Lungenfibrose: Anzeichen, Ursachen und Lebenserwartung
Bei einer Lungenfibrose vermehrt sich krankhaft Bindegewebe des Lungengewebes und vernarbt. In der Folge kann sich die Lunge schlechter ausdehnen, was unter anderem zu Atemproblemen führt. Welche Anzeichen für eine Lungenfibrose sprechen und wie sich die Erkrankung auf die Lebenserwartung auswirkt, erfahren Sie hier.
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.
FAQ: Häufige Fragen und Antworten zum Thema Lungenfibrose
Eine Lungenfibrose ist eine chronische Lungenerkrankung, bei der die Lunge zunehmend vernarbt. In der Folge kommt es zu einem gestörten Gasaustausch und beispielsweise Atemproblemen.
Ursächlich können chronische Entzündungen, Infektionen, Umweltfaktoren wie Schadstoffe, Staub oder andere Allergene sowie bestimmte Medikamente sein.
Bei einer idiopathischen Lungenfibrose sind die Ursachen der Erkrankung nicht bekannt.
Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Prognose und Lebenserwartung hängen von verschiedenen Faktoren ab, etwa von Begleiterkrankungen, dem Zeitpunkt der Diagnose und der Behandlung.
Eine Lungenfibrose entwickelt sich individuell. Bei manchen Betroffenen schreitet die Erkrankung langsam voran, bei anderen deutlich schneller.
Was ist eine Lungenfibrose?
Bei einer Lungenfibrose kommt es aufgrund einer krankhaften Vermehrung von Bindegewebe zu einer Vernarbung des Lungengewebes. Umgangssprachlich ist deshalb auch die Rede von einer vernarbten Lunge. Ein solcher bindegewebige Umbau lässt sich nicht mehr rückgängig machen.
Die Fibrose der Lunge ist mit einigen Folgen verbunden:
Die Dehnbarkeit und das Volumen der Lunge reduzieren sich. Das Organ versteift und wird weniger elastisch. In der Folge kommt es zu einem gestörten Gasaustausch und Atemproblemen, insbesondere beim Einatmen.
Die Blutzirkulation im Lungenkreislauf ist beeinträchtigt, was zu Herzschädigungen führen kann.
Zur Lungenfibrose zählen über 200 verschiedene, meist seltene sogenannte interstitielle Lungenerkrankungen. Diese unterscheiden sich oftmals stark, führen jedoch häufig im Endstadium zu einer Fibrosierung.
Insgesamt ist eine Fibrose der Lunge selten. In der Regel sind ältere Menschen betroffen, Männer erkranken etwa doppelt so häufig wie Frauen.
Lungenfibrose: Welche Symptome sind möglich?
Eine Lungenfibrose bleibt häufig lange unbemerkt. Mitunter halten Betroffene die Symptome auch für eine Virusinfektion, etwa eine Erkältung. Je nach Fortschritt der Erkrankung sind die Beschwerden unterschiedlich ausgeprägt.
Mögliche Anzeichen einer Lungenfibrose sind:
- Atemnot (Dyspnoe) bei körperlicher Belastung, im späteren Krankheitsverlauf auch im Ruhezustand
- beschleunigte Atmung
- chronischer, trockener Husten
- Leistungsminderung
- Müdigkeit und Erschöpfung
- schubartiges Fieber
- Gewichtsverlust
- Schlafstörungen
- häufige Infektionen
Weitere Symptome im Verlauf einer Lungenfibrose
Aufgrund der unzureichenden Sauerstoffversorgung kann es im Krankheitsverlauf zu weiteren Symptomen kommen:
- blaue Färbung von Haut sowie Schleimhäuten, Lippen und Fingernägeln (Zyanose)
- verdickte Fingerendglieder (Trommelschlegelfinger)
- vorgewölbte Fingernägel (Uhrglasnägel)
Um ausreichend Blut durch die geschädigte Lunge zu pumpen, muss das Herz vermehrt schlagen. Im weiteren Verlauf kann es deshalb auch zu einer Herzschwäche (Rechtsherzinsuffizienz) und einem Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie) kommen. Das kann wiederum zu Wasser in den Beinen (Ödemen) und im Bauch (Aszites) führen.
Lungenfibrose: Ursachen und Risikofaktoren
Die genaue Ursache einer Fibrosierung der Lunge ist noch nicht abschließend geklärt. Fachleute vermuten eine Schädigung bestimmter Zellen in den Lungenbläschen aufgrund einer Entzündungsreaktion. Die Lunge kann geschädigtes Gewebe der Lungenbläschen nicht mehr richtig erneuern und ersetzt es stattdessen durch funktionsloses Ersatzgewebe. Auch eine Veränderung der Blutgefäße ist möglich. Diese Theorie trifft Fachleuten zufolge zumindest auf einige Formen der Lungenkrankheit zu.
Idiopatische Lungenfibrose mit unbekannter Ursache
Bei etwa 50 Prozent der Betroffenen liegt eine idiopathische Lungenfibrose (IPF) vor. Dabei ist die genaue Ursache der Erkrankung unklar.
Mögliche Risikofaktoren einer Lungenfibrose
Bekannt sind hingegen Risikofaktoren einer chronischen Entzündung der Lungenbläschen, die im Verlauf zu einer Lungenfibrose führen kann:
schädliche Substanzen: Eingeatmete Schadstoffe oder Stäube wie Quarzstaub oder Asbest (sogenannte Staublungenerkrankungen oder Pneumokoniosen), toxische Chemikalien oder Dämpfe können Lungengewebe schädigen. Auch Schimmelpilze, Hausstaubmilben, Getreide- oder Heustäube sowie Vogelkot sind mögliche allergische Risikofaktoren. Auch Rauchen spielt laut Fachleuten eine wesentliche Rolle.
