Migräne: Mit oder ohne Aura

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (21. Dezember 2017)

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Migräne ist weit verbreitet: Etwa 6 bis 8 Prozent der Männer und 12 bis 14 Prozent der Frauen durchleben wiederholt Migräneanfälle. Fast jede dritte Frau entwickelt im Laufe ihres Lebens Migränekopfschmerzen.

Am häufigsten kommt Migräne bei Frauen zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr vor. In dieser Altersgruppe sind Frauen dreimal öfter betroffen als Männer.

Auch Kinder können bereits Migräneanfälle bekommen: Etwa fünf Prozent aller Schulkinder haben Migräne.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine Kopfschmerzerkrankung, die anfallsartig auftritt und periodisch wiederkehrt. Häufig bleiben die Kopfschmerzen auf eine Kopfseite begrenzt. Gleichzeitig mit einem Migräneanfall kommt es oft zu weiteren Beschwerden wie Licht- und Lärmempfindlichkeit, Sehstörungen, Appetitlosigkeit und/oder Übelkeit.

Der Begriff Migräne leitet sich von dem französischen Wort migraine für Kopfschmerz ab. Da die Schmerzen meist nur auf einer Seite des Kopfes auftreten, verwenden Ärzte manchmal auch die griechische Bezeichnung Hemikranie (d.h. Kopfschmerz in einer Kopfhälfte).

Migräne: Symptome

Die für Migräne typischen Symptome sind:

Die Migränekopfschmerzen sind häufig pochend oder pulsierend. Üblicherweise sitzen die Schmerzen im Stirn- und Schläfenbereich sowie hinter dem Auge. Die Symptome treten meist einseitig auf, wobei die betroffene Kopfseite von Anfall zu Anfall wechseln kann. Typisch für Migräne ist, dass sich die Symptome durch körperliche Anstrengung verstärken.

Manchmal kündigt sich eine Migräne durch andere Symptome an. Diese Vorzeichen sind sehr vielfältig – möglich sind zum Beispiel Müdigkeit, verspannte Nackenmuskeln, blasse Haut oder vermehrter Harndrang. Zudem kann Migräne mit einer sogenannten Aura verbunden sein: Darunter versteht man verschiedene Wahrnehmungsstörungen, die vor dem Kopfschmerz einsetzen oder ihn begleiten können.

Im Einzelfall kann sich Migräne also durch unterschiedliche Symptome bemerkbar machen. Entsprechend unterscheidet man verschiedene Formen von Migräne, zum Beispiel:

  • Migräne ohne Aura
  • Migräne mit Aura
  • Augenmigräne und Migräne mit Augenmuskellähmung
  • Migräne mit Netzhautbeteiligung
  • Migräne bei Kindern

Migräne ohne Aura

Die Migräne ohne Aura ist die häufigste Migräneform. Ihre klassischen Symptome – die allmählich zunehmenden, meist einseitigen Kopfschmerzen – dauern im Allgemeinen 4 bis 72 Stunden an. Wegen der oft begleitend auftretenden Licht- und Lärmempfindlichkeit halten sich die Betroffenen während eines Migräneanfalls bevorzugt in ruhigen, abgedunkelten Räumen auf.

Migräne mit Aura

Eine Migräne mit Aura verursacht zusätzlich neurologische Symptome in Form von Reiz- oder Ausfallerscheinungen. So kann eine typische Migräne-Aura – auch begleitete Migräne (franz. migraine accompagnée) genannt – gekennzeichnet sein durch

  • Sehstörungen,
  • Gesichtsfeldausfälle,
  • Empfindungsstörungen (z.B. Kribbeln in den Händen oder Füßen),
  • falsche Geschmacks- oder Geruchswahrnehmungen,
  • Geräuschwahrnehmungen, ohne dass ein entsprechender äußerer Reiz vorhanden ist,
  • Lähmungserscheinungen (Paresen) und/oder
  • Sprachstörungen (Aphasie).

In der Regel dauert eine Migräne-Aura 20 bis 60 Minuten. Die Symptome können jedoch vereinzelt bis zu eine Woche lang anhalten.

Ein bei Migräne mit Aura häufiges Symptom ist das sogenannte Flimmerskotom: Dabei sieht man mit beiden Augen blendend helle, flimmernde Strukturen, die sich kranzartig ausdehnen oder auf den Rand des wahrnehmbaren Bereichs (Gesichtsfeld) zubewegen.

