Multiple Sklerose und Depression: Eine häufige Kombination

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Rund jeder zweite Mensch mit multipler Sklerose entwickelt irgendwann in seinem Leben eine Depression. Dann ist es wichtig, sich frühzeitig Hilfe zu holen: Mit der richtigen Therapie ist eine Depression meist gut behandelbar, sodass man wieder zuversichtlich in die Zukunft blicken kann.

Das Risiko, eine Depression zu bekommen, ist für Menschen mit multipler Sklerose drei- bis viermal so hoch wie das der Allgemeinbevölkerung. Ein Grund dafür ist wahrscheinlich in der Erkrankung selbst zu finden: Nervenschädigungen, die bei MS in bestimmten Hirnregionen entstehen, können vermutlich depressive Symptome begünstigen. Die genauen Zusammenhänge sind noch unklar.

Zudem ist der Gedanke, eine chronische Erkrankung zu haben, psychisch oft sehr belastend: Besonders kurz nach der Diagnose fallen viele Betroffene in ein Loch. Sie wissen nicht, was auf sie zukommen wird, fühlen sich hilflos und haben große Angst vor der Erkrankung und ihren Folgen. Aber auch im weiteren Verlauf von MS können Zukunftsängste und das Gefühl, überfordert zu sein, eine Depression auslösen.

Noch ungeklärt ist, inwieweit bestimmte Medikamente, die bei MS zum Einsatz kommen (z.B. Interferone), depressive Beschwerden hervorrufen oder verstärken können.

Was ist eine Depression?

Phasen von Traurigkeit oder negativer Stimmung gehören zum Leben dazu und sind eine natürliche Reaktion auf emotionale oder körperliche Belastungen. Normalerweise verschwinden solche Phasen nach einiger Zeit wieder, wenn die Belastung vorbei ist.

Eine Depression ist eine Erkrankung, die weit über eine solche schlechte Stimmung hinausgeht. Sie hält länger an und beeinträchtigt das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit meist erheblich. Bestimmte Botenstoffe im Gehirn, vor allem Serotonin und Noradrenalin, sind bei einer Depression nicht mehr im Gleichgewicht.

Die Hauptsymptome einer Depression sind:

  • Gedrückte Stimmung
    Menschen mit Depressionen fühlen sich wertlos und sind niedergeschlagen. Sie haben keine Hoffnung, dass sich ihr Zustand bessert. Im Gegensatz zu einer normalen Traurigkeit erleben Depressive eher ein Gefühl der Gefühllosigkeit: Viele berichten, weder Freude noch Trauer, sondern nichts zu fühlen.
  • Interessenverlust und Freudlosigkeit
    Wer depressiv ist, verliert das Interesse an Dingen, die früher Spaß gemacht haben.
  • Antriebslosigkeit und rasche Ermüdbarkeit
    Depressive fühlen sich meist energielos und können sich zu nichts aufraffen. Dinge, die sie vorher mühelos erledigt haben, fallen ihnen schwer.

Aber auch eine Depression hat viele Gesichter. Sie kann sich bei jedem ganz unterschiedlich äußern. So stehen bei manchen Menschen etwa eher körperliche Beschwerden im Vordergrund – wie unerklärliche Verdauungsstörungen, Appetitverlust oder Kopfschmerzen. Bei anderen wiederum ist der Antriebsverlust das vorherrschende Anzeichen.

Eine gedrückte Stimmung zählt zu den Hauptsymptomen einer Depression. © iStock

Eine gedrückte Stimmung zählt zu den Hauptsymptomen einer Depression.

Weitere häufige Symptome einer Depression sind zum Beispiel:

  • Schlafstörungen
  • Müdigkeit
  • Gewichtsverlust oder Gewichtszunahme
  • mangelndes sexuelles Interesse
  • Konzentrationsprobleme
  • Probleme, Entscheidungen zu treffen
  • sozialer Rückzug
  • Schuldgefühle ("Ich bin an meiner Situation selbst schuld", "Ich falle allen zur Last")

Gerade bei Menschen mit multipler Sklerose ist es nicht immer einfach, eine Depression zu erkennen – denn viele Beschwerden, die bei Depressionen auftreten, können auch Anzeichen einer MS sein, so zum Beispiel Müdigkeit oder mangelnde Konzentration. 



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