Infektionen: Infektionen mit verschiedenen Erregern wie Viren (z. B. Coronaviren), Bakterien (wie Pneumocystis carinii), Pilzen (etwa Aspergillus) oder Parasiten (beispielsweise Schistosomiasis) können eine Entzündung der Lungenbläschen auslösen und eine Fibrosierung begünstigen.
Systemerkrankungen: Verschiedene Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Lupus erythematodes, Sarkoidose und Kollagenosen wie systemische Sklerodermie zählen zu den Risikofaktoren.
Herzerkrankungen: Zum Beispiel kann es infolge einer Linksherzinsuffizienz zu einer Stauungslunge und dadurch zu einer Lungenfibrose und schlimmstenfalls einem akuten Lungenversagen (ARDS) kommen.
Medikamente: Einige Chemotherapeutika (Zytostatika), die bei einer Chemotherapie zum Einsatz kommen, können eine Lungenfibrose begünstigen. Auch bestimmte Antibiotika, Schmerzmittel oder Arzneimittel gegen Herzrhythmusstörungen sind mögliche Auslöser.
Strahlentherapie: Infolge einer Bestrahlung bei Krebserkrankungen, etwa Lungen- oder Brustkrebs, kann es zu einer Fibrose kommen.
Lungenfibrose: Prognose und Lebenserwartung
Verlauf und Prognose sind bei einer Lungenfibrose sehr unterschiedlich und hängen von der Ursache ab. Lassen sich mögliche Grunderkrankungen behandeln oder Auslöser vermeiden, kann in der Regel auch das Fortschreiten der Lungenfibrose eingedämmt werden. In manchen Fällen schreitet die Fibrose kaum oder gar nicht fort. Heilbar ist die Erkrankung jedoch nicht. Der bindegewebige Umbau des Lungengewebes lässt sich nicht rückgängig machen.
Eine unbehandelte Lungenfibrose kann zu einigen Komplikationen führen. Dazu zählen:
- akute Verschlechterung der Krankheit
- Lungenentzündung (Pneumonie)
- schlimmstenfalls Lungenkrebs
Wie ist die Lebenserwartung bei einer Lungenfibrose?
Die Lebenserwartung von Betroffenen mit Lungenfibrose lässt sich nicht pauschal vorhersagen. Diese hängt unter anderem von der genauen Form und dem Therapieerfolg ab. Einige Patient*innen haben über viele Jahre nur geringe Beschwerden. Bei anderen Betroffenen vernarbt die Lunge schneller, was die Lebenserwartung negativ beeinflussen kann.
Wie wird eine Lungenfibrose diagnostiziert?
Zunächst stellt die*der Ärztin*Arzt Fragen zu den genauen Beschwerden, möglichen Vorerkrankungen, dem Arbeitsumfeld, der Freizeitgestaltung, Krankheiten in der Familie und ob Medikamente eingenommen werden. Dann schließt sich eine körperliche Untersuchung an, bei der zunächst die Lunge abgehört und abgeklopft wird.
Weitere mögliche Kontrollen im Rahmen der Diagnostik sind:
- Lungenfunktionsprüfung
- Röntgen
- Computertomographie (CT)
- Magnetresonanztomographie (MRT)
- Blutuntersuchung
- Lungenspiegelung (Bronchoskopie)
- Gewebeentnahme aus der Lunge (Biopsie)
Lungenfibrose: Maßnahmen zur Behandlung
Die Therapie zielt darauf ab, den bindegewebigen Umbau des Lungengewebes einzudämmen oder bestenfalls zu stoppen. Bei einer bekannten Ursache steht die Behandlung möglichen zugrunde liegenden Krankheit im Fokus.
Welche Medikamente können bei einer Fibrose der Lunge helfen?
Bei einer Lungenfibrose können einige Medikamente zum Einsatz kommen. Dazu zählen Arzneimittel mit antifibrotischen Wirkstoffen wie Nintedanib und Pirfenidon. Als Nebenwirkung kommt es häufig zu Magen-Darm-Beschwerden. Zudem ist es wichtig, die Leberwerte von Patient*innen regelmäßig zu überprüfen, da diese durch die Behandlung erhöht sein können.
Darüber hinaus können entzündungshemmende Medikamente wie beispielsweise Kortisonpräparate in Form von Tabletten oder Sprays verschrieben werden. Bei einer zusätzlichen bakteriellen Infektion erhalten Betroffene meist Antibiotika. In manchen Fällen kommen zudem Immunsuppressiva infrage.
Weitere mögliche Behandlungsmaßnahmen
Bei einer stark eingeschränkten Leistungsfähigkeit kann eine Langzeittherapie mit Sauerstoff oder einem Beatmungsgerät sinnvoll sein. Dabei erhalten Patient*innen mindestens 15 Stunden täglich zusätzlichen Sauerstoff. Auch eine Rehabilitation kann helfen, Beschwerden zu lindern und die körperliche Leistungsfähigkeit sowie die Lebensqualität zu verbessern.
Im Endstadium einer Lungenfibrose helfen Medikamente in der Regel nicht mehr, gleichzeitig ist die Lungenfunktion sehr schlecht. Dann kann unter Umständen eine Lungentransplantation erforderlich sein.
Was Betroffene zudem beachten sollten
Patient*innen können selbst einige Maßnahmen ergreifen, um die Beschwerden und den Verlauf der Krankheit positiv zu beeinflussen:
- Übergewicht abbauen
- Kontakt mit Schadstoffen meiden
- Rauchstopp
- Impfungen gegen Pneumokokken und Grippe
- regelmäßige Bewegung und Sport, zum Beispiel in einer Lungensportgruppe