Die Sicht ist durch das Flimmerskotom eingeschränkt. Auch ein vollständiger Gesichtsfeldausfall sowie optische Halluzinationen können vorkommen. Die Sehstörung kann mehrere Minuten bis zu eine Stunde andauern – in selteneren Fällen auch länger. Danach kann man wieder normal sehen.

Migräne ohne Kopfschmerzen

In seltenen Fällen kann die Aura auch alleine – also ohne Kopfschmerzen – auftreten (franz. migraine accompagnée sans migraine). Dies geschieht öfter mit zunehmendem Alter: Dann können die Migränekopfschmerzen nach und nach immer mehr in den Hintergrund treten, bis sich die Migräne irgendwann nur noch durch Symptome der Aura bemerkbar macht.

Migräne mit Hirnstammaura

Eine weitere, schwere Sonderform ist die Migräne mit Hirnstammaura (früher Basilarismigräne genannt). Neben der typischen Migräne-Aura mit Seh-, Empfindungs- oder Sprachstörungen treten dann atypische Symptome einer Aura auf. Zum Beispiel:

Augenmigräne

Von einer Augenmigräne (ophthalmische Migräne) spricht man, wenn die Aura durch beidseitige visuelle Symptome gekennzeichnet ist. Besonders häufig handelt es sich dabei um ein Flimmerskotom. Meist setzen die Sehstörungen vor den Kopfschmerzen ein. Viele Betroffene vermuten dann zunächst, dass eine Erkrankung der Augen hinter den Beschwerden steckt.

Eine schwere, sehr seltene Form der Augenmigräne ist die ophthalmoplegische Migräne. Sie entsteht, wenn vorübergehend ein oder mehrere Hirnnerven gelähmt sind, die normalerweise für die Beweglichkeit der Augen sorgen. Dann treten neben den Kopfschmerzen weitere Symptome auf:

  • Die Betroffenen sehen Doppelbilder,
  • die Pupillen sind geweitet und
  • die Augenlider können herunterhängen.

Migräne mit Netzhautbeteiligung (retinale Migräne)

Die retinale Migräne ist ebenfalls durch eine Aura charakterisiert, deren Symptome mit dem Auge zusammenhängen. Betroffen ist vor allem die Netzhaut (Retina) und damit die Wahrnehmung von visuellen Reizen. Es kommt zu Gesichtsfeldausfällen oder Flimmerskotomen – gelegentlich erblinden Betroffene auf dem beeinträchtigten Auge vorübergehend. Im Gegensatz zur Augenmigräne ist aber nur ein Auge betroffen.

Migräne bei Kindern

Migräne verursacht bei Kindern oft etwas andere Symptome als bei Erwachsenen. So treten die Migränekopfschmerzen im Kindesalter meist beidseitig auf. Erst als Jugendliche entwickeln die Betroffenen allmählich den typischen einseitigen Kopfschmerz.

Die typischen Begleitsymptome der Migräne (wie Lichtempfindlichkeit, Übelkeit und Erbrechen) sind bei Kindern oft weniger stark ausgeprägt. Zudem dauert ein Migräneanfall nicht so lange wie bei Erwachsenen (er hält aber mindestens eine Stunde an).

Dafür verursacht eine Migräne bei Kindern begleitend Symptome des autonomen Nervensystems. Diese Beschwerden können sehr stark ausgeprägt sein und (anders als bei Erwachsenen) im Vordergrund stehen. Beispiele sind:

  • stärker gerötete Bindehautgefäße
  • tränende Augen
  • verstopfte Nase
  • laufende Nase
  • Schwitzen im Gesicht
  • geschwollene Augenlider
  • herabhängende Augenlider
  • verengte Pupillen

In manchen Fällen kann eine Migräne bei Kindern wegen dieser Symptome als Nasennebenhöhlenentzündung fehlgedeutet werden.

Migräne führt bei Kindern oft zu einem untypischen Verhalten: Die Kinder hören auf zu spielen, ziehen sich zurück und suchen Ruhe. Die Symptome verbessern sich aber oft schon deutlich, wenn das betroffene Kind ein wenig schläft.

Auch Kinder können an Migräne erkranken. © iStock

Auch Kinder können an Migräne erkranken.

Wie läuft ein Migräneanfall ab?

Die mit Migräne verbundenen Symptome treten nicht alle gleichzeitig auf: Mediziner unterscheiden beim Migräneanfall vier verschiedene Phasen. Allerdings durchlaufen manche Migräniker nur zwei oder drei davon.

