Bleomycin

Allgemeines

Bleomycin wird üblicherweise bei Krebserkrankungen in Kombination mit anderen Zytostatika verwendet. Die (bei manchen Anbietern unterschiedlichen) Einsatzgebiete sind:
  • eine bestimmte Fom von Hautkrebs (Plattenepithelkarzinome) von Kopf und Hals, äußeren Geschlechtsteilen und Muttermund
  • Hodenkrebs
  • eine spezielle Krebsform der Lymphdrüsen (Hodgkin-Lymphom) im Frühstadium bei schlechten Heilungsaussichten und in fortgeschrittenen Stadien
  • alle anderen Lymphdrüsentumore (Non-Hodgkin-Lymphome) im Erwachsenenalter mit mittlerer oder starker Neigung zur Bösartigkeit.
Bei Bauchfellergüssen durch Krebserkrankungen wird Bleomycin als alleiniger Wirkstoff eingesetzt, allerdings nur rein zur Erhaltung einer gewissen Lebensqualität und nicht mehr zur Heilung (palliative Therapie).

Der gefriergetrocknete Wirkstoff wird vor der Anwendung in isotonischer Kochsalzlösung aufgelöst und kann dann als Infusion in die Vene oder das Bauchfell oder als Injektion in den Muskel verabreicht werden.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Erbgut-Ketten zerstören
  • Zellvermehrung behindern
  • Wachstum von Zellen, Bakterien und Viren hemmen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Bleomycin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Bleomycin nicht verwendet werden?

Bleomycin darf nicht angewendet werden bei
  • Patienten mit Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • akuter Lungenentzündung oder stark eingeschränkter Lungenfunktion
  • Patienten mit einer durch Bleomycin verursachten Lungenschädigung oder Anzeichen einer solchen
  • einem Teleangiektasie-Ataxie-Syndrom, einer erblichen Erkrankung der Nerven mit Gangunsicherheit bis hin zur Abhängigkeit von einem Rollstuhl.
Nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Bleomycin eingesetzt werden bei
  • Vorbestrahlung der Lunge oder des Mittelfells, weil das die Lungenschädlichkeit des Wirkstoffs erhöht
  • Lungenerkrankungen und -funktionsstörungen, die die Atmung beeinträchtigen
  • Nierenfunktionsstörungen; hier muss die Dosis vermindert werden
  • Leberfunktionsstörungen
  • schlechtem Allgemeinzustand.
Hinweis:
Die Lungenschädlichkeit von Bleomycin steigt deutlich, wenn insgesamt mehr als 400 Milligramm des Wirkstoffs gegeben wurden, allerdings kann dies auch bei deutlich niedrigerer Dosierung der Fall sein. Besonders betroffen sind dabei ältere Patienten, solche mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion, vorbestehender Lungenerkrankung oder früherer Bestrahlung
der Lunge und Patienten, die Sauerstoff erhalten.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Bleomycin darf nicht bei schwangeren oder stillenden Frauen eingesetzt werden. In Tierexperimenten zeigte Bleomycin wie die meisten Zytostatika ein hohes Risiko für Miss- und Fehlbildungen. Daher müssen sowohl männliche als auch weibliche Patienten bis drei Monate nach Beendigung der Behandlung eine sichere Verhütungsmethode anwenden. Durch die Behandlung mit Bleomycin kann es zu bleibender Unfruchtbarkeit kommen. Der Arzt wird daher vor Beginn der Therapie zu einer Spermakonservierung raten.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Bleomycin darf auch bei Kindern (ab einem Lebensalter von zwei Jahren) verwendet werden. Es findet im Rahmen einer Kombination mit Cisplatin und Vinblastin bei Hodenkrebs Anwendung. Die Wirkstoffe werden drei oder vier Mal als 24-Stunden-Infusion in einer Dosierung von 15 Milligramm/Quadratmeter Körperoberfläche am ersten und dritten Tag eines Therapiezyklus angewendet.

Auch bei Hodgkin-Lymphdrüsenkrebs wird Bleomycin bei Kindern als Infusion verwendet. Die Anzahl der Therapiezyklen hängt vom Krankheitsstadium und dem angewendeten Therapieschema ab.

Welche Nebenwirkungen kann Bleomycin haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Bleomycin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufig:
Besondere Form der Lungenentzündung (interstitielle Pneumonie) während oder gelegentlich nach Beendigung der Bleomycin-Therapie, Mundschleimhautentzündung, Übelkeit und Erbrechen, Schleimhautentzündung, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Schädigung der Haut, Schädigung der Schleimhäute, Hautstreifung, Hautverdickungen, Schuppung, Hautrötung und Ausschlag vorwiegend der Hände und Füße, Empfindlichkeit und Schwellungen im Bereich der Fingerspitzen, Dehnungsstreifen, Blasen, Nagelveränderungen, Anschwellen von druckempfindlichen Stellen wie den Ellbogen, Haarausfall.

