtheit, Unruhe, Alpträume, Schlafstörungen, Bewegungsstörungen (Zittern, Zungenbewegungen), Gangstörungen, Kopfschmerzen.

Seltene Nebenwirkungen:
Kammerflattern, Kammerflimmern, Potenzabnahme, Samenzellen-Verringerung (nach hochdosierter Gabe), Immunreaktionen (Anstieg antinukleärer Antikörper, Lupus erythematodes-artiges Syndrom), Blutbildveränderungen (weiße Blutkörperchen-Mangel, Granulozyten-Mangel, Granulozyten-Fehlen, Blutplättchenmangel).

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Krämpfe (bei Überdosierung).

Welche Wechselwirkungen zeigt Propafenon?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Eine Wirkungsverstärkung von Propafenon kann bei gleichzeitiger Anwendung von Mitteln zur örtlichen Betäubung, Betablockern und Wirkstoffen gegen Depressionen wie den trizyklischen Antidepressiva und den selektiven-Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern Fluoxetin und Paroxetin auftreten. Möglicherweise reichen dann geringere Dosierungen von Propafenon aus.

Hingegen kann es bei gleichzeitiger Gabe den Wirkstoffs und dem Tuberkulose-Mittel Rifampicin sowie dem Antiepileptikum Phenobarbital zu einer Verminderung der herzwirksamen Effekte von Propafenon kommen.

Propafenon verursacht eine Erhöhung der Blut-Konzentration von bestimmten Betablockern (Metoprolol, Propranolol), den Psychopharmaka Desipramin und Venlafaxin, dem Immunologikum Cyclosporin, von Herzglykosiden< und dem Asthma-Mittel Theophyllin. Dadurch können verstärkt Nebenwirkungen derselben auftreten.

Eine gleichzeitige Behandlung mit Antibiotika wie Erythromycin, dem Magensäureblocker Cimetidin, Antiarrhythmika wie Chinidin, dem Pilzmittel Ketoconazol sowie der Genuss von Grapefruitsaft erhöhen die Konzentration von Propafenon im Blut und damit das Risiko schädlicher Nebenwirkungen.

Die gleichzeitige Gabe der beiden Antiarrhythmika Amiodaron und Propafenon kann die Herzrhythmusstörungen verstärken. Daher ist wahrscheinlich eine Dosisanpassung beider Substanzen durch den Arzt erforderlich.

Bei Anwendung von Propafenon und gleichzeitiger Einspritzung von Lidocain (Mittel zur örtlichen Betäubung) kann es zu verstärkten Nebenwirkungen des Lidocain auf das Gehirn kommen.

Nehmen die mit Propafenon behandelten Patienten Antikoagulanzien wie Phenprocoumon oder Warfarin ein, muss der Arzt die Blutgerinnung sorgfältig überwachen. Gegebenenfalls wird er die Dosierungen der Blutverdünner vermindern.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Die Anwendung des Medikaments kann die Reaktion des Herzens auf einen Schrittmacher verändern. Der Herzschrittmacher ist daher gegebenenfalls neu einzustellen.
  • Das Reaktionsvermögen kann durch das Medikament so weit verändert sein, dass Autofahren, das Bedienen von Maschinen oder Arbeiten ohne sicheren Halt gefährlich sind. Dies gilt besonders im Zusammenwirken mit Alkohol.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Propafenon?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Propafenon enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform
überzogene Tabletten
Filmtabletten

So wirkt Propafenon

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Propafenon. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Antiarrhythmika, zu welcher der Wirkstoff Propafenon gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Propafenon

Propafenon wird bei bestimmten Formen von Herzrhythmusstörungen, insbesondere bei zu schnellem und zu unregelmäßigem Herzschlag (Tachyarrhthmie und ventrikuläre Tachykardie) verabreicht. Der unregelmäßige Rhythmus wird durch Extrasystolen verursacht. Dies sind Herzschläge, die außerhalb des normalen Rhythmus einfallen.

Bei lebensbedrohenden, zu hohen Herzfrequenzen wird Propafenon ebenfalls erfolgreich eingesetzt.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Propafenon sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Propafenon

Propafenon zählt zur Gruppe der Antiarrhythmika der Klasse I. Zusätzlich zu den unter der Wirkstoffgruppe beschriebenen Wirkungen blockiert Propafenon die Betarezeptoren, da es auch Merkmale der Antiarrhythmika der Klasse II besitzt. Auch durch diese Wirkung wird der Herzschlag langsamer und regelmäßiger.

Der höchste Wirkspiegel von Propafenon ist bei der Einnahme des Wirkstoffs in Tablettenform nach zwei bis drei Stunden im Körper nachweisbar. Aufgrund seiner schnellen Wirksamkeit bei akuten Herzrhythmusstörungen gehört der Wirkstoff zu den lebensrettenden Mitteln bei Herzerkrankungen.


Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.