  1. Vorphase: In der Vorphase (Prodromalphase) kann sich eine Migräne durch verschiedene Symptome ankündigen – Mediziner unterscheiden hierbei sogenannte Plus- und Minus-Faktoren. Zu den Plus-Faktoren zählen eine erhöhte Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Anfälle von Heißhunger, Hyperaktivität und eine Überempfindlichkeit der Sinneseindrücke. Minus-Faktoren sind beispielsweise Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Verstopfung (Obstipation).
  2. Aura: Meist entwickeln sich die Symptome der Migräne-Aura innerhalb von 5 bis 20 Minuten vollständig und sind nach spätestens 60 Minuten wieder verschwunden – noch bevor der Kopfschmerz einsetzt. Die Aura kann sich aber auch zeitlich mit den Schmerzen überschneiden oder erst nach deren Beginn auftreten.
  3. Kopfschmerzphase: Normalerweise dauert diese Phase 4 bis 72 Stunden, bei Kindern kann sie auch kürzer sein. Dabei nehmen die Migränekopfschmerzen in der Regel langsam über Stunden zu. Sie treten meistens nur einseitig auf, können allerdings während eines akuten Migräneanfalls die Seite wechseln. Neben den Kopfschmerzen kommt es häufig zu Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmüberempfindlichkeit. Bei Bewegungen bzw. Anstrengung verstärken sich die Beschwerden. Darum ziehen sich die Betroffenen häufig in abgedunkelte und geräuscharme Räume zurück.
  4. Rückbildungsphase: In dieser Phase nehmen die Beschwerden der Migräne ab, die Betroffenen fühlen sich müde und abgespannt. Häufig treten nun Symptome auf, die denen der Vorphase entgegenstehen – zum Beispiel Appetitlosigkeit. Bis man sich vollständig vom Migräneanfall erholt hat, können 12 bis 24 Stunden vergehen.

Video: Migräne

Migräne: Ursachen

Worin genau Migräne ihre Ursachen hat, ist noch immer nicht endgültig geklärt. Wahrscheinlich stecken erbliche Faktoren hinter der Kopfschmerzerkrankung, da oft mehrere Mitglieder einer Familie betroffen sind.

Die Theorie, dass eine mangelhafte Durchblutung (Ischämie) des Gehirns die Ursache der Migräne ist, gilt hingegen als überholt.

Triggerfaktoren

Es gibt verschiedene Faktoren, die zwar nicht die eigentlichen Migräne-Ursachen sind, die aber einen Migräneanfall auslösen können. Mediziner bezeichnen sie als Triggerfaktoren (engl. trigger = Auslöser). Wichtige Beispiele hierfür sind:

  • Stress
  • Störungen im Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Hormonschwankungen
  • bestimmte Nahrungsmittel

Stress

Typischerweise treten Migräneanfälle nicht dann auf, wenn der Stress am größten ist, sondern entweder in der Erwartung des kommenden Stresses oder in der Phase des Entspannens. Die sogenannte Wochenend-Migräne setzt also genau dann eine, wenn nach einer anstrengenden Woche die ersehnte Erholung am Wochenende folgt.

Gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus

Zu einem Migräneanfall kann es außerdem durch einen Wechsel im Schlaf-Wach-Rhythmus kommen. Folgende Situationen sind dafür typisch: Die Nacht ist plötzlich kürzer als gewöhnlich, ein unvorhergesehenes Schläfchen am Tag oder das Ausschlafen am Wochenende bringen den gewohnten Rhythmus durcheinander.

Ist der Schlaf-Wach-Rhythmus aus dem Takt geraten, kann dies eine Migräne begünstigen. © Jupiterimages/Brand X Pictures

Ist der Schlaf-Wach-Rhythmus aus dem Takt geraten, kann dies eine Migräne begünstigen.

Hormonelle Einflüsse

Auch hormonelle Einflüsse können eine Migräne auslösen. Hormonschwankungen kommen besonders bei Frauen vor und sind bei ihnen typische Migräne-Trigger. Bei vielen Frauen macht sich die Migräne gerade während der Periode oder des Eisprungs bemerkbar.

Hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille oder Hormonpräparate gegen Wechseljahresbeschwerden können ebenfalls Migräneanfälle auslösen. Andererseits bleiben die Anfälle bei mehr als jeder zweiten betroffenen Schwangeren während der Schwangerschaft völlig aus oder gehen zurück. Auch in den Wechseljahren (Klimakterium) können sie in ihrer Häufigkeit abnehmen.