Häufige Nebenwirkungen:
Schwere Überempfindlichkeit, allergische Reaktionen, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, hohes Fieber (bis 41 Grad, häufig mit Schüttelfrost, meist zwei bis sechs Stunden nach der Anwendung).

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Meist geringer und (nach Therapieende) vorübergehender Blutplättchenmangel, Umwandlung von Lungenbläschen in funktionsloses Gewebe (Lungenfibrose).

Seltene Nebenwirkungen:
Herzinfarkt, Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße (Angina pectoris), Durchblutungsstörungen des Gehirns, Entzündung der Blutgefäße des Gehirns, Zerstörung von Blutzellen mit Nierenfunktionsstörungen (hämolytisch-urämisches Syndrom), Hautverhärtung (Sklerodermie), niedriger Blutdruck, extremes Fieber (über 41 Grad).

Vereinzelte Nebenwirkungen:
Extremes Fieber mit Todesfolge (bei Patienten mit Lymphdrüsenkrebs).

Nebenwirkungen unbekannter Häufigkeit:
Nervliche Missempfindungen, Überempfindlichkeit, Bluthochdruck-Krisen (bei Patienten mit einem speziellen Lymphdrüsenkrebs, Morbus Hodgkin), Raynaud-Syndrom-ähnliche Durchblutungsstörungen an Fingern, Zehen und Nase (nach Gabe in die Vene), Spermienmissbildung, Schmerzen an der Einstichstelle.

Besonderheiten:
Allergische Reaktionen können sofort oder um mehrere Stunden verzögert auftreten und betreffen vor allem Patienten mit Lymphdrüsenkrebs. Anzeichen sind niedriger Blutdruck, Verwirrtheit, Fieber, Schüttelfrost und pfeifender Atem. Da allergische Reaktionen tödlich verlaufen können, wird der Arzt zunächst eine Testdosis Bleomycin in die Vene geben und den Patienten vier Stunden lang beobachten.

Bei nicht erklärbarem Husten, Atemnot, Rasselatmung oder Verschattungen auf dem Röntgenbild der Lunge wird der Arzt die Behandlung mit Bleomycin unverzüglich beenden und abklären, ob die Anzeichen mit der Therapie zusammenhängen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Bleomycin?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Das Herzmedikament Digoxin kann, zusammen mit Bleomycin verabreicht, in seiner Wirkung beeinträchtigt sein.

Gleiches gilt für die Antiepileptika Phenytoin und Phosphophenytoin, wodurch es zu mehr Krampfanfällen kömmen kann. Andererseits kann die gleichzeitige Gabe von Phenytoin/Phosphophenytoin den Abbau von Bleomycin in der Leber verstärken und damit zu einer verminderten Wirkung des Zytostatikums führen. Die gleichzeitige Anwendung wird daher nicht empfohlen.

Bei Patienten mit Hodenkrebs, die eine Kombination aus Bleomycin und Vincaalkaloiden (beispielsweise Vincristin oder Vinorelbin) erhielten, wurde ein dem Raynaud-Syndrom ähnelndes Krankheitsbild beschrieben: Minderdurchblutung von Fingern, Zehen und Nase bis zum Gewebstod.

Impfungen mit Lebendimpfstoffen wie dem Gelbfieberimpfstoff führen bei Anwendung in Kombination mit Hemmstoffen für das Immunsystem (wie Bleomycin auch) zu schweren und tödlich verlaufenden Infektionen. Die Kombination ist daher nicht erlaubt. Das Risiko ist bei Personen erhöht, die bereits durch die Grunderkrankung eine geschwächte körpereigene Abwehr haben.

Nierenschädliche Substanzen wie beispielsweise das Zytostatikum Cisplatin verschlechtern die Ausscheidung von Bleomycin aus dem Körper. Dadurch kann sich eine unter Umständen tödliche Lungenschädigung ergeben.

Die Verabreichung von Sauerstoff im Rahmen einer Narkose kann zu einer Lungenfibrose führen. Dabei wandeln sich die Lungenbläschen in funktionsloses Gewebe um, was zu starken Atembeschwerden führt. Bei Patienten, die mit Bleomycin behandelt werden, muss der Narkosearzt die Sauerstoffkonzentration während und nach der Operation verringern.

Eine gleichzeitige Bestrahlung kann das Risiko für Nebenwirkungen im Bereich der Lunge und der Haut erhöhen. Besonders die Bestrahlung der Brust kann eine häufigere und stärkere Lungenschädlichkeit nach sich ziehen.