Nahrungsmittel

Manche Menschen reagieren empfindlich auf bestimmte Nahrungsmittel wie Schokolade oder Käse. Dabei ist aber noch nicht klar, ob diese tatsächlich einen Migräneanfall auslösen können.

Auch Alkohol (v.a. Rotwein), aus der asiatischen Küche bekannte Geschmacksverstärker (z.B. Glutamat) sowie Schwankungen des Koffeinspiegels kommen als Migräne-Trigger infrage.

Die Auslöser einer Migräne sind individuell sehr unterschiedlich. Meist führen erst mehrere Triggerfaktoren zusammen zu einem Migräneanfall. Dies erklärt auch, warum ein Faktor allein nicht jedes Mal als Auslöser eines Anfalls erkennbar ist. Manchmal macht sich Migräne auch ganz ohne erkennbare oder erklärbare äußere Einflüsse bemerkbar.

Migräne: Diagnose

Der Verdacht auf Migräne ergibt sich aus der Krankengeschichte (Anamnese) – vor allem durch die Beschreibung der Kopfschmerzen und möglicher weiterer Symptome. Um die Diagnose zu sichern, folgen körperlich-neurologischer Untersuchungen. Bei neu aufgetretenen, besonders starken oder ungewöhnlich verlaufenden Kopfschmerzen eignen sich eine Elektroenzephalographie (EEG), Computertomographie (CT) und/oder Magnetresonanztomographie (MRT), um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen.

Beschreibung der Kopfschmerzattacke

Um eine Migräne diagnostizieren zu können, benötigt der Arzt eine genaue Beschreibung der Beschwerden, die bei einer Kopfschmerzattacke auftreten. Eine Checkliste mit notierten Symptomen und möglichen Fragen kann helfen, sich auf das Arztgespräch vorzubereiten und dem Arzt die Diagnose zu erleichtern.

Für die häufige Migräne ohne Aura gelten zum Beispiel folgende diagnostische Kriterien:

  • A: Mindestens 5 Attacken, bei denen die Kriterien B, C und D zutrafen.
  • B: Dauer der Kopfschmerzattacke 4 bis 72 Stunden
  • C: Mindestens 2 der folgenden 4 Kriterien sind erfüllt:
    • Schmerz einseitig (Seitenwechsel während und zwischen den Attacken möglich)
    • pulsierender Schmerz
    • mittlere bis hohe Schmerzintensität, die Betroffene in ihrem Alltag belastet
    • Schmerz nimmt bei Belastung zu (z.B. beim Treppensteigen)
  • D: Zusätzlich mindestens ein Begleitsymptom wie:

Checkliste für das Arztgespräch

Symptom Ja Nein
Sie haben schon mindestens fünf Attacken gehabt.    
Die Kopfschmerzen dauerten zwischen 4 und 72 Stunden an.    
Die Kopfschmerzen sind einseitig.    
Die Kopfschmerzen sind beidseitig.    
Die Kopfschmerzen sind pulsierend, pochend.    
Die Kopfschmerzen sind dumpf, intensiv.    
Zwischen den Kopfschmerzattacken gibt es beschwerdefreie Zeiträume.    
Sie wachen gelegentlich nachts oder morgens mit Kopfschmerzen auf.    
Die Kopfschmerzen nehmen langsam über Stunden zu.    
Die Kopfschmerzen wechseln gelegentlich die Seite.    
Die Kopfschmerzen befinden sich tief im Innern des Schädels.    
Es treten Übelkeit und Erbrechen auf.    
Sie sind lärm- oder lichtüberempfindlich.    
Sie sind geruchsüberempfindlich.    
Die Schmerzen nehmen bei körperlichen Anstrengungen zu.    
Sie haben Schwindelgefühle.    
Sie sind blass während der Attacke.    
Sie ziehen sich am liebsten in abgedunkelte Räume zurück.    
Sie haben Sehstörungen.    
Sie haben einseitige Taubheitsgefühle oder Lähmungen.    
Sie haben Sprachstörungen.    
Die Kopfschmerzen beginnen häufig am Wochenende.    
Die Kopfschmerzen kommen kurz vor oder nach Stresssituationen.    
Sie bekommen die Kopfschmerzen nach dem Genuss bestimmter Nahrungsmittel.    
Bei Frauen: Sie haben häufig Kopfschmerzen während der Menstruation.    
Die Kopfschmerzen sind während der Schwangerschaft aufgetreten.    

Körperlich-neurologische Untersuchungen

Bei der körperlich-neurologischen Untersuchung kann der Arzt zum Beispiel mit verschiedenen Bewegungs- und Wahrnehmungstests prüfen, ob die Hirnnerven richtig funktionieren, ob die Sehfähigkeit ungewöhnlich eingeschränkt ist oder ob Gefühlsstörungen wie Kribbeln in den Händen oder Füßen auftreten. Außerdem kann er so Probleme mit der Halswirbelsäule, den Zähnen oder dem Kiefer feststellen – denn auch sie können Kopfschmerzen verursachen. Sprechen das Beschwerdebild und die Untersuchungsergebnisse für eine Migräne, sind meist keine weiteren Untersuchungen erforderlich.

Lässt sich die Migräne immer noch nicht eindeutig diagnostizieren, veranlasst der Arzt weitere Untersuchungen, um andere Erkrankungen auszuschließen. Ein Elektroenzephalogramm (EEG) kann bei Migräne Veränderungen zeigen, die aber noch kein Beweis für Migräne sein müssen.

Bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT) sind in der Regel bei der Migräne unauffällig. Diese Untersuchungen setzt der Arzt teilweise dann ein, wenn Kopfschmerzen erstmalig auftreten oder sich die bisherige Kopfschmerz-Symptomatik wesentlich ändert. Da neu aufgetretene Kopfschmerzen vielfältige Ursachen haben können, ist es wichtig, die Auslöser zu erkennen.

Andere Kopfschmerzformen wie

grenzt der Arzt bei der Diagnose von einer Migräne ab. Zudem schließt er Erkrankungen als Ursache aus, bei denen Kopfschmerzen ein typisches Symptom sind, wie beispielsweise

Migräne: Therapie

Besteht eine Migräne bereits über Jahre, ist eine erfolgreiche Therapie meist nicht in kurzer Zeit zu erreichen. Langfristig verspricht eine Kombination von medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen am ehesten Erfolg. Die Art der Behandlung richtet sich dabei nach dem Ausmaß der Migräne; eine vollständige Heilung ist aber nicht möglich. Bei der Therapie geht es vor allem darum, die Symptome zu lindern und weitere Migräneanfälle zu vermeiden.

Bei einer Migräneattacke helfen

  • kalte Kompressen (z.B. Migränebrille),
  • ein erholsamer Schlaf sowie
  • der Rückzug in einen abgedunkelten, ruhigen Raum, um sich vor optischen oder akustischen Reize weitestgehend abzuschotten.

Langfristig kann man versuchen, die persönlichen Triggerfaktoren zu beeinflussen: Je nach den individuellen Auslösern kann das zum Beispiel ein Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel wie Käse, Schokolade, Alkohol (v.a. Rotwein) und Glutamat, ebenso wie ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus sowie das Training bestimmter Methoden der Stressbewältigung sein.

Bei der Migräne-Behandlung unterscheidet man zwischen der Therapie des Migräneanfalls und der Migräne-Prophylaxe, also einer vorbeugenden Behandlung im sogenannten krankheitsfreien Intervall.

Selbstmedikation bei leichten bis mittelschweren Migräne-Kopfschmerzen

Eine Selbstmedikation empfiehlt sich als Therapie bei leichter bis mittelschwerer Migräne. Verschiedene Migräne-Tabletten (Schmerzmittel, sog. Analgetika) sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, zum Beispiel die Wirkstoffe:

Besonders wirksam sind Migräne-Tabletten mit einer Kombination aus Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Koffein. Diese Zusammensetzung ist wirksamer als die Kombinationspräparate ohne Koffein und auch wirksamer als die Einzelsubstanzen.

Treten neben Kopfschmerzen weitere Symptome auf, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Dieser verschreibt beispielsweise bei Schwindel und Übelkeit ein sogenanntes Antiemetikum. Dieses bewirkt, dass die eigentlichen Migräne-Tabletten – also die Schmerzmittel – besser vom Körper aufgenommen werden und besser wirken können:

Zum einen fördern Antiemetika, dass die Medikamente schneller aus dem Magen in den Darm gelangen, wo sie aufgenommen werden und damit wirken können. Zum anderen verhindern sie, dass man die Migräne-Tabletten erbricht. Die Schmerzmittel sollten Betroffene deshalb etwa 15 bis 20 Minuten nach dem Antiemetikum einnehmen.