Die gleichzeitige Verabreichung anderer Substanzen mit schädlichen Wirkungen auf die Lunge wie beispielsweise die Zytostatika Carmustin, Mitomycin-C, Cyclophosphamid und Methotrexat erhöht das Risiko für eine Lungenschädigung

Die Kombination von Bleomycin mit den Immunologika Ciclosporin und Tacrolimus kann zu einer ausgeprägten Unterdrückung der Immunabwehr führen und das Risiko für Lymphdrüsenkrebs erhöhen.

Bleomycin bildet mit manchen Wirkstoffen unlösliche und damit unwirksame Komplexe. Daher darf es insbesondere nicht mit kupfer- oder schwefelhaltigen Lösungen (beispielsweise Glutathion) gemischt werden.

Bleomycin ist ferner unverträglich mit essenziellen Aminosäuren, dem Entwässerungsmittel Furosemid, Vitamin B2, Vitamin C, den Antiasthmatika Theophyllin, Aminophyllin und Terbutalin, Hydrocortison, den Zytostatika Mitomycin-C und Methotrexat sowie den Antibiotika Carbenicillin, Nafcillin, Benzylpenicillin und Cefazolin. Es darf nicht mit Lösungen dieser Wirkstoffe gemischt werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Während der Behandlung mit dem Medikament und über bis zu acht Wochen nach Behandlungsende müssen regelmäßige Lungenfunktionsprüfungen erfolgen und Röntgenaufnahmen der Brust angefertigt werden.
  • Bei nicht erklärbarem Husten, Atemnot oder Rasselatmung ist sofort der behandelnde Arzt zu befragen.
  • Die Anwendung darf nur bei laufender ärztlicher Kontrolle der Nierenfunktion erfolgen.
  • Die Anwendung darf nur durch Ärzte erfolgen, die mit dieser Therapie nachweislich Erfahrung haben.
  • Bleomycin ist, sofern nicht die Verträglichkeit mit anderen Infusionslösungen und/oder Medikamenten erwiesen ist, grundsätzlich getrennt zu verabreichen.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Bleomycin?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Bleomycin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform
Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung
Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung
Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung

So wirkt Bleomycin

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Bleomycin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen Zytostatika, Antibiotika, zu welcher der Wirkstoff Bleomycin gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Bleomycin

Bleomycin wird üblicherweise bei Krebserkrankungen in Kombination mit anderen Zytostatika verwendet. Die (bei manchen Anbietern unterschiedlichen) Einsatzgebiete sind:
  • eine bestimmte Fom von Hautkrebs (Plattenepithelkarzinome) von Kopf und Hals, äußeren Geschlechtsteilen und Muttermund
  • Hodenkrebs
  • eine spezielle Krebsform der Lymphdrüsen (Hodgkin-Lymphom) im Frühstadium bei schlechten Heilungsaussichten und in fortgeschrittenen Stadien
  • alle anderen Lymphdrüsentumore (Non-Hodgkin-Lymphome) im Erwachsenenalter mit mittlerer oder starker Neigung zur Bösartigkeit.
Bei Bauchfellergüssen durch Krebserkrankungen wird Bleomycin als alleiniger Wirkstoff eingesetzt, allerdings nur rein zur Erhaltung einer gewissen Lebensqualität und nicht mehr zur Heilung (palliative Therapie).

Der gefriergetrocknete Wirkstoff wird vor der Anwendung in isotonischer Kochsalzlösung aufgelöst und kann dann als Infusion in die Vene oder das Bauchfell oder als Injektion in den Muskel verabreicht werden.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Bleomycin sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Bleomycin

Bleomycin gehört zu den Wirkstoffgruppen der Antibiotika und Zytostatika, da es sowohl Bakterien wie Körperzellen abtöten kann. Es handelt sich um ein Gemisch aus Zucker/Eiweiß-Verbindungen, das aus dem Pilz Streptomyces verticillus gewonnen wird.

Bleomycin vermag die Vermehrung der Zellen von Säugetieren, aber auch von Viren und Bakterien zu hemmen. Es entfaltet seine zellgiftige Wirkung durch eine gezielte Bindung an das Erbgut (DNA). Dabei kommt es zu Abbrüchen in den Seitensträngen des strickleiterförmigen DNA-Moleküls. In hohen Konzentrationen vermag Bleomycin auch beide Stränge zu zerstören. Bleomycin wirkt hierbei wie ein Enzym, das aus den Strängen einzelne Bausteine, die Nukleotide, herausschneiden kann.

Bleomycin selbst kann von bestimmten Enzymen, aber auch von manchen kleineren Eiweißmolekülen inaktiviert werden. Ob und wie stark Bleomycin auf ein bestimmtes Organ wirkt, wird möglicherweise dadurch bestimmt, wie viel dieser inaktivierenden Substanzen dessen Gewebe enthält.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.