Triptane bei schweren Migräne-Kopfschmerzen

Bei schwerer Migräne kommen sogenannte Triptane zur Therapie zum Einsatz. Triptane sind selektiv wirksame Serotonin-Agonisten. Das sind Wirkstoffe mit der gleichen Wirkung wie der körpereigene Botenstoff Serotonin. Triptane, die sich zur Migräne-Therapie eigenen, sind zum Beispiel:

Triptane sind die Substanzen mit der besten Wirksamkeit bei einer akuten Migräneattacke. Sie wirken zu jedem Zeitpunkt innerhalb der Attacke – sie müssen also nicht notwendigerweise zu Beginn eines Anfalls eingenommen werden. Sie wirken aber umso besser, je früher sie eingesetzt werden. Triptane helfen auch gegen die typischen Begleiterscheinungen der Migräne wie Übelkeit und Erbrechen. Bei lang andauernden Attacken können – häufiger als bei Acetylsalicylsäure oder Ergotaminen – die Kopfschmerzen trotz Einnahme von Triptanen wieder auftreten (sog. headache recurrence) – dann ist eine zweite Dosis erforderlich.

Bei einer Migräne mit Aura sollte man Triptane erst einnehmen, wenn die Aura-Symptome vorüber sind. Nicht angewendet werden sollten Triptane bei

Außerdem sind Triptane nicht geeignet zur Migräne-Therapie bei

Triptane können Nebenwirkungen hervorrufen wie

  • Druck- beziehungsweise Engegefühl im Brust- und Halsraum,
  • Kribbeln in Händen und Füßen oder
  • Herzrhythmusstörungen sowie
  • ein Hitze- oder Kältegefühl.

Viele Triptane sind verschreibungspflichtig. Es gibt jedoch auch Arzneimittel mit Wirkstoffen wie Almotriptan oder Naratriptan, die auch rezeptfrei erhältlich sind. Dennoch empfiehlt es sich, mit einem Arzt zu sprechen, bevor man Triptane einnimmt – vor allem, wenn die Migräne zum ersten Mal aufgetreten ist. Nur so lassen sich mögliche andere Ursachen der Kopfschmerzen ausschließen.

Achtung: Nehmen Sie Triptane niemals gleichzeitig mit Ergotaminen ein! Die Wartezeit nach der Gabe von Ergotaminen beträgt 24 Stunden. Es ist wichtig, sich bei Medikamenten immer an die Dosierung und empfohlene Anwendung zu richten. Sollten sich die Kopfschmerzen trotz Einnahme eines Medikaments nicht bessern, ist es notwendig, einen Arzt aufzusuchen.

Mutterkornalkaloide

Tritt bei der Migräne keine Besserung ein, so kann der Arzt als zweite oder dritte Wahl nach den Triptanen Wirkstoffe aus der Gruppe der Mutterkornalkaloide verschreiben, zum Beispiel Ergotamin. Heute werden Mutterkornalkaloide nicht mehr empfohlen, höchstens noch bei sehr langen Migräneattacken oder wenn die Kopfschmerzen wiederholt hintereinander auftreten (multiple "recurrences"). Wer allerdings bislang erfolgreich damit behandelt wurde und sie gut verträgt, sollte sie nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt absetzen.

Nehmen Sie Schmerzmittel nicht längere Zeit ohne ärztliche Kontrolle ein. Wenn Sie häufig Kopfschmerzen haben, lassen Sie die Ursachen von einem Arzt abklären. Für alle Migräne-Präparate (auch Triptane und Ergotamine) gilt: Die Einnahme darf nicht häufiger als zehnmal im Monat oder an mehr als drei Tagen hintereinander erfolgen, sonst besteht die Gefahr eines durch Medikamente ausgelösten Kopfschmerzes.

Weder die genannten Schmerzmittel noch die Mutterkornalkaloide eignen sich für eine Therapie im krankheitsfreien Intervall, da eine Dauereinnahme zum Dauerkopfschmerz sowie zu Magenunverträglichkeiten führen kann. Wer Mutterkornalkaloide länger oder dauerhaft einnimmt, setzt sich außerdem der Gefahr des Ergotismus aus. Dabei handelt es sich um eine Vergiftung mit Mutterkornalkaloiden, die unter anderem zu Durchblutungsstörungen bis hin zum Gefäßverschluss und damit verbundenen Taubheitsgefühlen in den Armen und Beinen führt.

Nicht-medikamentöse Therapie

Neben der medikamentösen Therapie gibt es noch andere, nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten bei Migräne, die die Therapie sinnvoll ergänzen können.

Migräneanfall

Bei einem akuten Migräneanfall hilft es vielen Betroffenen, sich in einem abgedunkelten Raum aufzuhalten, Reize von außen zu vermeiden, zu schlafen und sich auszuruhen. Um den Schmerz zu lindern, kann man kalte Kompressen (z.B. Migränebrille) anwenden.

Migräne: Verlauf

Mit einer angemessenen Behandlung und vorbeugenden Maßnahmen können Sie den Verlauf einer Migräne positiv beeinflussen – heilbar ist sie aber nicht, sodass immer wieder Migräneanfälle auftreten können.

Komplikationen

Bei einer Migräne kann es im Verlauf zu verschiedenen Komplikationen kommen, zum Beispiel dem sogenannten Status migraenosus oder einem migränösen Infarkt.

Vom Status migraenosus spricht man, wenn ein Migräneanfall trotz Therapie länger als 72 Stunden andauert. Wegen des anhaltenden Erbrechens sind die Betroffenen oft ausgetrocknet (dehydriert), sodass ihr Kreislauf belastet ist und unter Umständen zusammenbrechen kann (Kollaps). In diesem Fall ist eine stationäre Behandlung notwendig. Bei Menschen, die zuvor noch nie Migräne hatten, wird ein erster Migräneanfall nicht sofort als Status migraenosus auftreten. Dieser schweren Form der Migräneattacke geht in der Regel ein Zeitraum von mehreren Jahren voraus, in der die Betroffenen immer wieder unter Migräne gelitten und deshalb auch bereits häufig Medikamente gegen die Erkrankung eingenommen haben. Möglicherweise ist dieser regelmäßige Medikamentengebrauch über Jahre eine Ursache für den Status migraenosus.

Der migränöse Infarkt kann bei einer Migräne mit Aura auftreten. Gehen die Aura-Symptome nicht innerhalb von sieben Tagen vollständig zurück, kann dies ein Anzeichen für einen Schlaganfall (ischämischer Insult) sein. Ein migränöser Infarkt kommt aber nur selten vor.

Kopfschmerztagebuch

Um mit der Migräne im Alltag besser zurechtzukommen, kann ein Kopfschmerztagebuch sinnvoll sein. Darin erfassen Betroffene alle Symptome, mögliche Auslöser ("Trigger") und die Behandlung. Ein Kopfschmerztagebuch hilft bei Migräne nicht nur bei der Diagnose, sondern auch, persönliche Triggerfaktoren zu erkennen. Je besser die Auslöser bekannt sind, desto eher lassen sie sich vermeiden.

Sie können sich ein Kopfschmerztagebuch einfach selber erstellen. Tragen Sie dazu über mehrere Wochen folgende Angaben in einen Kalender ein:

  • Schweregrad, Dauer und Lokalisation des Kopfschmerzes
  • Begleitsymptome (z.B. Augenflimmern, Übelkeit)
  • besondere, nicht alltägliche Vorkommnisse (z.B. Stress, Aufregung, Diät, Veränderung der Schlafzeiten)
  • Genuss bestimmter Nahrungsmittel, z.B. Käse, Alkohol, Koffein, Schokolade, Speisen mit Glutamatzusatz, Würstchen
  • Art und Menge der eingenommenen Medikamente beziehungsweise andere eingesetzte Maßnahmen

Alternativ können Sie sich hier die Vorlage für Ihr Kopfschmerztagebuch herunterladen: Kopfschmerztagebuch (PDF-Datei).

Migräne: Vorbeugen

Migräne beziehungsweise einem Migräneanfall können Sie teilweise vorbeugen. Um für eine Migräneattacke weniger anfällig zu sein, kann es während der beschwerdefreien Zeiten für manche Betroffene sinnvoll sein, vorbeugende Medikamente einzunehmen.

Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn die Migräneattacken dreimal pro Monat oder öfter auftreten und auf Akutbehandlungen nicht ausreichend ansprechen oder wenn der Betroffene stark unter den Nebenwirkungen leidet. Auch bei Migräneattacken,

  • die länger als 72 Stunden dauern,
  • die Betroffene subjektiv als unerträglich empfinden oder
  • die mit lang anhaltenden Aura-Symptomen einhergehen,

sind vorbeugende Maßnahmen empfehlenswert.

Die Prophylaxe kann die Häufigkeit, Schwere und Dauer der Migräneattacken im Idealfall spürbar reduzieren und einem medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerz vorbeugen. Häufig verwendete Medikamente, die Migräne vorbeugen, sind die Betablocker Metoprolol und Propranolol sowie der Kalziumantagonist Flunarizin. Auch Valproinsäure und Topiramat können Migräne vorbeugen. Ebenfalls werden bestimmte Antidepressiva wie Amitriptylin erfolgreich zur Vorbeugung von Migräneattacken eingesetzt.

Verhaltenstherapeutische Techniken

Auch verhaltenstherapeutische Techniken können Migräne vorbeugen. Sie dienen dazu, bestimmte Verhaltensmuster, die man im Laufe seines Lebens erlernt hat, im positiven Sinn zu verändern. Migräne-Erkrankte sollen vor allem solche Verhaltensmuster überwinden lernen, die einen Triggerfaktor – also einen Auslöser der Migräne – begünstigen. Geeignete Methoden sind zum Beispiel:

Möglicherweise helfen auch:

Ob diese Methoden tatsächlich wirksam sind, ist jedoch bis jetzt nicht eindeutig nachgewiesen.

Mit regelmäßiger Entspannung können Sie Migräne vorbeugen. © Jupiterimages/iStockphoto

Mit regelmäßiger Entspannung können Sie Migräne vorbeugen.

Weitere nützliche Tipps zur Migräneprophylaxe

  • Halten Sie einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus ein.
  • Entspannen Sie sich regelmäßig.
  • Hüten Sie sich vor großem Lärm.
  • Verzichten Sie auf übermäßigen Alkoholkonsum.
  • Betreiben Sie Ausdauersport.
  • Vermeiden Sie Druck und Stress bzw. erlernen Sie Methoden, mit denen Sie Stress besser bewältigen können.
  • Genießen Sie das Leben nach Ihrem Rhythmus. Gehen Sie starken Klimaschwankungen aus dem Weg.

Migräne: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Migräne":

Onmeda-Lesetipps:

Kopfschmerzkalender zum Download (PDF)
Themeninsel: Kopfschmerzen
Forum Migräne & Kopfschmerzen
Migräne-Test

Buchtipps:

Migräne und andere Kopfschmerzen

buch_schaefer_migraene.jpg Schäfer, Ulrike; Kitze, Bernd

110 Seiten Vandenhoeck & Ruprecht 2007

Kopfschmerzen sind von jeher eine peinigende menschliche Erfahrung. Die fachkundigen Autoren dieses Ratgebers erklären das Phänomen, informieren über medikamentöse Behandlung und leiten zur Selbsthilfe an. Unter Migräne und anderen Kopfschmerzen leidende Menschen stellen eine große Gruppe in der Bevölkerung dar. Die Ursachen sind bis heute nur teilweise geklärt. Sie als psychisch oder psychosomatisch bedingt zu sehen, ist ein Vorurteil, mit dem die Autoren dieses Ratgebers aufräumen. Sie gehen von einer Überempfindlichkeit des Gehirns gegenüber äußeren und inneren Reizen aus und setzen auf gezielte medikamentöse Behandlung, vor allem jedoch auf das Selbstmanagement der Kopfschmerzpatienten. Dazu gehören in erster Linie bewusster Umgang mit Stress, gesunde Lebensführung und sensible Selbstbeobachtung. Dr. med. Ulrike Schäfer arbeitet als Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in eigener Praxis in Göttingen. Priv.-Doz. Dr. med. Bernd Kitze ist Oberarzt an der Neurologischen Klinik und Poliklinik der Universität Göttingen.

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Online-Informationen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft (DMKG): Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Kopfschmerz. www.dmkg.de (Abrufdatum: 24.11.2017)

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 24.11.2017)

Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2016

Gaul, C., Diener, H.-C. (Hrsg.): Kopfschmerzen. Thieme, Stuttgart 2016

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Therapie der Migräne. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/057 (Stand: 21.3.2013)

Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

Masuhr, K.F., et al.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

Göbel H.: Migräne. Diagnostik, Therapie, Prävention. Springer, Berlin Heidelberg 2012

Haag, G., et al.: Selbstmedikation bei Migräne und beim Kopfschmerz vom Spannungstyp. Therapieempfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Nervenheilkunde, Heft 6, S. 382-397 (2009)

Evers, S. et al.: Akuttherapie und Prophylaxe der Migräne. Leitlinie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, Hamburg 2008

Diener, H.-C.: Migräne. Thieme, Stuttgart 2006

Aktualisiert am: 21. Dezember 2017

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